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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-16 · 50 (16.12.1927) · p. Seite 699

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
50 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
Seite 699 (sequence 3)
Language
German
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Oie Schreckensherrschaft der 5000 Studenten und 1000 Studentinnen. — 120 Schwerverletzte in Großwar dein. - Gotteshäuser und Wohnungen geplündert. — Oer amtliche Berscht des Kongresses. — Nach Klausenburg! - Wo bleibt die Strafe? SonderBericht der .,C. B.*Zei tu n g". Don unserem Sonderberichterstatter in Budapest gebt uns nachstehende Schilderung aus Siebenbürgen zu. die die empörenden Vorgänge in Grobwardein und anderen Städten, die — wir wir erfahren — immer noch anhatten, über das in den Tageszeitungen Berichtete hinaus in herzzerreißender Weife schildert. 11« II« Budapest, im Dezember 1927. An die schwärzesten Tage des russiscizen Zarismus erinnern die Ereignisse, die sich vom 4. bis 8. Dezember in den stebenbürgischen Städten Großwardern und Klausenourg zugetragen tzaben. Das Ausland erfuhr davon zunächst nur auf Umwo^n. denn wie immer in Zeiten, in denen „was los rst" in Rumänien, haben die Bukarester Machthaber vor allein den Telephonverkehr Lahmgelegt. Die ersten Nachrichten 'brachten Reisende nach Budapest. Sie klangen so phantastisch, so unglaublich, daß eine Budapester Zeitung, die sensationellen Berichten gegenüber nicht gerade überskeptisch zu fern pflegt, den ersten Hiobsboten, der sich zufällig in ihrer Redaktion meldete, als Narren und Lügner abwies.' . . - Seither bat man authentische Berichte bekommen, und es hat sich herausgestellt, daß die ersten Nachrichten war armselige Andeutungen dessen waren, was sich tatsächlich zugetragen Ijat. Fünftausend Studenten nnd tausend Studentinnen aus Bukarest und Jassy haben fünf Tage lang in Siebenbürgen eine Schreckensherrschaft geführt, wie mau sic aus diesem Gebiete feit den Türkcncinbrüchen nicht erlebt hat. Für den 4. Dezember hatte der berüchtigte Mörder des Präfekten von 3Qffl),Ze!ea Codreanus, die unter seiner und Professor Cuzas Leitung stehenden Studentenoereiniaungen nach Großwardern zum .Kongreßemberufen. Sonst sieht die rumänische Regierung auf t-em „eroberten" Gebiete nicht gerne Mästender sammln ngen. weil hier die Stimmung der Bevölkerung noch immer nicht genug ruhig ist. so daß Versammlungen und Kongresse leicht „ausarten könnten". Mit dieser Begründung war einen Monat vorl)er eine nach O^ulakobervLn (Alba Julia) cinberufene Volksversammlung der Nationalen Bauernpartei verboten worden. Den Studenten wurde aber die Bewilligung zur Abhaltung ihres Kongrestes in Großwardern ohne weiteres gegeben, obzwar es von vornherein sicher war, daß das Ersckseinen von sechstausend Antisemiten und Antisemitinnen in dieser Stadt mit ihrer großen jüdischen Bevölkerung ..ausarten müsse". Das lstitte die Regierung, wenn sie es nicht von vornherein wußte, unbedingt aus Profestor Cuzas Zeitung, der „Apararea Nationale" erfahren müssen, worin als Programm jür den Grotzwardeiner Kongreß ausdrücklich der Pogrom empfohlen wurde. „Den Juden gegenüber ist alles erlaubt, auch jede Gewalt", schreibt Professor Cuza in einem Leitartikel. Die Maßnahmen, die die Regierung zur „Verhinderung" dieser angekündigten „Ausartungen" traf, waren: 1. Es wurde die einzige nach dem Ausland führende Telephonleitung Bukarest—Belgrad und auch jede Telephonverbindung zwischen Siebenbürgen und Bukarest gesperrt; die Telegramm-, Zeitnngs- und Bricfzcnsur wurde verschärft. 2. Die Studenten bekamen zur unentgeltlichen Benutzung Sonderziigc, deren Fahrplan und Route die Studenten selbst zu bestimmen hatten. 8. Die Garnisonen von Siebenbüraen erhielten Beschs, gegen die Studenten unter keinen Umständen die Wasse zu gebrauchen. 4, Als ..Beobachter" der Regierung wurden Staatssekretär im Jmwnministerium Tatarescu (ein stilgerechter Name!) und General Mosoin nach Klausenburg bzw. Großlvardein geschickt. Dio Großumrdeiner wußten also von vornherein, worauf sie sich gefaßt nw.chen konnten. Viele Großrvardeiner Zudem darunter auch der Ober rcr« irrer der ucologen Gemeinde. Kecskenieti, verließen schon vor dem Eintreffen der Studenten die Stadt und die Zurückgebliel^enen richteten sich auf die Verteidigung ein. Mehr tonnten sie allerdings nicht tun, als sich in ihren Wohnungen zu verbarrikadieren und ihre Geschäfte gesperrt zu galten. Denn wehe dem. der zu der in den Gesehen aller zivilisierten Länder erlaubten aktiven Notwehr gegriffen hätte. Sonntag. 