Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 1 (6.1.1928)
- Date
- 1928-01-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277782--04185-2284771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
5 8. IV. Im Verlag „D-er Neichsivart" erschien soeben eine Broschüre*) „Die Entlarvung der Weisen von Zion". Ter Verfasser. der pinen Namen durch ein'Fragezeichen ersetzt, will wieder einmal die Echtheit der „Protokolle" beweisen. — Wer die zwingenden Argumente kennt, die einwandfrei die Fälschung der berüchtigten Dokumente belegen, wird gespannt sein, wie es der Broschürenschreiber anpackt, um dieses ganze Material zu entkräslen. — Aber der Herr mit dein Fragezeichen hat eZ sich höchst-einfach gemacht: er erwähnt die Gegeninstauzen mit keiner Silbe. — erse tz t einfach gleich ans der e r ft c u Seite d i e E ch t h e i L als bewiesen v o r a u s. Daneben beruft er sich iS. 4) auf Henry Ford. — allerdings ist dieser Kronzeuge „inzwischen von den ,Weisen von Zion' aus die Kme gezwungen worden" (!), aber der Widerruf stört ja weiter nicht. — Daß wieder mit den berühmten ,,3<>) Scannern" Nat Henaus (3. 44) operiert wird, versteht sich von selbst. — Tas Prunkstück der Broschüre ist ein „Indizienbeweis". Hier soll nichts Geringeres beiviesen werden, als daß seit Jahrtausenden buchstäblich alle geschichtlichen Bewegungen, alle politischen und sozialen Revolutionen, alle Aeligionssysteme und Reformationen, von ben abscheulichen Juden veranstaltet wurden, um ihre geheime Weltherrschaft auszurichten; kurz gesagt: die ganze Weltgeschichte i ft eine i u s a in e j ü d i s ch e a ch e. — Daß man den Sozialismus, den Kommunismus und die Freimaurerei zu jüdischen Erfindungen stempeln will, ist rtidit neu. Aber hier liest man 31t seinem größten Ergötzen, daß a u ch d i e ch r i st - l i ch e n S e k t e n, Di ö n ch s 0 r d e n und R e f 0 r in a t i 0 n e n rein jüdische Mache feien. „Wer säte seit Anbeginn der Kirche das Unkraut der Abtrünnigkeit in ihr? T e r I u d e!" (3.19) Nachdem der famose Verfasser die Gnosis und den Manichäismns als jüdisch „erwiesen" hat, deckt er die Entstehungsursache des Islam auf. lim die Ausbreitung des Ghrytentums zu hindern, haben die bösen Inden eigens den Islam erstunden (3. 22). Aber diese komischen Menschen unterhöhlen ihr eigenes Werk, in dem sie durch Sekten die Krast des Mohammedanisnuis schwächen. — Diese Fastriachtschronik setzt sich durch das ganze Buch fort; nur einige Pröbchen: Der Hnlnanismus ist eine Inszenierung der „jüdischen Weltzentrale" (3. 34). Die Albigenser, die Tempelritter sind Inden. Die jüdische Geheiinorganisation ist der „eigentliche Anstifter der Reformation, die im 16. Jahrhundert das Christentum spaltete" (3. 35). Armer Luther! Auch die Jesuiten satten uns zur Last. — Es hieße die Schrift ernst nehmen, wenn man beleuchten wollte, wie sie „beweist", daß alle diese Bewegungen jüdisch sind. ♦ ♦♦ A. II. Man spricht in geistig eingestellten deutschen Kreisen häufig von dem übermächtigen Vordringen 0 st l i ch e n G c i st e s. östlicher Weltanschauung. Zahlreich sind die Anhänger Buddhas und Brahmas, die Verehrer der Lehre Konsutses und La 0 tses in Deutschland wie in allen übrigen europäischen Ländern. Mit gewiper Beschämung mag mancher empfunden haben, daß Enrova diesen Völkern von hoher, alter Kultur anscheinend keine geistige Leistung üon überragender Bedeutung a l s Gegengabe dar bieten kann. Diese Kreise könnenjetzt beruhigt sein: In Schanghai ist eine chinesische Ausgabe der „Weisen von Zion" erschienen, dieser reinsten Inkarnation eriropckiischen Geistes. Ein beamteter Verkünder christlicher