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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-09 · 49 (9.12.1927) · p. Seite 686

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
49 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
Seite 686 (sequence 6)
Language
German
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spielhansbesrtzer. Unter den Lichtspieltheaterhesttzern Tst das jüdische (5 l e rn § rr L verschwindend klein. In dem sechsröpjrgcn Vorstände des NoichövcrbQtwLs deutscher LichLspicLthcatcrbcsister befindet sich ein einziger Jude. Unter den 1G00 Mitgliedern ist der -irdische Prozcrrtsat't noch viel, viel kteincr und in der Gesamtheit der mehr als 8500 Lichtipiclgcwcrbetrcrbcrrdcn so minimal, das; er geradezu verschwindet. 2in Gegenteil: weit größer dürste das Koutingent derjenigen Mitglieder dieser dein Mittelstand an gehörenden Gewerderreibenden sein, die mit ihren Sympathien nach der genau e n t g e g e n g e s e tz t e u Seite gehen. Wenn dies hier angcdentet wird, geschieht es nicht ohne Aniah. Vom Theaterbesitzer aber ist sein Lieferant, der Film- Verleiher und der Film Produzent, in seiner Existenz unmittelbar abhängig. Er muh sich bei der Produktion wie beim Einkauf unbedingt nach den Wünschen seiner Kunden richten, wenn er mit ihnen Geschäfte mactren will. Die maßgebenden, den Marti tatsächlich beherrschenden Firmen sind die großen F i l m k o n z e r n e, die das Gros deutscher Filmproduktion und die bedeutendsten Filmderleihorganisationen in sich vereinen. Wie sieht es bei diesen aus? In der Führung der Ufa ist die Deutsche Bank, die in ihrem Direktor Tr. v. ertaub bisher den ersten Vorsitzenden, des Aussichtsrats stellte, abgclöst worden durch Geheimrat Hu gen borg, den Herrn des Berlages August Scherl. Den maßgebenden Einfluß auf di- Geschästspolitik der Universum- Film A.-G. haben die beiden Delegierten des Anfsichtsrates, Ludwig K l itz s ch, Generaldirektor des Scherl-Berlages, und Konsul Bk a r x. Die Ufa-Produktion leiten die Direktoren Major Grau und G r i e - Ding. Man wird nicht behaupten wollen, daß das so aussieht, als ob die Ufa ihre Produktion und Organisation vorwiegend in den D i e n st j n d i s ch e r F n t e r e s f e n stell r . . . . Käme der E m e l k a-Konzern in München, mit den Herren Kommerzienrat Krauß. Kommerzienrat S che er und Justizrat Dr. Noserrthal (Nichljude) an der Spitze, käme die von Ernst Hugo Cor re kl als alleinigem Vorstand geleitete Ph o e bus-Film Ä.-G., die National- Film A.-G., F i l m h a u s B r u ck m a n n A. - G. uss. uss. — es würde zu weit führen, auf jede der größeren Firmen einzeln einzugehen, das Bild ist überall dasselbe, es kann von einen: überwiegend jüdischen Ein - flutz ernst Haft keine Rede sein. Daran wird durch den Umstand nichts geändert, das; auf prominenten und weniger prominenten Posten hier und dort auch jüdische Männer stelzen, darunter eine erfreulicherweise relativ große Zahl solcher Juden, die sich durch ihre Leistungen ein hohes Ansehen unter ihren Fachtollegcn geschaffen haben. Damit komme ich auf einen Artikel in Heft 43 des von Herrn Alfred Rosen der g herausgegcbenen „D e l t k a m p f e 52 der sich unter der Ueberschrift „Tie Mehrheit der Galitzensteincst über die letzten Wahlen zum Filmfachausschuß bei der °B e r l i n e r I n - dustrie- und Handelskammer aufregt. Wenn sich unter den gewählten Vertretern der Filmindustrie bei der Berliner Handelskammer eine beträchtlich Zahl teils wirklich, teils scheinbar jüdischer Namen befindet, so ist dies doch nur ein Beweis dafür, datz die Träger dieser Namen sich Des Vertrauens der grofzen Mehrheit ihrer Fachkollegen (die ja bestimmt nicht jüdisch ist) erfreuen. Andere als diese für die jüdischen Fachauöschußmitglicder nur schmeichelhaften Folgerungen lasten sich