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Central-Verein-Zeitung · 1928-01-13 · 2 (13.1.1928) · p. Seite 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
2 (13.1.1928)
Date
1928-01-13
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 aufder D u r ch t c t} c befaiMüfKn Fr-".ndcn innen;!: —'an u’tU' bisher der Meinung, das; die Thora -tt:: a-eiu-wn Tn.nobcni gesamten internationalen Rech: von aun-noin d-. v 'Uo. n gegeben und ihm alle Fremden, den ansäüttcu il;eor. . .r:e ien durchreisenden (hebr. nochri), unter!:-;U: ha^ Sur! in nun unuit zwingend nach, daß diese Annahuce nur ritr den irt-r, iiiitu Tnr>ieu nochri zutrisst. Dieser war vielmehr am Grund vvi.cernch.stchec Vertrage wegen eines ^apiialvcrbrecZun^ wno ord der wdoctzen Ttrafgerichtsdarkeit und den AckUxii der wdora uoeri;vu;tt luch! unterstellt. Dunlle, der Mißdcittnng leicht ausa.eüvtt Ttttt-cn der Bibel und des Talmud erhalte:: durch die-e Aunamue new: Uwe:: Folgerungen eine Erttärnug. duz imc io oft, in Gesem^Bzuste dar;:) ihre Natürlichkeit für den di reichen nuo lalniu^ihiwn Fernuhureaer ein erlesener Genus; ist. Ludwig v. Bar tlagt iu dem Bocwvrt zu seiner ..rheone und Praxis des internationalen Privatrechts''. das; dari ust e r n o. i i onale Privat r e ch t in D euts ch l a u d als t i c j lind der Recht s w i s s e n s ch a s t behandelt wird. Turctz die vorliegende Arbeit gewannt mau dagegen die tteberzeuguug^dasstiu dm Thora dieser Rcchrszivcig — wwett bie Stellung der Fmuden in Frage fomntt — auherordenttich bevorwigt ward, Es in dar' Verdienst Guttmanns, nachgewi eien zu haben, daß dies? Bevorzugung tief in; Wesen der Thora begründet' nt. .hauptsächlich deswegen, und nicht nur wegen seiner rechtsgeschichttichen Darsiesium:. verdient das Buch die weiteste Berdreinrng in jüdißheu wie in licfjcn Kreisen. Rach diesem Buch fuhrt uns das Fremdenr e ch t mitten in da s o n n e v st e d e s A eiligt u ui * , das die Thora der Menschheit zu offenbaren best i m m t i st. Denn die religiöse Grundlage de» Fremdeurcchts ist der Gedanke von der Einheit d e s Bl e n sch e u - geschle ch t e s und d e r G! e i chw e r t i g f c i t alle t Al e n s ch c n f i n b e r , und bjeu'r (rebantc iit die vicitc des Gedankens von der Einzigkeit Gottes, in denen Gbenvilde ne alle geschaffen sind. „Die sorgfältige Aufbewahrung von allgemeinen Ttammestafeln, die mit dem inneren Bott-Arven nichts zu tun haben, sind als Beweisstück des Glaubens an die Einheit des Menschengeschlechts von besonderer Bedeutung." Daraus ergibt sich zunächst als Folge: „Tie Uroffenbarnng ergeht schon an den ersten Menschen, au Adam. Tie zweite Offenbarung, in der Gott mit den Menschen einen Bund schließt und ihnen seinen. Willenkund tut, wird Roah zuteil, und Zwar nach der Tintslut. also zu einer Zeit, da Rocch die ganze Menschheit repräsemierr. Aus diesen Bundesschluß legt die jüdische Traditionsliteralur das größte Gewicht, weil er, wie sie ausdrücklich betont, der ganzen Menschheit gill und für alle Zeiten bestehen müssett Wie sehr dieser Gedanke der Brennpunkt der ganzen religiösen Gedankenwelt ist, erkennt man daraus, das; es kaum eine lebenswichtige Frage des Judentums gibt, die bei Guitmanu von hier aus nicht ihre Beleuchtung findet. Gr geht zunächst von der Tatsache aus, daß es zwei göttliche Offenbarungen gibt, von denen die eine, an die ganze Menschheit ergangen, nur Pflichten a l l g 0 m e i n m c 11 s ch l i eh - religiöser Art enthält, wahrend