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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1928-02-10 · 1-2 (10.2.1928) · p. Seite 7

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
4 (1928)
Issue
1-2 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 Hunderten Photoapparatan der znschanenden Nemden (niste gehört bereits seit Jahren zu den Nirchgangsgeivohnheiten. (südlich äsmen sich die Nirchentore. und Einheimische wie fremde drängen sich hindurch. Tie fremden bevöltern die Galerie, und schließlich schreitet der Pfarrer durch bcu Haupt ein gang zum 'Altar. Tie senden sind durchweg evangecksch, ihr Gottesdienst ist deutsch. Ter Pfarrer beqinnt mit angenehmer, lauter Ttimme. steigert sie in abivechselndem '^eten und Zingeu der ganzen Gemeinde immerfort bis zur Predigt, t^r weih, daß viele fremde amvesend finb und berührt heute ein Thema/ das. alle gleich angehend, überall Beden findet und das alle in sich anfnehmen werden.'- Gr spricht ans: Gebt euren mindern die nrende. Gerichtet iljiiou neben euren 'Alltagssorgen ein zweites Neich. in dem ihr und die minder nüt euch unberührt leben sollen. --- Ter Höhepunk! der ,Trier ist überschritten, der 'Ausgang ist, durch lGrgelspiel übergeleitet, wunderbar befriedigend. - Wieder strömen die bunten Trachten durch das Tors, die Leutchen verslüctsten in die tausend Wege der Burgkolonie, und aud) nur stampfen mit Tack und Patt bis zu dem Crt, von wo aus die Tiif;= ivege nicht weitergehen. Gin schmaler, flacher ^techkahn nimmt uns zu Techs auü und wir fahren träumend, leise vor uns hinsunnnend. durch die sonncnüberftrömtc Landschaft, durch eilten Üanat in den anderen-, durch blnmennberwucherte Wiesen mit riesigen Henseimen, mit einen: hohen Ttamm in der Mitte, tim den das -v>eu geschichtet ist: unter Brücken durch, die sie dort „Bänke" nennen. Tie -stanäle heißen ..Tließe". denn wirtlich fließt die verzweigte Tprce teils langsam, teils schnell durch diese üanäle. die sich hinter Lübben wieder zu mehreren breiten Wasserstraßen vereinigen. — Plötzlich gelangen wir daun in den Hochwald. :md von dort gehts wieder zu Tust auf schmalen Pfadelt, iiiuncv am Jlicf; entlang, zur berühmten Jugendherberge A l t z a n c h e. Taltboote, die an uns vorüberplätschern, und durch Wald und Busch streifende Wandervögel und Pfadfinder zeigen, das; Altzauche gut belegt ist. llnd wirklich treffen wir nicht weit davor auch Berliner -Ommeraden, mit denen zusammen wir in 'Altzanche einziehen. Neben den: Torithaus steht die Jugendherberge, freundlich blau angestrichen, mit einer breiten, überdachten Veranda nach den: Tlies; und der Tpielwiese zu. Wir werden ausgenommen und genießen alte zusammen den sonnigen Frühlingstag bei Tpieten imb Epvrt ans der Wiese. Berliner „Bortrnpp'ler" spielen ein Ttück von Mar Iuugnickcl, schlecht und recht, und oben am dem Bäuutchen. das neben der hoch du de steht, zerpfeifen zwei Tiare vor ihrein Gänschen luftig und munter die ganze Ltimurung. Am Abeud steigen von den Bortrnppbnben rmd -mädeln getragene Lönslieder. Wir stellen uns davor und beginnen mit dein frechsten Landsknecht-!i-?d, das mir gerade tonnen, so geht es abwechselnd traurig und muliter, und der Tvrster steht daneben unb lacht so sehr, das; cr die grüne Tacke öck'uen muß. Gr ist ein seiner, junger Maun. der jedem fcic Hand fest drückt unb bei allem Unsinn dabeisteht und mit lacht, schließlich singen wir die ..Tovinezza" und stürmen mit Heidi unb -vnnm in den ^chlassaal. Am nächsten Morgen steht die Tonne tuapp über ben Wipfeln des nahen Hochwaldes. als mir ausbrechen und in strammem Marsch wach Lübbenau, zur Endstation der Tahrt, marschieren. Es geht iioch eiire stunde durch Gochwald, dann mieber p.vei stunden mit einem Uaf)n, den rvir gerade abstiuaen. und schließlich noch eine Zuß- [tunbe durcl; das naeite. nane Wiesenland nach dem schönen Lstbbeneu. Toll ich euch n v ch einzel - it e s erzählend N'uu, mir haben ganze Tümpel Froschlaich gesehen und in ihm herumgestechen. lauge Ringelnattern in großer Menge sind vor uns schnell durch das hohe Gras entmifdjt und ließen sich nicht fangen, und die in Lübbenau hermnspringenden Berliner uud Täcksen, deren Tvrachidiome sich ideal vermischten, haben uns angelachr, beim die T^ühlingswnue hatte uns braun gebrannt. Aber so ihr noch mehr wissen wollt, so geht selbst hinauf und streckt ein paar Tage durch den Tprccwald, cr rvird euch ebenso Tchöues bieten :ric uns. Ihm*. Österreicher. ri-rr-rnt'm*4 MN lieber Bücher . . . „Die zionistische Jugendbewegung“ Tie kleine Tchriftch stauunt ans deur Band IV der „T o r sch it n g e rr z u r B ö l k e r P s y ch o! o g i e ll n d T o z i ol o g i e", der unter dem Titel ..T i c neue I u g e n d" eine ulnfapende, außerordentlich wertvolle Tarsrelluua der deutschen Jugendbewegung gibt. Es ist sonderbar, das; in diesem ausführlichen Werke, das in zwei Hälften erschienen ist. von denen die erste „die selbständige Teile der Jugendbewegung" darstellt, während die zrveite diejenigen Dichtungen behandelt, „die sich mehr an die traditionellen Gruppierungen anlehnen", als einzige jüdische Jugendbewegung in Teutsclstand die zionistische geschildert wird. In eurer kurzen Bornotiz heißt es, das; die Tchrift „erst in zrveiter Linie der innerzionistischen und innerindischen Auseinandersetzung" dient. Ta aber in Wirklichkeit über die Hälfte der Ausführungen weniger der besonderen Ingendsrage als der gesamtzionistischeu Erörterung dient, darf man wohl diese einleitende Bemerkung — objektiv betrachtet — in Zweifel ziehen. In kurzem Abriß rvird die Grrtrvicklnngsgeschichte des Zionismus geschildert, weniger historisch-sachlich, als leidenschaftlich-narionaljüdisch. Alleirr diese Tchildernirg ist schon eine — vielleicht nicht gewollte. tatsächlich aber um so stärkere — Auseinandersetzung mit der nichtzionistijchen Unrwelk. Ter Verfasser meirrt. das; ..diese Tarlegrnrg der Ttruktur der jüdischen urrd der zionistischen Welt uotrveudig war. um die zionistische Jugendbewegung als eine o r g a rr i {ch c *•) Erschoinung des rndischeu Lebens begreiflich zu machen". Ter Medizirrer sianowitz sollte mit dem Begriff „organisch" etwas vorsichtiger umgehen. Teine eigene Tarstelinng der Entwicklung^ des „Blau-Weis;" bis zu seiner Auflösung zeigt, das; die zionistische Jugendbewegung durchaus unorganisch selbst zu dem jildisch-zionistischell Leben seinerzeit sich entwickelte. Losgelöst, unabhängig von dem jüdischen Organismus. wenn auch beeinflußt von der zionistischen Ideologie, wollte er eine zionistische Jugend in Deutschland schaffen. Tie offene Schilderung der Ursachen, die zmn Untergang des Blan-Weis; siihrlen, der „der Begegnung mit der Wirklichkeit nicht staudhalteu" konnte, verdient' Taut' und Anerkennung. Vor allem auch deshalb, weil bei dieser Gelegenheit in treffender Weise auf „jene spezisijch jugendberoegliche Haltung" hin-- gclviesen wird, „die ein Hindernis