Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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t Gruss an die Hauptversammlung! Wenn diese Nummer erscheint, vereinigen sich unsere Freunde aus dem ganzen Deutschen Reiche zur Hauptversammlung, der wichtigsten Einrichtung unserer Organisation. Jede Hauptversammlung hat von neuem die Bedeutung dieser Einrichtung bewiesen. Das Muss von Idealismus und hin- Bebender Arbeitsfreudigkcil, welches für die Leitung unentbehrlich ist, würde nicht aufgebracht werden können, wenn mehl die 'Hauptversammlung einen Jungbrunnen darstellen würde, aus welchem man immer wieder neue Kräfte entnimmt. Jede neue Hauptversammlung bedeutet auch für die in der Leitung tätigen Männer und Frauen „Gerichtstag hallen über das eigene Ich". Sie bedeutet dies aber nicht nur für die Leitung, sie bedeutet es für jeden Abgeordneten der Hauptversammlung. Jeder hält hier einen Gerichtstag ab über das eigene Ich. Die Probleme, in deren Dienst wir arbeiten, vertragen keine dogmatische Ordnung. Dauernd mit sich ringen ist eine Eigenschaft, in der wir ein köstliches Cut verehren, das wir von unseren Vätern ererbt haben. Eine Vereinigung von der Grösse unseres Centralvereins kann und darf sich nicht den Luxus einer absoluten Einhelligkeit leisten, wenn °sie °nicht verkalken soll. Einig sind wir in u nse r e m B e kennt n i s z um deutschen Judentum oder zum jüdischen Deutschtum. Ich vermag eine Differenzierung nach dieser Richtung nicht. anzuerkennen. In der Ausgestaltung dieses grundlegenden und unerschütterlichen Prinzips müssen sich bei so grosser Mitglied er zahl Meinungsverschiedenheiten ergeben. Falsch wäre cs, hier ein Ketzerrichtertum zu entwickeln. Wir grüssen in Ehrfurcht jeden ehrlich ringenden Bruder. Begegnen wir jeder Meinung mit Achtung.' Aber IJopfcn wir nach schöner alter Sitte unserer Väter jeder an die eigene Brust, hallen wir Gerichtstag über unser eigenes Ich, dann werden unsere Beratungen von dem Geiste getragen werden, der bisher alle unsere Beratungen ausgezeichnet hat. Ein herzliches Willkommen allen Abgeordneten! Dr. Julius Brodnüz Vorsitzender des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Tenn es fommt nicht mir darauf an. das; ein (sn'hinfe da ift,; sondern daß er aus seinen weitverzweigten Biegen seine reine Ge-! ft a 11, seine unverminderte -Ularljeit und Geschlossenheit le c l; a (t : cs kommt darauf an, das; er bei seiner:! Umlauf nidjt entstellt, verzerrt, belastet und — entwertet wird. Bon dieser Sicherung und Behütung ist der st. B. - Gedanke noch sehr weit entfernt. Es begegnet mir überraschend oft, das; der st. B. geradezu als cm bi semitisches Argument ins Feld geführt wird: in ihm eben werde sichtbar, das; die Gesamtheit der Inden sich aus der deutschen Bolksgemeinschaft „heransorganisierte"; unter dem Deckmantel des Aechtsschntzes suche man alle Inden znsauunenznschließon. um so Machteins lüste hinterrücks zu sichern und eine gefestigte 3tontrnft für die spezifisch jüdischen Interessen zu besitzen . . . Gewis; — das ift ein Vorurteil, das sich zum Urteil klaren lässt, wenn man dem Gegner irgendeine Anmmer der „st. B. - Zeitung" in die Hand gibt. Beste anders sieht sie ans. als man sie sich vorgestellt. Wieviel Aufschrei enthält sie. Wieviel Unrecht enthüllt ne, das an manchem schon nnerioartet die Zornesadcr zum Echwellen brachte, der sehr unbefangen und selbstverständlich im herkömmlichen Antisemitismus seines Greises sich bewegt hatte, llnd wieviel Bekenntnis zum Deutschtum ift in ihren wenigen spalten ausgesprochen — und in diesem Bekenntnis eben weise ich den anfrusenden Tinn des G. B.