Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 1-2 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Inlbunqeftättc ztir Erlernung alter Fertigkeitett. die der ständige Aufenthalt in der Natnr, die Fahrt und der Tpon erfordern, da es 'eit- Unterkunft, regelttiäßige Verpflegung imb guten lleberbltck über den einzelnen gewährt. Ter Bund ist bestrebt, in wirtschnftkicherVerbindung mit den i'oqcn, gerade das Serien Zeltlager auch Ntclftratnernden, besonders minderbemittelten, allerdings gesunden Kindern. zugänglich zu machen. Beim Eintritt in ein nachdenkliches Alter (14,15 Fahre) wird Fun ge oder Mädel von der Einrichtung des Heimabends empfangen. Hier findet eine fortlaufende, gemeinsame Besprechung jngendlicher, jüdischer und allgemeiner Fragen unter Leitung eines kundigen Führers statt. Als Grundlage dienen die Veröffentlichungen des Bundesblatrs, des „Morgen",' dort empfohlene Bücher. Bekenne der Gruppenmitglieder, am besten aber iiumer die Darstellung des Führers ans dem eigenen Wissen und Empfindet!. Auf den alljährlichen Bundes- und F ü h reut a g e n wird eine gemeinsame Linie in grundlegenden Fragen durch umfassende Aussprache der gesamten Bnudesführerschast erarbeitet. Eine ständige schriftliche Arbeitsgemcinfchrst der Jungst'chrer des ganzen Bundes vermittelt da-:- erforderlich? pädagogische Wissen. Tie Aetteren sind in einer ans Jahre berechneten Arbeilsgemcinschaft „Geschichtliche Herleitung der geistigen Grundlagen unserer Zeit" vereinigt. Ferner besteht eine sozialistische, eine musikalische, eine kunstgeschichtliche Arbeitsgemeinschaft sowie eine Reihe durch gemeinsame Bildunasarbeit verbundener Bermsgruppeu. Toweit in den Städten mehrere ältere (nicht mehr gruppenführende» Kauteraden zannnmen sind, ergibt sich ihr privater Berkehr von selbst. Tiitd sie in hinreichender Zahl da, so entwickeln sich kreise gesellschaftlichen Verkehrs, welche im Zeichen der gesellschaftlichen Erneuerungsbestrebnng stehen und meist ans musikalischer Grundlage ambauen. Bon jedem einzelnen wird dann verlangt, das; er seine Zugehörig-' Leit zum Bund durch eine frei gewählte fortlaufende sozia.e oder geistige Arbeit bestätigt. Es ist unschwer zu erkennen, wie die hier angedeuteten Wirknngsformen, so wie sie der Bund in langen Bor suchen ausHich selbst heraus enttvickelt hat, der Ausgabe zu dienen suchen, die sie gefordert hat. Freiheit gibt Kraft und erweckt Beranllvortnngsgefühl: sch führt sie zu neuen Bindungen, Bindungen, die aber, nunmehr selbst gewählt, stets im Namen der Freiheit zum Werke leiten. Dadurch allein wird dem jungen Juden das Selbstvertrauen gegeben werden, das ihn, inmitten einer übermächtigen Umwelt, davor bewahrt, aus s e i n e r G e m e i n s ch a f t z u s l i e h e n; d e n n e r f i u d e t e üblich i n i h r s ich selbst wieder. Ernst Wolff (Breslau). Die Deutsch-Jüdische Jugend- Gemeinschaft I. Zwei Elemente sind es. die das Wesen unseres Bundes bilden: Teutichjudentum und Jugendbewegung. Beide verhalten sich nicht zueinander wie Zweck und Methode, sondern sie stehen — in ständiger Wechselwirkung begriffen — koordiniert nebeneinander. Unsere Arbeit gilt dem Ge me ins ch a f t s g e d a n ke n in der deutsclzen Judenheit. Mehr denn je müssen wir ein unbewußtes Zusammenleben seiner Glieder beobachten, ein Zusammenleben, das der Sinngebung entbehrt, da die jüdische Komponente im Unterbewnßtsein schlummert. Tarum sehen wir es als wesentlich tes Ziel unserer Arbeit an, beizntragen .zur Umwandlung des unbewußten G Heikos in b e w u s; t c jüdi s ch e G e m eins ch a f t. Es wäre Berkenmmg der Tatsachen, wenn man über das heutige deutsche Judentum in seiner Gesamtheit das oben ausgesprochene