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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1928-02-10 · 1-2 (10.2.1928) · p. Seite 2

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
4 (1928)
Issue
1-2 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 _feine (^UHibaivbctamtiuiji', von den jungen darf mau sie nicht verlangen. . . ........ Ans dem Gesagten aber erhellt auch, das; es ebenso milch ist, der jüdischen Jugendbervegung den cinn für Autorität^abgrsprechen, wie ihr eilten Zug zur Individualität nachzusagen (so ^y. G.). . Jicci) niemals hat das Wort Autorität bei dem jungen Menschen einen nuten iUcui$ gehabt. Tas iit natürlich, zumal lvenn damit dieJAutorität dev Wortes geineint ist. Ke A nlorität des Bkenschen, des ,yühcm'-',!vnd gerade vom deutschen -Wandervogel bejaht. Tie jüdischen Jngendbünde haben sie von dorther übernommen und erst später bemerkt duavnm hat man sie das nicht gelehrt E>, das; auch das Judentum Beypicte der Beziehung zrvischen Führer uud Ge so lg schalt liefert (die Propheteujüuger, der chassidische Zaddikt. Keilt aus das Wort gehorchen, sondern dem Menschen folgen null der junge Bkcusch. Gr ist bis zur Leichtgläubigkeit gläubig gegen Menschen, vor dem Wort und dem Gesetz ist er schwer gläubig wie die nie'.Neu A.kten auch, aber rnit natürlichelu Ülecht. seine ..Jolgsamteit" fuhrt den juiwen Menschen aber auch vor die Gemciusebasl, in die Gefolgschaft des , ci!l;rers. -rer Wandervogel mit seinem typischen Zug- und Hordeulebeu ist gerade das Beispiel eines echten Gemeinschaftslebens und lehrt das Ausgehen des einzelnen im Grnpvenlebeil. Es ist eilts der unbestreitbaren Berdicnste der jüdischen Jngendbünde, das; sie diesen Gemennchastssiun der deutschen Jugendbewegung in die jüdische Jugend getragen haben. Tie besonderen Tchwierigteilen, die sie aus diesem Wege bei jüdisch ui 'jungen erfahren haben, sind gerade ans jenen bei den Gl lern beobachteten Und gepflegten Jndividnalitätssiun zurück yinchren, der immer Gand in Hand mit der Entfernung von jüdischem Gemeinschaftsgeist gegaligen ist. Alur ist nun die Jugendbewegung, die die Bindung an das autoritative Gotj.een'ort ablehnt, wirklich mit den; Judentum unvereinbar? Es iß schon gesagt worden, das; trotzdem durch geeignete Borbilder junge Bl'euschen zur Ueberlieserung in Gesetz und Lehre hiugeleitet werden tonnen und auch lverden. Aber wo das nicht geschieht, und diese Menschen wirklich für das Judentum verloren? Tatze lvie die: „Tas Judentum beruht auf dem Prinzip der Autorität", und „Tberße Autorität ist Gort und sein im Thoragesetz niedergelegter Wille" üud der Untersuchung aus einer liberalen Rabbiuerkonferenz oder einem jüdischen Parteitag wert. Tamit würde sich ihre gefährliche Tragweite '.eigen, mit der die übergroße Mehrheit der Inden vom „Boden der jüdischen Weltanschauung" verdrängt wird. Tas ist freilich kein Argument gegen den Tatz selbst. Ter theologische Inhalt des zweiten Tatzes mag von Berufeneren geprüft werden. An dieser T teile und für mich kommt es vor allein ans den ersten Tatz an, nach dem das Judentum auf dom Prinzip der Autorität beruhen soll. Wäre das Judentum nichts anderes als eine „gesetzte Religion", so wäre auch dieser Tat; rein theologisch, und man konnte sich mit einem Ttandpuntt abfinden, der die Wahrheit und Gültigkeit dieser Religion einzig und allein ans die Autorität des gegebenen Gesetzes abstellt. Mit der ganzen Rraft und Verantwortung, die aus tiefernster Nebertegung und Prüfung erwächst, muß aber gesagt werden: dein ist nicht so. Jndentmit ist ein Tlüci mnsasfeiides Leben, tätige Wirklichkeit, ltue die Gebundenheit an den