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Central-Verein-Zeitung · 1928-01-06 · 1 (6.1.1928) · p. Seite 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
1 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ID© ©Sa Pke\ Tendenzpolitik in der alpinen Literatur — Leistungen jüdischer Alpinisten werden totgeschwiegen - Oie „Festschrift" oes Herrn Picht. Di.e Auseinandersetzungen zwischen dem Olyurpisch.'N Komrtee uno Den ..ansch eingestelltenvsterreichr s chen E L i verbänden (aus die in Nr. 48 der „E.V.- Zeitung" kurz hingewiesen wurde) erinnern an die ungiaulllrch.'n Hergänge, die vor enva drei Jahren zur Ausschließung der Wiener Sektion Donau land aus dem Deutschen und Oesterreich! schon Alpenverein führten. Seitdem haben die Wiener antisemitischen alpinen Blätter und die Jahresberichte der arischen Korporationen keine (Gelegenheit versäumt, . für die „hehren Belange des germanischen Bergsteigertums", wie es sich in ihren krausen Vorstellungen spiegelt, cinzntreten, und den Juden, trotzdem sie nun völlig außerhalb des offiziellen Wiener Bereinslebens standen, eins auszuwischen. Genau wie vor drei Jahren richtete sich diese immer ncch bei der größten Wiener Sektion Austria zentralisierte und von dem sattsam bekannten I n g e n i e u r Eduard Pichl geleitete Propaganda nicht allein gegen das jüdische Borgsteigertum. sondern gegen alles, was nicht nationalistischvölkisch sprach und dachte. So wurde nach wie vor die Parole strengen Boykotts aller Arbeiterwandcrvcrcine auf sozial.Mischer Grundlage ausgegeben und befolgt. Die sich als Vertreter des germanischen Bergstoigertums ausspielenden Kreise um Pichl bekämpfen besonders die alpinen Gruppen der „Naturfreunde", unter denen sich eine Neihe namhafter Alpinisten befinden. Wie sehr man diese Sünden wider den Geist des sportlichen und kulturellen Alpinismus, diese Schädigung des großen Gedankens übernationaler, übcrsozialer und interkonfessioneller alpiner Toleranz auch bedauern muß. so wenig hatte die Oesfentlichkeit bis jetzt eine formelle Handhabe. sich gegen diese Tendenzpolitik unter der Oberfläche deZ alpinen Lebens aufzulehnen; denn alles spielte sich sa im internen Leben der Sektionen und Vereine ab. Nach außen aber war die Arierfrage durch Donaulands Ausschluß für den Alpenverein erledigt. Zrvei bezeichnende Vorstoße in die Sphäre desjenigen alpinen Schrifttums. denen Bedeutung weit über die internen Veröffentlichungen der lokalen Vereine hmausgeht, rufen alnr neuerdings zu energischer Abwehr auf. In dem soeben erschienenen dritten Band der Neuauflage des Purtschcllcrschen „Hochtouristen" sind bei der Gruppe der Ennstaler Alpen, die (bekanntlich zum bevorzugten Arbeitsgebiet der Wiener Bergsteiger gehören, die Namen aller nicht „arischen" und nicht völkisch e i n & e ft c 111 e n Bergsterger bei fccr Augab-e lvichtiger Erstersteigungen ausgculerzt. Tiefes Schulbeispiel sportliterarischer Ouellenfälfchung und Entstellungsten.denz wird noch krasser, wenn man erfährt. daß kein geringerer als Heinrich Heß, der langjährige Herausgeber der „Zeitschrift des D.Oo. A. \. , der Bearbeiter der betreffenden Gruppe gewesen ist, urrd daß die Sammlung „Ter Hochtourist in den Hochalpen" in offizielle ni Auftrag des 0. Oc. A. V. neu veröffentlicht wird. Wer sich über die Methoden orientieren will, durch welche die Herausgeber und Bearbeiter Verstoß auf Verstoß gegen die Objektivität der Quellen Zitierung und der alpinliterarischen Ehrlichkeit begingen, der lest die vorzüglichen Ausführungen nach, die in der Noveml^er-Nummer (Nr. 77) der „Nachrichten des Alpenvereins Donauland und des Deutschen Alpenvereins B-erliw" aus Tr. Josef Braunsteins, des bekannten alpinen Kritikers, Wieder finden. Natürlich bat der Verlag („Das Bibliogravb.stche Institut", Leipzig, das die bekannten Merencben Neisehandbücher herausgibt) keine blape Ahnung von der Einstellung der Leute, in deren