4. Dezember, nachmittags, begann der Kongreß und gleichzeitig der Pogrom. Nach einer Hetzrede Zelea Covlreanus Zerschlugen die Studenten zunächst die Einrichtung des Theatorsaalcs, der ihnen für den Kongreß zur Verfügung gestellt worden lvar (er gehört einem Juden), dann zog die ganze Bande ans die Straße. In Gruppen rwn 800 bis 1000 Köpfen ging inan ans Werk. Die Wohnungen und Geschäfte der Inden wurden mit Gewalt ansgebrochen, alle Inden, deren man habhaft werden konnte, blutig geschlagen, Möbel nnd Waren vernichtet, Wertgegenstände geraubt. Vierzig Schwerverletzte waren das Ergebnis des ersten Sturmes. Fünf von den Opfern der tierischen Bande schweben noch heute zwischen Leben und Tod. Nachdem man sich so das erste Mütck-en gekühlt hatte, ging man an die Unterhaltung. Gasthäuser, Vars und Eafos mußten die Studenten gratis bewirten. Im Parkhotel wollte die Leitung der Studentenorganisationen mit den Studentinnen eine Sonderunterhalttrng veranstalten. Hier hatte man die „Damen" einquartiert. Ter Hotelwirt. Emil Weißlowitsch, wollte. die geplanten Orgien in seinem Hause nicht zulasten und stellte sich den S-ttL>enLLN entgegen. Er siel, allerdings nicht ohne zwisci)endurch einigen seiner Angreifer blutige Denkzettel gegeben zu haben, mit 46 Messerstichen im Leib und fünf Nissen an der Schädeldecke am Eingang seines Hauses. Nur seiner Hünennatur ist es zumschreiben, daß die Aerzte auch heute noch immer eine Spur von Leven in ihm feststellen können. Montag mittag, als die Studenten ihren Rausch ausgeschlafen batten, ging's von neuem los. Bis Dienstag früh waren 120 schwerverletzte ins Krankenhaus erngclicsert. Kein Geschäft in ganz Großwardein, keine jüdische Wohnung blieb verschont. Tie Stadt sieht aus wie nach einem schweren Straßenkampf feind- Armeen. Die Straßen bedeckt mit Möbeltrümmern. Glasscherben. Kleiderfetzen und rauchnden Trümmerhaufen. Ihr besonderes Augenmerk richteten die Studenten selbstverständlich aus die Synagogen von Großwardein. Sie wurden alle erbrochen, verwüstet und abscheulich beschmutzt, die Thorarollen zerfetzt oder verbrannt, alles Silber gestohlen. Eine Synagoge wollten die Studenten in Brand stecken, doch trat die Feuerwehr rechtzeitig dazwischen. In den jüdischen Wohnuu^n raubten die Studenteu Gebetmäntel, mit denen sich einige der Vandalen bekleideten, um so kostümiert auf den Straßen tolle Tänze aufzuführen. Ein eigenes Detachment wurde mir Scheren ausgerüstet, um allen Juden die Barte oder Ohrlockcn abzuschneiden, wobei die Scheren natürlich mit Vorliebe ins lebendige Fleisch fuhren. Ueberall waren die Studentinnen in den ersten Reihen. Die Feder sträubt sich, alle die Greuel zu beschreiben, die Großwardern in diesen drei Schreckenstagen durchlebte. Und die Behörden? Oh. es war Militär reichlich aufgeboten. und einige Male „intervenierten" auch die verschiedenen lokalen Potentaten persönlich. Das Militär ließ die Studenten nicht für einen Augenblick aus den Augen, es schützte sie wirksam gegen die Erbitterung d>er Großlvardeiner. die nach den ersten Schreckcnsstunden erklärten, sie würden sich, da sie keinen belzordlichen Schutz finden, den Siudentenhorden geschloffen ontgetzenstellen! Auch nicht drei Bürger durften sich .^zusammenrotten". Dre Verletzten aber, soweit sie nicht ohnmächtig i m Krankenhaus lagen, wurden verhaftet, weil sie die Studenten provoziert und so die „bedauerlichen Exzesse" verschuldet hätten. Mehr als dreihundert Großwardeiner rvarten im Polizeigefängnis aus ihre Aburteilung. Einmal verbreitete sich unter den Studenten das Gerücht, die Polizei hatte auch zwei von den Plünderern verhaftet. Sofort wurde zum Sturm auf die Polizeipräfektur geblasen. T-er Polizei Präfekt beruhigte die Studenten: Es sei ihm gar nicht eingefallen, an Studenten zu. rühren, es möge dach eine Abordnung der Studenten selbst das Polizcigefängnis durchsuchen ... ■ - - — Amtlich aber wurde folgende Meldung ül>er den „Kongreß" verbreitet: „Der Kongreß nahm einen ruhigen Verlauf, als jüdische und komunrnkstischc Provokatorcn Unruhen hcrvorricscn. In einem Gasthaus wurde ein friedlich speisender Student durch Meyerstiche im Gesicht schwer verletzt, aus den Fenstern der Wohnungen wurden heißes Wasser imi> glühende Eisen stücke auf die' Sttrdertten geworfen. und aus dem Parkhotel griff man sie mit Revo!verschüffen an. Die Studenten nxmdeten sich an Staatssekretär Talarcscu um Genugtuung, der seinerseits erklärte, wenn die Angreifer selbst den Studenten nicht Genugtuung geben, könne er für die Folgen nid)t gutstehen. So kam es zu den Zwischenfällen. die übrigens feiner Lei Zerstörungen im Gefolge hatten. Alles in allem wurden von den Studenten nur einige Firmenschilder zerbrechen." . . . Nelken den Juden hatten auch die ch r i jl l i ch e n Magyaren von Großwardern schrecklich linier dem Wüten der Studenten zu leiden. Die Räirm.ichciten der ungarischen Zettuugeu und dos ungarischen KathoKkcrrverciirs wurden verwüstet, ein F-rauenklostcr, in dem ein Teil der Studentinnen Quartier bekommen hatte, durch abscheuliche kollegiale Orgien verunglimpft. An die protestantischen und katholischen Kirchen wagten

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