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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-09 · 49 (9.12.1927) · p. Seite 684

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
49 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
Seite 684 (sequence 4)
Language
German
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6$0 Der öriefwschfrl §orö—Zritfch. Wir haben in der „C. V.-Zeitung^ Nr. 56 vorn 19. November rmtgetciit. daß Henry Ford am 1. November an Fritsch ein Schreiben gerichtet habe, in dem er ihm den weiteren Handel mit seinem Buche verbiete. Heute find wir in der Loge, diesen Brief in wortgetreuer liebersetzung wioderzngeben. Louis Morshall, der Präsident des ^moriean Committee, hatte ihn bei der 21. Fahrcoversamm-» lung dieser Gesellschaft zur Verlesung gebracht und dabei festgestellt, daß Ford sich zu diesem Schreiben veranlass gesehen habe, nachdem ihm mitgeteilt worden sei. daß Fritsch l^ehaup'rc, leine Jnstrnknonen bezüglich der Zurückziehung des Btlchws von ihm erhallen zu haben. Der Brief lautet: Dearboru Mich., 1. November 1527. Theodor Fritsch, «Snigstratze 17» Leipzig, Dcntschlend. Geehrter Herr! Am S0. Juni 1927 vcröncutlichte ich eine Bekanntmachung bctrciicnd Artikel über die Luden, die iu dem „Dcarborn Lndependenterschienen waren, und von denen einige in Pamphletform unter Dem Titel „Ter internationale Jude" ^-gedruckt . wurden. Ln der Ueberzcngnng, dag diese Veröffentlichungen un- .gerechtfertigt waren, und daß cs demgemäß meine Pflicht als anständiger Mensch ist, die erwähnten Angriffe gegen die Luven, Die in diesen Pttblitationen enthalten sind, ebenso wie dicke Bcrössentlichungc« aus dem Verkehr rurück-'rziehcn, habe ich dieser meiner Erklärung die weiteste Verbreitung gegeben. I ch glaubteaunchmeu znkönncrr, das; meine Wünsche ln dieser Beziehung veinliedst erfüllt würden. Ich füge eine genaue und bestätigte Abschrift dicker Erklärung hier bei. Alle Exemplare des „Internationalen Juden-, welche im Besitz oder unter der Kontrolle der Dearfoorn Publishing- Company sind, sind aus mein Ersuchen hin derulchret worden. Ich bin durch öffentliche Nachricht davon informiert worden, das; Sie diese Pamphlete in verschiedenen europäischen Ländern in einer Reihe von Sprachen veröffentlichen und in Verkehr setzen, wobei Sie meinen Namen in Verbindung damit benutzen und behaupten, datz die Rechte zur VcrSssent. lichung nicht zurückgezogen seien. Damil keine Mi«. Verständnisse über meine diesbezüglichen. Wünsche verbleiben können, werden Sic hierdurch benachrichtigt, dast, welche Rechte auch immer Sie haben oder zu haben glauben bezüglich Heraus« gäbe dcS „Internationalen Juden", überall und in welcher Sprache es auch fein möge, diese hiermit zurückgezogen werden und aufgchört haben, und daß die Herausgabe, der Verkauf oder anderweitige Verbreitung des „International« Juden" und der Gebrauch des Namens Ford oder der Dearboru Publishing Company in Verbindung hiermit durch Sie oder durch irgendeine Person oder Gesellschaft, die uurer Ihnen oder mit Ihrer Vollmacht in irgendeiner Form als Lhce Vertreter arbeiten, hiermit verboten werden. Ich bitte» mir bei Empfang dieses Briefes gcfl. zu bestätigen, daß Sie dicke meine Forderung in jeder Beziehung respektieren. ger. Henry Ford. Der „Völkische Beobachter " vom 7. Dezember veröffentlicht das Anttvortschreiben, in dem Theodor Fritsch den Eingang dieses Brieses bestätigt nnd sestftellt, daß er die Erklärung am 30. Hunt nnbeachtet gelassen