Händen die Bearbeitung de? dritten Bändchens des berühmtesten aller hochalpinen Führer lag. Tenn sonst hätte er sich die Dereiutragung antisemitischer Ideen in ein für die gesamte deutschsprachige Qefstntlicbstit bestimmtes Reisehandbuch sicherlich verbeten. Den Alpenverein aber trifft der Borwrrrf, daß er seinen Namen zu einer, wenn auch nur versteckt betriebenen alpin-literarischen T ende nzpolitik hergibt. Der zweite Fall ist weniger „offiziell*, aber weit krasier. Ter schon zitierte Vorsitzende der Sektion A u st r i a . Ingenwur Eduard Pichl, hat tm Auftrag des Festausschusses der diesjährigen Hauptversammlung des!). 0a. A. V. ein Buch herausgegeben, das den umfasienden Titel „Wiener Bergsteigertum" trägt und eine Unzahl von Verstößen gegen den Grundsatz der sportlichen und literarischen Objektivität enthält. Nicht nur, daß auch hier wieder der Anteil jüdischer^ oder aus Arbeiterkreisen stammender Bergsteiger (ich erwähne nur das Uebergehen der Leistungen eines ^Paul P r e u ß) verkümmert oder ganz verschwiegen wird. nein, es finden sich in dieser seltsamen ..Festschrist" noch viel schlimmere Entgleisungen. Wie erinnerlich, haben die meisten österreichischen Bergvereine, vor allen natürlich die Sektion Austria und ö-er als besonders arisch verschrieene „österreichische Gebirgsverein". in der Zeit des Kulturkampfes gegen Donauland Plakate auf ihren, allen Bergsteigern zugänglichen Hütten ausgehängt. aus denen zu lesen stand, daß „Juden und Mitglieder der Sektion Donaulaud hier nicht erwünscht" seien, oder gar, daß „Juden ein Aufenthalt nur im Notwendigkeitsfalle und nur für eine Nacht" 0) gewährt werden dürfe. Angeblich sollen diese Plakate, die nach dem Ausschluß Tonaulands verschwanden, hier und da wieder aufgetaucht sein. Daß Herr Pichl sich aber nicht schämt, in einer offiziellen Festschrift, die anläßlich dev Tagung aller deutschen und österreichischen Bergsteiger in Wien hcrauskam, mit deutlichem Stolz auf diese kulturellen Großtaten der Wiener Bergsteiger hinznweisen, das beweist eine Verrohung des sportalpinen Empfindens, die auch von Politisch anders orientierten Bergsteigern verurteilt werden wird. An anderer Stelle verurteilt der Herausgeber die Einstellung der bekannten jüdischen Bergsteiger Mar und Guido Mayer und die Aufmachung ihrer Touren, Fragen, über die mau vom alpinen Standpunkt ans geteilter Meinung sein kann. Wenn er sich aber dab-ei zu dem Witz versteigt: „Die Mayers taugten so wenig zum germanischen Bergsteigertum wie P u r t s ch e l l e r zum S ch o f a r b l a se n". so beschmutzt er mit diesem ironisch gemeinten Jubeln dcrs Andenken des größten Bergsteigers, den Deutschland je hervorbrachte. Tenn bekanntlich war cs Ludwig P u r t s ch e l l e r , der Menschenwürde, Toleranz und pari- Bekanntmachung gemäss § 15 der Vereinssatzung. am 11., 12., und 13. Februar 1928 zu Berlin im Sitzungssaal des Reichs-Wirtfchaftsrakes, Bellevuesir. IS. Tagesordnung. ßpss fMpptirpPif mim mm 1. Verhandtungstag. Sonnabend, den 11. Februar, 18,30 llhr (6,30 Llhr) 1. Geschäftsbericht. 2. Finanzbericht. 3. Gencralauesprache. ' Schluß 22,30 Uhr (10,30 Uhr). 2 Berhandlungötag. Sonntag, den 12. Februar, 10,50 Llhr Kundgebung für Abgeordnete und Gäste. Lebensfragen des deutschen Judentums. , Schluß 13,30 Llhr (1,30 Uhr). 15 llhr (3 (ihr): Fortsetzung der Verhandlungen. 4. Entlastung des Vorstandes und Wahl der Revisoren. 5. Satzungsänderung. 6. Neuwahl des Vorstandes. 7. Fortsetzung der Gencralauesprache. Schluß 19 llhr (7 Llhr). 3. Dechanölungstag. Montag, den 13. Februar, 10 Llhr. 8. Abwehr- oder Gestnnungsverem? Aussprache. Mittagspause 13 blS 15 llhr (1 bis 3 Llhr). 15 llhr (3 Llhr): 10. Wkrtschaftöprodleme des deutschen Judentums. 11. Aussprache. Schluß 18 Llhr (6 Llhr). 20,15 Llhr (8,15 Llhr): 12. Vortrag: Mische Altertümer auf deutscher Erde (mit Lichtbildern).

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