Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 1-2 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/9221535-9549009-9549010--094-2284859- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
US o /f\:’ L' TT JT /V*^?? VvU»c,(li; & ,/? ''r0 ’s&ii' ILJ. uj)ii/sM iuM Von Ernst Wolff (Breslau), Werner Rasenstück (Berlin), Hans Rosenberger (Berlin) Die „Kameraden“ Die Idee £ie (Uäul-iße •’öoümuuv beim eilten Anfbrneh der bcut*rfii?n Jugendt>en.u*ounci, da-:- iiroüe ot.'i der eviicuetteil lüä'uiwli’.cit in be;ii vuifturm einer e i n z i g e n Generation erreichen ,;ti können, liat geirrten. '.Kadi Anfangserfolgen beiviesen Jahre des Stillstandes. das; das Gebäude der alten Wollt doch \u ieir stand. um durch den ftnpralt einer jugendlichen 3eldd(t, deren ciii^iuc W.sttt. die begeisterte Unbedingthci: ihres 'Wollens, in dem zeomnrbenden Wcintanipf des Alltags sich abstnmpsw, gestürzt zu werden. In einer Reihe mit dieser kämpiendcu Jugend standen die jungen Ii?den. von den nntionatjüdischen Bünden bis zn den einzelnen jüdischen 'Wandervögeln, die völlig in christlichen. Bünden aufgegangen sind. Der W a n d e r v lt n d ,.n n m c - xat> cn" erchn';te' im wesentlidsen die bcutTcf)=vuterlänMfclje 11 jungen Inden, vermehrt um wenige freireligiöse unb Ehrchen, die chneist in jngendlid)üein Alter dem Bunde beigetreten waren und ihm dann fernerhin trenblieben. Ben allen Dosfnunzen und Entrauschnnaen der ganzen Jugend beweguno« geschüttelt, in voliti'chen. religiösen und weltanschaulichen Kämpttn nm die Klärung feine« Inhalts ringend, immer aber völlig auf seine eigene Iungmann'cha't gestellt und jede viilfe Ernoaehttmer ablehnend, ist er wie eine Reihe anderer Bünde zur Erkenntnis jenes ersten grohen Misstingens dur.chgedrnnaen. AVer nichts auf dtr Welt gehl verloren, am wenie-sten ein ernster, leidenschaftlicher Auischivung schöpferischen Willens. Die Bünde, die sich erhalten' konnten, fanden endlich sichere, wenn auch begrenzte Ausblicke und versuchten ans; um ein, langsamerem Weg vorioärtsznkommen. Die ..-Kameraden" haben sich ein greifbares Ziel gesetzt: sie haben einen Ingendstaat begründet, der in der Serta beginnt und ins Leben ansmündet. Er zielt ans eine innerliche Handlung zunächst der deutschjüdischon Jugend. Der Blitt des Bandes ist entscheidend auf die E r h a 11 n n g der deutsch e n I u d e n h e i t gerichtet. Die von der Gchchichte ansgezeigten Möglichkeiten einer jüdische n Idee genügen allein, um den Fortbestand des Judentums für die Zukunft grundsätzlich zu rechtfertigen. Diese reiche Fülle zukünftiger Möglichkeiten sollte nicht durch hypothetische Festlegungen vorzeitig beschränkt werden. Tie Bewahrung des bedrohten jüdischen Btenschenkreises in der Mitte des beutidjen Volkes ist, so sehr die gegenwärtigen Vertreter einseitiger Lösungen sie erst als Lohn für die Verwirklichung ihrer Ideen versprechen, in Wirklichkeit deren Bedingung, und jedenfalls in umfassendem srinne für uns die heute zu schassende Voraussetzung für eine jüdische Idee der Zukunft, welche uns mehr als eine Teillösung geben kann. Imottrn dies Warten ans die erst kommende- Bestimmung unserer Zukunft Schwäche und Inhaltslosigkeit zu verraten scheint, ist daraus zu verweisen, das; ein solcher Zug tiefster und leidersnllter Erwartung nie aus dem Geschichtsbilde der Gcme inschatt gewichen ist. die als einzige unter den Völkern sich noch heute dem Messias vorenthält. Spiegelbild dieser Idee in den Köpfen der Jugend ist die ..absolute