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Central-Verein-Zeitung · 1928-01-27 · 4 (27.1.1928) · p. Seite 42

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
4 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
Seite 42 (sequence 6)
Language
German
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42 Zum Erscheinen Des ersten Bandes. Don Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund) und Dr. Felix Goldman« (Leipzig). Was lange währt, wird gut, und wer etwas Tüchtiges zu leisten gedenkt, soll nch durch fein ungeduldiges Trän ge ln zur Uebereiluug verleiten lasten. Um so freudiger wird der Tank sein, wenn die mit Spannung erwartete Arbeit endlich vorgelegt wird. Mit dem soeben erschienenen ersten Band der groben jüdischen Enzyklopädie (E n c y c 1 o p a e d i a Judaica, Verlag Esckstol A.-G., Berlin) ist uns nicht nur eine kostbare und vornehme Gabe^auf den Tisch gelegt worden, sondern es ist damit auch das erste Stockwerk eines Baues errichtet, ans den hoffentlich das gesamte Judentum einmal wird stolz sein können. Tiefes, ans fünfzehn große Bände berechnete monumentale Werk will nämlich über die Ausgaben eines Lexikons oder Nachschlagebnches hinaus das gesamte geistige Schaffen von dreißig Jahrhunderten Judentum in wiycnschaftlich zuverlässiger und doch gemeinverständlicher Darstellung vorlegen. Es gibt keine Literatur/die mit so viel Recht eine Weltliteratur genannt werdet! kann wie die jüdische, denn cs gibt kein Volk, das mit so vielen anderen Völkern zusammengelebt und in geistigem Austausch gestanden hat wie das jüdische. Es kann daher keine universalere Enzyklopädie geben als eine jüdische, wenn sie ihre Ausgabe erfüllt. Das Bewußtsein von der Verflochtenheit der Juden mit allen Kulturvölkern, wie immer man sie beurteile, ist in dem letzten Jahrhundert unleugbar stärker geworden als je zuvor, aber erst durch eine solche Gesamtschau wird cs zu voller Klarheit gelanget!, und erst von hier ans wird cs zu der rechten Einsicht über Vergangenheit und Gegenwart sühren, ohne die man auch über die Zukunft nicht urteilen-kann. Tie Juden beklagen sich oft über die Unwissenheit, die über sie herrscht, aber es darf doch auch nicht verkannt werden, daß ein lebhaftes Bedürfnis nach sachgemäßer Belehrung vorhanden ist und viele nur nicht die Wege, sie zu befriedigen, wissen. Jetzt kann es aus die bequemste Weise geschehen. Jeder Besitzer dieses Werkes hat an ihm einen sicheren Führer durch ein Labyrinth von Jahrtausenden und dürste kaum eine das Judentum, seine Geschichte, seine Einrichtungen, eine irgendwie hervorgetretene Person betreffende Frage vergeblich stellen. Aber es wird auch kein Schriftsteller, der sich über Judentum und jüdische Dinge vernehmen lasten will, sich der Pflicht entziehen können, sich an dieser Enzyklopädie zu orientieren, bevor er das Wort nimmt. Er wird zudem finden, daß das Judentum kein Geheimnis hat, daß es bereitwillig jede verlangte Auskunst über sich gibt: „Wer lernen will, der komme und lerne." Er wird an einen neuen „Sehulchan Aruch", d. h. „gedeckten Tisch", geladen. Das Werk kann und soll durch die erschöpfende und wahrheitsgetreue Information, die es bietet, aus Urteilsbildung und Publizistik richtunggebend wirken, und insofern es zu weiterer Forschung den Ausgangspunkt bildet, ist es zugleich Abschluß und neuer Anfang, so wie es selbst schon vielfach nicht nur Bestandsaufnahme, sonoern selbständige Forschung darstellt. Die alphabetische Anordnung, die das Gegebene ist, hat den Nachteil einer Z e r st r e u u n g des Inhaltes. Ihr