Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- Seite 93 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277788--04279-2284880- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Serttn, 17. ZebruarI-2S VN. Jahrgang » Hr,7 Cinjeinummer 10 Pfennig 7 <c> s> jj-sX J?.f?& * »5^ MMMMM f&tt Bicr.e«°brsab°nncm-..t \ Allgemeine Zeitung des dudenrums 1,20 RM. (zuzilgl. Bestellgeld). --^ Dsrlag u. Echrifrleituna: Berlin 8N'68, Lindenstr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3524,3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 33472. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel. stube 0, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Nothichild & Co., Berlin V% 8. Alleinige AnZeiaenannahrnc: Annoncen-Erpedition Rudolf Mosse, Berlin SV,' 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 --?.K für die 7gespalteue Zeile nach Rudolf Moner Normalzeilonmesser Nr. 4, Fainilicnanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 31X, die 90 mm breite Reklamezerle i,S0 JiJC. i/7 7 V V“U V nßßii - Dis Sßoitti Hilf - "4. W. Diese drei Tage Hauptversammlung unseres Ceutralvereius waren ein Erlebnis und eine Beschwingung ganz besondererArt. Stärker denn jemals bezeugten dieseTage mit ihren Arbeitsrmd Feierstunden die gewaltige Bedeutung, die Lebenskraft und die Unerschütterlichkeit unseres Centralvereins. Wie hören wir es doch inuuer von unseren Gegnern? „Ter Centralverein ist eine satte und bequeme Organisation. Er lebt nicht, er besteht nur!" Und diese Lebendigkeit und leuchtende Teilnahme dann in den vielstündigen Sitzungen! Wie erfreulich ist — die Montagsverhandlungen waren der herzerfrischende Beweis — die Aktivierung der jüdischen Deutschen gelungen. Welche Hingabe, welche innere Beteiligung an all den letzten Fragen, die an die Weltanschauung der Selbstverständlichkeit, an unsere Einstellung zu Deutschtum und Judentum sich knüpfen! Und diese Teilnahme, dieser Euer, seine Auffassung zum Ausdruck zu bringen und die Versammlung zu überzeugen, zeichnete jeden Redner aus, ob er sich zu den Jugendlichen zählt, ob er im blühenden Mannesalter steht, oder ob die Abgeklärtheit der sechziger Jahre seine Worte auszeichnet. Und jeder der Redner und der Rednerinnen wußte etwas zu sagen. Viele der Abgeordneten sagten durchaus mit Recht, daß sie eine Hauptversammlung im C. B. wie diese, so quellend voll Liebe für unsere Arbeit, so bewegt und so voll Teilnahme und Verständnis für die großen Fragen, die uns bewegen, so voll Macht und Kraft, so getragen von einer Hochstimmung, die über dein Ganzen lag, noch nicht erlebt haben. Im Geiste fruchtbarer Kritik wurden die Reden gehalten. Sittliche Wahrheit, geistige Höhe, ungewöhnliche Großzügigkeit, tiefes Wissen kennzeichneten die Vorträge. Es scheint, als ob diese Vorzüge der Hauptredner auch die Tebattereden durchweg zu einem gediegenen Niveau erhoben. Einmütig anerkannt wurde die umfassende, allgemeine, politische, besonders die Aufklärungsarbeit des Vereins. Die nicht neuen Gegensätze taten sich in der Beurteilung der innerjüdischen Dinge ans. Aber alles berechtigt, als Ergebnis sestzustellen: Der Centralverein soll — weil es den jüdischen Deutschen anders zu sein eine llnmöglichkeit ist — fest auf dem deutschen, vaterländischen Boden stehen. Cs kann gewisse äußerliche Gebiete seiner Arbeit geben, für die das Gefühl innerer Verbundenheit mit dem deutschen Volke nicht unbedingt Grundlage ist. Seine entscheidende Arbeit kann nur, wie.Ludwig