Urteil fällen wollte, und es wäre Vermessenheit, wollte man die Bünde als erste und einzige Erlöser von allein Uebcl bezeichnen. Aber hier kommt es ja vor allein darauf an, die KrankheitssympLome ausznzeigen und unsere Art der Lösung zu beschreiben. Als wesentlichstes Kriterium ist hierbei die Tatsache des jüdischen Bundes an sich zu bezeichnen. Das; sich junge Inden, unabhängig von ihren milienhasten Unterschieden, zu gemeinsamem Leben und Erleben als Juden znsatnmeuschl.eßen. das; dadurch eine neue, gesunde Basis jüdischen Lebens geschaffen ist, diese Tat kann in ihrem Werte gar nid]i hoch genug ein geschäht werden. Tie bedingt, daß alles, was im jüdstchen Bunde getan wird, jüdisch ist. auch ohne daß es iin einzelnen Falle erst intt dein Etikett ..jüdisch" versehen zu tverden braucht, auch ohne das; es mit dem. was man im landläufigen Tin ne als ..Jndentnln" bezeichnet, in direktem Zusaininenhang steht. Wir sind uns wohl bewußt, das; wir uns durch diese E r tu c i t e r u u g d e r jüdischen Perspektive in Gegensatz zu einer zahlreich vertretenen Meinung sehen, und das; wir uns dem Borwurf eines ..bequemen Jndentinns" anssehen, aber wir sehen in dieser ehrlichen Telbstcrkenlltn'.s. in dieser Erweiterung des Begriffs „Judentums die einzige Btöglichkeit. auch die vielen jüdischen Menschen zu erfassen, m denen ein gesunder jüdischer Telbsterhaltnugstricb steckt, ohne das; sie von den Jlllorten des Jndentmns im engeren Tiune schon überzeugt wären. Tonnt ist uns Jndeutnm in erster Linie nicht eine Tache des Wissens, sondern des Gewissens. Hierin liegt der Hanptsebler unseres jüdischen Teins, während alles andere crstrebetiswerte Bealeiterscheiining ist. Nicht, das; wir dadurch den a b s o l n t e n Wert der „jüdischen Arbeit" irgendwie zu schmälern »vagen, wohl aber konuut es uns darauf an, sie in die richtige Bezieh u n g 311 unsere nt Jttdestun zu ictzen. jj Unsere j ü d i ' ch e A r b e i i als solche gliedert sich nach drei -vauptgesichtspnlitten: dem Wissen, der Kritik und der Religiosität. — Tie teilweise Vernachlässigung des jüdischen Lehrtvewns hat es mit sich gebracht, daß das Wissen um die Werte der jüdischen Religion und um die Zusannnetihänge der jüdischen Geschichte firn allerweitesten Tinue des Wortes!) stark im Tchwinden begriffen war. Hier ist es nniere 'Aufgabe, durch Arbeit auf Arbeitsgemeinschaften und Heimabenden das Versäumte nachzuholen. Tiefe Arbeit tft nacht nur Mittel zum Zwecke eines besseren Verstehens der jüdisthen Gegenwart, sondern sie trägt durch die Vertiefung unseres jüdischen Teins ihren Wert in sich An diese Ttärtung unseres Wissens reiht sich die trstiiche Auseinandersetzung mit den Fragen der jüdischen Gegenwart. Tind diese beiden ersten Faktoren mehr verstandesmäßiger 'Natur, lassen sie sich also leichter auf den Bund in seiner Gesamtheit objektivieren, so ist das religiöse Moment unseres jüdischen Teins wesentlich problematischer, weil wesentlich subjektiver. Tenn es hat seine nnnmgängkicbrn Boraussetzungen, einmal in der religiöstn Erziehung im elterlichen lUtilicir, dann aber vor allem in der religiöst'n Veranlagung des Menschen selbst. Verschieden muß daher die religiöse Ausdrustssorm sein, zu der sich der einzelne außerhalb des eigentlichen Gruppenlebens bekennt, verschieden erst recht die restaiöse Form, zu der sich die Gruppe als Ganzes durchringt. Aber diese Geschlossenheit des jüdischen Bundes bedeutet keine hermetische Abgeschlossenheit gegenüber der nichtjüdsschen Umwelt. Tondern neben unserem Willen zu jüdischem Tein steht der Wille, uns als jüdischer Teil dem deutschen A 0 l k s g a n z e n , dem wir uns f lt i t u r c I ( und P 0 litis ch unlöslich verbunden