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Central-Verein-Zeitung · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · p. Seite 94

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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H4 a&iltomfisüifrcit d-cs (kr.ticifcu'cine. SülH't ein kh'itfcip. Mü&enbe* jübi’dvv Bewußtsein, so frßfl'e er, nid>t Jrict« in ein fdbttiKunihücS Whi’.to? bntfremder» wir uns dadurrch nicht unserem Materlande, und sollten nur nicht ganz in der Umwelt £u:*£d>en? Tie Antwort, die wir geben,, beue.-t m zwei Worten: Gerechtiöfeit und Gott! (Bered;tißtnt ttt da- Fundanrent cc3 Staat?*, Dtllichkrit dir Größe eines Volkes. Ter Kamps des C. B. für die Uiiindt tcr tdicirfm Betätigung nt eine Lcdcn-rrage des den sich en Judentums, und in diesem Kamps ist Wabüpruch: Gerechtigkeit und Gott! Ter zweite Redner Georg Bernhard stellte den Grundsatz aus, das; wir nicht Toleranz wünschen, sondern die 3clt»ftoerttänMid)= feit der Gleichheit, mit der man uns auch zu der Volksgemeinschaft, in der wir leben, zugehörig zählen müsse. Tcshalb sei für das deutsche Judentum der Ausgang der politischen Kämpfe wichtig, vor denen wir jetzt stehen. Bernhard stellte fest, daß wir Juden in allen Weltanschauungen finden, die es überhaupt im deutschen Paterlande gibt, und das; sie. wäre nicht der Antisemitismus, auch in allen Parteien zu finden wären. Für dis deutschen Juden ist es nicht gleichgültig, ob cs Weltanschauungen gibt, die so unjüdisch und. daß ein Jude ihr nicht angehören kann. Tie Bindung an das Judentum beruht, _ außer aus der Religion, aus jahrtausendlangcr geschichtlicher Erfahrung, uttd einer der obersten Erfahrnngsgrundsätzc ist, daß es der; Juden immer nur da gut geht, wo gut regiert wird, wo Gerechtigkeit gegenüber allen herrscht. Deshalb kann nur aus der Basis der Demokratie im weitesten Sinne, nur da, wo Auslese der 'Tüchtigen und Gerechtigkeil gegenüber allen herrscht, euch das Judentum gedeihen. Wer sich aus diesem Boden bewegt, der handelt jüdisch; wer für Diktatur, für ilnterjochung Antritt, der handelt unjüdisch. aber auch fremd allem Deutschen. Bernhard erinnerte zum Schluß daran, daß das Ausland mit den gleichen Verleumdungen, die gegen das Judentum ausgeftreut werden, gegen das Deutschtum argumentiert. Aus dieser Tatsache mögen Tcursche erkennen lernen, wie ungerecht sie den Juden gegenüber verfahren. Ueöer die Bedeutung der völkischen Theorie in der Praxis, vor allem über den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykott, führte Dr. Norbert Regensburger etwa aus: Lucie Mannheim r Rabbiner Dr, Lazarus (Wiesbaden). Ter Kampf der Völkischen beschränkt sich nicht auf geistige Waisen, sondern richtet sich auch gegen den einzelnen Juden. Alan braucht da nur das eine furchtbare Wort ..Boykottzu nennen: es schließt in sich eine tiefe Tragik des jüdischer; Cinzclschichstrls, und das besonders in den kleinen Städten und aus dem flachen Lande, lieber den Kreis der Lebenden hinaus w-crdcn selbst unsere Toten. Dpscr des gehässigen Kampfes, wie die ja schon zu einer periodischen Erscheinung gewordenen Schändungen jüdischer Friedhöfe zeigen. Hier gilt für uns das Wort des Dichters Jakob Löwenberg: „Als Jude fühl' ich kein Erröten, jedoch als Deutscher schäm" ich vüchl* Es geht nicht an, daß man die