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Central-Verein-Zeitung · 1928-02-03 · 5 (3.2.1928) · p. Seite 51

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
5 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 Sill rnln« WV V v Als wir an dieser Stelle den Brief veröffentlichten, den Theodor Fritsch an Henry Ford schrieb, um ihm, der ihn aufgesordert hatte, sein Buch „Ter internationale Jude" in der un „Harmner"-Bertag erschienen deutschen und spanischen Auflage zurückzuziehen, seinen Standpunkt ktarzulegen, bemerkten wir, daß auch hier, wie so häufig, nicht in: Begleitschreiben, sondern in der im Briefe erwähnten Anlage der wichtigere Teil der Postsendung zu erblicken sei. Die Frage lag nahe, mit welchem Betrag Herr- Fritsch seinen Abstand beziffere, falls er auf Fords Wünsche eingehe. Man könnte versucht sein zu meinen, daß Fritsch, der „Judenhasser aus Ueberzeugung", aus der Gewissensnot eines Dritten, und selbst wenn es sich um einen Ford handele, kein „Geschäft" machen werde. Diese Vermutung wurde durch eine Aeußerung Fritschs bestätigst der dem Richter in der Leipziger Hauptverhandlung am 20. Januar auf die Frage nach seiner wirtschaftlichen Eristen; erklärte: „Mit dem Antisemitismus kann man kein Geld verdienen." Jetzt ist uns aber der Preis für den Verzicht auf die Verlagsrechte des „Hammer" - Verlags bekannt geworden. Fritsch verlangte v o n Ford nicht weniger als 4 O OOOlatf, befristet bis zum ft, Januar D. I. Dieser Betrag ermöglicht nach mancher Richtung hin bemerkenswerte Feststellungen. Entweder verlangt Fritsch als Ehrenmann nur seine Selbstkosten, — dann ist es wuchtig festzustellen, daß ein Mann wie Fritsch in der Lage ist, in ein einziges Werk seines Verlages 40 000 Mark hineinzustecken, oder aber, das Buch ist in seinen Selbstkosten beträchtlich billiger, — dann bedeutet Fritschs Forderung, daß er nach seinen eigenen Aeußerungen zum ersten Male in seinem Leben ans seinem Judenhaß ein „Geschäft" machen wollte. Für einen Fünfundsiebzigjährigen wäre ein solcher Bruch mit den Prinzipien seines Lebens überaus bedenklich. Ford scheint diese Forderung für unberechtigt zrr halten. Die Frist bis zum ft. Januar mns; wohl ergebnislos abgelanfen sein, Denn Fritsch veröffentlicht im „Börsenblatt für Den Deutschen Buchhandel" nach dem ft. Januar wieder eine auffallende Annonce, in Der er ankündigt, Vas; er, gestützt auf die urheberrechtlichen Gutachten prominenter deutscher Juristen, berechtigt sei, feine Ausgaben des Fordschen Buches weiter zrr vertreiben. Er könne also nach wie vor dein geehrten Publiko die ungemein bedeutungsvollen Betrachtungen Henry Fords zum Kauf anbieten. Nicht nur die deutsche Presse widmet dem Fall Ford— Fritsch größere Aufmerksamkeit, auch die amerikanische, besonders die amerikanisch-jüdische, beschäftigt sich lebhaft mit ihm. Bemerkenswert ist, was eine der bedeutendsten amerikanisch-jüdischen Zeitungen zu Beginn dieses Jahres schrieb: „Es war zu erwarten, daß Fritsch ,ja* derlei als Antwort auf dieses Verbot des Vertriebes des Fordscheu Werkes unternehmen würde — eilten Versuch, Ford zu überzeugen, daß er mit seiner gegenwärtigen Haliung gegenüber den Juden im Unrecht ist. und für die Zurückziehung der anstößigen Bücher aus den: Vorkehr Geld Zn verlangen. Fritsch hat beides getan. Er hat Geld verlangt, und er hat vernicht, Ford zu überzeugen, daß sein Widerruf einer Kapitulation vor der Macht der Inden gleichkommt. Fritsch fügt hinzu, daß er in seinem Kampf gegen das jüdische Volk fortfahren wird. Eine kurze Zusammenfassung der Tätigkeit Fritschs wird ohne Zweifel unsere Leser interessieren. Fritsch ist heute 75 Jahre alt. Antisemitismus ist sein Lebenswerk gewesen. Seit seiner frühesten Jugend hat er in ständigem Kampf gegen die Juden gestanden, den er ui der skrupellosesten Weise durchgeführt hat. Seit 27 Jahren gibt er seine Schrift „Ter Hammer" heraus, in der er die Juden durch Veröffentlichung der zügellosesten Anwürse angreist, neben denen die Beschuldigungen im „Tcarborn Independent" mild erscheinen. Seit Jahren ist er der radikalste Jrrderrhaffer in Deutschland. Bei mehreren Gelegenheiten ging er in seinen Beschuldigungen zu weit und hat verschiedentlich die Vorschriften des Gesetzes übertreten. Ost ist er für seine