ans dem Resultat der Handelskammerwahlen für einen sachlichen Beurteiler nicht ableitcn. Fm übrigen befinden sich sakrisch unter den 21 Mitgliedern des Fachausschußes norm jüdische Herren. Don einer jüdischen Mehrheit rn diesem „koscheren Verzeichnis" (wie der „Weltkampf" die Liste der Gervahlten nennt) kann man also nicht sprechen, ohne die Wahrheit Lügen zu strafen. Aber, wie gesagt: die Tatsache, daß das Vertrauen der Fachkollegcn auf einen verhältnismäßig hohen Prozentsatz von jüdischen Industrie- Mitgliedern bei diesen Wahlen gefallen ist. läßt noch nicht zu. die Beteiligung des jüdischen Elementes an der Filmindustrie und am Lichrsvielgewerbe überhaupt iut gleichen Prozentsatz anzunchmen. Die obigen Ausführungen dürsten vielmehr endlich einmal .Klarheit darüber geschaffen haben, daß die quantitative Beteiligung, mehr noch aber die e i n f l u ß m ä ß i g e Reichweite jüdischer Mitarbeiter an der dcutschym Filmindustrie weit, weit geringer ist, als selbst in n ich tantisenntischen Kreisen gemeinhin angenommen wird. Die §rauenliga für §rieöen und Freiheit gegen öen Antisemitismus. Die Internationale Franenliaa stir Frieden nnd Freiheit hat in der Erkenntnis, daß auch von nichtjüdifcher Seite aus gegen den verhetzenden antisemitischen Geis! vorgcgangen werden muß, und daß es vor allem Pflicht aller Organisationen, die für den Frieden arbeiten, sein nnrß, innerhalb des eigenen Volkes gegen ungerechten Haß anzukämvsen, schon vor längerer Zeit rine Kommission zur Bekämpfung des Antisemitismus eingesetzt. Bei der diesjährigen Tagung'des deutschen Zweiges der Liga iu Duisburg nahm sie nachstehende Entschließung an unb leitete sie an die zuständigen stellen weiter: „Die in Duisburg vorn 25. bis 31. Tktobcr tagende Hauptocrsammlung des deutschen Zw>ig^5 der Jnternatirnrulcre Fwucnliga 'ür Frieden und Freiheit lenkt die Aufmerksamkeit de? NcichtzsirftizminisieriumH. deS NcichSminisleriumI des Innern und des Deutschen 'Reichstags aus die fortgesetzten Schändungen jüdischer Friedhöfe mir dem Ersuchen, kür Abwcl.rmaßnahmcn Sorge zn tragen. Tie religiöse Toleranz ist ein Gradmesser der Kultur eines jeden Staatswcsens. Im Kriege machte man keinen Unterschied zwischen Parteien und Konfessionen: da gab es nur Teulsche. Unsere jüdischen, Mitbürger waren gut genug. Gut und Blut für das Vaterland einzusetzen. Ihr Lvserwille stand erwiesenermaßen dem der andern in keiner Weise nach. Ter Antisemitismus der Nachkriegszeit ist ein trauriges Zeichen eines beschämend niedrigen Kuittnmivcaus und des gänzlichen Mangels an Solidaritä'.sgesützl im deutschen Volke. Ta, wo er seine niedrigen Instinkte an der Ruhestätte der Toten auslüßt, zeugt er von einer Rohheit der Gesinnung, die zu den ernstesten Bedenken Anlaß gibt. Laß diese Schandtaten lo häufig von Jugendlichen verübt werden, wirst ein Licht auf den Geist, in dem dir Erstehung gehandhabt wird. Im Interesse der Jugend, der Trägerin der deutschen Zukunft, im Zntercne unseres Landes, das durch diese Roheitsdelikte in den Augen der Umwelt aufs schwerste geschädigt wird, ersuchen wir die zuständigen Stellen, hier einzugreifen und Abhilfe zu schaffen. Tie Ortsgruppe Berlin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit hat ebenfalls diesen Kamps zu dem ihren gemacht, sie will unseren jüdischen Mitbürgern Gerechtigkeit verschätzen. Unterstützt daher diese unsere Bestrebungen. Elisabeth Bitzler, Vorstandsmitglied der Ortsgruvve Berlin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit/ Wir freuen uns, daß eine in der internationalen Welt angesehene Frauenorganisatwn uns in dem Kampf unterstützt, den wir seit Jahrzehnten unermüdlich führen, und hoffen, daß es dem Einfluß dieser Frauen gelingen wird, weitere Fortschritte in den gemeinsamen Zielen zu erreichen. Der „tenösnzlose" Mose-Roman. Werner