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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-23 · 51 (23.12.1927) · p. Seite 718

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
51 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
Seite 718 (sequence 2)
Language
German
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714 .Prof. Karl LtLhltrr, Berlin, Ordinarius für osteuropärsche Geschichte, 2. Mai 1926: ..Es ist recht sehr zu begrüßen, hier endlich einmal die kritische Beleuchtung des perfiden und plumpen Machwerkes vor sich zu haben. Ich entnahm mit großem Interesse aus Ihrem Buche, daß die Schrift in Rußland entstanden ist. Und für sehr verdienstlich erachte ich auch die Entdeckung der ursprünglichen Vorlagen." Prof. Ulrich Kahrslcdt, Göttingcn, 8. Mai 1926: „Ich finde Ihre Gegenüberstellung so gut, daß ich kürzlich, als nur die Frage vorgelegt wurde, ob man mein Gutachten . . . drucken solle, geantwortet habe: Ich halte es kaum für nötig. weil in Ihrem Buche alles das gesagt j ei, was ich zu sagen hätte." Prof. Hans Driesch, Leipzig, 13. Mai 1926: „Es war mir nun sehr wertvoll, Ihr Buch einmal vollständig im Zusammenhänge durchzustudieren. 3ie habenmit Ihrer Beweisführung vollkommen recht. Sie haben aich recht, wenn Sie sagen, daß es eine Schande für unsere Zeit ist. daß eine sorgfältige kritiche Arbeit über einen so blödsinnig en Gegenstand nötig war. Tie war notig. Und Sie haben Sie geleistet und damit der Vernunft einen wirklichen Dienst eriwiesen." Gchcimrat Prof. Max Löhr, Königsberg, 2-4. Mai 1926: „In Ihrem Buche habe ich mm alle die Fragen peinlich genau behandelt und babei noch eine Menge neuer Belehrungen gefunden. Ich danke Ihnen für diese letzteren und muß mit Bewunderung die mühe- und entsagungsvolle Arbeit anerkennen, die Sie aus die Erledigung dieser gemeinen Schrift verwendet haben." Gchcimrat Pro^ Johannes St einte, Kiel, 11. Juli 1926: „Auch haben ^ie so viele Argumente gegen die Glaubwürdigkeit angeführt, daß, außer ganz unbelehrbaren Antisemiten, der -angebliche Ursprung dieser Dokumente niemanden einlenchten wird." Gchcimrat Ferdinand Tönies, Kiel, 23. August 1926: „Ter Fälscher hat weiter nichts getan, als das; er die beiden Pamphlete roh verbunden hat. Es ist die Leistung eines literarischen Diebes. Daß das plumpe Machwerk so viel von sich reden machen konnte, ist offenbar nur eine Wirkung der geistigen Verirrungen, die Der Weltkrieg im Gefolge hatte." Prof. August Messer, Gießen, 6. September 1926: „Ich habe Ihr Buch schon früher kcnnengelernt. Seine wipemchastliche Beweisführung hat durchaus überzeugend aus mich gewirkt. Ich wünsche der h o ch' b e d e u t s a m e n Ä r b e i t rveite Verbreitung und werde gern empfehlend darauf Hinweisen." Prof. Alexander Brückner, Ordinarius für slawische Sprachen, Berlin, 24. September 1926: „Mit großem Interesse habe ich Ihr Buch gelesen. Es ist vorzüglich und muß jedermann überzeugen. Besonders mich, der ich mich so viel mit der Entlarvung literarischer Fälschungen befaßt habe. (Mittelalterliche Apokrypha, tschechischen, und bulgarisc^n Fälschungen, Testament Peters des Großen.) .. Dr. Thomas Mann, München, 5* November 1926: „Ihr Buch Zeigt mir. welch ein Aufwand von wissemchafuicher Energie und Akribie sich immerhin empfahl, als es galt, dieser Legende den Garaus zu machen. Aber die Hauptsache ist. daß es nun wohl endgültig jeden; Menschen von gesunder Vernunft und mit intellektueller Reinlichkeit unmöglich gemacht ist. mit dieser Absurdität in irgendeiner Weise sich gemein zu machen." Prof. Hans Driesch, Leipzig, 14. Dezember 1926: Aus der Universität Wisconsin, Madison; der Schluß des Briefes lautet: „Hoffentlich beseitigt nun Ihr Buch endlich endgültig die ganze Frage." Sehen Sie, lieber Freund! Alle diese Briefe und noch mehrere