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Central-Verein-Zeitung · 1928-01-13 · 2 (13.1.1928) · p. Seite 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
2 (13.1.1928)
Date
1928-01-13
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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15 Offener Miss an Professor Siegfried paffarge Gamburg), Sehr geehrter Herr Professor! EZ trifft sich feltfam, daß ich gerade jetzt, da ich an einer Abhandluna Liber meine geaenwartige Stellung zum Judentum arbeite, auf Ihre jüngst erschienene Ausgabe von B r a f m a u n s „Das Buch vom Kahal" aufmerksam gemacht wurde. Sie schreiben in der Einleitung zu diesern Buche: „Drafmann ist übrigens nirijt der einzige (vlzcttojude. der feinen Glaubensgenvssen dringend geraten bat, sich den Fesseln des Viabbinertums zn entziehen und in der Masse der christlichen Wirksvölkcr untcrzutauchen. Gerade so wie Brasinanit ist der Gbettojude Jakob Fromer, ein schimpswvrtloser, vornehm denkender Jude, obnoohl er seinen Glaubensgenossen rüctsichtslos Wahrheiten ins Gesicht geschleudert hat/ und führen einige Stellen all? meinen Schriften an, in denen ich meine Glaubensgenossen ausgesordert habe, spurlos in ihren Wirtsvöllern aus.zngehen. Da Sie mich als Zeugen nennen, fühle ich mich verpflichtet, Ihnen zu sagen, das; sich inzwischen meine Ansichten über das Judentum geändert haben. Die Schriften, auf die Sie sich berufen, sind vor mehr als zwei Jahrzehnten erschienen. Inzwischen ist mancherlei passiert. Zum Beispiel der Weltkrieg und einige Umwälzungen. Reiche sind znsammmengebrochen und neue entstanden. Die ökonomischen, sozialen, politischen und moralischen Grundpfeiler der Gesellschaftsordnung sind ins Wanken geraten. Und so weiter. In diesem Flusse aller Tinge „unentwegt" bei den Dorkriegsidevlogien Zu verharren, können sich nur Menschen leisten, deren E n t w i ck l n n a Z s ä h i g k e i t bereits erlösche n i ft. Ich aber sage mit Mephisto: „Für einen Leichnam bin ich nicht zu Hause" oder, um biblisch zu sprechen: „Gott ist ein 'Herr der Lebenden und nicht der Toten." # _ Was mich seinerzeit an § dem Ghetto trieb, war das Streben nach einer höheren- Kultur. Diese glaubte ich in Deutschland Zn finden. Wie die Shakespearesche Titania in ihrem Liebeszauber, erblickte ich mindestens in jedem zweiten Deutschen einen L e s s i n g, Goethe, Schiller oder Kant. Diesem Kultur- Paradies gegenüber erschien mir das Judentum kahl und öde. Ich konnte daher meinen ^Glaubensgenossen gar nicht warm genug empfehlen, „sich den Fesseln des Nabbinertums zu entziehen" und in dieses Eden einzutreten. Der Krieg hat mich nun entzaubert. Ich verglich die moderne Kultur mit dem Judentum, das bereits vor Zweiundeinhalb Jahrtausenden von einer Zeit getrmnntz hat, da die Völler ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Szcheln machen und einen Bund schließen werden, um den Willen Gottes zu erfüllen. Als Spinozist verstand ich freilich unter Gott etwas anderes, als man sich sonst vorzustellen Pflegt. Ich konnte mir auch nicht denken, daß die Kluft zwischen Juden und Nichtjuden in aller Ewigkeit bestehen bleiben sollte. Einmal mußte doch eine Einigung erfolgen. Aber nicht durch die Assimilation. Ich dachte mir die Neligionen, Völker, Parieren und Klassen als strahlen, solange sie kreuz imd' quer durcheinanderlaufen, müssen sie fortdauernd aufeinanderstoßeu und sich gegenseitig zerstören. Wenn sie aber einem gemeinsamen Ideal zustreben, können sie ihr E i n z e l l e b e n s o r t s e tz e n und dabei sich gegenseitig s ö r d e r n. Und nun, sehr geehrter Herr Professor, gestatten Oll mir noch, an Sie die tzuo-vaUis-Frage zu richten! Eie graben eine ^chrift aus, die das Judentum „entlarvt". Sie suchen Zeirgeu auf, die diese Entlarvung unterstützen sollen. W o z u t h n t c dae? Soviel ich roeist, schreiben Sie weder des Geldes wegen, noch um sich einen Namen zu machen, sondern um sachlich zu wirken. Wie stellen Eie sich die Wirkung dieser Schrift vor/ Es sind jetzt bereits nal>ezn dreiundeinhalb Jahrtausende vergangen, seitdem das Judentmu in die Geschichte getreten ist. Seither wurde es fortdauernd mit allen erdenklichen Misteln bekämpft. Und der Erfolg? Gegenwärtig haben sich die Juden, deren Zahl sich wahrend des Mittelalters nach einer ungefähren Schätzung auf eine Million belief, um das Sechzehn fache vermehrt. Sie leben in allen Ländern der Welt als Vollbürger und spielen ans allen Gebieten des Könnens und Wissens. wenn auch nicht. wie behauptet wird, eine führende, aber doch inunerhin eine geachtete Nolle. Wie denken Sie sich nun die Wirkung Ihres Buches? Glauben Sie, daß es heutzutage neei) möglich ist. die Experimente, die bisher mit ihnen