ist in diesem Werke in glücklicher Weise durch das andere Prinzip der ausführlichen M o n o g r a p h i e n begegnet. In ihnen wird ein ganzes Gebiet in zusammenhängender Weise derart behandelt, daß die einzelnen Fragen und Personen darin eingegliedert erscheinen und ein geschlossenes Bild entsteht, während geeignete Verweisungen aus speziellere Artikel vorbereiten. Solche größeren Arbeiten sind in diesem Bande, z. B. Aaron, Abbreviaturen, Abgaben und Steuern, Abraham, Adel, Agada, Aegypten, Akademien. Der nächste Band wird z. B. eine ausführliche Darstellung des Antisemitismus bringen. Im ganzen tvird das Werk ain ähnlichsten der Ene^clopaedia Britanica, bem Stolz des geistigen England, sein. Seine Vorgängerinnen sind die vor fünfundzwanzig Jahren in New Jork begonnene den'istr Encyclopaedia und eine in ruffifdjer Sprache erschienene. Das wichtigste Erfordernis ist strengste Objektivität, insbesondere in Streitfragen, vor allern, soweit sie auch die Gegenwart betrefsen. Die Gefahr hierbei, Partei zu ergreifen, ist nicht gering. So würde 3. B. eine einseitige Einstellung für irgendeine Parteirichtung das Werk zweifellos vielen verleiden. Schon der erste Band, zeigt jedoch, daß keinerlei parteimäßige Einstellung sestgestellt und nach keiner Seite gerechter Anstoß genommen werden kann. Eine Gewähr dafür, daß es auch in Zukunft so bleibe, bietet die' Zusammensetzung des Mitarbeiterstabes und der Redakteure, wie auch darüber hinaus der Kreis der Förderer dieses Werkes. Es wäre auch gar nicht möglich gewesen, eine einseitige Auswahl der Mitarbeiter zu treffen, da man die wissenschaftlichen Kräfte , nehmen mußte, wie sie vorhanden waren. Tenn cs soll ein wissenschaftlich, jeder Kritik standhaltendes Werk sein. Es will gewisienhaft berichten, nicht urteilen. Wissenschaft kommt nicht bloß von Wißen, sondern auch von Gewissen. Es versteht sich von selbst, daß ein solches Unternehmen nicht einmal begonnen werden konnte ohne umfangreiche und mühevolle Vorarbeiten: den Gesamtentwurf, die Feststellung der Zehntausende von Stichwörtern, die Gewinnung gelehrter (auch nichtjüdischer) Mitarbeiter aus allen Ländern und für die verschiedensten Gebiete. An der Spitze von sechzehn Fachrcdakteuren (zu denen auch der Referent gehört) steht als Chefredakteur Dr. Jakob Klatzkin, als stellvertretender Professor Tr. I. Elbogcn, ihnen zur Seite sechs ständige wissenschaftliche Mitarbeiter der Zentralredaktion, womit der wissenschaftliche Apparat noch nicht erschöpft ist. Die finanzielle Sicherstellung eines Werkes von solchem Ausmaße wäre ohne hochherzige Förderung nicht möglich gewesen. Es ist rühmlich für das deutsche Judentum, das; es diese Ehrenpflicht begriffen und wie seit einem Jahrhundert in der geistigen Führung der Judenheit der Welt die Leitung übernommen hat, wenn auch andere Länder sich nicht ausgeschlossen haben. Reben den großen Organisationen und Körperschaften, wie der Großloge Bne Bris, der Jüdischen Gemeinde Berlin, anderen Großgemcinden und dem Preußischen Landesverband ist in erster Reihe ein Mann zu nennen, der zwar schon Dr. h. 0. ist, sich aber diesen Titel jetzt von uns noch einmal verdient hat: Jalob Gold schm idt (Berlin). Tie Ausstattung ist über alles Lob erhaben. Tie Abbildungen, die das Werk zieren, sind vorzüglich. Ter Truck ist von der Offizin August Prieß in Leipzig, einer der renommiertesten des Kontinents, und der vornehm wirkende Einband nach Zeichnung von E. R. Wei ß. Tie Encyclopaedia Jmlaica wird eine Zierde jeder Bibliothek sein. Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund). * In allen Zeitschriften, die der Vertretung jüdischer Forderungen und den Geschehnissen jüdischen Lebens sich widmen, tvird auf die Bedeutung der jüdischen Enzyklopädie und aus die Notwendigkeit ihrer Förderung in diesen Tagen anläßlich des Erscheinens des ersten Bandes hingcwiesen werden. Daß es in diesen Blättern, die der Gleichberechtigung des Juden und des Judentums, die der Erweckung des jüdischen Selbstbewnßtseins dienen, ganz besonders eindringlich geschieht, ergibt sich aus der B e d e u t u n g d e r EuzYkl 0 p ä d i e s ü r d i e I d e e n d e s E e u t r a l v e r c i u s. Wir kämpfen um die Gleichberechtigung, und es ist in neuerer Zeit immer klarer erkannt worden, daß diese sich nicht nur aus den jüdischen Menschen,^ aus seine Stellung in Staat und im Kulturleben, sondern daß sie sich auch auf das Judentum selber e r st r e ck e n m ü s s e! Insbesondere ist auch in diesen Blättern oft beklagt worden, daß die jüdische Wissenschaft sich innerhalb der Universitas liUerarum noch keine osfrziett anerkannte Geltung hat verschaffen können. Voraussetzung jeder Gleichberechtigung ist sreilich die Gleichwertigfeit. -Tie Kenner der jüdisch-wissenschaftlichen Arbeit im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert wissen längst, daß sie in ihren Methoden den Anschluß an die von der allgemeinen Kultur anerkannten Grundsätze der Arbeit gesunden hat, und gerade in Deutschland wirkten jene Gelehrten — von Zunz an gefangen —, die das ungeheuere Material nach historischen und methodischen Grundsätzen sichteten und darstellten. Es darf als ein unbestrittenes Verdienst des deutschen Judentums gelten, daß es eine jüdische Wissenschaft im mobernen geschichtlich-kritischen cinitc begründet h a 1, und darum ist cs eine logische Notwendigkeit, daß in deutscher Sprache — ernstlich in Betracht kommende wissenschaftliche Enzyklopädien gab es bisher nur im englischen und russischen Gewände — die Ergebnisse einer hundertjährigen Epoche moderner wissenschaftlicher Forschung zusammengesaßt werden. Das gewaltige Werk wird nach seiner Vollendung Zeugnis ablegcn für die gewaltige Größe der jüdischen Ideen, für den aus ihnen fließenden Antrieb zur Verwirklichung, der im geschichtlichen Geschehen sich offenbart, für die Gewissenhaftigkeit und die Objektivität des jüdischen Forschers. Und das alles in reiner Zusammenfassung itnrö gewiß der Gleichberechtigung des I u d e n t u m s und der jüdischen Wissen s ch oft diene n. Es wird dazu beitragen, jenes Ansehen des Judentums zu schaffen,^ aus dem die Gleichberechtigung des jüdisck)cu Menschen daun mit Selbstverständlichkeit herauswächst. Wenn Gleichberechtigung die G l e i ch!v e r t i c\ f c i t voraussetzt, ist die Stellung der Aufklärung in unserem Streben von selber gegeben. Und sobald diese Arbeit nicht vom Standpunkt der vergänglichen Politik des Tages, sondern von dem der jüdischen Ewigkeitswerte aus geleitet werden sott, ist ein Werk wie die Enzyklopädie unumgängliche Notwendigkeit. Nachhaltige, wirksame Apologetik widerlegt nicht des Gegners einzelnen Angriff, sondern sie stellt das Wesen der Tinge dar, schlicht und klar, rein objektiv, in dem starken Bewußlsein, daß einer guten Sache beste Verteidigung in der W a h r h e i t liegt. Und damit wirkt das neue Werk im höchsten Sinne des Wortes apologetisch. Seine Darstellungen atmen gewiß die heiße Liebe zur jüdischen Idee und zur jüdischen Gemeinschaft, denn auch dem Wissen- CA «IN UOCHG-ENUXf ftEMIEtt-\v/ECKE,yCHWARZE«RÖOEB.lEIBZ!a

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