der Art habe ich. . . gefälscht. Natürlich besage ich mich nicht nur mit dem Fälschen von Briefen verstorbener und lebender Professoren. Ich fälsche auch Tausend-Francs-Tcheine und zünde gelegentlich Justiz- Paläste an. Wenn einmal alle meine Schandtaten an den Tag kommen, werde ich mindestens zum Strang, verschärft durch lebenslänglichen Kerker, verdonnert. Aber selbst das würde an dem Schicksal der von mir erledigten Protokolle und au dem Urteil der Welt über deren Förderer und Nutznießer nicht das geringste andern. Ich habe nämlich nicht Versicherungen und Beteuerungen vorgebrecht, die das Publikum, gestützt auf meine Glaubwürdigkeit und pcnönliche Tugendhaftigkeit, blindlings annehmen sollte, ^sondern Beweise objektiver Natur, die so zwingend'sind, wie ein algebraisches Rechenexempel, die jedermann nachprüfeu kann, und die von dem Uvteile über meine Person vollkommen unabhängig sind. Hier widerfährt nämlich den Herren Antisemiten ein fataler Mißgriff, indem sie m eine Be w ei s f ü h r u n g mit der Z e u g e n s ch a f t verwechseln, die die F ü r st i n K a t h a. r i n a R a d z i w i l und Mrs. H u r b 1 u t. ferner O b e r st du E h a y l a in bezug auf den Urheber der Protokolle. Sergej Ritus, im Jahre 1920 abgelegt hatten, und die durch Diskreditierung der Zeugen ungültig gemacht wurden. — Hier muß ich etwas aus holen. Als die Protokolle Anfangs 1920 in der ganzen. Welt so riesiges Aufsehen machten^ daß der Papst durch den Staatssekretär Casparri ^dem französische;; Uebcrsetzer Mgr. I o \v i n Tank unS apostolischen Segen übermitteln ließ und die „Times" Alarm schlugen und eine öffentliche Untersuchung gegen die jüdische Weltverschwörumz forderten, meldeten sich die russische Gräfin Katharina Radziwil und ihre Freundin, die Amerikanerin Mrs. Hurblut, ferner der ehemalige französische Oberst in russischen Diensten, dl!« Chayw: die beiden Damen sagten aus. sie hätten das Manuskript der Protokolle in den Jahren 1904 und 1905 zu Paris in den Händen von russistlxn Ochrananütgliedern gesehen. Oberst du Ehassla wollte Ril;:s in; Jahre 1909 kenneugelernt und von ihn; gehört haben, daß er das Manuskript von dem russischen Ochranagcneral R a s ch k o lv s k i erhalten habe. Aber sofort Wichte „La Bieille France" zu berichten. daß Fürstin Katharina Radziwil in Südafrika die Geliebte des Eecil Nh ödes gewesen und einen Scheck gefälscht habe; Oberst du Ehayla war vorn russischen Kriegsgericht zu einer schweren Strafe verurteilt worden. Damit waren diese Zcugeuschaften erledigt und die Glaubwürdigkeit der Protokolle wiederhergestellt. Ganz anders verfuhr ich bei der Ausarbeitung meines Buches. Seit ich die Protokolle zum ersten Male in der 'Beekschen llebersetzuug kennenlernte, zweifelte ich keinen Augenblick, daß sie ein Werk der russischen Ochrana waren, aus alten; Material in; Zeitalter der ersten russischen Revolution zusammengeschustert, um die Juden zu verderben. Aber ich machte das Machwerk nach so oft hin- und herlesen, ich konnte unmöglich den Punkt entdecken, ent den; der Hebel anzulegen war, um diese innere Ueberzeugung zur Evidenz zu erheben und mit juristisch unwiderleglichen Beweisen zuerhärten. Ich folgte nun dem in einer Zeitschrift ausgesprochenen Rat des Herrn Professor U l r i ch K a h r ft o d t und verschaffte mir alle Ausgaben des Rilns. ferner die wichtigsten Frag'.nente und Parallelen-, sodann sämtliche damals vorhandenen Nebersetzungen, Einleitungen, Nachworte und Erklärungen und unterzog das ganze Material cjner vergleichenden tt nter s u ch n n g nach philologischkr i tisch er Methode. Ich nahm Urschriften und ttebersetznn.gen unter die Lupe und las sie im Lichte der Ereignisse in Europa und besonders in Rußland zwischen 1890 und 1907. Ich lies; alle bis dahin bekanntgewordenen Einwände gegen die