gemacht wurden, zu wiederholen? Und nun noch eine andere Frage. Haben Sie schon -einmal darüber nachgedacht, wie verheerend der I u d e n h a st auf die Seelen wirkt? Ich spreche hier reicht von den JRenschen, die von diesem Hast (> c t raffen worden. Die brauchen E i e nichts anzugehen. Ich meine die Hasser. Da Sie meine Schriften kermen, werden Sie wohl wissen, das; ich mich wohl gegen Ideen, aber nicht gegen Menschen zu heftigem Tadel hinreisten 311 lassen pflege. Den-- noch must ich gestehen, das; der Ton und die Gesizznung der Judenfeinde, soweit ich sie aus ihren Schriften kenne — persönlich bin ich selten mit ihnen in Berührung gekommen—, einen geradezu niederdrückenden Eindruck auf mich znachcn. Ich Zvill gerne glauben. vast es unter ihnen auch vornehme Naturen gibt, Aber wenn man sich tagaus, tagein, jahraus, jahrein dem Has; ergibt, kann man für die Däner der seelischen Verrohung nicht entgehen. Einer talmudischen Sage zufolge hat Gott, als er die Welt erschuf, die Bedingung gestellt: „Entweder wird der Messias kommen oder ich werde die Welt zugrunde richten." Ich verstehe unter dem Messias 'weder einen vom Hinunel herabgesandten Menschen, noch überhaupt eine einzelne Perlon, sondern eine Gruppe reiner Menschen, die die Menschheitserziehung im Namen eines höchsten Ideals in die Hand nimmt. In diesen: Sinne enthält die Snge einen Wahrheitskern. Wenn es gelingt, die Menschheit zu e i n e m gemeinsame n Ideale hin zu lenken, Zvird der Judenhaß ebenso Zvie aller V ö l k e r h a st verschwinden. Sonst gehen wir seelisch zugrunde. Als unverwüstlicher Optimist hoffe ich, sehr geehrter Herr Professor, dast diese Zeilen Sie zu einigem Nachdenken veranlassen werden. Jedenfalls darf ich erwarten, das; Sie und Ihre Gesinnnngsgenosfen mich nicht mehr als Zeugen wider das Judentum anfuhrcn werden. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Jakob Fromer. Grunewald, im Januar 1924. Ein Vaimflirch gegen Dr. Wiener. KamPsmeLhoden eines nationaljüdischen Führers. Rechtsanwalt Max Jacobsohn in Breslau, der Führer der schlesischen Zionisten, widmet in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" (Nr. 51 vom 23. Dezember 1927) dem Buche D r. A l f r e d Wieners „K r i t i f cf 1 e R eise butrf) Kala st i n a" einen längeren Aufsatz: „Gin Buch des Hasses". Schon diese Ueberschrift zeigt deutlich, dast keine großzügige Würdigung oder sachliche Widerlegung der Wienerschen Darstellungen gegeben wird, sondern der Zweck des Aufsatzes ist auch hier, das Wienersche Buch „mit maßlosem Ingrimm aufzunehmen und zu zersetzen". Darüber hinaus aber enthält der Aufsatz Tr. Jacobsohns persönliche Beleidigungen Tr. Wieners in einer solchen Schärfe und Fülle, dast sie selbst das auf diesem Gebiet bisher gewöhnte Mast weit übersteigen. Es genügt, die Stellen ohne jede Erläuterung niedriger zu hängen, tun darzutun, wie alle Bemühungen der letzten Jahre, zu erreichen, dast in innerjüdischen Auseinandersetzungen Würde und Ritterlichkeit gewahrt werden, in den Wind getan sind. Herr Jacobsohn schreibt: „Hier wird Gift und Galle gespien gegen den Erzfeind. Und das ist das Neble an diesem Buche. Es sieht im Zionisten nicht den Gegner, den man zwar achtet, aber bekämpft, sondern das Buch ist von Haß diktiert." „Für Tr. Wiener ist es .zweifellos', dast de Haan von zionistischen Fanatikern ermordet wurde. Ein Jude bezichtigt also skrupellos andere Juden eines feigen gemeinen Meuchelmordes aus politischem Hast. (rin Ghillrrl Haschern, Der fast ein Bedauern darüber wecken tonnte, das; die Einrichtung des Chercm nicht mehr existiert. Früher pflegte man Menschen, die ihre jüdischen Brüder ohne ausreichende Unterlagen so schwer verdächtigten, aus der Gemeinschaft auszustosicn." (Von uns fett gesetzt. Tie Schriftteituug.) „An einer zroeiten Stelle hat der Verfasser sich leider durch seinen offenbar grenzenlosen Zionistenhast zu einer bewußten Unwahrheit verleiten lassen." „DaS ist eine absichtliche nrrd zielbewusste Jrrefiihrrrng der Leser, eine bewusste Unwahrheit")." „Rach Niederschrift des vorstehenden Aussatzes hat Dr. Wiener in der ,E. V.-Zeituncp eine Erklärung 'darüber abgegeben, wie er zu der unrichtigen Angabe des Präsidiums des Keren Hajessod gekommen sei . . . Diese Namen kann er auch im Augenblick der Niederschrift nicht wergessen' haben. Und darum bleibt die Behauptung bestehen, das; er diese Ranren wider besicres Wissen mit 2tbsicht und Berechnung verschwiegen hat." (Von uns fett gesetzt. Die Schriftteitung.) L,. H. *) Diese Stellen sind lediglich als Probe der Schreibweise aus dem Zusammenhang genommen. Das ändert aber nichts an der hier vorliegenden Betrachtung. Die Schristlrituug.'

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