Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 4 (27.1.1928)
- Date
- 1928-01-27
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4t des Vorsitzenden des Landesverbandes Gros;-Berlin des G. B. an den Repräsentanten der Berliner Jüdischen Gemeinde R. N.*) Lieber Freund! Ich bedauerte sehr, daß Tn an der letzten Sitzung unseres Landesverlandsvorstandes, die von über hundert Tclegiertcn besucht war, infolge Testier beruflicheri Tärigkeit nicht hast tciknehmen können. Ter erste Punkt der Tagesordnung hätte, wie ich weiß, Tein ganz besonderes Interesse in Anspruch genommen: ich hatte itämlicf) auf bic Anregung vieler mlserer Mitglieder hin die bekannten Vorkommnisse in den letzten Reprä'entantenversammlmlgen der Berliner Jüdischen Gemeinde'zur Erörterung gestellt. Tu weistt, wir haben in nineren i)icif)eti alle religiösen Buchtlingen vertreten, gewiß, in übenviegcnder Zahl diejenigen der liberalen -iCict>t:una, aber anch viele, die der religiösen Millelpartci und der Loln'ervativen Dichtung angehören, zählen zu linieren Mitgliedern und engeren Mitarbcilerll. Einstimmig lvurdcn die Vorgänge der Berliner Repräscntantenversammllllig verurteilt, e i ll - ft i m m i q wllrde mit großen morgen der Zukunft des Berliner 'i n n e r j ü d i s ch e n Lebens e n t g e g e n g e s e h e n , roenn der Ton der gewählten Vertreter der jüdischen Bevölkerung auf ein solches Niveau hcruutersintt. Wir vorn Landesverband Groß-Berlin des Eentralvereins, als die all Zahl größte und innerlich stärkste Oraanisatiou. haben die Pflicht, beizeiten unsere warnende S t i m m c zu erheben lind der Repräsentantenversnimnlnng zllznruien: Bis hierhin und liicht weiter! Wahrlich, dieses Recht kann uns liicht beürilten werden. Wenn Juden in der Stadt sich tatilos bcnomuicu haben. hat stets der Gemralverein dagegen scharf Front remaci;t und erreich:, daß die Würde des Judentums wieder herge'stellt wurde. Wenn vor dem -kriege einzelne unserer Frauen in zii prunthafter Weise sich in Theatern oder bei sonstigen öfänllichen Anlässen zeigten, dann haben wir pflichtgemäß Abhilfe geschaffen. Wenn Misere Glaubensaenvsseu .als Menschen minderen Rechts behandelt wurden, waren wir auf dein Plan und sind für sie eingeireten. ohne Rücksicht ans ihre innerjüdische Stellungnahme. Wir haben unsere stimme erhoben — dafür und dagegen, ohne zu fragen, ob allen unsere eAellunanahirre gefiel. Liegt es hier etwa anders? Wir alle empfinden, daß dlirch den setzt eingerisscnen Ton in der Nepräsentanwnversaminlung deril Berliner Iudentunr Abbruch geschieht, daß die Stellung der Berliner Juden erschüttert wird; daher ist es unsere Pflicht, rechtzeitig Euch in der ReprasentanLenversau'.mlnng zu luarnen, um größeres Unglück zu verhüten, und solches ist aus dem Marsch! Hast Tn die Freude des neuen rechtsradikalen Blattes, das am Montag morgen unsere Gegner verschlingen, darüber gelesen, lvie ne sich an der Uneinigkeit in unserer Gemeinde ergötzen? Genuß, Blätter wie der Goebbelsche ..Angriff" bedeuten glücklicherweise nicht die Wett, aber man sieht, lvie unsere schärfsten Gegner darauf warten, wo sie lms wieder etwas am Zeuge flicken können. In dem schweren kampst den wir gegen die Rechtsradikalen mit Erfolg seit Jahr und Tag führen, haben wir die häßlichen Sitten, Be- *) Der obcnsiehcirdc „Offene Brüst fanu City Ranminangcl erst heute vrrö'sen:licht worden. Die Lchristlcirung. schiulpfungen, Verhöhnungen unserer Gegner cmersetts gegen denkende, anderseits untere