Nächstenliebe, ein Missionar namens Edgar E. Strothers, hat die chinesische Ausgabe veranlaßt und sie mit einer bemerkenswerten Einleitung versehen. Er sieht in den Protokollen „die einzige Erklärung für den wirklichen Ursprung des Bolschewismus" und dessen Prograunn für eine weltumfassende Revolution. Der Herausgeber des Schau ghaier „Israel Mcssen^cd setzte sich mit Strothers in Verbindung, um von ihm Aufklärung zu erlitten. Er erhielt folgende Antwort: „Ich bestätige meine telephonisch geinachten Angaben und stelle ganz entschieden fest, daß ich kein Judenfeind bin. Ich hetlx' die größte Achtung vor dem jüdischen Volke als Nasse und eine tiefe Liebe für viele persönliche jüdisebc Freunde. Ich trenne auch die Masse des jüdischen Volles von der bolschewistischen Politik und den bolschewistischen Berbrechen. Es scheint mir jedoch ein schlagender Beweis zu sein, daß atheistische Juden eine führende Rolle in der bolschewistischen Erhebung gespielt haben. Ich bin mir auch uxiterhin bewußt, daß diese bolschewistischen Führer nur eine ganz kleine Minderheit der Juden darstellend Eharakteristisch an dieser Erklärung ist lediglich, daß selbst im fernen Schanghai der Judenfeind kneift, nx'nn man ihn porsön - i i ch stellt. Aber eine andere, viel w i ch t i g e r e E r w ä g u n g legt das Zusammentressen des Erscheinens der chinesischen Ausgabe der Protokolle mit dem Zusammenbruch der lwlschcwisLischen Bewegung in China nahe, nämlich, hierin den st ä r k st e \\ B c n? e i s nicht einer jüdischen, s 0 n dorn eine x „w c i fi c n", also antisemitischen Internationale zu sehe n. Man erinnere sich an dort Vormarsch der weißen D e n i k i n - A r rn e e, die den zeitweisen Zusammenbrtich einzelner Sowjets verursachte und entsetzliche Judenpogrome im Gefolge Hatto. Damals waren sozusagen •) „Die Entlarvung WcltUigo. Verlag „Der der Wersen von Zion"' von?. Erster Teil: Die große Attchswarw. 1.—10. Tausend. die Feldbibek der ue^en Offiziere. beten Lehre fic* auch den Bewwhucrn der von ihnen eroberten Gebicle Zu verkünden versuchten, gleichmlls die „Westen von Zion". Nach Waggonlavunzen zählen die Exemplare, die zu dieser Zeit nach dem Süömteu ton Europa versandt wurden. Die Nachforschungen. wer diese Zehntauwnde von Eromplaren bezahlte, dürften zu Spuren führen, die auch ans die Herausgel'er der chinesischen Ausgabe Hinweisen. Ueoerall also, wo mau dein tatsächlichen Zusammenbruch des kvnn.u'mistischen Systems auch 11 cd) Seit m 0 r n I i f dj e n D 0 d e s st 0 ß vor'.Neu will, verbreitet rn a n die „W eisen von Z i 0 n". Wenig verstehen die Masten von der Liefen Bedeutung des Uuterschiedes zwischen der k 0 m m n n i st i s ch e n Idee und der kapi- L a l i st i s ch - i rn p 0 r i a l r st i s ch e n Gcdankenwclt, mir wenn man ihnen die Möglichkeit bietet, im I u den h a ß sich zu finden, da verstehen sie sich gleich. Die P s y ch 0 l 0 g i s ch e Beurteilung der chinesischen Intellektuellen durch die Förderer der „Weisen ron^ Zion" scheint uns in ihrer Grundlage fehlzu gehen. Wir haben von der tiefen Kultur der Ebiuesen eine viel zu hohe Meinung, als daß wir die Wirkurrg der „Weisen von Zion" ans China allzu hoch ein- Zirschäven vermöchten. Die Iuöen von Nassau — üer Iuöe von Witten. Ilps. „Man lvandte sich an die französische Be\atz1 1::asbe Hörde." Diese Ar.'ssage eines Hoteliers, der damit eine ihm gegenüber geäußerte Mitteilung eines franzöüscheu Leutnants wiederzugeben behauptete, genügte, rvie wir in der letzten Nummer der „E. B.