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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-23 · 51 (23.12.1927) · p. Seite 726

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
51 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
Seite 726 (sequence 10)
Language
German
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22 Weift zum Tummelplatz für ganz unfruchtbare spekulative Problematik. und die jungen Menschen werden in der Vertiefung ihres Jndividualitätsbewußtseins ctnfrtru oder hochmütig, der Gemeuu'chaft entfremdet. Zwei Erziehungsideale stoßen in unseren Tagen aufeinander. Das alte, das jüdische, das auf dem Boden des Autorirätsprinzips und der sozialen Gemeinschaft nach der Persönlichkeit strebt, das neue, das die Individualität zur Grundlage des Lebens machen null. Beide widersprechen sich! Uns steht es nicht zu, ein Urteil zu fallen, ob vordem Richters! uhl der Weltgeschichte das eine oder das andere sich als letzte Wahrheit bewähren wird. Aber der Anhänger des überlieferten Judentums darf und mutz erklären, daß die Grundideen der neuen Jugendbewegung, ihre si t t l i ch e u Ziele mit w a h r e m Indent lt m u nvcrei it v at s i u d. Die Gefahr ist gewiß nicht groß, denn es liegt im Wesen einer jeden rein individualistischerl Gemeinschaft, daß der Keim der Zersetzung m ihr liegt, daß sie vor Problematik und Spaltuugstendeuzen nie zu einer geschlossenen Macht wird. Die Zeit ist auch zu kurz, als daß man über die Einwirkung solcher Jugenderziehung auf das jüdische Leben sprechen könnte, obwohl cs auch heute schon.den Anschein hat, daß die aus . den Jugendverbänden dieser Art hervorgegangeuen Menschen vom jüdischen Gemeinsckjaftsleben sich fernhalten. Immerhin ist es aber erforderlich, die Gegensätze zu det t> n e n, damit in Zukunft allen I u g e n d Vereinigungen. die auf jüdischer Grundlage arbeiten wollen, klarer jüdischer Weg gewiesen wird, damit vielleicht m a n ch e der bestehenden Gruppen zur Selbstbesinnung g e l a n g e n u n d den A n s ch l u tz an den Geist des Judentums wic d e rg ew in n e n. Es ist oft'zwischen den Jugendverbänden und den Vertretern, der jüdischen Religion zu Differenzen gekommen, weil jene in ihrer äußeren Lebensführung, in der Achtung vor den Bräuchen der Religion nicht die erwünschte taktvolle Rücksicht beweisen. Diese Dinge RMlnrr Dr. Max Köhler MM fuhrt aus: Um diese nicht leichte Aurgabc, die mir von der Leitung der Iugendbeilage der „C. V.-ZeitunL" zur Dcar'beirung ireurrdlrcherweise üdcrrragen wurde, zur Befriedigung lösen zu. können, müssen vier Fragen zur Behandlung de» Themas gestellt werden: 1. Was will die allgemeine Jugendbewegung? 2. Was bedeutet Butorirät im Judentum? S. Zft beides (Jugendbewegung und Autoritätsprinzip) im Fudenlum zu vereinbaren? -k. Welches ist das Aek dieser Jugendbewegung? Zn möglichst objektiver Form will ich mich gern bemühen, den Versuch einer befriedigenden Antwort Zu geben. I. Tie allgemeine Jugendbewegung sucht neue Wege. Tie Jugend sieht die Schäden der Zeit, den Mangel der modernen Kultur. Im ehrlichen Kampfe will die Jugend nicht nur sich, sondern emch der Gesamtheit neue Wege bahnen. Die Jugend will aus sich heraus sich selbst entwickeln, will sich selbst" erziehen. „Arbeit für die Jugend durch die Jugend!" — das ist die Devise, das ist das Programm der gegenwärtigen jungen Generation. Da die Begriffe der allgemeinen Kultur ihr verkehrt, ja falsch erscheinen, so erstrebt die Jugend,, neue Werte des Lebens zu schaffen. Zurück zur Natur, zurück zur