inanivr zur Genüge kennengelernt! Ww t]t c§ möglich, daß Deutsche jüdisckzen Glaubens, die che Führer lern wollen, in der Oeffenttichkeit in den Fehler taktlosen Benehmens verfallen? Und das noch dazu bei einer Religionsgenleinschastsverttechmg, deren oberstes Ziel gerade sein sollte; ein Vorbi.chnn Benehmen, Verhalten und Sitte für die jüdische Bevölkerung zujeni. < winb denn die nun mal vorhandenen Gegensätze, die ich wahrlich mch: len an:, _ mit die ich alich nicht aus der Welk schassen will — denn nur der Widerstreit der Meinungen führt zum Fortschritt — nicht mit vorm.gnen Waffen des Geistes zu führen? Ich glaube, bei ruhiger Ueberlegung werden alle Vertreter der Nepräseu.ian.lenver'emmlnng meine A:v schaunng billigen, mld cs bedarf vielleicht nur einer Anregung, daß ihr voneurer Partei aus mal die Führer sämtlicher Parteien zusaunnenbittet, um auy diese Weise dasilr Sorge zu^ tragen,^ vag die kl a m p f e s a r t die einer Religio n s g e m c i n s ch a s t w u rdige ist. Rur Einigkeit macht stark! All die jetzt nlnherschwirrcnden Gerüchte über die eventuelle Gründung einer Sondergemeinde, die Gerüchte über vorzunehmende Austritte, könnten dadurch i:n ken.n Erstickt Yverdon und verstununen. Wir deutsche Juden haben mpere Gegner, die Antisemiten, zivar aus dem öf'entlichen Leben mit Erwlg verscheucheil Helsen. Aber die Einstellung unserer christlichen Bevölkerung dem jüdischeil Teil der deutschen Staatsbürger gegenüber i]t liccf) eine so mißliche, daß alle unsere kräfte gesammelt. werden müssen, lim hicrill in mühseliger dlrbeit zu einem endgültigen Erfolge zu komulen. Wie können wir so etwas erreichen. wenn unwre christlichen Mitbürger mit Recht aus die üblen eitlen bei unsere n F ü h r e r n Hinweisen können. Tu lveißt, daß ich es insbesondere war. der gtlegentllch der Wahlen zur Berliner Jüdischen Gemeinde im Jahre 19W. den Seandpunst vertrat, daß der E. B. von sich aus Gelvehr bei Fuß diesen Wahlen Zusehen soll. Ter E. B. hat ilicht das Rech: — er darr es statutenmäßig n'cht —, sich in den kamps der religiösen Wltanschainillgen einzumiüben. Ihm sind in seinen Reihen alle. fmroi: sie Bekenner eines ernten Judentums sind, recht. Tamals lmd jetzt wurde und wird mir der Vorwurf gemacht, daß es unrichtig war vom Landesverband Groß-Berlin, in die Wahlbemegnug niche aftiu einzutreten. Vorkommnisse, wie die in deil Berliner Repräsentantenverstnnmlnrrgen, sci.einen fast denjenigen unserer Freunde recht zu geben, welche ein] er ne aktive Beteiligung des Gentralvereins hin-vieieu. Wir werden cs uns überlegen müssen, ob wir näht bei wiederkehrenden Wahlen ebenso verfahren müssen, lvie bei den Vorbereitungen zur Wahl des Preußischen Landesverbandes. Tenn ich gebe zu, daß die Wahrung der Interessen der deutschen Inden von nn streu inner jüdischen Gegnern teilweise so verletzt wird, daß der E.V. ein Rächt har, dafür Sorge zu tragen, daß in der größten jüdischen Gemeinde Teutsch.'ands nicht eine Partei das Übergewicht erlangt, lvelche der Tendenz des E. B. abträglich ist, lvelche durch ihr Verhalten die Stellung des Judentums im Teutschen Reiche erschüttert. Mit diesen späteren Sorgen wollen wir uns heute noch nicht eingehond besä stell. Mir liegt nur daran. T ich rrochmals inständig'! 