Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
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Dr, Ludwig Tietz: Vertiefung unserer innerjüdischen Arbeit. gctt U’-eift crft umc^it Benno Jacob im ./Morgen" auf das Unberechtigte dieser Behauptung bin. Es würde 511 weit jiUivcn, tm Nahmen dieser Anführungen daraus einzugehen. N'll. Wir müsteu uns iveiterhiu dagegen tuenden, das; Betonung wlbstbeioußten Judentums bereite Zionismus sei, und das; jede starte persönliche Vindimg an das Judentum, soweit sie nicht im strengen Sinne eine religiöse istjede Ablehnung der „Assimilation im Attusativ" — „logi'ch >11111 Zionismus führen muß". wie es erst türzlnh wieder Robert W e l t s ch in der „jüdischen Rundschau" <Rr. 1 d. vV) behauptet hat. Zionismus ist nicht est io a hochpoteuziertes jüdische Gemeiilschaftsgcsühl oder Gemeinschastswille. Wir haben iui«_ mit der Idee des Zi 0 ni s in u s , wie sie in der Gegenwart besteht, auseinanderzusehen. Diese Idee kann n i ch t ir i U f ü r (ich , auch nicht bon den Führern des deutschen Zionismus, der nur e i n Glied in der gesamten Bewegung ist. interpretiert werden. „Der Zionismus hat" — nach der Definition des anerkannten Historikers der Bewegung. Adolf Böh m — „in irgendeinem Grade die Voraussetzung, das; die Verwurzelung der Juden in ihren Wohnlündern nicht wünschenswert oder nicht restlos ausführbar, und die jiüeitc, das; Palästina die wahre Heimat der Juden sei". Dieser Definition folgen wir und lehnen darum den Z i 0 n i s in 11 s g r it n dsützli ch ab, weil wir die angegebenen Boraussehnngen 'nicht teilen. Tie Verwurzelung der deutschen Juden in ihrem Vaterlande halten wir nicht nur für wünschenswert, nicht nur für ausführbar, sondern für gegeben. Für gegeben in einem Grade, das; wir, wie oben bereits gesagt wurde, diese deutsche Verwurzelung als Arbeits g r u n d l a g e, uici;t wehr als Arbeitsf 0 r d e r n n g anfehen. Die Tatsache, das; wir hierbei dem Widerspruch. einzelner Volksteile begegnen (A n L i s e m i t i *? m u s a l 8 Beweismittel des Z i 0 n i s m u s), ist kein G e g e n beweis. Wir sind uns dabei bewußt, das; nicht alle deutschen Zionisten diese „E n t w n r z e l u n g s t h e 0 r i e" anerkennen, das; nur wenige sich als Angehörige einer jüdischen Nation fühlen, also ernstlich die Absicht haben, einem jüdischen Gemeinwesen als dessen in der Diaspora lebender Bürger anzngehören, sobald das technisch möglich sein würde. Ans die Nt i t l ü u s e r , auf diejenigen, die lediglich als Reaktion auf Renegatentum oder Trubjuden sich der Bewegung angeschlossen haben, kommt es nicht an. Auch der Zionismus darf heute nicht mehr nach dem Stande von 1900 betrachtet werben.- Der Zionismus null den jüdischen Stamm in die Erscheinungsform eines Volkes im Sinne der Gemeinschaft der äußeren, formalen Kultur, insbesondere Sprach- 71 g e m e i n s ch a s t. zurücksühren. Diese Willensentscheidnng mns; jeder Zionist treffen. Die zionistische Generation der Vorkriegszeit konnte st.l; viclwmjl damit begnügen, den nationalen Charakter des Inde::!u:ns in der D iasporn . zu verkünden. Die j n n rj e; i 0 n i ft t i ü) e G c n c r a - ti 0 n der Gegenwart, die die nationaljüdistbe Idee iortzuentwickeln hat und angcnst)ts der VerioirtLichnng des Palästma-Arnbanes die entscheidend? Rolle in der Bewegung spielt, ist sich ihrer persönlichen Verpflichtung bewußt. Während der „B lau- W? i ivirllichleitssrew.d ir.iD jngendbenaegt-romautifch — entsprc/i'.cnd Der nlUv-'nu'im'ii deutschen Jugendbewegung seiner Zeit —, glaubte, eine zionistische Fngendbelvegnng fein zu können —, ein Irrtum, der stch bald zeigte sind die heute entstandenen zionistischen Ingendbünde reine E l) a l n z b e iv e g u n g e n , die es jedem zur Pflicht machen, sein g e s a in t e s j ü d i s et) c s V c b c 11 a u s P a l ä it i n a z u k 0 n z e n t r i e r e n. Diele Bünde sind zahlenmäßig innerhalb der organisierten jüdischen Jugend in Deutschland gering, und es besteht die nicht mehr verwunderliche Tatsache, daß sie zu einem beachtlichen Teile aus nichtdeutschcn Itideu bestehen. Nicht mit Unrecht bezeichnen sie sich als die „dritte Generation des Zionismus", für deren ..tzonistifche" Entscheidung das Schicksal Palästinas vielleicht von größerer Bedeutung ist als iür diejenigen, die auch schon ohnedies reale Palästinazionisten geworden sind. Wir müssen heute schon mit Besorgnis für den Westen seftstellen, daß gerade w i r mit Zionisten keine gemeinsame Sprache mehr finden, sei es auch nur, um in diesem Grade noch andere divergierende Standpunkte zu formulieren, klarer als ans theoretischen Erklärungen erkennen wir hieraus den Zionismus der Gegenwart, der ganz und gar der Böhmfchen Teiinition entspricht. Mit diesen wirklichen Nationaljnden werden wir keine Verständigung finden können. Wir bestreiten, daß sie die gleichen inneren Beziehungen >11111 deutschen Siaatswesen besitzen können, wie wir sie haben, ivir müssen uns dagegen ivehren. sobald sie diese Beziehungen bei uns zu leugnen oder zu stören versuchen. Reine lärmende, astektbewnte Feindschaft, sondern auf Winen, Ileberleguug und Willensentstheiduug gegründete, jedem einzelnen bewußte Trennnngslnno. VI ll. Wir haben den Begriff der jüdischen Gemeinschaft anerkannt und ihr die willensmäßiae Richtung zur deutsch-jüdischen Gemeinstchas: gegeben. An diesem Standpunkt sollten wir uns weder durch überspitzte Schlagworte von rechts noch von links irremachen lasten. Das Bewußtsein der jüdischen Gemeinschaft 'muß dazu führen, den Rampf der Geister in sachlicheren und ruhigeren Formen .zn führen. als es heute geschieht. Wir wissen, daß hier ans allen Seiten gesündigt wird, und daß es daher schwerlich von einer Richtung verlangt werden kann, mit dem „Abbau der Feindwligleiten" zu beginnen. Aus der Gemeinschaft deutscher Juden nstrd Fränkische Synagogen. Baiersdorf (Miitelfrankm), gebaut 1711. Heidingsfeld (Unierfranken), gebaut 1780. Zu dem Aufsatz „Alte jüdische Kunst in Bayern“ von Theo Harburger (München), Seite 75. (Abb. 2 und 3.)