Natürlichkeit, zur Einfachheit und Genügsamkeit durch intensive Arbeit am jugendlichen Individuum. Bei diesen vom ehrlichsten Willen getragenen Bestrebungen kommt die Jugendbewegung in ganz natürlicher Weise in G c g e n s a tz zu den Anschauungen der allgemein anerkannten ftuthmvcvtc, in Gegensatz auch zu den Trägern dieser Weltanschauung. Jugend und Alter stoßen aufeinander. Bewußt wird daher jede Bevormundung der Alten, jede Autorität (Eltern, Lehrer u. dgl.) von der Jugend abgelehnt, soweit vom Alker die herkömmlichen Lebenswcrtc anerkannt werden, die von der Jugend zum Teil nicht geteilt werden. Die Verschiedenheit der Denkweise zwischen Jugend und Alter ist psychologisch sehr gut zu verstehen, sie mau auch stets vorhanden. Der Geist der modernen, organisierten Jugendbewegung führt jedoch eine Verschärfung der Gegensätze herbei. Dies wird selbst in der Jugendbewegung heute ungesehen. Denn die Einrichtung von Elternabenden, die öffentlichen Veranstaltungen der Jugendorganisationen beweisen nur zu deuklich, daß selbst in der Jugendbewegung allmählich der Wille zutage tritt, einen Könner, ein harmonisches Zusammenarbeiten von Alter und Jugend hcrbeizuführen. Bestrebungen einen friedlichen Kontakt der gemeinsame!: Jugenderzieher (Elternhaus und Schule) herzustellen, die in der allgemeinen Pädagogik nach dem Kriege auch begonnen haben. II. Tos Judentum verlangt die Anerkennung einer Autorität. T-iese Autorität liegt aber nicht so sehr im vorgeschrittenen Alter, als vielmehr in dem geistigen Inhalt, den sie verkörpert. Tie Autorität ist daher keine persönliche, sondern eine sachliche. Tie jüdische Lehre ist für den Juden oberstes Prinzw des gesamten Lebens. Und wenn das Synhedrion bindende Beschlüsse für das gesamte jüdisch Volk lassen konnte, so hatten diese einen rein juristischen Charakter. In der Person des Raws. des religiösen berühren aber, so wuchtig sie an sich sein mögen, die eigen!liehe Schwierigkeit nicht. 'Notwendiger wäre es, die Gegensätzlichkeit zwischen dem Geiste des Inder:! »uns und den: der modernen Jugendbewegung zu betonen. Diese Betrachtung soll aber nicht beendet werden, ohne daß wenigstens mit einen: Wort auch die Gründe gestreift werden, die manche Teile der jüdischen Jugend zu ihrer Ilucht n\ die Ideenwelt der ueudcuEcheu Jugendbewegung veranlaßt hoben. Tie liegen vielleicht in einer f a l s ch e u A u s s a s s u n g d e r A u : o t i t at s - idee bei manchen jüdischen Eltern und Ersteyern! Die Jugend sieht scharf und versieht wohl zu erkennen, ob das Beispiel des Erziehenden hinter feinem Worte steht, und ob die von ihm geforderte 'Autorität im ctiinc der Thora wirit. Es ist ein alter Scherz, daß viele Eltern ihre Kinder zu Menschen erziehen möchten, die nach ihren 'Worten geraten, und daß sie unglücklich in dem Gedanken sind, daß ne ihnen auch in ihren Taten gleichen könnten. In dem scharfen Trott stellt tiefe Wahrheit! Darüber, daß Teile der jüdischen Jugend Wege gehe::, die nicht die des Judentums sind, darf sich beklagen, wer als Erzieher seine volle Pflicht erfüllt hat. Wer cs nicht tut, wer mit tönender Phrase erziehen null. wer den Gciit des Judentums beschwört, ohne nach ihm 31t leben und zu handeln, darf sich nicht wundern, wenn die Jugend andere, fremde Pfade geht. Und wer darf ihr unter diesen Umständen mit reinem Gewissen einen Vorwurf machen, wenn ihre Wege außerhalb der jüdischen Idee enden! Dem: daß die Jugend vor falscher, innerlich unwahrhaftiger Autorität keine Achtung hat. ist ihr gutes Recht! So wird denn die Trage