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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1928-02-10 · 1-2 (10.2.1928) · p. Seite 1

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
4 (1928)
Issue
1-2 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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i> i> c- > öerlin, 10. Februar 1028 JJw(3@imGwm mmdJ 3 m Von Erich Hirschberg (Oppeln), Ernst Stillmann (Berlin) und Rudi Baer (Frankfurt a. M.) Unsere Vermutung, dass die Veröffentlichungen zum Thema ,Judentum und Jugendbewegung“ in Nr. 1011 Jahrgang 1917 cus allen Lagern der Jugendbewegung Stimmen mit Für und Wider wcc'en würden, hat sich bestätigt. Das lebhafte Echo beweist, dass diese Frage in der Tat das Kernproblem der jüdisrben Jugendbewegung überhaupt darstellt. Wir geben heute den Führern der repräsentativen deutsch-jüdischen Bünde das Wort. Wenn diese teils ruhig, teils leidenschaftlich ihre Stellungnahme klarzulegen sich bemühen, so bedeutet dies mehr als nur einen Beitrag zur Dis ussion über den Autoritätsbegriff: Es gewährt einen tiefen Einblick in die seelische Haltung der Bünde zum Judentum überhaupt. Von orthodoxer Seite hatte in der letzten Nummer Rabbiner Dr. Köhler das Wort genommen. Wir setzen die Aussprache fort. Die Schriftleitung. Die Stellung der Melieren i Erich Hirschberg (Äelteren-Bund „Kameraden“); Immer wieder wird die Jugendbewegung vor die Uroge gestellt, \ wie fic es mit der „Autorität" halte. G* tü flau,} charakteristisch, \ das; die Gretchenfrage an sie in dieser Jyorm gerichtet wird und j nicht in ihrer bekannten Form. Nach der Stellung ,;ur -K c l i C\ i o n fragt man wohlweislich nicht: denn man kann schlechterdingsnicht gerade von jungen Menschen eine Antwort erwarten, die heutzutage auch von einem ausgewachsenen und ansgereisten Menschen so selten befriedigend gegeben wird. Man fragt — aus ähnlichen Gründen — auch nicht nach Politik. Sond-ern gerade nach „Autorität" fragt inan nnd verlangt — das ist ganz deutlich ^^e^ir Galdmanu in Nr. 1011 dieses Blattes) — von der Jugendbewegung als Voraussetzung ihrer Anerkennung ein Bekenntnis' zur „Atitorität". Man nuiB sich einmal vorstellen, was hiermit verlangt wird. Tie Pädagogen streiten heute darüber, nüe weit der Erzieher an das Kind Bildnngseleinente von ansien her herantragen sott nnd wie weit es aus eigenen, ihm innewohnenden Kränen auswachsen, zu sich selbst kommen soll. Bon den jungen Menschen de'- Jugendbewegung aber, dem eminent bildung-fähigen Alter, verlangt mang unbekümmert um den 3treit der Pädagogen, ein Bekenntnis zum Antorität-begrisf. Wie rnögen wohl jene Frager zu der Erkenntnis gekommen sein, dasi Gott nnd fein Thoraaeseß. -das Wort der Eltern und Erzieher, die Lehren der Weisen nnd Lebenserfahrenen Autorität seien, das Gotteswort aber ..oberste Autorität", unbezweiselbare:- Prinzip, unbedingte Boran-setznng jüdischer Weltanschauung? 3utl> jene Frcnger wohl mit dieser Erkenntnis ans die Welt gekommen oder haben sie sie erst erkämpft, errungen, unter vielen Blühen, nach manchen Wandlungen, Umwegen und Abwegen? Tie Pädagogen streiten sich noch, die Frager haben ihre Vergangenheit vergessen, die Jugend aber soll ein Bekenntnis ablegen, das; sie die Autorität des Gotteswortes anerkenne, damit sie vor dem ..Geiste des Judentums" Geltung habe. Es mns; viel Enttäuschung mit der Jugend erlebt worden sein, viel Furcht für das Bestehen des Judentums vmHänden sein, wenn man eine solche Entscheidung des Alters votn jungen Bien'ästen verlangt. Man kann sich da? nur so erklären, das; die Kritiker der Jugendbewegung die einzelnen Bünde vor Augen haben, wie sie -- leider! — graste Programme verkünden, ohne den Erfolg nach-mveisen („Negenerakion des jüdischen Bleu ästen". „Aenaissanee des Judentums". „Nalliraufban der deutschjndischen Gesell sehnst st. Tiefe Bünde sind vielfach mit großem Brimborium ausgetreten, haben viele und große Worte gemacht nnb haben — mit q t ö s; t c m E r n st — ihre Ziele im Jimm:I errichtest Solcher Plan ist das Zeichen echter Jugendlichkeit, nnd wenn er einmal der größeren Erfahrung, dem geweiteten Umblick feinen Tribut zollt und lveniger rauschend nnd weniger tönend wird, bleibt er immer noch der Quell, aus dent das praktische Handeln nnd Tenkeu auch in Zukunft gespeist wird. Tie Zeit der Bünde mag vorbei .sein. Sie sind oft zwanzig Jahre alt geworden; ihre Begründer siud Bater und Müller g.