- Gedantens ans: Irrt euch nicht! Und verleumdet uns nicht! Wir sind Deutsche. Wir tragen alle deutschen Pflichten nicht nur in Gesesibüchern und Paragraphen, sondern im Gewissen selber, llnd weil wir Deutsche sind, sind nur eben ans unserem deutschen Gewissen gebunden, um unser ungeschmälertes Becht als Deutsche zu kämpfen. Gerade hier aber hebt abermals das Misstrauen an. Blau legt — wie oft! — den Finger auf den Alopf der Zeitschrift: „Da steht geschrieben: Gentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens . . . deutscher Staatsbürger . . Bl an kneift die Augen verstehend zu: „Staatsbürger", das ist denn doch etwas anderes als das unumwundene: „Deutscher". Deutsch, das ist etwas, was man seinem gejausten Wesen nach ist, was man sein m u s;, ob inan Nult oder nicht, weil man in die Deutsehheit hineingeboren ist. Staatsbürgertnm aber ist etwas, was verliehen werden kann und was entzogen werden kann durch ganz bestimmte äußere Aftchlsvorgänge. ist ein juristischer Begriff, kein Weseusmerkmal und kein Bekenntnis. * geht der st. B.-Gedanke also ans den juristischen Begriff, aus praktischer Taktik — oder geht er auf das Bekenntnis zmn Deutsch '^ein. das nur ans der Genstssensbindung quellen kann?" Hier hebt dann ein langes Fragen und Sagen an: das; ein Wesensmal des G. B.-Gedantens die Ausgabe ist — eine Aufgabe oft i>on tragischer Größe ., alle die Inden, denen die antisemiti'che Ber hehnng hundertmal suggeriert hat: Du bist nicht unser, du bist uns fremd, du bist uns feind, nur wollen nicht, das; du Teut'chland deine Heimat nemnt, geh von uns! - sie alte, denen hundertmal und tausendmal wehgetan wurde und deren verlebtes Menschentum sich anfbännst zum lrolstgen Abwenden vom deutschen Geist, sie alle dennoch zu rufen, znrückzurnfen und ihnen das Bewnstlsein zu geben: Hier ist ein stampf, vor dem ihr euch nicht zu scheuen habt, stin stampf um das gegebene Wort, stampf um euer Recht als deut'che Staatsbürger. Aber das Innerste dieses Kampfes, das, was ihm Ethos und D a u e r g i b t — und was das Leidvolle für die Besten und Bewußtesten ist. ist doch dies, das; er N a u m u n d Licht schassen w i l l für das Wesentliche: daß der j ü d i s ch e D e u t s ch e e b e n nicht dem deutschen B o l k s t u m geg 2 u - ii b c r „1111 r" Staats b ü rger sein will, so n d e r n v 0 n diesem B 0 lkst 11 m c r f ü h l t und er w i c \ c n sein will nie einer, d e r mitd e r G a u z heit seiner Seel e, seiner Berpfli ch r u n g. i e i n e r st u 11 u r. seines H e i 11t a t - n n d N a t i 0 n a l b e w u s; t s e i n s. d e u t s ch i st. Der Wille, dies sichtbar zu machen in allen streifen der Seele, ift da. Es gilt, in Deutschland den Willen bereit zu machen, das sichtbare zu 'sehen. Dies ist eine Aufgabe, die der angespanntesten strafte bedarf und eine nnabläfsige Berfeinernng in den Methoden des stampses, des tteberpeugens. des Ginsühtens vorausseht, eine Arbeit, die, um wirklich erhebliche streift' in Deutschland innerlich zu enanen. viel mehr als bisher danach wird trachten müssen, die Betten unter Juden und Aichtjnden zur Gewissens- und Wirkensgemeinschast zu einen. Freilich: an diesem schwierigsten Punkte, am Problem der Erweckung des deutschen Willens zum vorurteilslosen Lehen wird die Aufgabe des st. B.-stftdankeus Zugleich eine entscheidende Ausgabe am deutschen Bolkstnm, ja, an der deutschen Botlskrast. Denn Antisemitismus, das ist ein Umfthlagen der ruhigen, starken, furchlloftn Sehkraft in die Blindheit des Hasses. Hier kann nicht von den Urquellen dieses volkstümlichen Hanes gesprochen werden. Aber dies muß gesagt werden: Wer es gelernt har. so lange die f-—.—— Capitol, Sonntag, 12. Februar, 11 Uhr. Karlen zu 1,— Mark an den Theaterkassen der Firma .Hermann Tietz (auch KDW) und Sonntag ab 10 Lthr im Capitol. rmßm MOMMSM! Unions-Festsäle,Montag,13.Febr.,2O3o Uhr. Eintritt frei gegen Dorzcigen der Einladungskarten.