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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-16 · 50 (16.12.1927) · p. Seite 700

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
50 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
Seite 700 (sequence 4)
Language
German
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sich die Studenten. obzwar es in Ktaltsenbucg nur ungarische Protestanten und Katholiken gibt, nicht heran. Am Dienstag, den 6. Dezember, zogen die Studenten in ihrer, Sonderzügen weiter. Richtung )!Lrnmros57.l§ot. die größte Judenguneinde des alten Ungarn. Unterwegs Lick man den Zug \ berasi halten, wo eS Juden in gröszerer Zahl gibt. II c b c x a 11 Ber w ü st nngen u u b uiime n schli ch e R! i ß Handlungen der Juden. Bor Mrmo.ros§ri§et verlegte jedoch eine Militärabteilung, deren LTommandant ein menschliches Herz im Leibe hat (ob er wohl heute noch im Besitze seines Ranges ist?), der Horde den Weg. Die Studenten machten kehrt. Rach Klausenburg, wo es auch genug Juden gibt. Soll ich nun von vorne beginnen mit der Beschreibung der Greuellaten der Bauden Zdea Codroanus und Cuzas, die sich in Klauseuburg genau nach Eroßwardeiner Muster wiederholten. Zerstörung und Verunreinigung der Sstnagogcu, Verwüstung der Geschäfte und LLöhnurrgcrr der Inden, einige Dutzend schwerverletzte. Scheminterventiou der Behörden und des Militärs: in ftlaufen bürg hatten die Studenten das Werk, zu dem sic in Grobwardein drei Tage gebraucht hatten, in drei Stunden vollbracht. Sine Bukarest er Leitung meldet, die Banden litten in Klaukcnburg vierzig ELrasicu vollkommen verwüstet. Das Militär führte in Klauseuburg mit den Studenten ein regelrechtes Kriegsjpiel auf. Ein mehrfach bewaffneter Kordon erwartete die Züge der Studenten. Ter Kommandant forderte die Ankömmlinge auf, weiterzufahren, denn nur die in Klausenburg wohnenden Studenten dürften aussteigen. Cab auch dem Lokomotivführer Befehl, roeiterzufcchceu. Die Studenten bemächtigten sich der Bremsen, dann warfen sie den Lokomotivführer auf die Schienen und stellten sich zum Sturm gegen iki§ Militär auf. Zwei Angriffe wurden nach allen Regeln der Kriegskunst ..abgewiesen", der dritte endete aber mit der „Durchbrechung" der feindlichen Front. Wahrend. die Studenten in der Stadt plünderten, wurden sie von gröberen Militärabteklungen begleitet, die aber überlxmpt nicht Miene machten, ernzugreifen. Das ging so von sechs bis acht Uhr abends. Ta erschien plötzlich militari fcfie Verstärkung, und das unblutige Kriegsspiel wendete sich: die Studenten wichen zurück. Alles strömte zum Bahnkpf. aber nicht auf deur gleichen Wege, den die Horden gekommen waren, denn da war ja nichts mehr zu zerstören! Noch eine Stunde lang ging das Plündern werter, unter wohlwollender Neutralität des Militärs» das seinen „Sieg" durchaus nicht auszunutzen' versuchte. Um halb zehn fuhren die Züge weiter, der eine über Kronstadt nach Bukarest, andere über Trgakna uud Foksani nach Jassy. Beide reich beladen mit Beute: '^eide, Pelze und Juwelen für die Amazonen. Stoffe. Schuhroerk, Uhren für die Herren, und was man sonst noch „mitgenommen" hatte. Unterwegs wurde jeder län^re Aufenthalt zu neuen- Missetaten ausgenutzt. Arad. Kronstadt Trgakna. Foksani wurden im Stürm genommen und. soweit es die Zeit erlaubte, „ein bißchen verwüstet". Man mußte sich