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Central-Verein-Zeitung · 1928-02-10 · 6 (10.2.1928) · p. Seite 75

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
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Bon Theo Harbnvger (München). Der Aufenthalt der IiiYeu in, Gebiete de? ietzigeu Bayern iTU’Uj'n.'ii!) bcv3 I)ol)cu ,Uitttclii(tCT*3 i|t iibcvuücc'icnD bind) litcrciriidK Tenktnäler bezeugt. £ie umfassendste und leider auch betrübeudstc Quelle können wir in der Auszählung der Märtprerorte erblicken, die iii den Blemorbüchern, am ausführlichsten im sogeitatmtett^Nürnberger Aleittorbuch in Stainz, uns erhallen gebliebeii ist. Jit den meisten der anfgeg'ihlten Orte, wo einst blühende Jndengemeinden der Mordlust der ausgohetztcn Volksmeitge ztun Lpfer fielen, hat das umfassende Zerstörungswerk dazu beigetragen, die körperhaften Spuren unserer Baker fast völlig zu verwischen. . Wenn nicht manche Synagoge, manches Indenbad den ursprünglichen^ Znwcken _ entfremdet, aber doch erhalten geblieben, mancher Grabstein fern seiner Bestimmung veieder ansgedeckt worden wäre, nur die Erwähnung in den auf alte Ueberlieferung gegründeten ZManyrologien oder gelegentliche Himoeise in Urkunden und Handschriften gäben uns Kunde Schluss des Aufsatzes: „Wir Staatsbürgerinnen amter. soweit sie die Möglichkeit in wirtschaftlicher Beziehung dagr hatten, zu übernehmen. Wie selten findet man jetzt Jüdinnen in sozialer oder kommunaler ehreuatutlicher Tätigkeit, auch wenn sie Zeit lind Kraft dazu hätten. Und wie wenige der Frauen, die nach dem Eindringen der Parteien in die ehrenanrtlichen Stellen in den ersten Nachkriegsjahren aus ihren Posten verdrängt wurd-eu, haben sich um diese wieder bemüht, nachdem sie wieder frei geworden sind! Gerade wir deutschen Jüdinnen müssen uns dieser Verpflichtung doppelt bewußt werden, denn es gibt in dem Kampf der Judenfeinde gegen uns kein wirksameres Mittel, sie zu überzeugen, als durch selbstlose Arbeit für das Ganze und durch Hingabe an ethisch hohe Ausgaben. Tie höchste Ausgabe für jede deutsche Jüdin sollte es aber sein, sich in dem Kamps mit in die erste Neihc zu stellen, der uns deutschen Juden um Anerkennung unserer Gleichberechtigung in der Praris von unseren Gegnern aufgedrängt wird. Hier mitznarbeiten, und zwar nach Zahl und Mas; in viel stärkerem Umfange als bisher, muß eine jener Verpflichtungen sein, die wir deutschen Staatsbürgerinnen jüdischen Glaubens als Tankesschnld gegenüber jener Verfassung, die uns deutsche Frauen erst zu Staatsbürgerinnen gemacht hat, zu erfüllen uns bemühen müssen. Mittel und Wege dazu zeigt nicht nur diese Hauptversammlungsmunmer der „E. V.-Zeitung", sondern auch fast jede andere Nummer unserer Zeitung, zeigen uns Vorträge und Schriften, und zeigt uns vor allent das tägliche Leben. Offenen Auges durch das Leben geben, sehen, hören tind lesen, wie die Unnvelt über uns denkt — und schreiben und reden, vor allen Trugen aber Vorleben, wie wir Juden wirklich sind, das ist Ausgabe und Ziel jüdischer Frauenarbeit im Eentralverein. Welche Wege die praktischsten sind, wird jede Ortsgruppe in gemeinsamer Beratung mit Landesverband und Zentrale entscheiden müssen. Voraussetzung aber ist, daß zunächst einmal jede deutsche Jüdin sich selbst daraufhin prüft, ob sie im Sinne unserer E. V.-Idee leben und kämpfen kann und will. Tenn helfen kann uns nur, wer nicht nur mit dem Munde, sondern wer mit der Seele spricht. Und »venu sie sich zu der E. V.- Idee bekamck hat. daun mag sie mit uns und für uns werben. Wir brauchen die verheirateten Frauen, wir brauchen die Mntter, wir brauchen die Töchter und vor allem auch die jüngeren berufstätigen Frauen, die int Kampfe um das tägliche Vrot stehen. Sie alle mögen sich geschlossen hiltter unsere Organisation stellen! Eugen Fuchs spricht von der doppelten Verpflichtung, die jeder deutsche Jude als Deutscher und als Itlde in seinem Kamps um Glaube ititb Heimat trägt. Wir jüdischen Frauen müssen und tvollen gerrt zu den vielfachen Pflichten, die uns als Frauen gegenüber der Ftunilie. als Frauen tm Konkurrenzkampf mit dem Manne, als Frauen im Kampf um die gesetzmäßige Gleichberechtigung der Frau aufertegt sind, auch noch die zweifache Verpflichtung übernehmen, den Kamps für unseren Glauben und um unsere deutsche Heintat ztt führen. vom Leben unserer Ahnen. Als einer dieser wenigen erhaltenen Ueberrene in dem bayerischen Anteil des ältesten jüdischen Sied, lnngsgebiets Teutschlands, dem