Holländer ausführlich dartat, voll dem Centralverein als W e l t a n s ch a u n u g s v e r e i n geleistet werden. Klar sprachen das die einstimmig gebilligten Leitsätze Holländers aus, in denen es also heißt: Wir lieben unser Deutschtum und unser Judentum. Unsere ganze staatsbürgerliche Arbeit, erfüllt von dieser Liebe, zielt daraus, eine harmonische Entwicklung von Deutschtum und Judentum und ihrer Beziehungen zueinander zu fordern. Wir sind überzeugt, daß eine wahrhafte Politische Arbeit von Männern und Frauen nur geleistet werden kann, wenn die cmscheidende innerliche Betonung der Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum, und zur jüdischen Gemeinschaft alo eine sittliche Forderung sowie als eine politische Notwendigkeit angesehen wird. Gewiß Prallten hier und da die Gegensätze scharf aufeinander. Aber die bei erregten Debatten üblichen Worte wie „Wendepunkte" und „Trennen müssen" wurden mehr als Absicht, die Gegner umzustimmen, denn als ernsthafte Willenskundgebung ausgefaßt, und einmütiger Beifall bekräftigte die Ausführungen des Redners, der von der Ilnzertrennlichkeit aller C. V. - Mitglieder und von der Stärke des Vereins sprach. M Kundgebung jm CMsl. Eine imposante Kundgebung vereinigte am Sonntag die Abgeordneten, Ehrengäste und Berliner Mitglieder in dem stimmungsvollen Capitol. Uber 12üu Personen füllten die Versammlung, viele fanden keinen Einlaß. Tie Klänge des Trio op. bll von Franz Schubert, meisterhaft vorgetragen von Georg Knie st ä d t, Michael R a u ch e i s cn und Eva Heinitz, leiteten die Kundgebung, die unter künstlerischer Beratung des Generalintendanten Professor Leopold Jeßner stand, ein. In einer kurzen Ansprache begrüßte -er Vorsitzende, Dr. Julius Brodnitz, sodann die Gäste, die das Rund des Hauses füllten. Wenn wir diese Arbeü unterbrechen, so führte er aus, um uns zu einer weihevollen Stunde der Sammlung zu vereinigen, so geschieht dies aus dem Wunsche heraus, in der Zeit des Kampfes die großen GesichtspunUe nietn zu verlieren. Wir haben auch das Bedürfnis, durch maßgebende Persönlichkeiten aus unseren Reihen vor der Öffentlichkeit Rechenschaft abzulcgcn über unser Denken und Handeln. Wir sind weit entfernt, etwa in jedem Gegner einen schlechten Menschen zu sehen. Unsere Republik hat Außerordentliches geleistet, aber eins hat sie noch nicht herbeiführen können, nämlich ein ausreichendes, achtungsvolles gegenseitiges Erkennen des Denkens und Füdlens aller im Dienste des Ganzen stehenden Bürger. Die schwere Uebergangszeit, in der wir leben, hat dieses gegenseitige Verstehen vielleicht eher erschwert als gefördert. Möge diese Stunde diesem gegenseitigen Verstehen gewidmet sein. Sodann trug Lucic Mannheim vom Berliner Staatsthcater einen Prolog, den Fritz Engel ans Anlaß dieser Kundgebung gedichtet hat, mit Anmut und warmer Beseeltheit vor: In rveit ausholenden Darlegungen führte Rabbiner Dr. Paul Lazarus (Wiesbaden) der Versammlung die Lage des deutschen Judentums in der Gegenwart vor Augen. Unerschütterlich, trotz aller äußeren Bedrängnis, sei den Juden der Glaube an das Gute in der Welt, an die Zukunft. Die Erziehungsarbeit, die der Centralverein durch Wort und Schrift in großem Ausmaße leistet, gilt der Stärkung des Judentums. Da? deutsche Judentum müsse den Zersetzungserscheinungen innerhalb des Judentums Halt gebieten: lieber aller parteipolitischen Gegensätze hinaus, die unvermeidlich seien, müssen sich alle deutschen Juden zusammenschließen zur großen Abloehr- und.