des Verhältnisses von Jugendbewegung und Judentum z:: einem Aufruf an das Gewissen des indischen Erziehers, zu einer Mahnung an seinen Ernst, seine jüdische, sittliche Gesinnung! Die Jugend sucht, sie mag in ihrem Suchen irren, eie wird aber die jüdischen Wege sicher finden und gehen, wenn der jüdische Führer sie leitet, d e f s e it L c h r e und dessen Leben in einheitlichem Geiste wirten. * geistigen Tberhaupts, wird nicht wie im Katholizismus die Person selbst verehrt, sondern einzig und allein die jüdische Lehre. „Soken~ der „Alte" wird von unseren Weisen erklärt, „se schckono chochmo". der, welcher Thorawcisheit erworben hat, oder wie es an anderer Stelle (Sprüche der Dätcr) heißt: „Schau nicht aus den Krug, sondern aus das. was er enthält, schau auf den Inhalt!" Dbwohl die Jugend im Alter die Lebenserfahrung zu verehren hat, so schätzt sie im „gelehrten^ Alter den Ewigkeitswert der Lehre. Dem Alter muß die Jugend Achtung erweisen, sie braucht aber dem Alter dann keine Gefolgschaft zu leisten, wenn das Alter Wege beschreitet oder angibt, die mit der jüdischen Lehre nicht zu vereinbaren find. Obwohl das Gebot der Elternverehrung als eines der heiligsten zu betrachten ist, darf ein Kind andere Wege als die Eltern beschreiten, wenn die Thora sich dem Befehl der Eltern cnlgegenstcllt. m. Nur der ideale Gehalt des Judentums kann die Richtung der jüdischen Jugend bestimmen. Die Jugendbewegung hat sich also nur zur Lehre des Judentums zu stellen und zu der Autorität, die diese Lehre verkörpert. Die Jugend ist berechtigt, sogar neue Wege 31t bahnen, sie ist berechtigt, neue Kultur- und Lobenswerte zu schaffen. Jedoch dürfen diese vom jüdischen Standpunkt aus keine subjektiven sein. Jeder Lobenswert muß objektiv am Ewigkeitswert des Judentums gemessen werden. Jeder Weg muß hieran geprüft werden und muß sich eimügen lassen in das alte Judentum. Daher darf eine jüdische Jugendbewegung nicht revolutionär, sondern nur evolutionär sein. Die Arbeit der Jugend muß Bausteine aufrichten, die das Jahrtausende alte Gebäude des Judentums weiter ausbaut. Bei diesem Werk darf kern alter Stein verletzt, kein Stein versetzt werden. Der Aufbau soll und muß dem Alten zur Ehre und zur Verschönerung gereichen. IV. Zn einer solchen jüdischen Jugendbewegung können daher nicht die Kreise gerechnet werden, deren Mitglieder riur Juden sind, die aber in ihrer Bewegung gegen das Alte, was ewig ist, protestieren, sondern jüdische Jugendbewegung im Geiste des Autorirätsprinzips ist die jrrnge Generation, der ein jüdisches Ideal vorschwedt und die sich verpflichtet, sich einzuordncn in die jüdische Gesamtheit und für diese heute und später Arbeit und Pflichlen übernimmt. Ich erinnere hierbei an die tätige Arbeit der in: Reichs aus» s ch n ß der jüdischen I u g e n d v e r b ä u d e Deutschlands organisierten Jugend, die als Jugendbeirat der ZeutralwechEahrtsftelle der deutschen Juden angeschlossen ist. die sich also in d'e jüdische Gesamtheit einfüg: und dort soziale Arbeit für die jüdische Jugend leistet. Es gibt selbstverständlich außer den: sozialen viele andere Gebiete, bei denen die jüdische Jugend, vom Autoritäts-Prinzip geleitet, eine fruchtbare Tätigkeit entfalte:: kann, zum Beispiel Verbreitung jüdischen Wissens und jüdischen Geistes aus dem Lande. Arbeit beim Ausbau des Heiligen Lundes, Unterstützung der Organisationen bei Bekämpfung des Antisemitismus, bei L^kämpfung de-> Jndisferentismus u.' dgl. Ausgaben werden zu jeder Zeit not®

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