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Central-Verein-Zeitung · 1928-02-10 · 6 (10.2.1928) · p. Seite 70

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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70 Dr. Ludwig Tieiz: Vertiefung unserer innerjüdischen Arbeit, aber darf cs für ihn feine Neutralität geben. Es ist auch heute noch die erste und wesentlichste Aufgabe do- Eentralvereins, die Heiden Elemente unsere s Sein ö , T e u t s d) t u m u n d Judentum, zu vereinigen. Eine Aufgabe, denn wir sind der Ucderzengnng, daß eine solche and) heute n och vorliegt. Tie Tpnthe'e' vorn Tcnlsdztmn und Judentum ist ein Ziel, zu dessen Erreichung wir n^tz viel Weges werden gehen müssen. Tie als eine schon vorhandene Tatsadze zu bezeichnen, ans der man stolz ansruhen kann, ist eine oberflächliche Betrachtung»weise, die schon so oft bewirkt hat, das; wir in Diskussionen gerade mit geistig hoehstehenden Gegnern so häufig a n e inande r v o r b e ired e n. Wir b e - jähen die Bereinigung dieser beiden Elemente heute wie von jeher, wir sehen in ihr einen Weg zur Schaffung eines wertvollen deutschen Äenscheutstps. aber wir sehe:', in ihr weiterhin eine Ausgabe. Eine Aufgabe, die sicher nicht durch kritiklose Angleichnng zu lösen ist. Wir stimmen mit Tr. Jacob überein, wenn er sagt: ist jti unterscheiden zwischen einer A s similati o n im Akkusativ und i m J? a 11 D . o b i d) m i dj aber mit c Hirn ilicre. Jene ist Selbstmord, diele ist nichtandereals das reben selber. Alles Wachstum ist beständiges Assimilieren, Anstn'bmen. 3o bat auch d<rs Judentum jederzeit die seinem urfvrünglichen Weien gemäßen Elemente der Unnoelt siKi) .assimiliert^ Es ist die Ausgabe seiner Lehrer und Führer, zu verhüten, daß cs sich <so) assimiliere und aufTcie, eine Geiahr. die allerdings inmitten einer Weit, die äußerlich so weil mächtiger und!>er führe risch ist, beständig droht! —w III. Denn mir also von den zrvei Wurzeln unseres Teins. Tcutschtum und Judentum, ansgehen, so seien .zunächst einige Worte über unser T ent svh tum gesagt. Ter äußere und innere Abwehrkampf zwingt uns oft genug dazu, vou unserenr Tentschtmn zu reden. Wir dürfen aber darüber hinaus nicht in den Fehler verfallen, in umgekehrter Weise der Argumentation unserer nichtjüdischen Gegner zu felgen und bei allen innerjüdischen Auseinandersetzungen, bei der Erörterung von Fragen, die allein unser Judentum betreffen, uns für verpflichtet zu halten, jedesmal unser Teutschtum besonders zu betone n. Tascheint selbstverständlich, aber die nähere Betrachung zeigt, daß diejenigen unter den Kritikern der Eentralvereins-Arbeit innerhalb und außerhalb unseres Mitglieder krcisestark vertreten sind, die sich in einer II eb e r beLonnng ihres bewußten Deutschtums, auch da, wo sie es gar nicht nötig hätten, nicht genug Lun können. Ans solchen Betonungen scheint dock) nur Lllzuoit bewußte oder unbewußte Angst, in der Unnvelt nicht für voll genommen zu werden, zu sprechen. Wie gerade Engen F n ch s den Wert derartiger Derteidigungs- oder Erziehungsmethoden einschätzte, geht aus seinen Worten hervor: „Was gießt dem Antisemitismus nicht Wäger auf die Mühlen? Wenn wir unser Verhalten danach entrichten, was ne (die Judenfeinde) sagen oder denken, so werden wir entweder Narren oder Tchnrken werden!" Wir