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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-23 · 51 (23.12.1927) · p. Seite 717

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
51 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
Seite 717 (sequence 1)
Language
German
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n ttlin, 23, Dezember 1927 ’L Iahrsanz » Nr. 51 Einzelnummer 10 pfeMig \n£~s/ v=--V U6vV >' / .!-.nf UVPWÄ j V, v vVN/VyVv^ <*rO -» / fi r:::~ # [W^ffQvtrp fw** U* >! *; *■: d ’y : f r1 ) Irr^r? .--> ■ A <X7> >—Ss-' M Vierieliahrsabonner-lenL 1,20 NM. (ZULligl. Bestellgeld). _ Verlag n. Schrifttenung: Bcrnn LV/l-Z, Llndenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 5504, S595. .:. Postscheckkonto: Berlin 804 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel* pube 0, Berlin 8>v 65, Lnwenstr. 7, und von (üoldschmIdVNotyschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen^rpcdition Rudolf Most«, Berlin 8^V 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JLK für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Kormalzeilenmesscr Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenairgebote) für Mttglieder d. Cenrralvereins 0,45 JtM, die 90 Dam. breite Reklamezeile 4,80 Mi. Allgemeine Zeitung des Judenrums ......HJiTiinij i;mHn Cvv> ‘/‘•vv/V^ WMss!- vvw^v^ Seit Segtim dieses Jahres tourte gegen B. Segel, der in feiner Schrift „Die Protokolle der Weisen von Zion, eine Erledigung" (Philo-Verlag) dieses stärkste Kampfmittel der Antisemiten als Fälschung entlarvt hatte, der Vorwurf erhoben, er habe einen von ihm zitierten Brief Rudolf Euckens gefälscht. In diesem Schreiben hatte Eucken seiner Entrüstung über die „Protokolle" und seiner Bewunderung der Segelschen Gegenschrift Ausdruck gegeben. Als auch die Familie Eucken Zweifel an der Echtheit des Brieses äußerte, wurde eine Reihe von Besprechungen Zwischen einem Mitglied der Familie Eucken, einem Vertreter des Een tralv ereins und Vertretern des A b w e h r v e r e i n s veranstaltet. In einem Schlußprotokoll wurde feftgestellt. Das; Die Familie Eucken an Die absolute Gutgläubigkeit unD Ehrenhaftigkeit Des Herrn Segel glaubt und lediglich vermuten muß, daß er einer Mystifikation von dritter Seite zum Opfer gefallen ist. Fernerhin heißt es in dem Protokoll: „Es besteht Klarheit darüber, daß die Intervention der Familie Eucken gegen die Veröffentlichung des Eucken- Briefes nicht aus antisemitischen Gründen entsprungen war, sondern daß die Familie Eucken einzig und allein bestrebt ist. Zu verhindern, daß der Brief, insbesondere seine stilistische Abfassung, ein falsches Bild über die letzten Tage Rudolf Euckens gibt." Die unerhörte Form, in der neuerdings die völkische Presse die von allen Beteiligten in einer Zwischen Männern von Ehre und Anstand üblichen Form geregelte Angelegenheit nunmehr in die breiteste Oeffentlichkeit zerrt. Zwingt Herrn Segel zur Flucht in die Oeffentlichkeit. Er wendet sich in einem Schreiben an unseren ihm befreundeten Mitarbeiter, der das Schluß- Protokoll mit unterzeichnet hat, gegen die Verleumdungen, die man gegen ihn erhebt. D i e S ch r i f t l e i t u n g. Wien, den 16. Dezember 1927. Lieber Freund! Die beiden antisemitischen Zertungsblätter („Fridcricus" und „Völkischer Beobachter") mit dem Artikel über den „gefälschten" Eucken-Vries, die Sie mir zugcsandt, haben mich höchlich amüsiert. Es ist ergötzlich, die ohnmächtige Wut der Herren zu beobachten, die durch Verdächtigung meiner Person die Aufmerksamkeit von der Niederlage abzulenken suchen, die ich durch die Entlarvung der Protokolle tetn Antisemitismus bereitet habe, und Zugleich Rack-c ert mir nehmen wollen für eben diese Niederlage. Seit Ausgang des Jahres 1919 nxuen die Protokolle die wirksamste Waffe in ihren 'Händen, keine der früher gegen die Fuden gerichteten ^rtcumdüngen, mit Ausnahme etwa der des N«l t u a l m o r d c s , Halle sich so tief indas Unterbewusllscin der Menge eingesressen, wie die von der „Weltvcrschwörung" der Inden, für die die Protokolle, wie es schien, unwiderlegliche Zengensch.lst ablegten. Alle früheren Verleumdungen lvaren in den Protokollen organisch Znsammengefaßt und in die Form eines Zynischen S e l b st v e k e n n t n i s s e s gegossen. Sie machten alle andere antisemitische Litera in r überflüssig. Und nun stellte sich's auf einmal heraus, dich diese Polokolle incht Ende August 1697 in Basel vor einer Geheimversamw.lnng der „Wersen von Zion" vorgetragen worden sein können, weil sie er st im Herbst 1905 in Petersburg von der russischen Ochrana fabriziert wurden. Das macht nun diese Waffe nicht nur vollkommen stumpf, sondern es wirft auf die Partei, die sich ihrer so lange mit unerhörter Rücksichtslosigkeit bediente, ein nicht gerade günstiges Licht, gibt sie vor allem der Lackier!ichkcit preis. Wie s o l l m c k d a a n dem Urheber dieser Entdeckung nicht Rache nehmen? Am besten ist es, man heftet ihm einen persönlichen Makel an, dann ist ja seine Aussage wohl abgetan. In zwei Fällen haben die Herren solches schon mit Erfolg unternommen. Warum nicht auch diesmal sich an einem armseligen Druckfehler klammern und diesen verhaßten Menschen als Fälscher des Encken-Briefes hinstellen?*) Dann sind wohl auch alle meine Beweisführungen falsch und die Glorie der Protokolle ist wieder hergestellt. Das ist jetzt um so nötiger, als Henry Ford, eine der Hauptsaulen des Protokollglaubens, umgefallen ist und die Wahlen vor der Türe stehen, die Wahlen, in denen die Entlarvung der Protokolle eine Rolle spielen könnte. Es wird sehr nützlich sein, da eine „jüdische Fälschung" zur Hand zu haben! Allein, hier protestiere ich schon: eine „jüdische Fälschung"? Nein! Ich nehme diese Fälschung ausschließlich für mich allein in Anspruch. Hale ich die Protokolle etwa eine „christlick^e" oder "ine „russische" Fälschung genannt? Man muß bei der Stange bleiben. Also: Segel hat den Eucken-Bries gefälscht. Wozu all die Mätzchen und Umschreibungen? Wozu die schnippische Frage nach dem rätselhaften Absender des Brieses? Die Sache liegt ja so einfach! Ich habe den Brief gefälscht. Natürlich! Nock; mehr! Ich habe auch eine ganze Ntenge anderer ähnlicher Briefe gefälscht. Hier folgen die Auszüge der Briefe in dar Reihenfolge, wie sie „au lnich" geschrieben wurden. Geheimrat Prof. Max Delbrück, Berlin, am 27. 'August 1925: . . Es war gewiß sehr nötig und nützlich, daß e i n Gelehrter sich aufopferte, um das ganze Lügengewebe aufzu. dröseln, und Sie haben sich dadurch ein Verdienst erworben, aber damit ist die Sache für die Wissenschaft auch abgetan: höchstens, daß man einmal gelegentlich diese Schwindelei al§ ein weiteres Beispiel für diese Art Bösartigkeiten ansührt, mit denen die Menschheit von je geplagt worden ist und noch heute geplagt wird." Gelzcimrat Prof. Fe rdinand Tönies, Kckel, 30. Januar 1926: „Die ^ache ist auch für mich wichtig genug, und ich würde gern mich an einem Kollcktivprobest gegen die dreiste Fälschung R-teiligon." Gcheirnrat Prof. Ferdinand TönreS, Kiel, 30. April 1926: „Für die sozialpß)chiatrische Betrachtung sind die Erscheinungen interessant genug. Ich bemerke wohl, daß Eie am Schlüsse Ihres Buches diese Seite der Sackfe vollkommen würdigen." (Bezieyt sich aus das Schlußkapüel meines Buches „Zur Psychopathologie des Antisemitismus".) •) Cucfcm schrieb seinen Brief cn mich am 15. August, unb «dieses Dalum war auch in der „Diener Mor § enzeitun g". der das Original vorla § , abgcdrrukt. In den Berliner „A b rv e!) r » B l ä t t c r u* machte der Druckfehlerteufel den LU daraus. Nun war Eucken am 16. August von Jena nach Wiesbaden verreist. Ein scharfsinniger nolfifdicr Kopf in Berlin konnte sich das Datum „Jena, den 2-4." August in den Berliner „Abwehr-Biätbern" nur dadurch erklären, das; der Brief gefälscht war. — „Sie werden noch an einem Drucksahler sterben", sagte Dr. Alareus Herz in Berlin zn einem Patienten, der sich nach Büchern kuri-ertr.

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