Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 50 (16.12.1927)
- Date
- 1927-12-16
- Page
- Seite 703 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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FT'-"' ':r^ <./' ' SS |3( Erinnerungen von Profess Dr. Jsnrar Elbogen. Unser Ow[d)lccI)t hat ff n;,»s und so Gelvaltiges erlebt, das; die ,Eindrücke rasch verdrängt werden und es vielleicht gerccksiscrtigt erschaut, schon riech 25 Jahren Erinnerungen zu schreiben Wer denkt auch heute noch au die vielen Sensationen der damaligen Zeit, an die Flucht der sächsischen Knum Prinzessin, an die an'u sozialistische Rede, mit der sich der gerade 20 chchce alte den!übe Kronprinz in die Politik eingenchrt hat? Wer t :nl: an alle die politischen und gesetlschastlichen Skandale, die zu jener Zech einander jagten und die innere Fäulnis der damalZ herrschenden Schicht verrieten? Wir Juden hatten unseren besonderen Errcgungsstosf. An jenem 80. November, an dein ich in mein hiesiges Amt eingesil'chrt wurde, sprach Wilhelm II. in einer Rede in Görlitz von einer notwendigen W e i te r b i l d u n a d e r N e l i g i o n. Wenige Wochen später hielt Friedrich Delitzsch in GegenroarL des Kaisers seinen zweiten Vortrag über „Bibel und Babel"; er machte sich jenen Hinweis zunutze und seine Ausführungen gipfelten darin, das; zentrale Anschauungen und Einrichtungen der Religion Israels bei den Babyloniern in vollkommenerer Gestalt nachweisbar wären: sogar Jesus sollte in direktem Bkutszusanlmenhang mit den alten Babyloniern stehen. In dem eisrige;; Federkrieg, der diesem Bortrag folgte, habenwir Juden schleckst abgeschnitten, es gab kaum einen in Biowissenschaft und Assyriologie hinreichend geschulten Fachmann, der Delitzsch mit den rechten Mitteln entgegentreten konnte. Das war um so betrüblicher, als gleichzeitig Adolf Harnacks Vorlesungen über „£«64 Wesen des Christentums" in einer billigen Volksausgabe stark verbreitet wurden und die Kvpf-e verwirrten. Besonders zahlreichen jüdischen Akademikern dienten die Darlegungen des hochangesehcnen Theologen als willfomnteiicr Borwand, sich oder wenigstens ihre Kinder taufen zu lassen. Allgemein herrschte die Ueberzeugnng. das; auf jüdischer Seite reicht geschwiegen lverden durste — und es ist mancherlei mit Erfolg geschehen, cs sei nur aut das damals erschienene „Wesen des Judentums" .von Baccf und aus I. Eschelbachers „Das Judentum und das Wesen des Christentums" verwiesen. Ich selbst versuchte mp akademischem Boden in den Kampf einzugreisen, indem ich für den Sonuner 1903 eine Vorlesung über „Die Religionsanschauungen der Pharisäer" für Studierende aller Fakultäten ankündigte, aus der dann grobe Stücke im Jahresbericht der Lehranstalt für 1901 gedruckt erschienen. Damit war der neue Weg versucht, daß die Hochschule über den engen Kreis der Fachstudenten 'hinausschritt und ihrer Ursprungltchen Absicht gemäß "sich an die Gesamtheit der Studierenden wandte. Dieser Versuch blieb nicht erfolglos und wurde später mit anderen Themen von allgemeinen! Interesse fortgesetzt. Besonders aut waren daun die öffentlichen Vorlesungen besucht, die Hermann Cohen, nachdem er 1912 ans Marburg nach'Berlin üvergesiedelt ltxrr, regelmäßig jeden Dienstag abend hie::. Ein solches Hinaustreten in die De-fenilichkeit war nur möglich. noacyaruge ecufimr ryren reeoensweg regonnen , fo yeiyr es im Jahresbericht von 1904. Allein, das darf heute gesagt werden, die Hochschule war nicht nur äußerlich arm, sondern auch innerlich armselig: wenn man die -hochklingenden Namen der an ihr beteiligten Männer mit der Wirklichkeit verglich mußte man recht enttäuscht sein. — Das jüdi'che Berlin enttäuschte überhaupt; cs war damals wohl schon eine Niesengemeinde, doch zu starr, Zn zerfahren und in keinem Gebiet jüdischer Arbeit führend. Tonangebend war cs in seinem ganz orthodoxen Festhalten an den bib-ellritischen Theorien Wellhausens, selbst in einer Zeit, als Von verschiedenen Seiten her bereits Bresche in das Gebäude geschlagen worden mar. Ich wurde, da ich in Breslau: ausgebildet war, mit einem gewissen Mißtrauen betrachtet und erinnere mich sehr wohl, wie einige meiner damaligen Hörer sorgfältig darauf acht gaben, ob meine ^Bibel- Vorlesungen auch kritisch genug wären; einer von ihnen, der sickch inzwischen weit nach rechts entwickelt hat, wird, wenn er diese Sätze heute liest, sich vielleicht eines Lächelns nicht erwehren können. Anderseits hat man mich in Breslau vor dem Radikalismus der Hochschule gruselig gemacht, mich insbesondere vor Niedorhaltungsversüchen durch May bann: gewarnt. In Wirklichkeit war Maybaum der entgegenkommenste und kollegialste Mitarbeiter, dem nichts anders am Herzen lag als eine gedeihliche Zukunft der Hochchnle.. Und wenn die Hochschule bei allem innern Elend einen Vorzug besaß. r'Av hören Sie mit TE KA DE-Röhren ganz bestimmt so, wie Sie es wünschen: Besser! Ihre Freude am Rundfunk wird erhöht, weil Ihnen bisher lästige Störungen unbedingt erspart bleiben. Wir geben Ihnen den guten Rat; Verwenden Sie T£i ÖS --- JS.2]k£>e&fcf Verlängert Sic die neuesten. Prospekte ion Ihrem Handlet oder i-on TE KA DE Nürnberg C ZSXI Dl