A s s i in i l a t i o n scheinbarer Widerspruch — in Wirklichkeit eine wichtige, doppelte Aussage. Die bedeutet zuerst, das; die Assimilation um ihrer jelbft willen geschieht: sie wird nicht an der Eigenart der Umwelt gemepen und um ihretwillen gefördert, sondern an dem Bleibenden, das in allen freien Völkern gemeinsam ist. weil es eine notwendige Bestimmung des Menschenwesens darstellt: und deshalb erscheint jüdische Assimilation meist als Beseitigung von sinnlos gewordenen Formen. Do bedeutet sie fernerhin, das; sie dem einzelnen nicht aufgeaeben wird als nnproblcmatische Annahme der Unnveltswrmen, sondern als immer wiederholter Versuch, die Grundsätze des Menschlichen frei aus sich selbst zu entwickeln. Di er ist der Schnittpunkt mit den Gedanken der Ingendbetoegung; zugleich erhellt, warum die deutschjüdische Jugend unter der Wucht dieser nur ihr allein gesttzten doppelten Bestimmung des Weges eine eigene Bewegung ist, einen Bund für steh brauchen mus; und — von Feh'lschläaen der übrigen Jugendbewegung nicht völlig mitgerasst werden konnte. Der sehr anspruchsvolle Gedanke einer realistischen MemchhensRuoegung der Jugend verdichtet sich bei ihr. ohne seine ivejtere Möglichkeit je ganz ztr verlieren, zu dem Mindestprogranun des Bans am eigenen Dause. Was aber kann die Jugend ans eigenem tun wollen }. Um dies zu bestimmen, must das Wesen der Jugendbewegung von dem Begriff der Autonomie her erfasst werden. Jugend unterscheidet sich von Alter subjektiv durch nicht entwickelte Leistungsfähigkeit. objektiv durch jehlende Beschleguahme für sachliche Zwecke, im ganzen durch die Freiheit des Wollens. Autonomie des jngendiichen Willens ist somit kein zu forderndes und zu begründendes Beacht, sondern eine tppische Eigenschaft. deren Erscheinen sich notwendig ans der besonderen Lage der Jugend in unserer Welt des im übrigen zweckgebundenen Willens ergibt. Aich: jede Jugend ist autonom. - - aber nur deshalb, weil nicht jede einen wirklichen Ingendivillen auttwirigt. Es ist hier nicht der Raum, über Anerkennung oder Ablehnung jngendlieher Autonomie ]ii lstwd.stn. . 3i: be'eiligen zu tvollen, heisst aber nich.s anderes, als dem iverdenden Menschen das Recht, schon wollender Abon'eh pi sein, abzuerkennon. Die Arbeit vier bleibt endlich übrig, zu schildern, toi e s i ch unser I n g e n d w i l l e in der W i r k l i ck) t e i t s c i: i e s B n n d e s betätigt. Dabei ist seckststverständttich von dem 'Willen der Führer zu sprechen, weil diele fick) zum repräsentativen Tppns des Ganzen gemacht haben: auch ist der Wille des Bundes nicht an die inhaltliche Uebereinstimmnng mit sämtlichen Einzelivillen gebunden. Die Ziele des Bundes werden im zusammenhängenden Flusse geklärt und fortgesührt von einer De!;icht junger den.stchjüdi'cher Dtndenten, -Uau f teilte, Beamten und Dan dir erster durch gestlige Verbindung ihres Ausgangspunktes mir den neuen, weiten Räumen, die sieh ihnen beim Eintritt „ins Leben" öffnen. Die erblicken dort unbekannte Formen geist'gen, künttleri'ch.'n, religiösen, sozialen Lebens auf allen Gebieten und sehen das Ganze unter dem hoffnungsvollen Aspekt des freien Wollens der Jugend, das hier tausendfach wirkend eingreisen kann. Und damit nimmt ihre Haltung zur Itnnuelt einen Ausgaben suchenden, zur Einwirkung drängenden Eharalter an. Aachdem relig'öse und soziale Arbeitsve Buche von erheblichem Umfange im Bunde auf kleine, persönlich verbundene Kreise znrückgchen muhten, hast eine allgemeine Erwägung Platz