Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1927-12-09 · 49 (9.12.1927) · p. Seite 689

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
49 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
Seite 689 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277729-2277777--04124-2284707
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

6$5 tDer sinö öre Jührer öer Wirtschaft? Neue Wirtschaftsliteratur aus aller Welt. Von Dr. Norbert Einstein. Wieder einmal steht die Frage der Beziehungen zwischen Judentum und Wirtschaft im Mittelpunkte des Interesses. Einige wichtige Neuerscheinungen der letzten Wochen behandeln sie teils in judengegnerischem, teils in vorurteilsfreiem Sinne. Das in dieser Zeitung schon eingehend besprochene Buch von Hilaire Beiloc: „Die Inden" erst hält u. a. auch ein Kapitel über die angeblich jüdische Monopol- Wirtschaft. Ihm gebührt das Verdienst, den vielen unzulänglichen Betrachtungen noch eine hinzugesügt zu haben, die wohl als die oberflächlichste bezeichnet' werden kann. Neben den längst widerlegten Behauptungen über die beherrschende Macht des jüdischen Reichtums stellt er die These aus, daß bedrohliche jüdische Monopole vorhanden seien. „Um es ganz klar zu sagen: Diese Monopole haben auszuhorenck Man lvird vergeblich nach Beweisen über die Größe, den Umsang und die Finanzpolitik dieser „jüdischen Monopole" suchen, dagegen verrät er uns die Wirtschasrszweige, die angeblich von den Juden monopolitisch beherrscht werden: Hochfinanz. Theaterwcsen. der Früchtehandel rn London (?!), der Tabakhandel. Handel mit Silber. Blei. Nickel und Quecksilber. ..Und was am meisten beunruhigt, diese Tendenz zur Monopolisierung verbreitet sich wie eine ansteckende Krankheit." t Die Behauptung ist richtig, sie liefert aber gleichzeitig den wichtigste« Einwand gegen Beiloc. Denn die Monopole sind ein Ergebnis der letztere kapitalistischen Entwicklung und. wie uns Robert Liefmann bezeugt, geht diese Entwicklung besonders in judenreinen Industrien vor sich. Wenn man nun die Monopolbildung als solche bekämpft, dann muß man auch die nichtjüdischen Monopole bekämpfen und darf diese Wirt'ch-astsform nicht erst dann für gefährlich halten, wenn sie in jüdischen Händen ist. Was das wichtigste Monopol betrifft, das Monopol der Hochfinanz, so müßte Hilaire Beiloc wissen, daß die Joint-Stock banks, die Investment Trust Compajnes in ihrer Mehrzahl durchaus nicht jüdischem Einfluß unterliegen und daß die Versicherungsgesellschaften (über die er sehr dunkle Dinge sagt), nicht von Juden regiert werden. Sind die Leiter der Bank of England, der Reichsbank, der Federal Reserve Bank Juden? Werden die deutschen Großbanken, die Big Five, die amerikanischen National City, Guaranty Trust, First National of Boston, Chase National, Bankers Trust usw. von Juden regiert? Wenn die Kampfmittel Hilaire Bellocs nicht über die Landesgrenzen humusreichen, so möchte er sich wenigstens einmal in der Londoner City umsehen: in den Direktionszimmern und Boards von Lloyds, Barclys, Midland, Westminster, Hambros, Prudential. Royal Exchange? Werden die von Juden geleitet? In diesem Buch werden alle platten und dummen Argumente der antisemitischen Volksversammlungen in Formen der Wohlerzogenheit und mit glatten Worten wiederholt. Es ist nicht Zuletzt deshalb gefährlich, weil es dilettantisch ist. Wenn er dann später breite Ausführungen über die jüdische Vorherrschaft im Kommunismus anschließt, dann wird die Paradoxie seiner Behauptungen offenbar. Die beste Widerlegung gegen Beiloc bildet die kürzlich erschienene sehr wertvolle Publikation der Dresdner Bank: „Die wirtschaftlichen Kräfte der Welt". Hier werden auf Grund der neusten Statistiken die Produktionsverhältnisse und -Verschiebungen in der Weltwirtschast gezeigt. Es wird natürlich hierbei auf die Ju densrage nicht eingegangen. Aber wenn man sieh-t. wie sich. aus dem Gebiet der Landwirtschaft, der kolonialen Rohstoffe, der industriellen Energiequellen, der Industrie der metallischen Nohstoffe. der chemischen Industrie, der Textilwirtschaft, der elektrotechnischen Industrie. Maschinenindustrie, Seeschiffahrt. Eisenbahnen usw.. die Kräfte der Welt organisiert haben, und wie hier bis a u f w en i ge Fälle die Juden' einsluß l o s sind, dann sieht man, daß sür die zudenseindlichen Behauptungen soweit sie sich auf wirtsck)astlick)e Dinge beziehen, keine Berechtigung vorhanden ist. Zweimonatsschrift V-/y n y (; H<* rau selber un.t Schr.'Voltnng: ^^^Prci.Dr.J- . Juiiui GJdsteia (Darmiioth), 3* Jahrgang: Heft 5 soeben erschienen Aui dem Inhalt des fünften Heftes: Hans