- Zeitung" ausführlich schilderten, der M ü n ch e n e r Straf-! a ni nt e r , um zu erklären, hiermit sei der Wahrscheinlichk e i t s b e w c i s erbracht, daß j ü d i s ch e Bürge r von Nasian zum Schutze gegen nationalistisch-antisemitische Ausschreitungen fremd-staatliche Behörden angerufen hätten. Eine unbestimmte, ganz allgemein gehaltene Aeußerung erschien also den bayerischen Richtern hinreichend, um die Beleidigung einer ganzen Gruppe von Bürgern straflos ausgehen zu tasten. Ungefähr einen Monat Vor Verkündung des Münchener Urteils ist von einer Persönlichkeit in hoher amtlicher Stellung, nämlich dem Regierungspräsidenten i n A r n ö b erg. "eine Verlautbarung erfolgt, die sich gleichfalls mit dem Verhalten von Juden, eines b e st i nr m t c n Juden w ähre n d der Bes a tz u n g s z 0 i t besaßt. Sie ist an einen Juden in Witten gerichtet, in/ihr heißt es, daß er „wiederholt unter erheblicher persöntichcr Gefahr . . . der deutschen Sache in opferwilligster Weise wertvolle Dienste geleistet" habe. „nür Ihr mannhaftes (Eintreten für die deutsche Sache spreche ich noch nachträglich meine vollste Anerkennung und meinen Dank aus." Der Empfänger dieses Briefes heißt Josef Kaufs m a n 11, ist ein guter Jude und echter G.Ber. Ueber die vaterländischen Leistungen diews deutschen Juden soll kein Dort mehr gesagt wenden. Wir empfinden unsere Stellung zum deutschen Baterlar.de so voll hingebungsvoller Liede, daß wir die ständige Benoeissührung hierüber für überflüssig halsten. sicher nur selten fügt der Zufall, daß sich die Geschehniste in solcher Aufeinanderfolge abspielen, wie es hier geschah. Die Nebeneinanderftellung von „Nt a n" und „M a n n" unter der Perspektive des gleichen Geschehens wächst zu symbolhafter Bedeutung empor. Immer woben judenfeindliche und judcuhetzc rische Beschuldigungen geheimnisvolle Schleier um unfaßbare und unkennbare Juden" und jüdische Gebräuche. Außerstande, dem einzelnen Juden Mann gegen M a n n das zu beweisen, was allgemein und deswegen nicht sühnbar Tag für Tag an Verdächtigung und Verleumdungen gegen uns geredet, gesthrieben und gedruckt wird. saßt man diese Behauptungen u n b e )t i ui 1111 : „d i e I ude n . . ober noch allgemeiner „m an". „Mann" statt „Blau" — so führen wir gern unseren Kamps! „Israeliten unö starke Zleischesser." Ltugnst, der Masseur von Frankfurt. In, Frankfurt am Main, Estbcrsbcimex Landstraße 69, wolmt cin M a s s c u r und 6 y m n n ft i It c b rer, der den bezeichnenden Vornamen 21 w g u st führt. Besagter 'Augull empfiehlt sich zur Behandlung chronischer Krankheiten durch N c r i> c n p u n k t m a s s a g e. G h m - nastik und Atmung und versandte in den leisten Tagen au Frankfurter Bürger durch Wurn'endnng eine recht hübsch ausgemachte Vierte, die neben der Ankündigung seiner sachlichen Vorzüge noch nachstehende persönlichen Wünsche enthält: „Isracliicn lind starken Fleischcsscrn ist meine Methode rricht zu empfchleir. Wer Schmerzest nicht ertragen will, draullst nicht zrt kommen:" Man muß die Originalität des £\m\ August durchaus anerlluneu. Er ergänzt die unendliche Liste .Juden und . . st durch . . ft arte F l c i f cii esse r". Tie Nespekrierung der Wünsche einer so originellen Bersbnlnchkeit wird für die Mloohner von Goethes G e b u r t s st a d t . die für die Aeußenmgen eines begnadeten Genius von jihci Verständnis batten, eine Selbstverständlichkeit sein- Sie werden freilich auch in ebenso selbstverständlicher Auslegung der Wünsche des Herrn 'August sich der zu erwartenden Si n 0 dj e n m a f f a ö e nach Möglichkeit zu cntü.ben suchen und cs i;r anzunehmen, daß sie bei aller Schmerzernpsindtichkelt den eine 1: Schmerz von den ertragen können: aus A u g u ft s B c b a nd! ung z u vcrzi w t c n. «ickottrs.