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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-09 · 49 (9.12.1927) · p. Seite 688

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
49 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
Seite 688 (sequence 8)
Language
German
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m Klaffenkamvk nicht crft bei direkicr Nussorderung, fsndrrn VereltZ hei indirekter Anreizung gegeben sei. - Ten gleichen Standpunkt hotte einen Tag Zuvor das Schöffengericht in K o t t b u 8 mehreren jugendlichen Nationalsozialisten gegenüber ein- >' genommen, die dort den g l e i ch e n Flug.zettc! wie ihre Gesinnungsfreunde in Brandcnbrrrg verteilt hatten. Tie Besonderheit für KrtibuZ war noch der Umstand, daß die gleichen Tater einen angesehenen jüdischen Stottern rat als „Ausländer" und „T a l m u d j u d c n" bezeichne^ und daran die Schlußfolgerung geknüpft hatten, daß die Eltern einem solchen Lehrer ihre Kinder nicht an vertrauen dürften. Ter jüdische Studienrat mußte, da, wie in der Hauptverhaudlung festgestellt wurde, seit dem Tage der Verteilung des Flugzettcls mir diesen Beschimpfungen das Vertrauen der Kinder zu ihrem Lehrer vollkommen erschüttert war, seinen Wirkungskreis vertanen. Das Gericht erkannte wegen Aufreizung und Beleidigung gegen zwei Angeklagte auf 200 bzw. 100 Mark Geldstrafe. Bemerkenswert an diesen beiden Entscheidungen, die von den Gerichten nach einer mit mustergültiger Objektivität geleiteten Verhandlung gefällt wurden, ist die Beobachtung, daß diejenige Auslegung des § 130. die nach unseren Erfahrungen allein geeignet ist, den deutschen Juden den Schutz des Gesetzes zuteil norden zu lassen, allgemeine Praxis der Gerichte geworden zu sein scheint. Teure schlechte Verse. In einem großen Landsriedcnsbruch-Prozeß in Kvttbutz traten jüdische Rechtsanwälte als Verteidiger aus. In dem Verfahren wurden Mitglieder des Stahlhelms aus Fmftcrwalde als Zeugen vernommen. Es kam während des Prozesses zu Zusammenstößen zwischen einzelnen Zeugen und der Verteidigung. Bei einer Weihnachtsfeier hielt ein Angehöriger der Stahlhclmgruppe Fmftcrwalde es für besonders geschmackvoll. die jüdischen Verteidiger in schlechten Versen zu beleidigen. Sachlich konnte man trotz gegnerischer Einstellung an der Prozcßsührung nichts beanstanden, deshalb griff man zu einigen judenstindlichen Formalbeleidigungen. Man hielt eß mit dem Charakter des Weihnachtsfestes für vereinbar, von „krummbeinigem I u d c n g c l i ch t e r". „p l a t t f ü ß i g e n Brüdern" u. a. zu sprechen und zürn Boykott jüdischer Geschäfte in^gehässigcr Form aufzufördern. Der Verfasser des Gedichtes, der Apotheker ^cisferj'in Fmsterwalde, und die Verbreiter, wurden nrunuchr vom Schöffengericht in Kotibus zu Geldstrafen von 30. 50 und 60 Mark verurteilt. Ms unserer ^uskläeungsarbslt. Stettiner C. v.-Tage. Anker großer Teilnahme von Ortsgruppcnvcrtrctcrn aus ganz Pommern fand am Sonntag, 27. November. eine Landcsverbandstagung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Stettin statt. Der Vorsitzende des Landesverbandes, Rechtsanwalt Tr. Marcuse. begrüßte die Erschienenen. Ter Schatzmeister des Landesverbandes, Max Eisenstein (Stettin) erstattete den Kasienbericht und bemängelte die Saumseligkeit mancher Ortsgruppen in der Ablieferung der fälligen Beiträge. Tr. Hans G o t t s ch a! k , der Syndikus des Landesverbandes, gab ^jnen ausführlichen Geschäftsbericht, der erwies, wie zahlreiche Aufgaben der Landesverband in dem verflossenen Jahr erledigt hat und wie große weitere Ausgaben ihm noch bevorstehen. Tr. Norbert Einstein (Berlin) skizzierte sodann die wirtschaftliche Lage des deutschen Judentums. Er behandelte eingehend die Boykottsrage gegen jüdische Angestellte und jüdische Geschäfte und gab einen Querschnitt durch die deutsche Wirtschaft überhaupt und den Anteil der Juden an ihr. In der Nachmittagssitzung schilderte der Syndikus des E. D., Tr. Alfred Wiener (Berlin), die politische Lage in Deutschland. smveit