Fälschungen mit Geldbußen oder mit Gefängnis bestraft worden. Von ausgezeichneten Christen wurde sein Tun verurteilt. Professor Kittel, ein bedeutender protestantischer Theologe, sagt in einem gerichtlichen Gutachten, daß „er an einem schweren geistigen Defekt leide", daß „er unfähig zu wiyenschafttichem Denken und Arbeiten sei" und daß er auch an einein „moralischen Manko" leide. Fritsch schniähte Deutschlands aufbatlendsten Staatsmann, Walther Rathenau, kurz bevor er Meuchelmördern zum Opfer fiel, und wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er griff Mar Warburg an, den er des Landesverrats beschuldigte, und erhielt für diese falsche Befchntdignng vier Monate Gefängnis. Fritsch ist ein gefährlicher Fanatiker, der an einer krankhaften Jndenfurcht leidet. Henry Fords kürzlichcs Verbot an ihn ist die neueste Niederlage in seinem Feldzug des Hasses." 6 i ii Ergebnis hat der Kampf Ford—Fritsch auf jeden Fall für Fritsch 'gehabt. Er wird, da man Henry Ford wohl mit Recht als eine Persönlichkeit ansprechen muß, deren Namen in die Geschichte eingeht, in größeren Geschichtswerken in der F u ß n o t e z u F o r d e r s ch e i n e n. Hg. (Fortsetzung von Seite SO% Nun ist es znwifellos richtig, daß ältere Menschen nicht immer die Elastizität besitzen, um in diesem ewigen Nennen nicht zu ermüden. Sie werden vor allem vielfach nicht mehr die Kraft haben, andere mit fortreißen zu können, sie werden leicht dann ermüden, wenn ihre Kräfte sich schon an der Arbeit zur Verwirklichung unserer Aufgabe erschöpft haben. Ter Jüngere ist elastischer, unverbrauchter und stellt sich viel freudiger und bereitwilliger auf alles Nene ein. Aber dies ist doch nur bedingt richtig. Es gibt sehr viele ältere Menschen, die eine größere ^pannkrast besitzen als jüngere. Teslmlb bedeutet die Forderung nach der Verjüngung unserer Führerschaft nicht die Forderung nach der Heranziehung ausschließlich jüngerer. Menschen, sondern diese Forderung muß dahin rrerdeutlicht werden: An Stelle -derjenigen, die erschöpft sind, die nicht mehr in der L-mge sind, jede neue Aufgabe zw erkennen und sie führend zu losen, müssen tatkräftige, erkenntnisscharfe, frische Kräfte — gleichviel welchen Alters — gesetzt werden. Diese Forderung, die vom Hau Pt verstand selbst ausgeht und die aus Wunsch der Leitung unseres Vereins hier ausgesprochen wird. soll aber keine revolutionäre sein, sie soll nicht etwa — das ist im vorstehenden eigentlich schon deutlich genug gesagt — denjenigen, die in der Führung unserer Arbeit stehen, die noch starke Kräfte zu haben glauben und sie in der Tat haben. Veranlassung geben, sich AurückzuzicheN'. Im Gegenteil, ein Zusammenschluß wie der unsrige begibt sich eines seiner trefflichsten Mittel, wenn er sich der Traditio n, b h. der auf lange Erfahrung begründeten Kenntnis aller uns angehenden Vorgänge, entäußern würde. Zu einem guten Teile sind wir nur deshalb so stark, weil wir aus einem tiefen Born jahrzehntelange Erfahrungen schöpfen können. All das. was unx oben als neu bezeickpwt fyaben, wurzelt ja auch nur im Vergangenen, und man wird das Neue nur dann richtig verstellen und bel)andeln, wenn man es aus feiner Entwicklung, also aus der VergangenlM, heraus betrachtet. Wir gerade haben ja oft genug die Erfahrung geuiacht, daß von anderer Seite angestellte Versuche, mit unerprobten Mitteln und unerfahrenen Menschen und unerforschten Erkenntnissen den Judenhaß Zu bekämpfen, schon in ihrem Anfang kläglich gescheitert sind. Wir haben unsere Führerrcihen durch junge und frische Kräfte zu ergänzen, nicht sie durch sie vollkommen zu ersetzen. Wer erschöpft ist, muß gehen. An die Stelle tritt Neues. Wer aber noch die Kraft hat. muß bleiben. Weder der vollkommene Wechsel noch' das beständige Beharren in der Führerschaft ist gut. Gut ist nur der Wechsel am richtigen Ort und zur richtigen Zeit, wie auch wir einem ständigen Wechsel gegenüberstehen. So seien diese Zeilen ein Mahmvort an die Verantwortlichen unserer Arbeit. Keiner dient unserer Sache, wenn er vorzeitig sich zurückzieht, jeder aber schadet uns, der an seinem Platze bleibt, obwohl es an der Zeit wäre, einer frischen Kraft seine Stelle einzuramnen. Rechtsanwalt Dr. Errrt Alexander (Krefeld).

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