Echtheit und Beweise für. die Plagiate völlig außer acht und verlegte mich ausschließlich darauf, ans dem Texte der Protokolle selber die Wahrheit über deren. Ursprung und deren Authentizität z u ermitteln. Einige angesangene philosophiegeschichtliche Arbeiten, u. a. eine Schrift über Rudolf E u ck e u, die zu seinen; 80. Geburtstag erscheinen sollte, mußte ich beiseite legen, da die Arbeit über die Protokolle alle meine Zeit und Kraft in Anspruch nahm. Ende 1922 war ich fertig, aber das Buch konnte erst zwei Jahre später erscheinen. Wie mein Buch in den Kreisen der deutschen Intellektuellen wirkte, dafür zeugen die eben mitgeteilten Briefanszüge. In P a r i 8 und London wurde abgeblasen und die dirigierenden Kreise empfahlen dem großen Chor, eine Zeitlang die Protokolle lieber nicht zu erwähnen. Rur die deutschen und die polnischen Prototollgläubiger sowie Herr Henry Ford blieben unentwegt. mein Buch tvax nun zu umfangreich, zu sehr mit dem kritischen Apparat überladen, um in die Magen zu dringen. Es wurde also die populäre Ausgabe veranstaltet, und mm ist die Wahrheit sogar bis zu H e n r y F o r d gedrungen — durch seinen Freund A r t h u r Brisbane nämlich, der das Buch kennt — und Ford hat feinen Irrtum öffentlich bekannt. Es besteht also die dringende Gefahr, daß diese Broschüre im Volke verbreitet wird, dann verwandelt sich nicht nur der ganze riesige Hanfe von Protvkolliteratur in eine Handvoll Asche, sondern das Volk fragt sich, zumal jetzt vor den Wahlen, was soll man von einer Partei halten, die sich nicht scheu t, sich solcher Mittel im politischen Kampfe 3 u bedienen, ihr eigenes Volk i r r e z it führe;;, indemes i h n; als ein w e l t p o (i 11 f d) c § Dok ument das G e i st e s p r o d u t t eines Menschen wie Sergej R i l u s acht Jahre hintereinander aus. s ch w a tz t? Ich darf sür unch das Verdienst in Anspruch nehmen, die Protokolle vor den Richterstuhl der deutschen Wissenschaft gebracht zu haben, die ihr Urteil über dieses ,.Dolume;;t" gesprochen hat. Ich begreife es nun vollkommen, daß die Herren das brennende Bedürfnis haben, an nur Rache zu nehmen, mich nnndeftens zu „erledigen". Wer das will, muß Nachweisen, daß ich die Tatsachen bewußt falsch oder irrig dargestellt habe. Meine Tugend a! s Pr i v a t m a it n geht ihn gar nichts an! Aber man versichert, es sei unmöglich, das; Rudolf E u ck c n , der Patron der Encken-Bunde, sich so warn; für das Judentum und so scharf gegen den Antisemitismus ausgesprochen haben solle. Da ui m müsse der Brief gefälscht^sein. Run! Wer. wie ich, sich damit befaßt hat. Euckens zahlreiche Schriften mit heißem Bemühen zu studieren, der weiß, das; er — man kann das harte Wort nicht umgehen — so recht . . . „verjudet" war. Nicht, als ob sich in seinen Schriften viele freundliche Aenßerungen über Inden fänden, solche sind im Gegenteil sehr spärlich. Aber cs ist noch viel schlimmer. Ich besitze ein ganzes dickes Heft mit Zitaten ans seinen Büchern, die ich nur deshalb notierte, weil sie unch so lebhaft an Ausdrücke aus Talmud. Midrasch, Schar und Maimonides erinnerten. Es war erstaunlich, wie seine Anschauungen, namentlich in ethischen und religiösen Frage;;, mit jüdischem Denken und Fühlen verwandt waren. Und doch hatte er sich, soweit ich feststellen konnte, nie besonders mit der jüdischen Literatur beschäftigt. War das eine Geistes- Verwandtschaft? Er hat innnerhin im Frühjahr 1917 eine sehr schöne Schrift über die Bibel verössentlicht. Ich besprach sie einige Zeit darauf in „Ost u;;d West" ausführlich, lv a s m i r e i n c n t z ü ck e nd e 3 Brieschen von ihm e i n b r a ch t e. Euckens Werke sind bei den Juden, namentlich in Osteuropa, sehr bekannt. Im Jahre 1912 veröffentlichte der Rabbiner Professor Dr. Ziegler in

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