beeilen, denn am 10. Dezember gibt'S im Stauimqrrartier neue Arbeit! Vor fünf Jahren haben die antisemitischen Studenten an diesem Tage auf einem Kongreß die E i n s ü h r u n des numerus clausus verlangt, und seither wird in jeder rumänischen UmversitäLssiadt am 10. Dezember für den numerus clausus „demonstriert". Man kann' doch an diesem großen Tag Bukarest und Jassy nicht ohne Studenten lassen . . . Was nun iveiter geschehen wird? Richts. Keinem Studenten und auch keiner behördlichen Person wird ein Haar gekrümmt werden, die ..Provokatoren" von Sroßwardeiu und Klanfendurg werden ihre Strafe adsitzen, und dann geht wieder alles im alten Gleise weiter. Die Lage der Juden in Rumänien bleibt die bisherige: Auf dem Papier genießen sie die vollen Staatsbürgerrechte, in der Praxis find sie aber Vogel frei... * Von einem Leser unseres Blattes wird uns nachstehender, unter dem Eindruck der furchtbaren Vorgänge in Rumänien entstandener offener örkef an Stresemann zugesandt: Offener Brief arr Den Herr» Nelchsautzenmittister Dr. Stresemann! Wenn im Mittelalter im Deut scheu Reich eine Tat gescheheil war, die allen göttlichen lmd menschlichen Gesetzen ins Gesicht schlug, war es Brauch. das; ein laut gellendes „Gerüst" erhoben ward, so lauge, bis Gott Gebuug verschafft war. Ein solcl)es „Gerüst" erhebe ich hier vor Gott und Menschen angesichts der unerhörten Taten, die in diesem Jahre wieder in Rumänien an wehrlosen Juden geschehen. Das Gewissen Europas darf und kann solche brennende Schmach skrupelloser Brutalität und Barbarei nicht lä n g £ x dulden. Es schüttelt sich vor Grauen, es will nicht teilhaben an der alten, zu alten Blutschuld. Seien Sie, Herr Minister, der zu Gens vor dem Forum Europas so oft die Stimme edelster Menschlichkeit im Namen Deutschlands erhoben hat und die Bewunderung und innigste Sympathie der Vertreter aller Kulturnationen besitzt, seien Sie auch hier der Herold der Menschheit! Erheben Sie Einspruch wider den alten Feind, der auf dem Balkan seine Satauslünste ungeniert treibt, weit er darauf rechnet, daß Europa schlaft, als ob es im Haag und in Genf kein Auge gäbe, das alles Unrecht au der Idee Gesamteuropas unnachsichtig versolgte. kein Ohr. mi das die Weheschreie geplagten, gehetzten^ Judenmildes schlügen, keinen Arm, es zu rächen im Namen aller Gesittung, deren braver Soldat doch Deutschland immer war und bleiben wird, bleiben muß. wenn es wahrhaft das sein will, wozu es Kaut und Fichte, Goethe und Schiller erhoben haben, das Volk reinster Menschlichkeit. Eie werden sich. Erzelleuz, den Dank der Welt und der Geschichte verdienen, ^ie werden damit die große Tradition deutscher Staatskunst aufs würdigste fortsühreu und au die Arbeit des größten Staatsmannes, den das neue Deutschland gehabt hat, auknüpseu! Denn der (5ifcrite Kanzler edelsten, glorreich neu Andenkens ist es gewesen, der in den Tagen des Berliner Kongresses ausdrücklich Rumäniens Bestehen davon abhängig gemacht hat. daß es die Grundsätze moderner Rechtsgleichheit auch aus seine Judeuheit allsdehnte. Wie sehr dies geschehen ist, haben ja die jüngsten Ereignisse beloiesen. Gö darf also noch immer, nach dem Sturz des Zarismus, Staaterr geben, in denen harmlose Staatsbürger zwar nicht frei sind, sondern rnrr vogelsreil Sie sollen. Sie föniicn das nicht dulden! Sie werden, wie einst der Eiserne Kanzler, mit eillcm gewaltigen Quousque tarn!cm ben g.mzen Spuk wie ein Spinuenaewebe fortstauben aus dem reinen Hans curopäisck)er Menschlichkeit! Ter Blick aller Guten ist in btefem bangen Moment auf Sie gerichtet! Wir hosfell und vertrauen! Gottes Segen mit Ihnen! Dr. Siegfried Ascher (Berlin). Rschsrrbm' In Nr. 40 der „E. V.