suhlen uns als T e u t s che mehr de n n j e, besonders die junge Generation, die in Deutschlands schwersten Zeiten ausgewachsen ist. Aber wir glauben, daß wir nur dann eine Eristenzberechtignng innerlich beanspruchen können, wenn wir uns unserer besonderen Eigenart als einer Farbe in dem vielfarbigen Gemälde des deutschen Volkes bewußt sind. Nicht öde rationalistische G l e i ch m a ch e r e i. nicht Hinau-schreien unseres Patriotismus, sondern stolze, s e l b st b e w u ß t e E i n o r d n u n g. N i ch t bewußtes Teutschtum der R e d e, sondern unbewußtes Deutschtum des Tein s. Teutseche Gesinnung wird vor allem nid)t dadurch betont, daß man sie anderen a b - spricht. Gewiß, „unbeirrte Pflege deutscher Gesinnung", aber Pflege in sich selbst, dadurch, daß man sie lebt. Das haben wir dcut'chen Juden gerade in den letzten Jahrzehnten bewiesen, und wir können die deutsche Gesinnung, vor allem auch bei der jungen Generation, als n n b e w n ß t e L e b e n s f u n k t i o u voran-setzen. Deutsche Gesinnung muß für den E. B. Arbeitg r u n d t a g e, nicht Arbeitsordernng sein. IV. -Auf der ArbeiLs g ru n dla g e unseres deutschen Teins ist die „unbeirrte Pflege" unseres Judentums als A r b e i t s s o r d er u n g des Eentralvereins zu verlangen. Wenn wir die Generationen l'etrachren, die arn Ausbau und Ausbau des Eentralvereins ruitgewirkt haben, so drängt sich uns eine Tatsache ans: mit jeder neuen Alter-! laye, die jid> vou dem innerlid^selbstverständlichen, patriarchalisch-eingewurzelten Judentum unserer Borvater mehr entfernte, sind die Bindtmgen au das Judentum loser geworden. Tie nt jüdisch-religiöser Richtung neutrale Arbeit de- Eentralvereins beruht auf dem Bekenntnis 311 der durch einen r e! i g i ö s - s i t t - (i di e n Jdeenk 0 mpler vertu ü pste n u n d gebildete n de b st a in m u n g s g cinci n f ch a s t. Tie religiös-sittliche Grnndidce de- Judenttuns erwächst — dahingestellt, ob überwiegend durch Vererbung oder Erziehung — aus der Gemeinschaft. Allerdings ist diese Idee in vie.en Juden heute nur sehr schwach lebendig, l». manchen uberafnmiHcrton (die eine Assimiliation int Akkusativ erstreben!) überhaupt nicht. Jn dem genannten Artikel weist .Holländer aus „die Menge der jüdischen Atheisten" hin. „die, losgelöst von allem Geschichtlichen tmd Religiösen, den Abfall vom Judentum doch aus das stärkste verneinen, die niemals ihrer Gemeinschau den Rücken zu kehren gedenken. Diese sind und bleiben Juden, lucil sie in ihrem Innern den Wunsch nach Erhaltung der jüdischen Gemeinschast als Geislei-gemeinschast, als T ch ick s a l ege me i n ul-ai t. als ^eben-gemeinsd ail in iid) tragen, west sie trotz ihres Rationalismus das Geiühl haben, es müsse im Judentum estoas stecken, was sich für die Welt, für die Menschheit auszuwirken habe". V. Ter Ecntralverein will aber nicht nur die Juden verteidigen, er muß im stärksten Maße einen Kampf für das J u deul 11 m s ü h x c u. Um diese Arbeit leisten 31t können, ist eine positiv-jüdische Arbeit-richtnug unerläßliche Voraussetzung. Es soll gier, trotz mehrfacher Klarstellung, nochmals betont werden, das; cs sich dabei nicht um eine Ansetnaudersetzung mit den religiösen Strömungen im Judemtum handelt. Tie Arbeit mag zwar äußerlich — wenigstens eine Zeitlang — lediglich als reine