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Central-Verein-Zeitung · 1928-01-13 · 2 (13.1.1928) · p. Seite 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
2 (13.1.1928)
Date
1928-01-13
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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Krankheit und Geschäft. Ei» Beitrag zur Entstehurrg dcS Wirtschastöaulrsemirismus. Bon Dr. Ernst Kerbholz (Berlnr). Selten ist der reine EefchaftZgeist. der seinen Prosit im Judenhaß sucht, so klar zurage getreten wie in dem Kampf, der gegen das neue Gesetz Zur Bctampsting der GeschledUjfianlljcitcu j^ciiti)r1 w-ird. Tie Schriftleitung sandte, mir eine Zeilschrisr tür ..Thorraduran — (Radio) Hrmöopath-e und Therapie", eine Nummer der „Starxrrder Zeitung", der .Mymphenburacr Zeitung", der ..Kneipp- Blätter" und „Das Ziel". Es ist lehrreich und interessant, diese Quellen antisemitischer Propaganda. in ihren Wurzeln und ihren Zielen zu beleuchten. Was ist geschehen? Nachdem der Kamps der Aerzle und der KulLunvelt gegen die gefährlichen Leuchen, wie Cholera. Poeten, Pest, Diphterie und Wundstarrkrampf. zu erfreulichsten Erfolgen geführt hat, erstarkte der Wille des deutschen Volles, auch den unheilvollen, den Kranken und seine Nachkommenschaft so schwer schädigenden Geschlechtskrankheiten entgegeuzutreten. Jahrelange parlamentarische Diskussionen fanden ihren endgültigen Niederschlag in dem Gesetz vom 18. Februar 1927 (in Kraft getreten am l. Oktober 1927), in denr u. a. bestimmt iff, 1. daß jeder Geschlechtskranke verpflichtet ist, sich behandeln zu lassen und 2. daß die Behandlung geschlechtskranker Personen nur von Aerzten ausgefützrt werden darf. Tiefe Gesetzesbestimmung, die ti i ch tärztlichcn K r a n feil* behandlern Derbirtct, ihre Kunst in Zuknrnt an geschlechtskranken Menschen ans zuüben. wird von Kurpfuschern jeder Art benutzt, um eine wütende Propaganda gegon d i e jüdische A e r z t e s ch a f t z n entfache u. Wie verhalten sich nun die Truge in Wirklichkeit? Es gibt neben der an den Universitäten gelehrten Schnttncdizin oder Allopathie eine unendliche Reihe anderer Heilweisen, von denen ich nur die Homöopathie. Biochemie, R a L u r h e i l w e r f e nennen will. Ueber ihren Wert oder Unwert sei kein Wort gesagt. Es gibt approbierte Aerzte genug, die auf Grund ihrer Ueoerzeugnng nach diesen Methoden ihre Patienten behandeln. Es gibt aber auch sogenannte „Heilkundige", die ebenfalls ans solche Art kurieren. Woher \ diese „Heilkundigen" ihre Weisheit bezogen haben, ist ganz gleich-! gültig. Zur Ausübung ihrer Praxis bedürfen ne nur einer An-! Meldung und zahlreicher Zeitungsanzeigen. Tresen nicht-! approbierten „Heilkundigen" i st nun durch das Ge-! setz aus guten Gründen die Behandlung von Geschlechtskrankheiten } verboten. Keineswegs ist aber durch das Gesetz ein Zwang j stuf drrr Kranken arrsgcübt worden, sich nach einer bestimmter: Heilweisc, etwa der HschschuLmcdizin, behandeln zu Lasten, j Er kann jederzeit den 2Lr;t seines Vertrauens ansftrchcu, sich j tzonroopatlzisch, biochemische heilmagnetisch. uar:,rhciLknndig . oder wie er auch immer will behandeln Lasten. Das geht aber den Kurpfuschern gegen den Strick?. Es bedeutet sür sie die Verstopfung einer sehr beträchtlichen Einnahmequelle. darum suchen sie nach Gründen, das ganze Gesetz zu diskreditieren und seine Aufhebung ,zu erreichen. Ter