Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 1-2 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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i - iijil auf uu'tnund vieldeutig«? Begriffe!vie ..('»ein der -rhora und ,,Villen der li)oui“. Bi- ,jur Emanzipation mar Dod) ztoeifellodas ge s a m t e Gesell mit jeder, einzelnen Boridiriit autoiilav. Ter jüdische ViberiUmmi/ der 17>o Jcifire lang Teil um Teil der Veinv prei^eqeben Iiat, ist gar nicht berechtigt. nck, auf diese- Prinzip \u berufen, denn er hat cs zuerst inid am stärksten durchbrochen. Uet-erdies sind die Begriffe, deiieii jetzt die Autorität innervohnen foü io vieldeutig und unbestimmt, das; ihre llebersttznng in da- Tatsächliche letzten Endes bcni privaten Ermessen nberlasien bleibt. Das literale Judentum des letzten Jahrhunderthat mit seinem überspannten Assimilation-willen nnd seiner Abstrahiernng dec- Jndentnms zum miiideiten zn einen, großen Teile daran schuld, das; nn Tarife der Generationen die lebendige Berbindnng nttt dein Judentum verloren ging, (** darf keine-toegs den -greisen der jüd sichen Jugend, die, znn, großen Teil in Opposition;n ihren Eltern. mif chre Bseiie wieder ein lebendige- Berhälnnzun, ^uDeutum bekommen ivollen. voriverfen. das; ihr Tun nicht im Einklang mir der jüdischen Weltamch.nmng stehe. Tie jüdische Jugendbewegung kann überhaupt nicht von der jüdischen Weltanschauung begrnwu werden. sondern nur von der jüdischen W i r t l i ch t e i l an-. Und die sieht eben so ans. das; den; größten Teil der jüdischen Jugend die lebendige Ueberliesernng verloren gegangen ist und daß sie austeh heran-'ent wieder die Verbindung schaffen ,nnß. Die jüdische Jugendbewegung schöpft ihre Lebensberechngnng nicht aus der jüdischen Weltanschauung und der Anerkennung durch das offizielle Judentum, sondern aus ihrem Dasein und ihrem Willen zum Judentum. Tie glaubt, ans ihrem eigenen Wege der jüdischen Gemeimchast am besten dienen zu können. Ttudi Baer („Kameraden“) Herr Babbln er Tr. Goldmann hat in seinem Aufsatz „Judentum und Jugendbewegung" Autorität und Recht der jugendlichen Jndiridnalltät aldie Pole dargestcllt. die Judentum und Jngendbeivegung als ein Gemeinsames ausschließen. Hier sei der Be Buch unternommen, das Probten, vom jugendlichen Ttandpnnkt, ans dem Gesicht-Lreis der „st a m e r a d c n" heraus, zu beleuchten. Herr Tr. Goldmann stellt sicherlich mit Recht feit, das;, sobald das Grundprinzip des Judentums'. „Gott und sein im T ho ragen tz niedergelegter Wille sind die oberste Autorität." angezwenett werde, der Boden jüdischer Religiosität verlassen wird. Wir wollen nicht leugnen, daß neben zahlreichen Gesetzestreuen sich viele auch in unseren Reihen finden, deren Judentum lediglich ans die Tittenlehre oder aus stammesmäßige Bindung gegründet ist. Aber Erwin Baer hat in seinem Aufsatz 0h. 10.11 1927) schon treffend nachgewieien. daß es sich hier um Probleme des liberalen Judentums überhaupt, um Zeitfragen handelt, nicht um Anerkennung oder Ablehnung des Antoriratsprinzips durch die Jugendbewegung. Dieter jüdische Grnndlehrsatz ist heule im Bunde wieder dnrchgedrungen. Tie Jugendbewegung müht sich, dem jungen München eine möglichst nn beengte, neutrale Entwicklungszeit zu gewährleisten. Er soll nicht vorbehalt-los überkommene Dogmen anerkennen. sondern, sobald er dazu fähig ist, nach freier Wahl und ans innerstem Drang sich die Bindungen auferlegen, die den Ausdruck seinegewollten Lebensinhaltes darstellen. Ans 7 v c i c r Entscheidung sollen die Notwendigkeit eines bewußten Lebensinba'tennd die Leere eines Daseins ohne Höhere Bindungen erkannt werden. Herr Tr. Goldmann hat selbst die Gründe gestreift, die auch jüdische Jugend dazu hrieben. zeitweise ganz den Boden des Autorität-prinzips zu verlapen, eben jene AUufi zwischen Jordenmg und