für die Bewährung in der Wirklichkeit darstellt", deren Neberwiuduug Voraussetzung zur schöpferischen Einordnung in den Aufbau der Gesellschaft zu sein scheint. Es darf noch hiuzngesngt werden, das; der Vlan-Weis; zwar eine organische Erscheinung der deutschen Iugendbewegtmg war, weniger aber des jüdischen Lebens in Tentschlaud. Dr. «icgsricd Äanowitz. -) Bon u 11*3 gesperrt gedruckt. D. Ned. , Ter Blan-Weis; wurde vorn ad im ah". Ring jüdischer | Wunder- und Pfadnuderbüude. abgelöst, mit der Betonung des Pfadsindertnms und der jüdisch-politischen Neutralität. ..Wohin nun der Weg von .Nadiwah' führen wird, ist heule noch nicht zu übersehen, da Btmd lind Menschen noch zu jung sind." In der Entwicklung der Ingendbnude spielen einige Monate — seit dem Erscheinen dieser Tchrckt zirka sechs — eine gewaltige Nolle. To har sich inzwischen ans derir , ztadiwah" ein neuer Bund „Zophim" cntroickelt, der sich bereits wieder neben Psadfiudertum Erziehung zum Ehaluz als Aufgabe setzt. Nach kurzen Ansfnhrnngen über die zionistische Turn- und -Lportbewegung. den Bar älochba, die religiöse Iugendbewegnng im Zionismus ..Z ehe 1U i s r ack) i ", und die sozialiückchzioninische Jugend, die inr „I ri n g s ü d i Hch e u W a n d e r - bund" organisiert ist, ^kommt der Berfaner wiederum auf die rein innerjüdische Trage der nationaljüdischen Erziehung zu sprechen und gibt zum Tchlntz eine kurze ' Apologie ' des Judentums gegen den Antisemitismus, die auf der großzügigen Behauptung basiert: Ans biefem Wege zur wahren Gleichberechtigung ist der jüdische Natioualismus keine Tchranke. im Gegenteil, er macht den Iudert nie die anderen Elationen erü zum vertragssähigen Partner. -- Tock) eine Auseinandersetzt!ng mit dieseiit Gedanken würde hier zu weit führen! Im ganzen: eine -lceckstsert:gungsichrift für den Ziouisicms vour Tlandpunkte der jüngeren Generation. Weniger eine Tarftellung für „einen Nreis. der deur jüdischen Leben ferner steht" — wie es beabsichtigt war und am allerwenigsten eine Schilderung der jüdischen Ingondbeivegung in Tentschlaud, ioie sie in diesen Zusammenhang ge Hörle. Ludwig Tietz. „Die Revolution der modernen Jugend“ Alle Bemühungen anstlärender Pädagogik haben es noch nicht vermocht, den Bann überkonnnener -ßonveution in der Erziehung der Jugend unserer Zeit zu brechen. Aus dom tragischen -Nouslikr zwischen dem Wollen des Erziehers und denn Müssen des jungen Menschett mtll dieses Buchst einen Weg zu innerer und äußerer Freiheit führen. Lindsc'h, der Begründer der amerikanischen Jugendgerickste, zeigt uns an praktischen Beispielen die Umwätzmig der früheren und noch jetzt offiziell herrschenden Tittlicksteitsbegrifse bei der heramvaeusenden Jugend, und die die ihr hieraus in ihren; Verhältnis zur Tamilie envächft. Turck; fein psychologisches Verständnis und sein außerordentliches Teingesühl, das er auch in diesun 'Buch beiveist, ist Lindsey vielen zum I-reund und Vertrauens-- mann geworden. Turch seine Arbeit erlangte er eine Kenntnis des Seelenlebens der amerikanischen Jugend, die il)ii berufen macht, nicht nur die vorhandenen Tchäden anfzudecken, sondern auch Wege zu durchgreifender Neform und zur Besserung zu weisen. Ist dieses Buch auch aus amerikanischem Geist für auterifantfdie Verhältnisse geschrieben, so sind doch einige Kapitel wie z. B. die über -st Von i n b [ c 17 und t£ 1» a n s, Dcntsche Verlagsansralt, c-tutrgart.

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