ävorden, die nachfolgende Generation findet die Gesinnung der Bünde oft schon in der Familie vor. lind es sind ja nicht bloß jene Bünde, die die Gesinnung der Jugendbewegung getragen haben, sondern weite Kreise des Volkes verkünden und pflegen sie. Sinnvollere Lebensformen, neues Körpergesnhl. Abkehr von der gesellschaftlichen Lüge, von dein übertriebenen mllonalistischen nn.d üv divienalistnchcn Tenkeu. vor; der Nalnriorm des mechanisierten Großftärrertumesind hetlte vZegenstand und Antrieb eines gewaltigen Schaffens an? den Gebieten dev Wissenschaft, bildenden Kunst nnd Literatur, de- Sporte 'and Turnen-, der Erstehung, ja auch des Städtebaus, der Aamnknnst näo. Jngendberoeg'nng ist Zestgesinnnna, ihre Gedanken sind die Gedanken der Zeit. Tie Bände der Jugendbewegung sind nnr eine kleine nnd nicht immer die beste Auslese ans den Bienscheu dieser Zeitgesinnuna. Taher ums; gefragt werden, wenn es schon nötig ästeint: wie stehen diese Bleu schon zum Prinzip der Autorität und wie im besonderen die Juden unter ihnen zur Autorität des Thorageseßes? Tie Antwort wird selbstverständlich auch für die einzelnen Bünde gellen (wobei ich ällbst nicht etwa für einen bestimmten Bund spreche, sondern alle im Auge habe), aber die Absurdität dev Frage wird deutlicher: viele zionistisch oder liberal gesinnte Juden werden die Autorität des Thoragesches abstveiten nnd verlassen somit „den Boden der jüdischen Weltanschauung". Wie cs scheint, wird ihnen verziehen. Und die jungen Menschen? Sie sind — die Weltae'Wichte zeigt es — die g e b o r e n eit Leugner der A utoritä t. 11 nD Da? mit Dt c cf) t. Sie lernen naturgemäß die Autorität zunächst nur in der körperlichen Gewalt der Aelteren und Stärkeren kennen, ihre Entwickelung geht zur Selbständigkeit hin. nicht zur Unterwerfung. und muß — wiederum naturgemäß — immer auf? neue mi: den Autoritäten der Kraft, des Wissens, der Erfahrung, des vernünftigen und richtigen Handelns znäimmenpratten. Alle diese Autoritäten sind neu und darum feindlich, nnd erst die Einsicht schließt sie dem jungen Menschen ans. Tie Einsicht aber must erfahren werden. Bonn Menschen. der sich aufs Leben vorbereitet, kann man nicht Erfadrnng verlangen, die erst das Leben bringt. Aber kann man nicht glauben an das. was man hört? Gerade der junge Mensch der Jugendbewegung ist gläubig, mehr als seine Eltern. Aber — ich mochte es fast auch für die Qrihodor-Glätüoigen beGrnpten. — der junge Menäst kann nicht an e t w a s glauben, er wird d e m TI e n - f cn e n glauben, der Glauben einstößt, und dann erst •— vielleicht — an das glauben, woran zu glauben dieser Bien ich von ihm verlangt. Bielleicht ward auch der gläubige Greis seine Ge sehe-treue, wäre er noch dazu imstande, aus menschliche Borbilder, menschliche Hilfe zürnest südoen müssen, ohne die ihm Gott und sein Wort nicht anigeaangen voären. Ter junge Mensch — und gerade der lebensvolle, zeitbewusne junge Mensch unserer Tage — wird immer der Brücke menschlicher Borbllder nnd Benpiele bedürfen, soll er ohne die Erfahrung des Lodens, die ihm noch verschlossen ist. zu einer Meinung kouuneu oder gav B.keuntuisse ablegen. Tal,er kann es für den jungen Menästen leine gesoßten Autoritäten geben, sondern nur eine Autorität: die der anno rechenden Persönlichkeit. Tie ganze Erfahrung des Jugendlichen beruht auf den Erfahrmtgen, die er mit den Menschen seiner llm> gen.mg macht, und erst sväler lvird er die Welt hinter den Perwuen avn'glspnrett vertnögen. Bon den Alten verlangt man — wohlweislich ÄtIR dpm Inhnit* Brich Hirschberg (Oppeln), StUÖ tieui IIUlan. Ernst Stillmann (Berlin), Radi Baer (Frankfurt a. M.): Judentum und Jugendbewegung.— Julius Carlebach (Hamburg): Deutsch-jüdische Jugend und C. V. — Ernst Wolff (Breslau): Die „Kameraden“.—W errie r Rosenstock (Berlin): DieDeutsch-Jüdische Jugend-Gemeinschaft. — Hans Rosenberger (Berlin): Jüdisch-liberale Jugend. — Ludwig Tietz, Alfred Levi, Alfons Rosenberg: Ucber Bücher und Zeitschriften.

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