habe, weil ersie „lediglich aus jüdischen Zeitungen kennenlernte", die für ihn „nicht glaubwürdig" sind. In dein Brief, aus den wir noch cingehen werden, verrrwisl Theodor Fritsch auf ein R e ch t s g u t a ch t e n , das die Berechtigung von Fords Verbot bestreite, erklärt sich aber dock) bereit, „der Willenskundgebung des Autors nachzukommen und ihm die vorhandenen Exemplare zur Verfügung zu . stellen mtter Bedingungen, die sich auf einem beiliegenden Blatt verzeichnet finden" Leider ist diese Anlage, die sich offenbar auf die Wsindungsbedingungen bezieht, niefjr mit abgedruckt. Ore antisemitische Wahlh etze. — Völkische Tleugründungen. Oie jüdischen Sludenien lassen sich nicht beirren. > Der Ausgang des akademischen Plebiszits vom 30. November hat fitvi das Schicksal der preußischen Studentenschaften entschieden: mit diesem Tage haben dre brsherigen.^mit gerochen obrigkeitliäzen Zroangsbefugnissen onsgestattteten „Ltudentensck)aften", eine vielumstrittene Schöpfung der Nachkriegszeit, zu existieren aufgehört. Mehr als 20000 preußische Studenten halben durch ihre Abstimmung bekundet, daß ihnen das völkische Dogma höher steht als die praktische Arbeit an der Verwirklichung der großderm'chen Idee, sie haben zum Ausdruck ^bracht, daß ihnen wichtiger und rvesentlicher erscheint, in einem völkischen Privatverein den eigenen, radikcu-einseitigen, von der Mehrheit des verschon Volkes abgelchnten Eedcmkengängcn zu leben, als mit der Gesamtheit aller für das großdeutsche Ziel tätigen Glieder der Nation für das erträumte „dritte" Reich, das Gr Ostdeutschland der Zukunft, zu arbeiten. Jene Frontstudenten, die einst in heißem Wollen und jugendlicher Energie die überkommenen Grenzpsähle den Pariser Vororksdik taten zum Trotz zur Seite schoben und den der bürgerlichen Welt versagten Zusammenschttich aller Deutschen, tvenigftens aus akademischem Boden, in die Tat umsetzten, werden wehmütig put ansehen. wie ihre Nach'ahrcn von 1927 bedenkenlos tKi| „stattliche Haus" weder reißen, das sie gebaut haben. Ihnen bleibt^ nicht einmal der Trost, der einst in ähnlicher Lage die burschen schriftlichen Peteranen der Demagogenverfolgungen erhob: Das Haus ist zerfallen, was hatts denn für Not. da doch der Geist in uns allen lebt; denn der Geist fener engstirnigen und unduldsamen Berneiner vom 39. Novemlwr tzleicht wohl dem Geist, den jene begreifen; m i t de r Gesinnung der F r o nt fl u t e n t e n von 1919 h a t er nichts gemein. Der Ausfall dieser Abstimmung, von den Kennern der Verhältnisse voraus gesehen, hat mit erfreulicher Deutlichkeit Gesinnung und politisch? Struktur unserer akademisclM Jugend wieder einmal der O-efsentlichkeit vor Augen geführt. Jone unentwegten Optimisten — auch im dcutschjüdischen Lager sind sie zahlreich tvetrefcen —. die sich "gar zu gern in den so schönen und bequemen Ecdanken von der allmählichen Befriedung, Beruhigung und Konsolidierung der akademischen^ Verhältnisse hinein träumen, weil wüste antisemitische Erzcsie. wie sie auf der altehnoürdigen maker Yindoboncnsis- und den .Kulturstätten" der einer Minderheit gegcnüt>er stets tapferen Magnaren gewissermaßen schon zum ordentlich?n Lehrbetrieb gehören, bei uns erfreulich sotten geworden sind, werden unsanft geweckt worden sein. Der Ausgang dwscs Kmnpfes zwischen völkischer Ideologie und Staatsgesirimrng. in dem Flugblätter wie dieses keine Seltenheit waren: „Deutsche Studenten! - Wollt Ihr mit Ja stimmen? Wollt Ihr Tausende deutscher Brüder aus stoßen und dafür Tausende galizischer Juden in Eure Gemeinschaft aufuehmen? Deutsche Studenten! Das kann ntd)t Euer Wille feint Darum stimmt mit Nein!