-Zeituug" vom 7. Oktober 1927 berichtete Rabbiner Dr. Kroner in Oberdorf-Dopfingeu von antiselnitischer Brulnwnvergistnng in Nürnberg in Vergangenheit nrld Gegemvart. Er erwähnte dabei dorr „Führer durch Rothenburg" (M. Weigeh Verlag von Max Klop;>eubnrg). der eine wenig judenfrenndliche 'längst vergangene Geschichte in feiner neuesten Auslage berichtet. Ter Fremdenverkehrsverein erhielt auf diese Veröffentlichung hin lnirschiedene Zuschriften, in denen erklärt wurde, daß man Rothenburg in Zllkunst meiderl werde. Dadurch auf die wenig judeufreuudlicho Haltung des „Führers" aufmerksam gervorden, richtete Der Frcmdenverkehrsverein nun an Dr. Kroner ein Schreiben, in dem rB heißt: . . . „daß der Fremdeuvcrkehrsverem Rvcheuburg aus..der Zeitung eumoimiK’n bat. daß die israelitischen Besucher Rothenburgs sich durch den Abdruck dieser Sedbochschen Predigt vom Jahre 1776 verletzt fühlen. und daß nach feiner Meinung jede antisemitische Tendenz ferngclrgcn hat, daß aber auch der Verleger sich bereit erklärt hat. nachdem bekannt geworden ist, datz dieser Abdruck die Israeliten verletzt, bei der Neuauflage auf die Gefühle der ifraclitifcheu Bürger Rücksicht rn nehme». Rothenburg freut sich über alle Gäste und heißt sie alle herzlich willkommen. Cs fragt nickt nach Religion und nicht nach Stand» und mißbilligt jede Bestrebung, die gegen die Gastfreundschaft verstößt." Wir freuen uns. daß der Aufsatz Dr. Kroners in unserer Zeitung den Erfolg gehabt hat. daß der Fremdenverkehrsverein sich dieser Sache angenommen hat und erwarten mit Zuversicht, daß m einer neuen Auslage des Führers die uncrsrellliche Stelle ausgelassen wird. c EUS fSikii^rgeschanke S Neue BeSSetrisük $ji IBwrofc*» Der Streit am ^er^eanten Grlselta. 8X0 II:im.sun, Landstreicher ............ IN.— Sinclair, Petioleum.... 7,— rver.n;oijn, Pebellen..... 7.— Jtaupt innun, Tih 'EulenSpiegel,.... ....20* — ilirinnmt, Tränen um Modest«. Z&mboni..... 6/4) Viiiununo, Tante T«!i .. L.— | Weplvolle Jüdische titeratur du t < tu nmr. Bas Jndtutum und sei ne Umwelt bro-=ch. J*.*C 10,--, pfhrl. 12,-- j %\ lener, Kriiiscüe Eeise durch Palii-»tiu.v brnsc!» J}~K 2,40. p;l>d. 3,-tO :j Müller, Lin Buch für unsere Mutier, Halbleinen ji.fi o,:k), Leincu 7/t) Frle<IIi*<‘iider. Dis Leben Gabii» l Riessers.. 7,-- 1 JRosciiKWcipr, ZweistromUnd .. pci>d i’t>0 Modernes Aratiqusriaf [ Hloein, Brüderlidikcit, Ganzleinen .. statt 6,— 4,— ' Menscücnc,, .....ßtatf, 4^ 0 2M Fiscltcr, Almanarh i:h*5 ..... statt 2,— C.’ohliicnn, h’on.ii^sin e...statt 7,— 4h- KaufT, Liciuonstein, Ganz'eiuen, Goldschnitt,...statt 5, - l.octtenbcr^, Dt ^elbe i'ieck ... statt :V»0 o. 0 .. liusrlmu, Volker, Ka^'Cn. Sprachen.statt 8,— 4.50 R«»!lnnd. .Johann Ciristof, 3 Hdtv Halbleinen, ..srait Ä).- II — 8etimi<lt, Biedermeier-Malerei, mit 14*2 Abbilds;.. I/einen, statt 13,'— 4,75 (Lieteruni; fr. ib)cibe''d. da nur weniuc Exemplare vorhanden.) i i i 1 M W Phis© VerSsg u. ßiidihandlung G.m.b.l!. Tel,* Dünhoir 3501 RKRUN SWiW I IO H

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