Borns, wie die Verwurzelung in einer bestimmten Landschaft, wie die Verknüpttheit rnit einer Gesinnniigs- oder einer Hcrzensgemeinschast. Es ist im Leben, es ist somit auch im Judentum so, das; die Rachkommenden von den Vorfahren empfangen, deren Wissen und Erfahrung ansnutzen und darauf weiter bauen, die Borausietzung jeglichen Fortschritts. Tiefe xHntorität menschlicher Leistling wird niemand ernstlich leugnen. Auch der konservative Zug, der allein seienden innewohnt, darf nicht bestritten werden. Ebenso trägt aber alles Lebendige eitlen Zug zum Werden in sich, zum Vergehen, zlim Verwandeln uuö Verändern. Begreift man das Jndentlnn als Religion, so kann ich, wie gesagt, es verstehen, wenn man es unter die letzte Autorität des Gotteswortes nrld schließlich auch anderer Jaktoren stellt. Tas; aber andere Autoritäten gerade für das Judentum charakteristisch seien, kann man nur danu behaupten, wenn malt es für einen besonders konservativen Lebensbezirl ansieht, tvenn man meint, das; es gerade in der Ileberlieferung der letzten Jahrhunderte erhalten werdet! musz. Eine solche Entscheidung wird von deit Henrigen Juden kaurn zu erlanget; sein, von der Jllgendbelvegnng sie zn fordern, ist eine Unmöglichkeit. Tie verlangt das Recht, auch im jüdischen Lebensbezirk die Autoritäten zn prüfen, bevor sie sich ihnen unterwirit, nicht auf die Gültigkeit ihrer Lehren hin — da zu bedürfte es ja eines Lebens —. sondern darauf hin, ob sie ihnen glauben uud Gefolgschaft leisten darf. Tie Autorität spielt hier keine andere Rolle als ^'ons^ im Leben. Jür das Jndentnm uud im besonderen die jüdische Jugendbewegung ist heute das erste nicht die Ilebernahme verbindlicher Lehrer;, sondern dio Erhaltung;md Wiedererweduug jüdischen Gememschastsbewußtseins. Ans solcher jüdischer GemeinschaA werden jüdische Lehren neu oder erneut hervorgehen, mit ulten Inhalten, für die schon jetzt alle jüdischen Kenntnisse ausgenommen werden können und sollen, aber in neuen Menschen, Menschen unserer Zeit, die der Lehre erst ihre Lebendigkeit;md Zeitlichkeit wiedergeben können. Tie jüdischen Jngendbünde und darüber hiualls alle -streife jüdischer Jngendbelvegmlg haben hier eine Aufgabe am Menschen zn leisten, die gleichzeitig Ausgabe am Judentum ist. Beides läs;r sich nicht trennen, ohne daß eures davon schaden leidet. Wollte man iu den jüdischen Körperschaften und LTganisanenen denen, die aus dieser Jugendbewegung hervorgehen, die Tore weiter offnen, als das bisher geschieht, so würde es sich zeigen, daß die jüdische Jugendbuoeguug Tienst am Judentum leistet. Die Stellung der Jüngeren Emst Stillmann (D.J.J. G) i Eine Bewegung junger indischer Menschen entstand ohne besondere Betonung des Jüdischen zusammen mit der ..allgemeinen" Jugendbewegung. Tie Gründe, die zur Bildung besonderer jüdischer Bünde führten, sind hier nicht zu erörtern. Ter Schwerpunkt der allgemeinen Jugendbewegung lag zunächst in der Verneinung des Be stelfenden, der stampf gegen die bürgerliche Gesellschaft war ein Grnndzng des Wandervogels. Tiefe „negative" Phase der Jugendbewegung hat anscheinend ihr Ende erreicht. Rachdem die Brenschen der Bünde voll den als schlecht erkannten oder empfundenen Bindungen losgelöst worden waren, schuf man sich neue, eigene Bindungen in Gruppe und Bund. Tiefe Bindungen gingen weit über das Gesinnnngsmäßigo hinaus und umfaßten den gefaulten Lebenstreis. Es zeigte sich aber mehr und mehr, daß diese Bindungen nicht genügten und daß die Bünde wiederum eine größere Einheit stachen mußten, die. im Volk s t u m gesunden wurde. Heute pflegen die Bünde der Jngendbetvegnng bis weit in das sozialistische Lager hinein