Borbild, und dies nicht nur im religiösen Leben. Herr Tr. Goldmann wird uns bestätigen, das; die ..herrlichen Ziele" der Jugendbewegung lnm seine Worte zu gebrauchen) der jüdischen Titte-üehre weit näher flehen; als die meisten der Tinge, die die Jugendbewegung bekämpft. Wahre Autoritär findet freiwillige Anerkennung, bedarf leineäußeren oder inneren Zwanges. um sich durchznsttze,,. Bat jugendlicher Anmaßung glauben wir. das; solche Autorität allein berechtigt sei, die aus sich selbst heraus zu wirken imstande ist. Ans ihr beruht unser ganzes Grnppenleben. Die Gedanken, die Herr Tr. Gotdmann als ein spezifisch jüdisches Erziehnng-prinzip darlegt, sie bilden fast wörtlich die Richtlinien auch nuferer Jührerarbeit. Zu lange indes war man gewohnt, du, junger, Menschen als Richt-Jndividnnnl, als geist- und ,villenloses Geschöpf zu betrachten, aldaß die Jugend nicht Gemeiusthaftsn n d Personliehteit-sornun;g ans ihre Jaline geschrieben hätte. Ta- Recht ans jugendliche Individualität. dadie Antithese de- Antorität-priuzipdarstellen soll, ist kein Jreischein für schranke»,losen Edelegoi-mus. Brelinehr soll jeder ganz im Tinr, des jüdischen Tozialgedankcndie ihm innewohnenden .strafte und Fähigkeiten zur vollen Entfaltung bringet!, um sie alsein Bestein den Dienst der Gelneinsehast zu steilen. Der B und ersetzt nicht die s o z i a l e ' G e m e i n s ch a f t, s o n d e r u d i e u t ihr a l s Z e l l e u n d B v r b i l d. Ee> entbehrt nicht einer gewissen stomik. ,venn man das Urteil, der ..Bund" sei Endzweck und entfremde der größeren Gemeinschaft, der .stritik von anderer Teile gegenüberstellt. die fetwas ängstlich!, die wachsenden sozialen, ja sozialistischen Tendenzen der neuen Jugend konstatiert. Bedauerlich ist es. daß Herr Dr. Goldmann meint, das; ..die .st a ,n e r a d e n auch bei nlildester Beurteilung kann, a!- eine £ tiinni* jutioi, gewertet werden dürsten, die für da- Leben deden!schon Jndemnms von Bedeutung m". Teil etioa acht Jahren fasch der Bund l o o jung e i1) c n s ch e n als b e wußte dents ch e Inden fallet tt v zusammen. Die'e Darmche, eben'o nne die ^Jeststellung. das; diese Zahl in, Berhältnis zu der Blaue der deutschjndi'chen Jugend, die für uns überhaupt in Trage foumit, nickst unbeträchtlich ist. spricht für sich selbst. Das; ohne der, bünd i s ch e n Z u i n m n, e n f ch l n st ein Teil dieser I n g e n d v h n e eigene T ch n l d b c st i in n, t weiter d echn I u d e n - i it m entfremdet io ü rde, das; auf der anderen ^a:c durch Die jüdische Jugendbewegung auch wieder bei Erwachsenen stärterc- Jnteresie an jüdischen Dingen geiveckt wird, wird überiehen. Weit bedauerlicher noch ist es für uns. das; Herr Tr. Goldmann die ganz wenigen Tülle (fünf,, uw Richrjuden selbst zu uns kanten mit den, Willen, zn ,inzn gehören, aleilte;, Grund 'einer Behauptung aufführt. Wir treiben keinen nn,gekehrten Anti'-.lniti-mns. ohne jedoch im geringsten dadurch eine Berivanernng unserer Prinzipien zn wollen. Es sei erwähnt, das; Herr Tr. Goldmann selbst bei Darlegung der besonderen Umstände, die in Leipzig dazu führten, das; sieh in unserer dortigen Ortsgruppe ein lstichljude befindet, ausdrücklich seine Bedeuten znrnckzog. Etidlich darf auch von unserer Teiie festgestellt werden, tnis; die Auswirkungen der denlschjndischen Jugendbewegung auf das jüdische Leben jetzt noch nicht übersehen werden können, und das; es deshalb mindestens verfrüht ist, ihr heute schon das Todesurteil zn sprechen!.' Deutsch-jüdische Jugend und C.-V Von Julius Carleb ach (Hamburg) Bei einer Veranstaltung der Hamburger Frauengruppe des E. B. über das Thema „Jugendbewegung" sprach in der Diskussion auch ein Vertreter der .,-stamerade,,". Er gebrauchte in seiner Rede den geringschätzigen An-drnck ,.E. V.