Driesch: Die Parapsychologie. — Julius Goidstein: Schreiben an einen katholischen Geistlichen. — Max Dienemann: Vom jüdischen Gebet. — M. Traub: Jüdische Wanderungen. — B, Segel: Politik und Moral. — B. J a c o b u. W. M i c h e l : Prinzipielle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift. — AdamRoedcr: Bismarck# Entlassung (Gagliardi). — Louis Gerraain-Livy: Die Juden im heutigen Frankreich. — Besprechungen. Zu beziehen: Philo Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr, 13. Einzelheft 2,25 M., Jahresabonnement 12 M. r~! . Tck. r\n 2>§\l Kl \ Enthält nur feinste Molkereibutter M. BAH LS ENS KEKS-FABRIK A*G* HANNOVER sin u Es darf behauptet werden, daß, in großen Zügen gesehen, die wirtschaftliche Weltstellung der Inden geringer geworden ist. In dieser Meinung wird man durch das Buch Egon Corrte Corti: „Der Ausstieg des Hauses Noihschitd" (1770—18:^0), Band I, Jnsel-Bcrlag, bestätigt. Dieser erste Band, dem hoffentlich bald der zweite folgen wird, ist eine ivcrwolle Darstellung der Rothschildschen Entwicklung. Manchmal bespricht es allzu farblos Tatbe'K'nde unb Br'efttellen. Zuweilen vermißt man den. großen Historiker. Dennoch ist das Buch über die Darstellung des Rothschildschen Schicksals Humus ein bedeutsames Zeitbild. Vielleicht manchmal verzerrt, weil es die ganze Geschichte im wesentlichen in ihrer Widerspiegelung der Rothichildschen Ereignisse darstellt. Aber es berührt vor allem durch die anschauliche Schilderung des starken Verantwortlichkeüsgesühls, mit der die Rothschilds Finanzpolitik treiben. Tie geschichtliche Bedeutung dieser Familie sür die Entwicklung des Bankwesens (vor allem der Anleihetechnik und -Politik) wird klar. - Hier herrschen nicht die . Grundsätze des „raffenden Kapitals", das angeblich ganz beziehungslos zum Gegenstand des Geschäftes ist, sondern gute und gesunde Prinzipien über kaufmännische Sicherheit, Pflichterfüllung und Rücksichtnahme auf die Allgemeinheit. Die Feststellungen des „Völkischen Beobachter" überraschen uns nickst mehr; trotzdem sei berichtet. daß er anläßlich der Besprechung dieses Buches die Rothschilds in einem Atem mit den verlverslichen Fälschungen Blumcnsteins, Tobinis und Genoffen genannt hat. Wenn man aber dem Hause Rothschnd nachsagt, daß es seine geschäftlichen Inte reffen mit politischen vermischt habe: daß Kredithergabe von den Rothschilds nur erwogen wurde, wenn eine Befestigung^dcr politischen Stellung in: Gefolge war, und wenn man dies als die typisch jüdischo Einstellung des Bankiers bezeichnet hat, dann soll man sich in eine außerordentlich intcrepante Veröffentlichung vertiefen- „DoÄardiplomatic" von Scott »aring und Joseph Freeman (Kurt Vowinckel Verlag, Berlin - Grunewald). eine anregende Studie über den amerikanischen Imperialismus. Wenn die Dokumente echt' sind — und sie sind echt —, auf denen die beiden Autoren ihre Thesen über die Konstruktion des gegernvärtigen amerikanischen Imperialismus ausstellen: wenn die einzelnen Kredit- . Verhandlungen der amerikanischen Bankiers mit Kanada. China, Mexiko, Philippinen und mit den verschiedenen südamcrikanischen und europäischen Staaten sich wirklich so abgespielt haben, besteht kein Zweifel darüber, daß die amerikanischen Banken sich in ihren Kredit- Verhandlungen von den politischen Intentionen der amerikanischen Regrernng hwcn bestimmen lasten. Tann ist ein großzügiges poetisch e s System in der finanziellen Anlcihctätigkeir der amerikanischen Banken bewiesen. Für uns Inden ist dabei von Interesse, ba\] die großen Finanzierungen, Anleihen und Kredite, die in den leisten Jallr-e-buten in imperialistischer Absicht von amerikanischen Banken getätigt N'urden, ohne nennensaoerto Hilfe jüdischer Bauten durchge ährt worden sind, Rmüruch haben an den umfangreichen Transaktionen auch die K n h n L oeb, Tillon R c a d, Selig m nun, Ladenbnrg . Thal m nun, Speyer unu. mitgclvirkt. aber in ungleich höherem Rtaße alle die großen Bauten und Emissionchänser, in denen die amerikanißch-.m Inden keinen Einfluß haben. Dieser Hinweis ist deshalb so wichtig, weil die judenseindliche Prcye und auch ihre pseudowissenschaftlichen Untersuchungen (ich denke dabei besonders an Büchner) jede amerikanisch Anleihe als „jüdische Eroberung" bezeichnen. Für sie schreitet unt jeder neuen amerikanischen Sanierung die „Weckherrschast des Judentums" vorwärts. Und wenn sich wirklich einige von Juden geleitete Banken an der Wiedcranfrichlnng der druck scheu Land.virtschasr. der deutschen Sch:vercifentndustric, der deutschen Reedereien und-der land-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.