Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
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74 Leiber strafften sich, die jugendlichen traten in die Arena der Ringenden. In allgemeinen Kämpfer: gaben Prei'e Zeugnis von den Erfolgen körperlicher Stählrrug. Wisseuschaülickre Forschungen ergaben Znuahrne der Durchschnsttsgrößen in freieren Zonen unter lichtere m H i m in e l. , - In den trübsten Zeiten der indischen Seele. in dem unsagbaren Druck von H 0 h n und ^eraditiinn gab es neben der Suche durch die Lehre, der Zuflucht in die Familie eine Befreiung, zumindest eine A u g c ix b 11 cf s b e frei u n g : das war der 29 i tz. in den sich die Eeele flüchtete. Sie selbst stand unter dein Drucke der .Karikatur, sie flüchtete sich dafür in den Wist, Jrn Wist stellte sie die schwachen ihrer Peiniger bloß. sie stand über den Peinigern und ihren Schwächen: es war die B e frei u n g d c s A ti g e n b l i ck 111t L eide des Dauernden. Der Wist gedieh 311 geistigsten Graden. Aber ein Bedenkliches geschah: der Wist führte zu manchen Zeiten — dem Drucke der Zeiten entsprechend -- mehr oder minder^— zur S e l b st v e r s p 0 t t n n g. Da liegt eine Gefahr, -die Selbst - e rz i e h u n g auszeiger: must. Eine Erkenntnis mich anstlärend wirten: im Völkerleben herrschte bisher die Macht. Tie glücklicherweise beginnenden Versuche, niehr Recht in das Leben der Völker hineinzulragen, ändern c - noch 111 n-1 3 an Dem Wesen dieser Betrachtung. Die Macht bildet sich das „Recht", das ihr genehm ist. Mit dem „Recht" des stärkeren wird der Schwäcl)i?re nnterdr'ückt. Aber'„Recht" soll wemgueas Recht sci^emien: der schwächere wird als der Minderwertige hingestellt, der mit Recht unterdrückt scheint. Man tut alles, um ihn auch dazu zu macheu. Blau schließt ihn ge^gebeuensalls von der Kultur höheren oder niederen Grades aus und sagt dann, daß er zu höherer Gesittung oder auch nur zu bestimmter: Anforderungen nicht reif sei. Nicht zu den lestteu Mitteln, die der Starke in diesem Kampfe gegen den Schwacher: anwendet, gehört der Hohn und die Verachtung. Die Starken werden nach ihren stärksten Exemplaren, d i e S ch w a ch e n nach ihren schwächsten beurteilt: die Großen werden parodiert, die Kleinem karikiert.'— Die Karikatur ist au sich nichts Bösartiges, sie wird es nur durch ihre Tendenz und durch den. der sie anwendet. Die hat ein anderes Gesicht, wenn sie von dem Schvacheu gegen den Starken, und ein anderes, wenn sie von dem starken gegen den Schwachen angewandt wird. Tie Karikatur an sich — tendenzlos aufgejaßt — wendet sich an diejenigen Stellen der inenschlichen Seele, in denen nicht die schlechtesten Elenrente ihrer Zusammensetzung sind, an die, wo das befreiende Lacher: ansgelöst wird. Lacken aber ist die Befreiung aus Druck, Stimmung, Verstimmung. Aber aus Himmel kann Hölle werden: das Lächeln kann zur Grimape, das Lachen zum Hohn werden, lind Hohn ist etwas Häßliches, Gefährliches. Wir wiigen, daß Kindersibeln, Literatur, Presie von Hohn, Spott, Verachtung — Karikatur in übelstem Sinne — gegen uns wimmeln. Ter Centralverein hat die Gesahr in aller Schärfe erkannt. * Das Theater — Abbild des Lebens — spiegelt jeweils die Stellung des Inden im öffentlichen Leben wieder. Im Mittelalter ist der Jude in den Pasiionsspielen ein Gegenstand des Abscheus, in den Schänken die Zielscheibe des Hohns und Spotles. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wird der gebildete Jude in einer Vone „llnser Verkehr" lächerlich gemacht und das ..Manscheln" in die Literatur eingesührt. Eine v e r w ii st ende W i r k u n g ist davon ausgegangen. In den Zeiten trübster Volksvergirtrmg ans diesem Gebiete ist es fast ausgeschlossen, daß ein Jude als „Held" einer Geschichte oder aus der Bühne erscheint. Eine leuchtende Ausnahme ans früherer Zeit ist Lessings „RathanD - Die K a r i t a t u r — angenmndt vom Stärkeren gegen ben Schwa chm — hat ihre intensivste Wirkung erreicht, wenn sie bei dein Schwachen zu einer Selbstkarikatur, zu einer Selbstverspottung geworden ist. Mit tiefer Betrübnis müssen wir — trotz vielfacher Besserungen — feststellen, daß auch beute die Zeit nach nicht frei ist, weder von der Karikatur üblen Stils, noch vor: Selb st karikatnr. Dw 'ndn'che Seibjtversvottung. dies kläglichste 11 e l> erbleibsel einer kläalichen Zeit, ist auf der ganzen Linie mit wachsendem Selbstbewusstsein zurückgegaugeu, aber sie ist noch nicht ganz verschwunden -- uno oas g't das einzrae. was sie noch tun sollte. _ Ergibt alxr eine Erklärung dafür, und das ist eine erzcsiive spezifische Freude am scharfen Witz. Es soll nicht geleugnetstverdeu. daß sich nicht feiten mit diesen Selbstverspoltunaeu ein scharf gesctstissener Witz verbindet. Er darf aber keine Entschuldigung für sich selbst bilden. An die Stelle dieser Art von Witz muß eine Dargellurrg anderer Form, anderen Formates treten: Knust! Kunst hat vielleicht nicht eine so explosive Augenblicküvirlung wie der Wist, von dem nur eben sprechen, aber sie hat den Vorzug einer seelischen Reinigung und Läuterung, die nachhaltig wirkt. Die Kritik am nächsten Bl argen ist das Entscheidende: die Fadheit des Witzes verschwindet im Morgennebel der Gedrücktheit, die .Uimft bleibt als gute Erinnerung in der Gestalt einer Erhebung der Seele. Warum wir dieser Betrachtung Zeit und Raum widmen?' Weil wir dauernd einen Kampf 311 führen gezwungen sind — in unserem Vaterland, um unser Vaterland — in den Herzen der anderen, die cs uns streitig machen wollen, in den Herzen der Zu- *) coitfcr Smchowitz: „Der Jade auf dein Theater". gäuglichen, der Velehrbaren. die aber dny noch uns zu tlein erachten für die Größe des Vaterlandes. — einen Kampf zugleich um unser Judentum, in unseren Herzen, wo mau seine Große mit unsagbaren Mitteln zu verkleinern sticht. Es geht um nichts mehr und nichts minder als n m d i e A u s t e d) terhaltn 11 g D c r S e e l e i n den s chw e r st e n alle r K ä m pj e, die i hr zu ge in u t e t w e r d e n. In diesen täglickzeu Kämpfer: haben nur unser Judentum ständig mehr lieben gelernt, wir Haber: esin seiner Diese rmd Reinheit erkannt. Es ist uns aus Herz gewachsen, so — wie mau ein Sorgenkind mit größerer Liebe zu umgeben pflegt. Ein Sieg irr Hinterieüen Dingen, eine Sache äußerer Erfolge ist von marrchertei Dinger: abhängig, über die ein Kämpfender nicht immer verfügt, ein Sieg der Seele kann immer angestrebt rverden, ein Blühen danach ist nie ganz vergebens: es gibt Halt und Richtmrg eines ganzen Lebens. So entsteht — indein inan sich selbst zu bezwiirgen sucht — im täglichen Kampfe um die natürlichsten Güter der g e i st i g e Bi e 11 [ ch, der jüdi s ch e Bi e lt s ch. — ♦ Von Dr. Margarete Edclheim. Vor wenigen Wochen jährte sich zum zehntel: Male der Tag. an dern in.: Preußischen Landtag ein Antrag auf Erteilung des Frauenstimmrechts von fast allen Parteien mit der Begründung avgelehnt wurde, die Frauenstimmrechtsbewegung bestünde nur ans Köpfen, es fehle aber der Körper, die Masse, die hinter den Führerinneu stehen müsse. Und in wenigen Monaten nsird mit den: zehnter: Jahrestage der Revolution auch die Erklärung der Volksbeaustragter: ihren zehnten Geburtstag feiern, durch die allen deutschen Frauer: das Recht, zu allen öffentlichen Körpersthasten zu wählen rmd gervählt zr: Werder:, gegeben wurde. Fast zehn Jahre Frauerrstinnnrechi berechtigen zrr der Frage, wie nd] die deutschen Frauer: als Staatsbürgerinnen