bisher übliche Kampf — die gewoh n Lc u <5chmäh itn ge n gegen Tie gesamte A e r z t e sch a s t — hat nichts genuin, aber da findet rin Heller Kopf unter ihnen heraus, dag eine indcnfeind - l i ch e Propaganda t nt m c r n 0 ch die Volks s e e l e a 11t ) Leichtesten zu m Kochen bringt. Mau bewein ganz einfach, daß. die meisten und einflußreichsten Aerzte Juden sind. und. wenn man es nicht beweisen kann, behauptet man es iedcnmlls. Und nun predigt man in Nord und >rmd, in Tst und West des Reiches, daß die „heutige moderne Svvhilisbchandlnng druck Salvcnian als müeinalistlle Verscrichrrng des derrchen Belkes durch die jüdische Acrncichaftt anzufehen sei. Man versucht lwr allen Trugen, der Landbevölkerung die Situation so darzustellen, als ob die j ü d i s ch e n Aerzte von ganz üt>erragcndem Einfluß seien, und als ob das Gesetz eine jüdische Sache sei. ersonnen zum Vorteil der Inden.' Man verschweigt dabei, daß Parteien, die die Jn-cnfciudschast kn ihr Programm arrfgcnommcn haben, }« B. die Dcrrtsch- «ationalcrr, sich Lebhaft für das ^jttstaudciommerr des <si:- fetzcs eingesetzt haben. Tie jüdische Ehrrnreihe in der Erforschung der Gejchtechrstrantheiteu weist die Namen: N c L s s c r, E h r l i dj W a f f c x m a n u u. ü. auf. Seien wir stolz darauf, aber vergeben, wir'auch nicht, daß die Namen: R i c 0 r d. Schaudi rr u . N i tz e. Bruck usw. und viele andere awistliche lein geringeres Gewicht haben. In friedlichem Wettstreit, in kollegialer gjttsanrmcnarbcit halrerr Gelehrte aller Koufcssiokten und aller Nalioncn arr der EurwiekLuu^ der Wrffcrrschast zusammen gearbeitet. Was kommt es aber den „Heilkundigen" auf die'e Tatsache an, wenn nur ihr Geschäft blüht. Keine Behauptung ist widerfinnig gcnug, um sie nicht mit irgendeinem judenseindtichen Mäntelchen weiten Bolkskreisen in Wort und Schrift darzubringen. Auch die alten Vorwürfe gegen die chemischpharmazeutische Industrie werden wieder hervorgei,olt. diese Industrie hätte ein Julereise au dem genamucil. ' Gesetz, da fie den Aerzten die notwendigen Arzneimittel Liefert. Es ist nicht schwer für diese propagandistisch nicht ungeschickt auftretenden Jünger der Psendowinensch-aft. da eiiren Zusammenhang zwischen „Judentum und Kapitalismus" zu stmstruieren. Daß sie lediglich ihren eigenen Prosit bcdrost: sehen, wissen sie klüglich zu verschweigen. Es dürste auch den „Heilkundigen" nicht unbekannt sem, daß die Aktien der I.. G. - Färben-Industrie, unabhängig von der Konfession, jedem Käufer an der Börse abgegeben werden. Tie Tatsache, daß es heute kaum einem füötfrfjcn Chemiker möglich ist. in der chemischen Industrie unterzulommen, wird natürlich verheimlicht, denn das paßt ebenfalls nicht in ihre Melodie. der Bericht öes Dr. Nunüt. Tie SlrUworL Ve3 LLuswarLigerr Amtes. In Ar. -llZ vom 2. September 1027 und in Nr. 47 vom 25. November ir*27 der „Cf. V.-Zcitung" ber ich roten wir ausführlich über eine Denkschrift dos Rogiorungsrats Tr. Kund trüber die Grenzbereisung von Teutsch- und P0lniich-Tberschlesicn, die aus der Londoner Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels verteilt worden war. und in der die Gren zu der ick reit ungen an dee gelnttchcn Grenze in i t d e m jJi ä dchenhand 0 t tu Zusammenhang gebracht werden. Nachdem das preußische Innenministerium dem 2lrbe'nersürsorcham-t bereits eine ausführliche Antwort er'.eilt hat, ist nunmehr beim Eontralvorein auch, die Antwort des Auswärtigem Amtes eingelauson, die wie folgt lautet: Auswärtiges Amt. Berlin XV 8, den 2K Dezember 1 927. V.S.I\ 7 2 10. Schreiben vor:: 8. Te^enröer. — J.