-Bonze" und erregte dadurch heftige Entrüstung/ Ein ähnlicher Vorfall ist n,ir auch ans Aiöln gekannt, in denn wiederum ein ,,-stamerad" gegen den Centralv^rein Stellung nahln. Mir geben diese Vorfälle Gelegenheit, die Stellung einer dentsch-jüdischet, .Jugendgemeinschaft zum Gentralverein zu prüfen. In den Vordergrund der Betrachtung Wien die Gruppen gestellt, tu denen Menschen zwischen 1-2 und 27» Jahren.zusammengeschlossen lind. Der Zusammenschluß junger Menschen zu einer deut'ch-jndisch-.',, Gemeinschaft bedingt in sich die Anertennung einer Huckurgemeinschast. Der Gentralverein baut seine Ideologie ebenfalls auf der Ration d. h. der .stulturgemeinsthast ans. ^eine Abwehrarbeit ist nur eine praktische Ausivirknng dieser Ideologie. Fühlen wir deutschjüdischen Menschen unser Schicksal mit den, der übrigen Deutschen verbunden, erkennen wir als unser Vaterland nur Deutschland an. so müssen wir auch für die Anerkennung des deutsch-jüdischen Rlenschen als vollwertigen Bestandteil des deutschen Bollekämpien. Tino wir tief und innig mit dem Glauben unserer Ahnen verwachsen, suhlen wir uns zugehörig zu allen F>en jüdischen Allen scheu, die Glaube und Abstammung eint, so mühen wir jede Dchmähnng nnd Entstellung unserer heiligen Lehre so betrachten, als würde man uns selbst mir Tchmutz bewerfen, jede Beleidigung eines andern Juden als Jude, alhätte man sie uns zugestigt. Jung und alt müsien 1 eint roten in diesen .^amps um Reckst nnd Wahrheit, aber beiden fallen verschiedene Aufgaben zu. Der Eentralverein. der die ältere i Generation verkörpert, versieht den außenpolitischen^ Dienst nnd bildet die Organisation: wir aber, die Jugend, wir müsien den Weg zu den andern jungen Deutschen finden. Der Antisemitismus dar,' nickst erst bekämpft werden, wenn er ein eingefleischtes, unausrottbares Vorurteil für nuferen nichtfüdischcn Mitbürger genoorden ist. sondern bei seinem Entstehe!, in der Jugend, wo der ' llllem'ch noch innerer Wandlungen fähig ist. Deshalb muß sich unsere jüDisibe Arbeit, die wir in der Hauptsache um des jüdischen Mensichen wegen leisten, auch daneben nach außen auswirkeu. Wir müsien dem nickit jüdischen Mitschüler. Freunde. Bekannten auf jede Trage über Judentum nnd Jndenheit Rede nnd 'Antwort stehen rönnen! Dan, gegärt Wissen! Diesen Feind des Tchlagwortes und der Phrase, diese- Wissen kann aber die Jugend nicht „ans sich heran-" erwerben! Warum auch immer den noch nicht zn Ende geführten Ban abreißen und einen neuen an die Ttelte setzen, statt den alten wrtznführen ' Warum sott die Jugend nickst ausbanen ans dem Winen der Alken? Jede d e n t s ch - j ü d i s ch e I n g e i\ d g c nt e i n s ch a s t sollte unter Leitung f ü h r e n d e r E e n t r a l v e r e i n l e r. der R a b b i n e r nnd anderer Männer des ö f f e n t l i ch e n L e b e „ s nnd H r W i s s e n s ch a f t Abtvehrfragen behandeln. Dieses '.llebeneinander- und Lnsammenarbeiren von Eentralverein nnd deutsch-jüdischen Jngendverbänden bientet setbstverständlrck) kein Bestimmung-recht de- E.B. aus die Gestaltung die'-er Jngendvereinignug. Der E.B. verlangt auch gar keinen Einiins; aus deiirschj jüdische Bewegungen, trotzdem er alle nach Rllöglichteir unterstützt.! Aber eist anormal, daß eine Jugendvereinignng sich deutsch-jüdisch | nennt d. h. nach Glaube und Abstammung jüdisch, nach .stultnr und ' Vaterland deutsch 'ein vstn. und den Eentralverein betämpn. Wohl mag der eine die-, der andere jeneam E. B. an-sttzen. Tteiaber muß die deutsch-jüdische Jugend cs als ihr p^iel ansichen. einznmnnden in d i e g r o ß e d e u t s ch - j ü d i s ch e B e w e g u n g. nnd die Führer für die deutsche Jndenheit. in-besondere dem Eentralverein. heranznvilden. To fasse ick, es ans. das; eine erweiterte Jngendbeilage zur Hauptversammlung de- E.B. erscheint, nämlich al- Witte der Jugend, ans eigene Art nutznbanen an, Werke der Allen!