rheinischen Land, sei die M i f tu c f) in Speyer erwähnt. Bis ilts frühe 16. Jahrhundert reicht dieser Vau zurück, von uicht minder hohem Alter siltd die noch erhaltenen Veste im benachbarten Worms. Tie Jahrhunderte der Verfolgung hadert dann den Inden ein wertvolles Gllt fast völlig geraubt: die Seß hastig-eit. Kaum daß sie, rechtlos tutd von jedem Anteil an ruhigem Besitz, am Boden und jeglichem Gewerbe ausgeschlossen, einige Jahre ungestört sieh niederlaßen dursten, so mußten sie erneut zum Wanderstab greisen, wenn ihnen trieht schlimmeres Geschick befehieden war. Tiere ständig drohende Gefahr der Heimlosigkeit nahm naturgemäß da festere Gestalt ait, wo ein größeres Gebiet dem Willen eines Herrn untertan war, als in Landesteilen, die in viele kleine -Herrschaften zersplittert waren. Ties sehen rvir int sranunbaycrischen Herzogtum, wo naefj vereinzelten bltttigen Versolgnugen inr 15. und mit dauernderer Wirksamkeit in der Mitte des 16. Jahrhunderts eine allgemeine Jndenaustveisnng dnrchgeiührt lvurde, deren strenge Handhabung itnseren Vorfahren das Land aus Jahrhunderte hinaus versperrte. Tie Ausführung dieser Maßregel tvar deshalb um so leichter, als infolge der geringen Bcvölkerungsziffer auf dem flachen Lande die Juden in den wertigen Städten zufammengedrängt waren. Anders verhielt es sich in den zum ehemaligen Frauken intd Schwaben gehörigen Teilen. Hier boten uicht allein die vielen, durcheinander gelagerten kleinen und kleinsten Gebietsteile der Grasen und Herren, wie auch der Bistümer und geistlichen Herrschaften immer irgettdeitte Möglichkeit des Unterkommens, hier waren die Juden, die in den Reichsstädten als wirtschaftliche Konkurrenten vertrieben wurden, als bequeme Steuerqnelle hochwillkommen. So finden wir bis in kleinste Törfer in diesen Gebieten Juden, denen allerdings die Not der Zeiten kaum mehr als ein dürftiges Leben gestartete. Erst als itad) dein Treißigjährigen Kriege das Bedürfnis nach Frieden sich allgemein zeigte, als diese Laude, die mit am heftigsten von den Heerzügen gelitten hatten, den wirtschaftlichen Wiederaufbau begannen, konnten die Juden als ruhige und nützliche Glieder sich fühlen und nun auch trotz äußerer Beichränkuugen einen höheren Grad der Sicherheit empfinden. M i l der zweite n H ä l f t c d e s 17. Jahrhunderts beginnt daher eine Zeit des W i e d e r a u f b l ü h c n s d e r G c m e i n d e n , die dattit erst im 19. Jahrhundert durch eine ans dem Judentum heraus sich entwickelnde Einstellung, dem Streben nach den Städten, ein Ende nehmen sollte. Ans diesen Zeiten, in denen sich auch g e i st i g eine W and - l u n g im Judentum vorbereitete, sind naturgemäß die Zeugnisse der kulturellen Wirksamkeit unserer Ahlten zahlreicher. In diesem Zusammenhang kann ein wichtiger Teil des jüdischen Geisteslebens nicht übergangen werden, die h e b r ä i s ch e tt T r n ck e - reien, die schon int 16. Jahrhundert eine große Bedeutung gewonnen hatten. Hier kann mir kurz ans dieses Gebier hingewiesen und der Truckercien von T h a u n h a n s e n . S tt l zb a ch tntd anderer Orte Erwähnung getan werden. In den int gleichen Zeitraum ausblühenden neuen Zentren des Judentums entwickelten sich L e h r st ä 11 c n , bereit bedeutendste F ü r t It wurde. Wie diese ganze, damals erst auftretende Gemeinde ihr Wachstum dem Zugig der Wiener Erulanten und anderen Persöulichleitett verdankte, so wurde das damalige Judentum aus diesem Kreise auch geistig bereichert. Bedeutende Gelehrte, die mit dein Strome der vor den Ehmielnitzki-Horden Flüchtenden fidj dem Westen znoewandt halt eit, befruchteten durch diese Jetchibab aau^ Südidentschland. Aber nicht nur geistig machte sich der Einiluß des Ostens bemerkbar, die eigentümlichen Schmuckfornten Polens wurden mit hernberverpflanft. So weist ein in A u g s l' u r g ausbetvahrter T h o r a v o r!t a n g . der von dem F ü r t tt e r B o r s ä n g e r El kan für Juda Loeb. Sohn des Landesparttaß Sintoit li 1 in i', und feine Frau G u e n d! e. Tochter des Landesparnaß Jsjachar Baer, im Jahre 17J4 als Scltntnck der Svnagoge in K r i e g s h a b e r angesertigt wurde, diese bezeichnende reiche Formensprache atlf. Ter in mnslehender -Abbildnttg gezeigte, heute in Augsburg befindliche Vorhang vom Jahre 17r>l mit zue eit er Widmung aus dent Jahre 1n>j gßgt bereits das Eindringen'w e stt it v o p a t f ch e v , b a r o ck e r S ch m tl ck s o r m e tt. Aehnliche

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