die andere, für Israel allein bestimmt, diesen Pflichten einen I n b e g r i f f v 0 u Ritualvorschriften hinzufngt. Gr untersucht sodann das Wesen der Ritualvorschristen und führt sie auf ein religiöses Erlebnis zurück, das sie symbolisch fejrhalten. Daraus ergibt sich ihr konfessioneller Gharakter, ihre naturgegebene Gebundenheit an ein bestimmtes Volk. „Es geht nicht gut au. Richtisraeliteu die Feier des Auszuges aus Aegypten als Rult anferlegen zu wollen. Tie werden dem Erlebnis verständnislos gegenüberstehen, da ihnen hierzu das wichtigste, die geschichttiche Gemeinschaft, fehlt. Der kultische Anschluß ist keine Frage des bloßen Glaubens oder Richtglaubens. Der Richtisraelit mag die biblische Erzählung nicht minder glaubhaft rntaegenuehmen wie der Jsracut selbst, aber als Erlebnis stehl sie ihm fern, sie ist, wie alles Geschichtliche, partikular! sti sch." Wegen dieses seines partikularistttcheu Charakters darf mau aber dein Kutte für die Vergangenheit oder Gegenwart der Religion keinen geringeren Wert beimefseu. Denn ..der Rull ist der Baum, der seine Wurzeln in den geheimen Tchoß des Bodens senkt: der unsichtbar aus der Tiefe seine Kräfte zieht, die Mcwattchreu sind die Früchte des Baumes. Die innere Zufammengchörigteit beider wird niemand leugnen, und doch ist ihre Ramr grundverschieden. Der Baum ha; nun einmal seine organische Tvndcrerisieuz. sein inneres geschlossenes Leben; er versinnbildlicht gleichsam die partittilarisiuchF Teile des Religionslebens, den K u lDie Bk 0 r alte l> v e 11 sind gleichsam die Fruchte, die wohl am Baume hangen, ihm ihre Entstehung zu danken haben, die aber vom Baume doch verschieden sind: vor allem aber teilen sie nnt dem Baum die bodenständige starre Gebundenheit nicht. Ja, die Früchte erfüllen ihren Zweck auch dann, und dann erst reckst, wenn sie, losgelöst vom Baume, dem Gemeingebrauch zugesührt werden/ . Für den Israeliten fließen Kult und Moral in eins zusammen, beide fließen aus derselben Duelle und sind für ihn göttlich, heilig. Für den R i ch t israeliten sind dagegen .st'ultvvrschriften nicht offenbart, für ihn gelten freift der Offenbarung an Roah mir die Moral ge sehe, deren Erfüllung ihm die ewige Tel i gleit verbürgt. To kommt Guitmanu ans die Idee des ethischen 11 nt» Verfalls m u §, in dem er, gestützt auf eine große Reihe von Midrasch- und Tal: '^stellen, einen der ttanptpfcrler sich!, ans denen das Judentum rnl;l. Der Bcrianer kommt im Verlaufe seiner Darstellung häufig auf Ding-, die vom chasse der Leidenschaft aus den stillen Gelehrstenstnben in den Lärm der politischen Gasse geützleitt morden sind. Kein ehrlicher Wahrheitssncher 'wird bic Gelegenheit ungenutzt lassen, sieh Aufklärung ans diesem Bliche zu holen, welches sic-) auf jedem Blatte als ein nur d e r r e i n e n W i ' seus ch a f t dienendes Werk l e g ik i m i e r!. Jeder gebildete Laie wird dieses Buch mit Verständnis [eien können, voc\i der Verfasser, der über dem Stoffe steht, wie heute recht seiten jemand in Deutschland, jedem Gedanken einen leicht faßlichen, in seiner Schlichtheit edlen Ausdruek p! geben vermag und den eigentlichen gelehrten Apparat stkmeist in die -ttellerräume der Fußnoten verbannt, die man übergehen kann, ohne den Zusammenhang 51t stören. G-tt^ besonders aber wird der christliche Wahrheitemd-er an diesem Werke nicht achtlos vorübergehen können. Er wird hier an der -vand der einschlägigen Kirchenliteralur sehen, do.st alle lei ch t e n und s ch