Jansen: „Die Kinder Israels." So sehr Kunstwerke, die die Gestalten der Bibel künstlerisch formen, gerade von jüdischer Seite zu begrüßen sind, so schmerzlich berührt es, wenn der biblische Stoff für eine niedrige Verhetzung ausgenützt wird: Bibel und Kunst werden in gleicher Weise vergewaltigt; die heiligen Schriften. Kulturbesitz der Menschheit, sind zu schade für solche niedrigen Zwecke. Der soeben erschienene Roman von Werner I a n s e n „Tie Kinder Israels"*) gehört trotz seiner großen stilistischen Qualitäten zu dieser unerfreulichen Gattung. Ter Roman behandelt die Zugendgeschrchte Moses' und den Auszug aus Aegypten bis zur Neberschrcitung des Schilfmeercs, also den Stoff, der im Airsang des zweiten Pentateuchbuches geschildert wird. Jansen ist kein Bibelforscher und kein Historiker, niemand würde es ihm nachrechnen, hatte er im Tienste seiner künstlerischen Zwecke die Erzählung verändert, neue Motivierungen gegeben oder seiner Phantasie Spielraum gewährt; die dichterische Freiheit soll nicht eingeengt werden- Jansen aber hat den biblischen Bericht geradezu vergewaltigt: er entwirft ein Bild der Juden in Aegypten, das bis inS kleinste den Verzerrungen entspricht, die in den mobetimi antisemitischen Schriften enthalten sind. Von der biblischen Erzählung bleibt nichts übrig; der Lcstr gewinnt den Eindruck, als sei dem Dichter die Bibel nur ein Vorwand, um die antisemitischen Hehmärchcn in einem Roman auflelw'N zn lasten. Da gibt es in "Aegypten eine reiche jüdische Kaufmannschaft, die durch Wucher und dunkelste Geschärte die tirnr.it Aegypter aussaugt. Tie ägyptische Kunst ist „vcrjudct". jüdische Mache beherrscht den Kunstmarkt. die ägyptischen Künstler, die wahren und reinen, können dagegen nicht auskonuuen- Ter ganze ägyptische Staat ist von den Hebräern rnrlerhöhtt. überall drängen sie sich ein. Amram, dcr Vater d.s Mose, ist allmächtiger Wesir des Pharao: er gebraucht feine-Macht, um durch schmutzige^ Gescbästc sich und seine Stammcsgenostcn zu bereichern, und urn die <stni!diaen dar Rache des Gesetzes zu entstehen. Tie Acgyptcr wissin nicht, wie sie diese Landplage loswerden sollen. Daneben gibt es ii: Gosen die Maste der jüdischen Arbeiter, die als ekler, schmutziger Menschcnbrei dahinvegctieren. Tie reichen Verwandten wollen von diesen Stammcsgenosscn nichts wissen, sie suchen sich als echte Aegyptcr zu maskieren, um ihre niedrigen Zwecke bester zu verfolgen. Tie jüdische Tradition erzieht zum ..Gctddcukench die Juden sind eines hohen Gedankens gänzlich unfähig. Tic einzelnen jüdischen Ge statt., n scheinen aus antisemitischen Karikaturen entlehnt. Nur der Held des Romans. Moses, ist sympathisch gezeichnet. Aber die Gleichung jüdisch . schlecht wird durch ihn nicht widerlegst denn — nach berühmtem Muster — ist Moses kein V o l l j u d e : seine Mutter ist die ä g y p t i s 6) e Königin. Aurrcun bat die junge Prinzessin in niedrigster Berechnung verführt! Man sieht, die antisemitischen Verleumdungen sind vollzählig zur Stelle. Der Roman muß im höchsten Maße aufreizend wirken. Alle Gebildeten haben die Pflicht, diesen Mißbrauch der Bibel niedriger zu izängcn. Es ist ein bekannter Sovhistenknin, einen berechtigten Ein wand dadurch zu entkräften, das; nmt ihn sei btt aussp rittst. ^e> hat Frinken int Vonvort voran sgesaat. ..daß Schau ist er Tendenz wittern mag an's Hie r ist cs Eh r e n s a ch e. z n m S ch n iii f I e r zui c v d e n. Der ltst'rlag kündigt in den Zei.ttmgen das Buch mit der nachdrücklichen Empfehlung an, daß es ..frei von jeder Tendenz sei". Deshalb sei der ahnungslose Leser cIvu*o nachdrücklich gewarnr. Die sehr gute Ausstattung des Buches darr die Tatsache necht Vordecken, daß es ein verhetzendes Tendenpverk ist. Tr« S« W. Verlag Westennann.

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