A b w e h r t ä t i g k e i t in Erscheinung treten, obwohl and) diese technisch ohne eilt Mindestmaß jüdischen Wissens, das bei gänzlich Jndifserenten selten anzutreffen ist. schioer durchführbar win wird. Airs die Tauer muß. sich aber die Art der Ab- )v c h r a w s d e ni z u s ch ü tz ende n G u 1 ergeben. Diese Gedanken und nicht neu, die besten Köpfe des Eentralvereins haben sie in allen Zeiten bekundet, aber gerade für die jetzige Tituatiou des deutschen Judentum^ müssen sie erneu! betont werden. Darum sei heute an dieser stelle an die Worte Eugen Fuchs' erinnert: „Je länger, je mehr hat sid; der Ecntralverein bemüht, über die negative Abwehrtätigkeit herauszuwachsen, positiver, innerlicher, jüdischer zu werden." Mangelnde Klarheit über das Judentum, mangelndes Wißen im Judentum können nid)t durch noch so laute Ruse nach „klarem Kurs", nach „reinlicher Tcheidung" und ähnlichem ersetzt werden. Jdeen können nur in denen wirksam sein, die siel) m i t i h u e n a n s - e i n a n d e r g e s e tz t haben. To ist das Wissen ums Judentum erste und wesentlichste Voraussetzung. Daß für die Verbreitung solchen Wissens unter uns deutschen Juden unendlich viel zu tun ist, bedarf wohl kaum der Begründung. Unser Teutschtum )vird dnrd) jüdische Erziehung-- und Bildungsarbeit — es fei in diesem Zusammenhang an den Artikel von Theodor Marcus in Nr. -tö von 1927 der „E. B. - Zeitung". „E r w a ch scnenbildu n g", erimicit — n t dj t beeinträchtigt, sonder n g e s ö r b c r t. Für den deutschen Juden, der sid) rückhaltlos in den deutsdzen Knlturtreieinordnet, liegt so in der Erziehung seiner selbst und anderer zu „jüdischen Brenschen" eine Aufgabe — von der augenblicklichen Lage aus betrachtet d i e Ausgabe. Tiews selbstbewußte Judentum darf nidzt verwechselt werden mit dem Gemisch von falsch verstandener Pietät und empfindlicher Tentimcnta.ität. das heute den „jüdischen Inhalt" vieler deutsch'r Juden darstellt. Leben verdient nur, was wirklich lebendig ist. Richk nebelhafte ., J üdischkei t", sondern klares, lebenspendendes J u d e n k u m. Wenn wir in diese m ^ittne die Erziehung-- und Aufklärungstätigkeit eriveitern, werden wir am besten und sichersten den Öerabsetznng-bestrebuugen ans jüdischen Kreisen begegnen. VI. Aber auch ans dieser Arbeit ergibt sich von selbst die^Abgrenzuug zum Nationaljudentum, zum Zionismus. An dieser Stelle mün.en wir uns zunächst gegen die Methode von nationaljüdischer Seite wenden, jede Bestrebung, die dahin gehr, den G e m e^n s ch a j t - - wert des Judentums zu bejahen, den Wert der Ltammesgemeinfchasl zu betonen — wie es Engen Fuchs. Rieger und andere oft genug getan haben —, als Zionismus zu bezeichnen. Tiefe Begriffsverwirrung ist bedauerlich: besonders bedauerlich aber dann, wenn sie von nichtziouistischen Juden au- Unkenntnis, Beguemlichkeit oder aus falsch verstandenem Aatioualgestihl heraus gefördert wird. Es ist für uns in diesem Zusammenhänge gleichgültig, ob der Zionismus das historische Recht für sid) in Anspruch nehmen darf, die deutschen Juden zum Telbstbewußtsein, zur Anerkennung des Eigenwertes — oder was er sonst für Verdienste sid) anrechnet —, gebracht zu haben. Diese Frage ist oft behandelt worden — in jüngster i____jziiiizrza Ä MK?DMMS

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