-- Hai gezeigt, wie trefscnd Friedrich M ei necke die gegenwärtige Studentenschaft charakterisierte, als er aus der Weimarer Tagung deutscher Hochschullehrer die Verhältnisse an unseren Universitäten mit den Meeresströmungen dos Bosporus verglich der nach den bekannten Feststellungen des Geographen Merz zwei Strömungen übereinander anfweist, eine obere, die vom Schrvarzen Meer in die Propontts geht, und eine untere, die wieder zurück aus . der Propoutis ins Schvarze Meer fließt. So scheint auch wenn man die Strömungen in der Studentenschaft betrachtet, an der Oberfläche eine gewisse Beruhigung eingetreten zn sein, dafür ist nach Meineckes Beobachtungen die „innere Verhärtung" eher noch starrer und bitterer geworden. Hier wird noch viel Arbeit zu leisten sein. Die künftige Entwicklung läßt sich vorläufig noch nicht übersehen. In diesen Tagen geht eine Einweisung des preußischen Kultusministers über die Liquidationen der studentischen ScLbstvcrwalturrgskörvcr an die Rektoren der einzelnen preuszischcn .Hochschulen heraus. Völkische PrivaLvereine versuchen bereits jetzt, unter irreführenden Bezeichnungen, sich als Nachfolger der aufgelösten Studentenschaften auszuspiclen. Aus verschiedenen Hochjchulstädten (so Göttingen, Breslau, Hannover) wird die Gründung einer „Freien Studentenschaft", meist in der Form eines eingetragenen Vereins, gemeldet, der bisherige Vorstand der Studentenschaft in EharloLtenburg Läßt Zettel verteilen, auf denen die Studentenschaft ausgcsordcrt Wied, ihm ihr weiteres Vertrauen auszusprcchcn. Es kann keinem Zweifel unterttegen, daß es sich hier um einen plumpen Bauernfang der völkischen Gruppen handelt, die den Versuch machen wollen, das diskreditierte alte Unternehmen unter einer neutralen mrd Armlos klingenden Firma erneut zu etablieren. Der wahre Charakter dieser Ncugründungen, in denen natürlich die völkische Richtung dominiert, wurde am deutlichsten in .Hannover erkennbar, wo sämtliche Korporationen der Hochschule znnr Beitritt aufgefordert wurden, n:it der alleinigen Ausnahme der einzigen Korporation der Minderheit, der jüdischen Verbindung im K. (*. Sncvia. In den nächsten Tagen werden sich die nichtvöllischm Gruppen der Studentenschaft über ihre Haltung zu diesen Neugründungen definitiv 'chlüssig werden, schon jetzt kann rvohl gesagt werden, daß wahrscheinlich die Parole ausgegeben wird, ihnen zunächst scrnznbleiben. Gs scheint aber unbedingt erforderlich, das; die einheitliche nr:d geschloffene Front der nichtvelkischcn (Gruppen durch keine Sondcraktionen gestört wird. Bc darrerliche Seitensprünge und Disziplinlosigkeiten, wre sie sich leider bei der Abstimmung über die Beckersche Verordnung von sozialistischer Seite ereigneten — eine Reihe sozialdenwkratischer Studentengruppen (die „Frankfurter Zeitung" sprüht von neun Hockschu-cn) stimmten m i t den Völkischen gegen die Beckersche Verordnung und vergrößerten dadurch die Zahl der völkisckM Stimmen —, müssen unbedingt unterbleiben. An der grundsätzlichen Stellung der deutschen Studenten jüdischen Glaubens hat sich nichts geändert, unser Kamps gilt nach wie vor allen völkischen Tendenzen in der deutschen Studentenschaft, unsere Liebe und unsere Arbeit gehört heute wie immer einem aUumsaffenderr wahrhaft grostdeutschen stndcntischcn Zusarrrmcrrscheust. Werner Noscnbcrg.

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