Verantwortung für solche Taten ablehnt angesichts der Planmäßigen Verhetzung, die man gegen uns betreibt. Laut wird die Parole von der angeblichen Minderwertigkeit des Judentums und seiner Lehren, vor allem, soweit diese das Verhältnis des Juden zum Andersgläubigen betreffen, gerufen. Allc^ Entartungserscheinungen unserer kranken Zeit werden von völkischer -seife aus den Generalnenner „jüdisch" gebracht. So ist cs gekommen, daß selbst für die Rechtspflege, diese Tvmäne unbeirrbarer staatlicher Hoheilsüußerung, in Cinzelsällen — wir wollen gewiß nicht verallgemeinern — die völkische Welle durch von ihr ausgehende irrationale Kräfte Gefahren zeitigt, auf die hingewiesen wir gerade aus dem Gefühl der Hochachtung heraus, daß Nur für die deutsche Justiz und ihre Träger empfinden, für unsere ernste staatsbürgerliche Pflicht halten. Als letzter Redner richtete Direktor Dr. Ludwig Hottänder mahnende und aufrüttclnde Worte an die Versammlung. Der Mittelstand, der das Glück und die Sicherung der gesausten jüdischen Bevölkerung in Deutschland war, ist md)t und mehr in das Lager der Armut verdrängt. Schuld daran ist der fortschreitende „trockene Pogrom". Er erinnerte daran, daß shstcmalisch von einem Teil der nichtjüdischen Bevölkerung ln den kleinen Städten gegen den Besuch der jüdischen Geschäfte, der jüdischen Acrsie und Anwälte Stimmung gemacht werde. Wenn auch ciu Teil der Kreise cingewhen bat, daß in der Frage der wnlschastlichcn Bedarfsdeckung entscheidend nur ist, ob das G-.'chäst ehrlich und bie Ware gut ist, so sind die Bestrebungen dost, keine: w:zs .erloschen.. .Sie werden vielfach auch polnisch begründet. 5.'»an beaanuin, die Juden seien Leww.errnaßen Spione gegen rech lsrndikalr BestrcAnvm, Sind, diese Tat'acheu schon von außerordentlich schwerwiegender__ Bedeutung.' so ist der Zunehmende B o v i v t t gegen Die A u - stell u n g und A r b e i i f u di e n d e n j ü d : f ch c n V e lo e r b e r u n d B e w er bcrin n c n noch gcfährUchcr. Von den hierdurch bervorgerustmen Notlagen machen sieb weite e-aüastm der Bcvü'.kernng keinen Begriff- Wenn auch genaue zahlemnaßige Puterlagen s Asten, so ergibt doch die Beobachtung, hier wieder tun in de!: größeren Städten uu.d Grogstädten, daß die Zahl der jüdischen Arbeitnst-w-er, die in kaußnämnscRm oder in indnftriellcn Betrieben keine An.stellung finden, anssallend groß ist. Es gibt einen verschleierten und einen os sc neu B vykott gegen jndisch-e "Angestellte. Tie Präriebeioeist auch, daß Inhaber der Betriebe selbst oft genug vcrwinrdert waren, loe.'M man sie auf diesbezügliche Zustände aufmerksam machte, die sie gar nicht für möglich hielten. Es herrscht hier in der Tat vielfach eine geheime Feme, deren Wurzeln wir aust) wieder in Agitation gewisser Jugeudr.rbände und der uns allen bekannten politischen Organisationen >ti suchen haben. Abhilfe zu schaffen, sei nicht leicht. Allan tonne sich aber darauf verlassen, daß mit Au he, aber mit grösstem Rachdtnck von: Eentralverein a:: Klärung und Besserung gearbeitet werde. Es folgte das Trio op. 49 von Felix Mendelssohn-Barthol dH. Tann schloß Justizrat Tr. Brodnitz die loeihevolle Kundgebung mit den Worten: Mit den die Seelen verbindenden Klängen der Musik hat diese Weihestnnde begonnen und bat sie geendet. "Aus allen Reden, die wir heute gehört haben, klang das Gelöbnis, vhne Rücksichr auf Anerkennung oder Bekämpfung und mit dem ehrlichen Bestreben, keine Verbitterung in uns aufkommen zu lassen, dem zu dienen, was wir als die Lebcnsguellen unseres S-eins empfinden, dem unlösbar in uns verbundenen Deutschtum und Judentum. Da dieses unlösbar in uns lebt, können Nur diese Feierstunde auch als deutsche Juden nicht schöner schließen als mit den Worten unseres Tenlschlandliedes. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes gab die Versammlung ihrerseits einmütig ihr Bekenntnis zum deutschen Vaterlande ab. Sfe MOgeLMg fn kn ünisn^efan. Ten würdigen Abschluß fand die Hauptversammlung durch eine Kundgebung im Nordosten der Reichshauptstadt. Ueber fünfhundert Männer und Frauen folgten dem Rufe des Hanptvorstarrdes am Montag abend in die Unionsfcüsäle, die scholl vor Beginn der Versammlung überfüllt waren. Auch dort sprachen, wie im Capitol, alle Referenten zu dem Thema „Lebensfragen des d e u t s ch en Judentum s'. Ter Stellvertreter des Vorsitzenden des Eentralvereins, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil (Berlin), begrüßte die Erschienenen mir einem Hinweis auf die besondere Bedeutung der wohlverlaufenen Hauptversammlung. Frau Erna Feld sprach mit innerer Wärme den Prolog von Fritz E n g e l, Rcchtsarnvalt Dr. Hans Rcichrnaurr (Berlin), stellvertretender Syndikus des (5. B., gab einen Ueberblick über die Emanzipationsbewegung der deutschen Juden bis zur Verfassung von Weimar. Er wies auf die Bestrebungen hin, die eine Acnderung der staatsrechtlichen Stellung der deutschen Inden zum Jiel haben, und wandte sich gegen die deutschvölkifche Idee, die sich die Hochschule zu erobern suche und sich in der Boykottbewegung auswirke. Es sin notwendig, Verständnis bei allen Gutgesinnten dafür zn gewinnen, daß wieder die Leistung des einzelnen anerkannt werden müsse im) man den Menschen nicht wegen 'Abstammung und politischer Gesinnung verfemen dürfe. Rabbiner Dr. D. Lcvi (Mainz) betonte, daß es sich bei dieser Kundgebung nicht um die Gestaltung einzelner Lebensfragen der deutschen Juden handeln könne, die Zeiterscheinnngen sind und nach einigen Monaten verblassen, sondern um tiefste sittliche, religiöse Wahrheiten. Wir deutschen Juden kennen keine doppelte Moral und setzen uns für nichts ein, was nicht im ewigen Recht gegründet ist. Hier landest es sich um Bestand oder Vergehen tiefster menschlicher Wahrheiten. Der Redner zeichnet ein erschütterndes Vild von dem Tiefstand der Kultur, der sich in dem religiösen Judenhaß — aus den Schulen an den Hochschulen, inv Kamps gegen den Taunud, in der Besudelung der Gräber — immer wieder zeige. Unsere Feinde sollten erkennen, wer bedrückt, bedrückt sich selber. Wir dürfen nicht aufhören, unter Führung des E. V., die Fackel der Wahrheit voranzutragen. PaulaOllendors (Breslau) berichtete vort ihrer Reise narf) Amerika, wo die Fratl die heilige Aufgabe hat, die Jugend religiös emporzubilden. Die jüdische Fratl in D<ulsä)land quäle ihre Künder zu sehr mit formaler Bildung. Bkan solle iimitec daran denken, daß Blldtmg ist, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat. Die Religion müsse im Mittelptlnkt der jüdischen FamiUcnerziehmtg stehen. Ter Ecntralverein, der Kabbiner Dr. Lcvi (Mainz).

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