-2-^r. 17-SO. — Das Preir'ä'ch^ Mirnüerinm des Innern hat dem ArbeiN'rwrwrgcamt der jüdi'chen Drganisatimten Deu'.nnlands aus seine Bcstck.oerdc wegen, des ^kerreberichis des Regicrunasr.Ns Tr. Kundt eine 'Annoorl erteilt in der zu dein Inhalt des Berians Slellnng genornmen ist. chrsaweil als er sich aon inuerdernsive Beidölmisie bezieht. In den: Bescheid ist weiterhin die 2'.nnahrnc au.sgckvr->.'chcn wordcrr. daß das Arck-ioartige Arnk die aceu'urcA'n Schrille rnurrnehnren werde, um weiteren schädliche!: Wirklingen des Berichts int Auslände vorntbeugen. Das Answärliae Arull ha: in: Benehmen mit deur Reichsrninistcrium des Innern ß-ügeüettt. daß der Bcrichr über seine Berrvcndung auf dcm Inlcrnanonalcn Kongreß in London hinaus rin Anslande nicht verrvendet Woxbai, inzbchmbcxe auch den mit Fragen des Mädchenhandels beschädigten ^.'eUeu des VoNcrovndcZ nicht .zngegangcn ist. Das Deur'che 2«Nionallorni!'.'c zur B-ckä.::'..llnng de» ZÄädchei'.lwatdcis. in dem Herr Tr. Lttind-t. n?ie dort bckanm. außerhall) feiner amllichen Täligkeit die bKichäüe des Schrinnwrers;vahrnimurt, in von hier aus gebeten loorden. auch weiterhin von der Bcrlvcndung. des Bericches im 'Auslände adw»ehen. Von einein nochmaligen Eingehen arö den Sachvcchalt glaub: das 'Ansn'ärtiae Amt unter diesen ttmftänden absehcn ZN können. Irn bttlitrage grz. Unterschrift. Wir benutzen diew Gelegenheit, nur einen Brief, den das'Arbeiteriürsogeamt denn Polizeipräsidcnttn in Vreslnn erhalten Hut, ebenfalls auspuasweiw -viederzugoben: ... . . Tie m dem Bericht des Aeaicrungsrat De. Kundi gemachten Eingaben, daß :n den crüen W Monaten des Jahres l!ü> Niu Menichenschnnragler seügewlllt!vuvden, unter denen, ürh ül jüdischer Aetigiou befinden, beruherr außneinend auf irrigen Jitfornratwnen . . . ställe voll chtädcheul-audt.' üud bicr uillg bc'tarnt gewordenB Aaä' Informolionen. die nur bei verschiedenenwohlnniercichreteu Stellen, amtlichen, und priratcn Eharattrrs. eiugezogen habet:, dürfen nur aunehmen. daß die'S Angele gen heit d.n.nit endgültig aekläri ist. Tie Behaudtttneeu des Herrn Tr. Kundt haben fiel: als v0lir0ruuuralllos erwirken, und die chelgcruna.cn. die vor e.lleut vcn völkischer Seite ans ihnen gezogen werden ut.uvn, sine in sichpvsiumueuglllu'e-u.eu. Mir haben Gelegenheit genounnen. die Teilnechner an der intcruationaleit Konferenz von dein Ergebnis uuse-rer Ernntrlungen zu unterrichte.!. ^rieöhofsfchänZung in Greifenhagen. In Greirenhagcn in Ponnnern wurde, nie die Tageszeitungen gemeldet haben, wieder einmal ein indischer chrirdhos geschändet. Glücklicherweisehaben sich die ersten Anck.rickstennicht in bollern Umfange bestätigt. TiesesmaL lwben sich die Täter lediglich damit begnügst. einmal eine Grabplatte von einem Kind er grabe zu: stehlen und tnrze Zeit daran-' die L e i ch e u Halle d e s I r i e d - h 0 f s mir H a k e n k r e u z0 n z u b e \ ch m i c r e n. Die Gemeinde Groifeuhagen hat bei dev Polizeivenvattuu;) 'Anzeige erstattet und ans die Ermirtlnna der Täter eine Belohnung von hundert Mark ausgesttzt. deSL-A.bentscherStaaWörgerjüdischenGlauöenSe.s. am ±1; 12* und 15. Februar in Berlin.

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