das deutsche Volkstum in immer stärkerem'Maße. Ter Bund, der die heutige Jugendbewegung vielleicht am reinsten verkörpert, stellt als sein Ziel die „Volkwerdnng" der Tentsci;en hin. Tie positive Phase der Jugendbewegung bat begonnen. Tie jungen jüdischen Menschen, die sich zu Bimden yuammenschwyen. wurden erst in dom Augenblick zu einer jüdischen Jugendbewegung. in dem sie erkannten, dag die Jormen des jüdi-chen Lebens, die ihre^ Umgebung hatte, ihm'n nicht gemäß sei und in den: sie den stampf gegen diese formen auntahlnen. Es tvaren dies die Tycnnen des überafumilierteu Judentums zu Beginn des Jahrhunderts. wie denn auch kaum Memchen der jüdisch.n Jugendbewegung aus wirklich orthodoren Jaustlieu stanuneu. Tics war dio historische Tenduug vor allen Tingen des Blamveis;. Ganz ähnlich wie die Entwicklung der anderen deutschen Jugendbewegung ist die der jüdischen w verlaufen, daß an TteUe der Bor neinnng' der bestehenden Jormen des Judentums der Wille zum Judentum überhatipt getreten ist, der nun nach neuen, eigenen Ausdrnckssormen sticht. ir. Im Beginn der jüdischen Jugendbewegung war alles, was diese Menschen zusnmmenhielt, ein unbestimmtes Gemhl der Verbundenheit. Eine Verbundenheit nicht mit der jüdischen Lehre, sondern eine Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft, mit den jüdischen Menschen. Aus diesem Grunde dürfte zit erklären sein, warum der Zionismus in der jüdischen Jugendbewegung so großen Anklang fand. Er ging von den gleichen Voraussetzungen ans. Er hat nud) das Verdienst, zum mindesten in der zionistischen Jugendbewegung sehr bald dio unfruchtbare Problematik zugunsten einer einseitig betonten, aber sehr starken jüdischen Erziehungsarbeit verdrängt zn haben. Heute, da es eine eigentliche zionistische Jugendbervegung feimu mehr gibt, sind es drei Wege, ans denen die deutsche indische Jugendbewegung ihren Willen znu; Judcntnnc iit die Tat tnnsetzl: in sozialer Arbeit, in Versuchen, sich cmrsundeno, eigene jüdische Jormen des Gottesdienstes zn schairen und nicht zuletzt in der Erziehungsarbei; an sich selbst und Jüngeren zu bewußt jüdischen Menschen innerhalb der Bünde selbst. Ties Tritte ist bei weitem das Wichtigste, da die in Trage kommenden oisizielten Jnstittitionen sehr oft vertagt (jaOcu. luetut sie der Jugend indische Tinge vermitteln wollten. Weltn der Jugendbeweguitg ganz atlgenwin vorgeioorsen lvird. daß sie sich tni Problemhasten erschöpfe, so trifft das nur auf eine frühe Ttuse und nur ans einen kleinen Teil der jüdischen Jugend-- bewegitug zu. Tie übergroße Bkehrzahk der Gruppen und Bünde ist dem Judentum gegenüber von G c m c i n s ch a s t s b e w u s; t - s e i u uud B e r a n t uv o r t u n g s g e f ü!; l erfüllt und beinüht sich ehrlich, ihren Willen ans ihre Weise in die Tat lnuzusetzen. IN. Tas Autorilätsprinzip ist zweifellos von einem gelvisien Ttaudpunlf atls im Judentum vorhanden, aber ikur einzunehnnn. ist nur der n o 11 i c rvat i v i s m n s . die Trlhodorie. berechtigt. Tie allein hält nach wie vor an der Autoritär des Gesetzes fest. Allerdings triift der Vorwurf, gegen das Antoritätsprinzip zu verstoßen, nicht die Jugendbewegung im besonderen, sondern er trifft das ge samte emanzipierte Jndcnrnm. Im Gegenteil wird die jüdische Jugendbewegung — ähnlich wie der Zionismus - gar nicht von diesem Borwurf getroffen, ivci! sie, une oben gezeigt, 'nicht von der Grundlage des religiösen Judentums ausgeht. Es ist aber nicht einzusehen, warmn dieser in sich logische 'und folgerichtige Ttand- Punll der Autorität d e s g c s a m t e n G e s e tz e s eingeengt werden

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