füh.en. einzugliedern. Hier liegt die Bindung zum nichtjüdischen Teuischen, und hier liegt die Tcheidung 311 den jüdischen Bien scheu, die diesen Willen nicht haben, nnd ZU denjenigen Körperschaften, die erziehet; wollen, ohne zu diesem ungeheuer tvefeutlicheu Erziehungsfaklor Ttellung zu nehmen. — m. Was die A r i u n d Weise unseres Bnndeslebens betrifft, jo läßt diese sich ihrem Inhalt naef) dem Außenstehenden nicht bis ins letzte zugänglich machen. Nur so viel sei gesagt: Tie Jugendbewegung hat die Erkenntnis durchgesetzt, daß „Jnaend" nickst allein Tmrchgangsstadium imb Vorbereitung znm „Erwachsenen" bedeutet, sondern daß dieses Ttadium auch feinen spezifischen Wert in sich hat, und daß es eine Epoche schöpferischen, sinnhaften Lebens darstellt. In selb st g e s ch a f s e n e n Formen finden sich Kreise und Gruppen zusammen, um ihrem Tein gemäß zu leben. Tas Tpannnngsverhältuis zwischen Führer nnd Gruppe wirkt befruchtend aus das Ganze, so daß mau heute in bezug auf die Bünde — soweit sie n'icht Opfer einer Veräußerlichung geworden sind — von einer wirklichen, selbstgeschaffenen Jugendkultur reden darf. Tie Auswirkungeu im einzelnen zu schildern, wäre zu weittchweifend und wohl auch teilweise überflüssig. Betont sei nur. daß der Wert aller ..Veranstaltungen" ini Bunde nicht in Wundern, sachlicher Auseinandersettung, Ehorsiugen. Tport usw. an sich liegt, sondern darin, daß all diele Tinge g e m e t n f a nt getrieben werdend In der freien und doch gebundenen Einwirkung von Mensch zu Mensch liegt der Haupttvcrt. Ter Einzelne ist nicht aus Zufall AngehörigerFstnes Freundschaf t s l r eise s, sondern verantwortungsvolles Glied einer B e w c g u n g. Um auch eine paar äußere Taten zu nennen: der Bund umfaßt bis jetzt die Ortsaruvven Berlin, Dresden, Leipzig und Glatt mit insgesamt etwa 500 Mitgliedern. Zeitschrift des Bundes ist I.T er Kämpfer", der in zwangloser Folge erscheint. Daneben erschien vor nicht langer Zeit ein „W e r v e b l a t1", iw dem die ideologische Grundlage und die praktische Arbeitsweise des Bundes Umrissen ist. — Die Berliner Ortsgruppe umsaßt sechs Jungen- und fünf Mädelzüge, deren Aeltcre neben ihrer Zugarbeit in Aelterenkreisen arbeiten. Es »var bisher vom Bund als geschlossenem Organismus die Rede. Aber damit wl( nicht gesagt fein! das; der Bund für uns letztes Blaß aller Tinge ist. ^0 sehr wir auch die Notwendigkeit hündischer Geschlossenheit betonen, so wenig kann und darf der Bund Selbstzweck tverden. Tenn die Folge hiervon wäre ein Erstarren in der selbstaeschassenen Konvention, ein ststteuhastes Dasein int, wenn auch schönen, so doch begrenzten Raum. Die Gesch chte der vielen vor uns erflandenen Bünde hat uns gelehrt. das; die hündisch- Lebensform zwar für eine Lebensipatine überaus wertvoll ist. darüber hinaus aber gefahrvoll und entwicklungshemmend wirken kann. Der berühmte ..realistische Kua's" har schon so manches Leben znm Scheitern gebracht, und im Tvpus des „ewigen Wandervogels" ist innerer Zeit ein neuer Ahasver erstanden. Da unser Blind verhältnismäßig jüiweren Tarums ist. so i i für ihn die A e l t e r e n s r a g e noch nicht in ihrer ganzen Tebivere allst geworden.^ Aber eben darum sehen- »vir es mit als unsere lveseutlichste Aufgabe an. rechtzeitig zu vermeiden, daß die Men'chen, die für die Kleinarbeit des Bundes nicht mehr in Frage kommen, vor einem "Nichts stehen und der Bewegung vcrlorengehen. Teshalb tverden die Aelreren sehen jetzt, solange sie noch iii der Kleinarbeit stehen, in A e l t e r e n k r e i s e n znsatnmettgesaßt. die — aufbaueud aus dem persönlichen Kontakt — fach.ich miteinander arbeiten sotvie auch Ansätze einer neuen Geselligkeit answeisen. Daneben ist