lucren A n f i a g c 11, d i e nt a n iu d e u 1 e 1; ton I a h r fj tt u b c r t c 11 g e g e n d a s I u den! lt m g e s ch l e n d e r t hat, wie U n a käub i g t c i t, S t a a l s fe i n d l i ch k e i t, h a st gegen die Bl e n s ch heit, Ritual m 0 r d , nichts andere s sind a l s s ch a b l 0 n e n h aste N a ch a h m ll n g der A nkta.zen, die gegen das junge Christentum in n i e d e r t r ä ch t i ge r Weise von heidnischen -v e ß e rii erhöbe u it n b mit gr 0 sz er H a x t n a ckig - feit I a l) r Hunderte Hindu r ch a nsre ch t c t h a l - t e n w 0 r b en ft n d. Rach dem Lesen des zwölften Abschnittes ..Alte Schule und moderne Polemik" wird er manche liebgewordene Denlgewohttheit ablegen, wenn er, um nur ein Beispiel heranszugrenen, die Ausführungen über beit „Jüdischen Rachegotk" kennenlernen wird. Dem strengen Monotheisten ist es nicht möglich, Gott durch einseitige Attribute ]u kennzeichnen. „Ein einziger Gott vereinigt notwendigerweise alle Attribute in sich, die zur Ansklarung seines Wirkens in Natur und Geschichte erforderlich sind. Der gütige Vater und der strafende Richter müssen sich in ihm harmonisch znsammenfiudentt Der jüdische Rachegott ist — wie der Verfasser ans kirchlichen Schriften nachweist - ein Ausfluß des Dualismus, den die Gnostiker vertraten und den das legitime Christentum bis tief ins Mittelalter hinein bekämpft hat. Was aber das vorliegende Werk über alle ähnlichen weit emporhebt, ist der Scharfblick, mit welchem der Verfasser religiouspsychologische Zusammenhänge ersaßt. Wenn nicht alles trügt, werden diese seine Ergebnisse eiserner Bestandteil der Religiouspsycholvgie bleiben. Zwei Tatsachen bilden die Grundlage dieser Untersuchung: 1. Tie Offenbarung an die Gcsamtmenschheit (Roalst enthält keine -Ünltv0rfchristen. 2. Zum Wesen einer Religion gehört begrisslich der tznlt, wie nns die Geschichte eine Religion ohne Kult nicht vor führt. Cr kommt zu dem Ergebnisse, daß es für die gesamte Menschheit wohl eine allgemein gültige Ethik, aber keinen attgetnein gültigen Kult, sondern nur einen partiknlaristischen -- wie er ihn nennt — geben kann. Ter Apostel Paulus, der durch Aushebung des Niinalgesetzes eine von paittkularistischeu Elementett befreite Neligion schaffen wollte, in Wirklichkeit durch die Christuslehre Raum geschaffen habe für neue partikularische Elemente, erbringe dcn geschichtlichen Beweis für die notwendige Gebundenheit des Ünltns an bestimmte Gemeinschaften. $tt beztuz auf die kultische Ausgestaltung der Neligion muß die Lessingsche Fabel von den drei Ringen berichtigt werden: Alle drei können echt sein. Von hoher Warte aus überschaut der Verfasser die btutigeit .Üämpse innerhalb der christlichen Kirche um kultisch-dogmatische Dinge, bei denen alle Versuche, an Stelle des vor! der Thora offenbarten ethischen Universalismns einen Kirchentuliversalismns zu setzen, endgültig gescheitert sind. Die Tatsache, daß es mehrere christliche Kirchen mit ganz verschiedenen Dogmen und .Kulten gibt, redet eine zn eindringliche Sprache. 'Wenn Wahrheitsliebe größer ist als kirchenpartiknlanstischer Stolz, wenn dieser sich nicht ansbäumt gegen den Gedanken, von einem Inden ttefere Einblicke in kirchengeschichtliche Zusammenhänge zu bekommen, dann wird das Buch dein in religiösen Gegensätzen geipatteneu deutschen Volk ein Segen seim, es wird ihm bringen, was ihm dringend notlut: reit g iösc T 0 l e x a u z.

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