bewährt, ob sie die Rechte und die Pflichten, die ihrien aus ihrer neuen Würde enlstondeu und. erkannt und erfüllt haben. Diese Frage wird im lausenden Jahre vielfach erörtert rrnd je nach Parteirrchtung mehr oder rveniger wohlwollend beantwortet werden. Wir Frauen selbst rverderr uns eingestehen müssen, daß sich auch in dem Lause dieser zehr: Jahre immer wieder gezeigt hat. daß an dem Wort jener preußischen Abgeordneten, die da noch in: Januar 1918 behaupteten, daß die Blasse der Frauen kein Interesse an der -timmrcchtsbewegrmg ::äh:ne, etwas Wahres ist. Die erste Begeisterung, mit dar jede Frau bei den Wahlen zur Rationalvermnrmlung zur Wahlurne scbritt, ist schnell verraucht und — dies sei hier offen gesagt — besonders bei den Frauen des gehobenen Mittelstandes einer starken Jnteresielongkeit gewichen. Zwar Haber: jene Parteien, die früher die energischsten' Gegner des Frauenstimnlrechts waren, vor allen: die deutschnationale (srühere konservatives Parte: und die radikalster: rechten Gruppe::, die offen oder verschleiert den Kampf gegen die Juden nach ihrem Parteiprogramm führen, es mit erstannlick)er Geschicklichkeit verstanden, Massen von Frauen nicht nur zu gern i n n e n, sondern auch f e st z u halt e n. Es half ihnen dabei der Gebrauch jener Schlagworte, die sich an das Gefühl, an das Sentimentale wenden und dadurch den Frarrer: leicht einleuchten. Die wahrhaft liberalen Parteien aber Haber: das nicht verstanden. Die deutschen Juden und die deutscher: Jüdinnen sind irrfolge der allgemeinen politischen Entrvicklnrrg. aus die in diesem Zusammenhänge nicht cingeganger: zu werdcr: brar:cht. besonders ir: jenen Parteien zu finden, die diesen aus das Sentimentale spekulierenden Gedankengäugen sernerstehen, nrrd sich in ihren 'Parteiprogrammen n:ehr an die Vernunft, an der: Verstand, au die ratru wenden. Mag sein, daß diese mehr verstandesinaßige Propaganda den Frauen weniger' liegt. Blag sein, daß die Grür:de. weshalb die Blage der Frauen, die diesen Parteien, denen gerade die hervorragendsten Führerinnen der deuGcher: Frauenbewegung angehören, sich von der Politik und den öffentlicher: Dingen scheu zurückhalteu, ans wirtschaftlicher: oder soziologisch?:: Ursachen beruhen. Ihnen nachzugehen, :st — so reizvoll die Aufgabe rväre — hier nicht der Rar::::. Aber die Tatsache als solche bedarf der Feststellung, daß auch di-? große Blasse der deutschen Jüdinnen nach zehn Jahren Fraueustinunrecht die Pflichten, die ihnen daraus erwachsen, r:ech nicht voll erkannt hat. Frauenstirnmrccht, das Recht der Staatsbürgerinnen, bedeutet ja nicht nur das Recht zu Wähler:, cs bedeutet weit darüber hiuarrs die Psb'chl. sich st ü n big mit alle n F r a g e n des ö s f e n t - l ich e n L e b e r: s z:: b e s a s s e r:, damit nran zu jeder Zeit ,.n:it besten: Wissen und Gervisser:" die Verantwortung trage:: kann: Rur die Frau, die sich so ständig um jede Frage der Gesetzgebung. um jede Frage der Verwaltung, um den Streit der Parteien kümu:ert. kanr: die Verantwortung für die Erstsdzeidung tragen, die sie mit der Abgabe ihrer Stinnne beirr: Walrllage übernimmt — die sie aber auch dann trügt, rvenn sie keine Stirume abgibt, ur:d dvidrrrch Parteien stüpt. die sie bewusst niernals unterstützen würde. Die Masse der Frauen, arrch der jüdischen Frauen, nirrunt bestenfalls die Rechte, die die Verfassung ihr gibt, für sich in Anspruch, vergißt aber die Verpflichtungen, die sie ihr auferlegt. Die Reich?verfassung spricht es in Artikel 132 ganz eindeutig aus, daß jeder Staatsbürger die V c r p f l i ch t u n g z u r II c b e v r: a h n: e öfsentlicher Ehrenürnter trägt. Vor dem Kriege war es eine selbstverständliche Ehrer:ps!ich! aller deutschen Iüdiiurer:, Ehrer:-