sie für uns jüdische Deutsche von besonderer Bedeutung ist. Tie aktuellen Probleme, wie Reichsschulgesetz. Reichstagsarrslvsung, Wahlvorbereitungen, rechtzeitige Rusklärungslätigkeit vor den Wahlen, wurden eingehend durchgesprochen. Eine lebhafte, von großzügigen Gesichtspunkten getragene Aussprache, an der sich fast alle Ortsgruppenvertretcr beteiligten, schloß sich an die Referate an. Nach 7 Ahr abends, also nach fast achtstündiger Verhandlung, wurde die anregende und wertvolle Sitzung geschlossen. * Am den Abgeordneten der Ortsgruppen Gelegenheit zu geben, mit unseren Stettiner Freunden näher bekannt zu werden, hatte der Vorsitzende des Landesverbandes Pommern, Dr. M a r c u s e. cm Sonntag ebend zu einem T e e i m H o t e I „Der Prenßenhoj" cingeladen. Neben zahlreichen Freunden aus der Provinz war auch eine große Anzahl unserer Stettiner Mitglieder erschienen. so daß iin stimmungsvollen Saale fein Plätzchen frei war. Nach einleitenden Worten des Tr. Marensc gab Tr. Wiener ferlin) einen umfassenden Bericht vertraulicher Art über die Arbeit der ntrale. Ernst Wallach (Berlin), der stellvertretende Vorsitzende des V., wohnte der äußerst gelungenen Veranstaltung ebenfalls bei. V Am Montag abend sprach Tr. Norbert Einstein (Berlin) in einer der größten Stettiner Schulaulen über die Nolle des Judentums in der internationalen Wirtschaft. Ter stattliche Saal war vollkommen gefüllt. Gegen L 0 6 Personen, darunter gut zwei Drittel Nichtjuden. au§ allen Schichten der Bevölkerung waren erschienen. Dr, Einstein zeigte in großem Aufrisse die Verflechtungen der internationalen Wirtschaft, stellte den verhältnismäßig geringen Anteil der Juden an den maßgebenden Konzernen der nationalen und internationalen Wirtschaft fest, beschäftigte sich mit der jetzt besonders von völkischer Seile ongefcindeien Persönlichkeit Jakob Goldschmidts und widerlegte treffend die maßlosen Angriffe gegen ihn. die Eigentlich dem Judentum als ganzem gelten, unterfiiöjic den irreführenden Degriss der ,Ludenbankcn" und ging zum Schluffe aus das Kapitel Bank und B-örse ein. Mit seltener Aufmerksamkeit folgte die stark besuchte Ver» fammlung den Ausführungen des Redners. Eine kurze Aussprache schloß sich an, in der Tr. Wiener (Berlin) zu den Zwischenbemerkungen einer Nedncrin, die den Juden statt Deutschland Palästina als -Heimat Zusprecl)en wollte, Stellung nahm. * Wir sind dieses Mal ausführlicher, als sonst der knappe Raum gestattet, aus unsere Tätigkeit in Pommern hier eingegangen, um zu zeigen, wie sich in diesem so stark beeinflußten Landesteil die Anfklärungstätigleit des C. V. vollzieht. Tie finanzielle Lage unseres Landesverbandes Pommern ist keineswegs rosig, und wir wissen, wie gerade die pommerschen Judei unter den schivercn wirtschaftlichen Verhältnissen, besonders in den Kleinstatten, leiden. Trotzdem sollte es auch'in Pommern die Ehrenpflicht eines jeden sein, nach seinen Kräften zu den wichtigen und lebcnserhaltcnden Aufgaben des E. V. mit der Einsetzung seiner Persönlichkeit und seinen Mitteln beizustcuern. tzufclärungsversammlung in Nor-Hausen. Anker starker Beteiligung unserer Mitglieder und ihrer Angehörigen, sowie unter Teilnahme von £6 bekannten nichtjüdischcn Persönlichkeiten, sprach in Nordhausen am Tonnerstag, J. Dezember, Syndikus Tr. Alfred Wiener über das Thema: „Von der Straße zum Katheder/ Tie Versammlung, die von Rechtsanwalt Dr. Stern mit die Ziele des Ecntralvercins llarstcllcnden Worten eröffnet wurde, war ein starkes Bekenntnis zum deutschen Volkstum bei . aller Liebe zur alten Religion und zum. alten Stamme. In der Aussprache nahm der Landrat des Kreises Nordhausen. Tr. Bärenfprung, das Wort, sowie der Tvmpfarrer und Landdechant H u n st i g e r. Dieser wandte sich in warmen Worten gegen die Zerklüftung im deutschen Bolke^und forderte alle Gutmeinenden auf. für Einigkeit. Recht und Freiheit sich einzusetzen. Tie gesamte Preise Nordhausens. so die ..Nordhauser Zeitung", die ..Volks» zertung" und die .,Allgenieine