31t birken, Seinen ganz c ll Eirmluß dahin geltend 311 111 ache n , daß mög l ich st durch ei n dl bk0m me11 aller Parteien der Jüdischen Gemeinde erreicht lvird. daß Vorkommnisse, wie die von uns einstimmig gerügten, sich nicht wiederholen. Mit beiten Grüßen verbleibe ich Teil; Bruno Glascrfcld. Zur <dlpmpia-s in St. Moritz. Burgfriede im österreichischen Skisport. In dem bmgwierrgen Streit lim den Arie r p a r a g r a p h e 11 in den Satzungen einiger österreichischer Stisportvereiue, über den hier leiederholt berichtet wurde, ist es 311 einer scheinbaren Eini g 11 n g gekommen. Nicht zwar in dem Sinne, daß die Verfechter des Ärier- ParagrapGm die kulturelle Schande und lleberflüssigteit einer derartigen Bcstilnnlung in einem Sportvereinsstatut eingestanden lmb stuf den Schau d Pa rag ra p heil verzichtet hätten, sondern es handelt sich lediglich um ein M 0 m p r o.m i ß a ll s g a ll z g e w ö Ij u I i ch e n lltilitäts g r ü n d c n. T.r Ar i er Pa rag ra vH blüht und gedeiht weiter, aber damit die öswrreich:scheu Skisportler, deren stärkste Vertreter deln „arischen" Ocsterreichischen Stiverband angehören. in voller Stärke bei. den £> l h m p i s ch e n W i n t e r s p 0 r t k 0 ll k u r - r c n ze n in St. M 0 r i tz ousiuarschieren, hat man einen Spitzenverband gegründet, der unter dem Titel „O e st e r r e i ch i s ch e Skidelcgati 0 n" beide S treiiteite vereinigt, nämlich den A l l - g e m eine n O e ft e r r e i ch i s ch e n S t i v e r b a n. d, der v 0 m r i e y p a x agra p h e n u i ch t s w i s s e n lvitt, lrnd derr O e st e r - r e i ch: ' ch 0 rr Ski vor band, der diesen famose u Paragraphen in dell S a tz u n g e n feiner B e r e i ll e z u l ä st t. Im Ayrs lande, wo man einen konfessionellen Sport nicht fennt, sind nämlich, wie hier schon gemeldet, n 11 r d i e Mitglieder des Allgemei nen Oe fr e x v c i ch ische n S live r b a n d e s st a r t b e r e ch t i g t und die Nennungen d c s O öfterreichrschen Skiverba n d e s z u r O l Y m p i a d e lvaren durch die Schlveizcr bereits z ll r ü ck g e w i e s e n lverden, was die Eilligungsverhandiungen zwischen den beiden Verbänden sichtlich gefördert hat. Außerhalb Oesterreichs ift man eben der sicherlich nicht ganz unrichtigen Meinung, daß der öb-Meter-Spvung eines jüdisck)ell Stisportlers nichts lveniger wert ist, als der gleich große Sprung eines „reinrassigen Ariers". Tom nur den Friedeilsfchlusr sehr bemühten ö st o r r e i ch i s ch c u ll nterricht s m i u i - st e r i u m ist mall aber jedenfalls zu Tank verpflichtet. Es bleibt jetzt abzulvarten. ob diese Verdiudmig über die Olympiade und die übrigell großen Veranstaltungen hinai's fortbestehen wird . , , Die leidige i^abarettfcege. Vergleich Artnr Schweriners nrit Kurt Robrifchek. In Nr. 1 der „E. V.-Zeitnng" hatten wir nnfercn Lesern mitgeteilt, daß der st e l l v e r t r e t e n d e S y u d i k u s d e s E. B.. A x tui S ch rv e r i ne r, gezlvungen wurde, den Tirektor des „kabaretts" der komiler", kurt Robitschek, wegen eines beleidigenden Briefes zu^ verklagen. Es ist am 2t. Januar vor dem Schiedsulann erfreulicherweise zu einem Vergleich gekommen, da Herr Robitschek folgende Erklärung abgegeben hat;' „Ich erkläre, deil Brief vom 16. Tezeuiber 1L27 an den Ecntrab verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in großer Erregung geschrieben zu haben. Girre Beleidigung des .Herrn Sprr-ikus Schweriner lag rrrrr fern. Wenn ".Herr Schweriner in meiner Zuschrift eine persönliche Ghrenkräncuttg erblickt hat, so spreche ich lsternber mein Bedauern aus." gcz. Kurt Robitschek. Tom Vergleich ging eine Allssprache voraus, die im Sinne unserer Auffassung für die Zukunft das Allerbeste verspricht.