gegriffen. Der Bund sieht jetzt seine Ausgabe darin, befreiend und befruchtend ans die persönliche Entwicklung seiner einzelnen Mitglieder einzuwirkeu, nm durch ihre innere Wandlung die Möglichkeit eines innerlich freien jüdischen Lebens in ' Deutschland schassen zit Helsen, weil darin eine noG wendige Bcranssetznng der jüdischen Arterhalinng gegeben ist. Die Dichernng der än Heren Freiheit überlässt er den hierzu berufenen Organisationen der Erwachsenen, in denen mitzuwirken er selbstverständlich seinen Aelteren ficiftcLlt, insbesondere dem E. V., dem RL I. F. nnb den deutschen politischen -Lrganisationen, die die Gerechtigkeit für alle aus ihre Fahnen geschrieben haben. Tie pädagogischen Prinzipien, unter die der Bund seine Aufgaben stellt, sind gesondert niedergelegt tim Bundesblatt ..Reue Erziehung" und im 2. Ningblalst,. Unter ihnen nuis; hier zur Veranschaulichung des Bundeslebens hervorgehoben werden, das; es dem Bunde daraus ankommt, den verhängnisvollen Zirkel endlich zu össuen. der noch immer die G e h e in in t h c i t des jüdischen Kindes zu seiner I s v l i e r u n g und diese zn n e n e n H e m m u n g e u führen lässt, -vier httft es weder, die Dcbnng der seelischen Röte einseitig durch innerliche Lösung zu versuchen, noch die änperliche Dprengnng der Isolierung, ettva durch Dchaffnng Paritätischer Bünde, zur Eröffnung eines neuen Weges sti erstreben, denn beide Dchädeu sind schon zn sehr ineinander verflochten. Vielmehr soll esti rein jüdisches und deshalb gegen ..jüdisch? Hemmungen" völlig sicherndes Milien geschussen werden, das jedeck) von inhaltlicher Gebundenheit an die den einzelnen bedrückenden Besonderheiten des jüdischen Milieus — meist Rudimente einer geknechteten Vergangenheit oder Produkte einer innerlich noch unsicheren Gesellschaftlichkeit — frei* gehalten wird. Dw religiöse Form wird überall anerkannt, wo sie von innen her auskritt, und der Grnppenbetricb den Anforderungen angepasst, ans die sie ustcht verzichten kann (ans Fahrt koscher lochen nstv.). Dagegen iväre angesichts der mmoalzenden geistigen Bewegungen, die gegenwärtig den Dtosf des religiösen Lebens ergriffen haben, eine absolute Festlegung des ganzen Bundes auf jene Formen mit der Forderung der inneren Freiheit nicht vereinbar. Es bestehen daher traditionell lebende neben religiös freien Gruppen. In gemischten Gruppen hat die Forderung des Religionsgesetzes den notwendigen Borrang. Den Kern des Gruppenlebens, das die Jungen zu einer innerlich freien und hoffnungsvollen Begegnung mit sich selbst und dann miteinander als der ersten fremden Gemein sei) ist des Lebens führen soll, bildet die Fahrt. Das Gebiet des Ingendstaat-es ist die Weite der Landschaft. Es ist Beruh jeden Douutag zu tvandern, \\i schwimmen oder im Zelt zu liegen. Unter der Woche tröstet gemeinsames Turnen, Spielen und dingen über die lange Zeit bis zum nächsten Tonntag hinweg. Die tag.ich? Freiübung, die Beipllichllmg zur Treue gegen den Führer und zur Wahrhaftigkeit und Hitjsverestfch.ifl seien' noch erwähnt. Ans grosten Fahrten in den Ferien, die weit über die Grenzen der engeren Doimat hinausstiljicn, lernt jeder Deutschlands Grösie und Dehönueit. die alle Kleinlich'eit der gegewoärtigen Alleindeutschen verächtlich überwächst, hingegeben teuueu. Aach Möglichkeit wird Pfingsten und im Sommer eine Woche im Zeltlager — einmal des Gans, danach des ganzen Bundes . v-erbracht. Das Zeltlager ist — abgesehen von seiner romantischen Tchönheit - - die gegebene Aus-