Zeitung", brachten ausführliche Besprechungen des Vortrages. Am Sonnabend, ll. Dezember, sprach Syndikus Tr. Alfred Wiener vor völlig überfülltem Saale in M c i n i n g c u. Tagung öes LcmAesvecbanöes Thüringen in Erfurt. Am Sonntag,' 4. Dezember, fand in Erfurt die übliche Tagung des Landesverbandes Thüringen unter Vorsitz des Rechtsanwalts Dr. F r e u d e n t h a l iErfurt) statt. Syndikus K a m n i tz e r crftaltcte den Tätigkeitsbericht für den Landesverband. Tr. Wiener (Berlin) gab einen Aeberblick über die politische Lage und die Aufgaben des Vereins für die bevorstehenden Wahlen. Eine Aussprache mit Anregungen über die Aufklärungsarbeit schloß sich daran. Am Abend fand in Erfurt eine gut besuchte Mitgliederversammlung statt, in der Tr. Wiener referierte. Chemnitz. Aeber den Vortrag, den der Stellvertreter des Vorsitzenden des C. V., Rechtsanioalt Tr. Bruno Weil, am 26. November in Chemnitz hielt, bringen das „Chemnitzer Tageblatt und Anzeiger", die „Chemnitzer Neuesten Nachrichten", ..Tie Allgemeine Zeitung" und „Die Volksstimme" ausführliche Berichte. In den Berichten ist zum Ausdruck gebracht, daß cs Tr. Weil gelungen ist, den Nachweis zu führen, daß allein die subjektive Wille z u m D e u t s ch s e i n für d i e Juden e n t s 6) e i d e n d ist, sich als T e u t s ch e z u s ü h l c n. Ter Vortrag hat in ausgezeichneter Weise dazu beigekragcn. die auch in Chemnitz vielfach bestehenden Vorurteile' gegen die deutschen Juden zu beseitigen und die Erkenntnis wach werden zu lassen, daß nur die gemeinsame Arbeit aller Temschcn, gleichviel, welchem Rcsigionsbckenrnnis sie angehören, dcil Wiederaufstieg ermöglichen kann. Schluß öer Serliner E. v.-Woche. In Nr. 47 der ..C. B. - Zeitung" hatten wir bereits über den Erfolgreichen Anfang der Groß Berliner C. V. - Woche vom 21. bis 26. November berichtet. Am Dienstag, 22. November, sprach vor etwa £50 besonders interessierten Mitgliederm des Berliner W c st e n s Professor Tr. Julius G o l d - st e i n (Darmstadt) über „Die Geistigen und das Judentum". Der Leiter der Versammlung. Santtätsrat Dr. Leo Caro. Vorsitzender der Ortsgru.vve Wilmersdorf, konnte seslstellen, daß die durch den Dortrag gewährte Belehrung und Anregung geradezu unübertressbar sei, weil in einem großen Rahmen das entscheidende Problem der Stellung der deutschen geistigen Führer zum Judentum erschöpfend behandelt wurde. Am Mittwoch. 23. November, konnte Frau Regina Z n d c x nt ann Frau <?!fc Dormitzer (Nürnberg) in der F r a u e n g r u p p c Schöneborg vor einer statlttch-en Zahl von Zuhörern begrüßen. Auch im Westen fand Frau Tormitzcr eine Zu Hörerschaft, die ihr bis zum Schluß vcrstätrdnisvoll folgte. — In der O r t s g r u P P c F r i e d c n a u - S t e g! i tz sprach Pfarrer Ernst BiNlinger über „Lebene-lunst^ und Selbsterziebnng" vor mehr als hundert Personen. Lebrcr S. Sander, der Vorsitzende der Ortsgruppe, teilte mit, daß Sberstudiendireltor Tr. Henning im Lause des Wintersemesters über das gleiche Thema seinen Vortrag hatten werde, und bat die zahlreichen anwesenden d) r i ft l i cf) c n Damen und Herren, auch zu diesem Vortrag zu erscheinen. — Bei dem Gesellschaf t s a b e n d der Ortsgruppe 0t e u k v {l n , bei dem Tr. Salo« monski die Begrüßungsrede hielt, und der Ifinftlcrifdte Darbietungen von Fräulein Margit Sternberg brachte, hielt Rabbiner Tr. Kantor vwski eine Ansprache für Deutschtum und Judentum. Am 26. November sprach Frau Dormitzer in der Frauengruppe Nordosten. die unter Leitung der Frau L. W e i s steht, und am selben Abend vereinte der C. V. - Ball in den Räumen des Brüdervcreinshauscs 600 tanzlustige, in der Mehrheit jugendliche C. V.er. Kammerfunger Zador und seine Gattin sangen tlassische Lieder. Ter Vorsitzende, Kommerzienrat N. Hamburger, bat die jugendlichen Besucher des C. V. - Balles, sich mehr als bisher der Arbeit des C. V. zu widmen. Gerade in der bcvorstchendetl Wahl werde die Mitarbeit der Jtrgend uncnt» behrlich sein.

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