Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 49 (9.12.1927)
- Date
- 1927-12-09
- Page
- Seite 683 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rät den „Protokollen der Weisen von Zion" haben die Antisemiten ein völliges ssiaslo erlitten; jeder Gebildete weih heute, daß sie ein erbärmliches Machwerk sind. — Jetzt wird das alte „Buch vom Kahn!" des Reneguten Brastnann ins Tressen geführt. iL In Nr. 36 dieser Zeitung von: 9. September 1927 (Seite 511 und 512) h-at Benjamin Segel das Notwendige über die Entstehung des Brasmannschen Bucl-es gesagt. — Brakmann denunzier! in dieser IM auf «Kosten der russiscl>en Negierung gedruckten Sehrist seine ehemaligen Glaubensgenosien bei der zaristischen Negierung. Die Haltlosigkeit der. Schrift ist langst klar dargetan worden. Was zunächst intcrcntcrt, ist die eben im Hammer-Verlag erschienene deutsche Ausgabe*). Der vorliegende erste Band ist von Dr. S. Passarge. o. ö. Profegor der Geographie an der Universität Ham» ,burg. herausgegeben. Passarge hat keine Mühe gescheut: er steuert zu dem Buch ein Vorwort und eine 45 Seilen lange „Einführung" chstutzu, außerdem gibt er vielfach zu dem Brasmannschen Tort An» imerkungen aus eigenen Geistesschätzen.! Sckjon das kurze Vorwort zeigt in klassischer Weise die exakte -Arbeitsweise des Herrn Professors. Er gibt da Bemerkungen über chie Aussprache des Hebräischen, wobei ihm amüsante Schnitzer unterlaufen. So setzt er zum Beispiel die sogenannte aschkenasiscl>e Aussprache des Hebräischen dein „Jargon" gleich. (!) Aus dem Gebiete der hebräischen Grammatik herrscht doch gewiß kein jüdischer Eeheimbund. der Wahrheiten verbirgt. Mit ganz geringer Mühe hatte sich der Herr Professor Belehrung holen können. Es ist gewiß gleichgültig, ob Herr Professor Pastarge Hebraist ist oder nicht; aber das kleine Beispiel zeigt, mit welck)er Leichtfertigkeit hier offenbarer Unsinn ausgesprochen und gedruckt wird. HL , In der langen Einführung Passarges ist die Biographie und Ehrenrettung Brafmanns besonders amüsant. Wenn sonst ein Jude zum Christentum Übertritt, wird er auch von den Antisemiten als Renegat und Ueberläufer verachtet und immer betont, daß das Taufwasser die schlechten Eigensä)asten der „jüdischen Raste" nicht abwasche. Hier aber bemüht sich ein deutscher Professor, die Ehrlichkeit und vornehme Gesinnung eines getauften Juden zu erweisen. Er rühmt auch dessen „warmes Herz für seine Landsleute". — 1 IV. Es ist schade, daß es kein Patentamt für logische Erfindung gibt: Passarge hat nämlich eine Deweismethode ausgearbeiiet, die unter allen Umständen ihr Ziel erreicht und deshalb gesetzlich geschützt Werden sollte. — Wenn nämlich einer antisemitischen Verleumdung *) Jakob Srafmanti: „DasBuch vom Kühak", I. Band: „Materielle!, zur Erforschung der Mischen Sitten." Herausgegeben von Dr. SiegfriS Dassarge, o. ö. Profeijor -er Geographie an -er Universitär Hamburg. Leipzig 1O27. von jüdischer Seite nicht ausdrücklich entgegengetreken wird, so ist das für Pastarge ein klarer Beweis, daß die ausgestellte Behauptung richtig ist. warum sonst das Schweigen? — Wird dagegen die gehässige Behauptung bekämpft, so beweisen gerade diese ..Widerlegungsversuche", das; die Juden sich getrossen fühlen, — warum sonst die heftige Abwehr, wenn es sich doch nur um Fälschungen handelt? — Das ist durchschlagende Logik! V. Ein Meisterstück feinster Argumentation liefert Pastarge auf Seite XII—XII!. Dort wird bewiesen, daß es auch heute noch eine Zentralstelle gibt, die die gesamte Presse dirigiert. Diese Zentralstelle erschließt der Herr Professor daraus, daß „wie auf ein Kommando" eine „Hetze" gegen Pastarge und Brasmann einsetzte, als die Herausgabe des Buches angekündigt wurde. Pastarge kann sich die einmütige Abwehr nur dadurch erklären, . daß eine Zentralstelle den ganzen „Entrüstungsrummel" „arrangiert" habe. Aus den Gedanken, daß die Einmütigkeit der Zurückweisung auf den von mieten erkannten Charakter des Buches zurückzu führen ist. kommt der Professor nicht. Wer Montags auf die Straße geht und allen Leuten verkündet: „Heute ist Mittwoch!". der wird die einmütige Antwort erhalten: „Nein, wir haben Montag". Nach der Logik des Herrn Pastarge könnte der Betreffende schließen, daß eine „Zentralstelle" alle Menschen angewiesen habe, ihm zu widersprechen, woher käme sonst die „Einmütigkeit der Abwehr"? —- VI. In Kürze seien die famosen Ausführungen über die „Sonnen-" und „Mondnatur" der Böller erwähnt. — Die Juden haben „Blondnatur": wie der Mond der Erde immer nur eine Seite zukehrt, so zeigen die Juden den Nichtjuden nur immer die „Vorderseite", die „Hinterseite" bleibt verborgen (Seite XLVIII u. ff.). Tort liegen die „vielen Geheimnipe, die nur das Ghetto- und ReligionZmitglied kennen darf". — Köstlich ist es, »venu Pastarge erwähnt, daß die rabbinische ßiteratur die Juden ganz offen als „Mondvolk" kennzeichne; denn in der jüdischen Literatur wird der Blond häufig als poetisches Bild gebraucht. — Für den Einsichtigen ist jedes Wort zur Charakterisierung dieses Verfahrens überflüssig. — .jüdische Geheimnisse" gibt es nur sür den. der sich nicht die Mühe nimmt, die offen daliegenden Tatbestände zu studieren, — aber für den gibt es dann ja auch „Geheimnisse der hebräischen Grammatik." — VIL Der .Hewcis" sür die Echtheit des Brasmannschen Materials wird in einer Weise geliefert, die selbst den Unkundigsten in Erstaunen setzt. Die Dokumente sind echt, weil sie auf vergilbtem Papier stehen^ Die einheitliche Handschrift ist auch ein Beleg sür die Richtigkeit! (^eite VILI). Dabei, sagt Paparge selbst, daß es sich Teil ganz überwiegend nicht um Original- Protokolle, sondern um alte Auszüge aus solchen" handelt (Seite XIX und XX). Was beweist also die einheitlickje Handschrift? — Natürlich legt Pastarge auch großes Gewicht auf den Erweis nach seiner oben beschriebenen Methode: warum regen sich die Leute aus, wenn die Dokumente gefälscht sind; — die „Aufregung" beweist die Echtheit der Urkunden. — Es ergibt sich also, daß die Einführung des Herrn Profestor Pastarge ganz aus demselben Niveau steht, wie die Brasmannschen Ausführungen; — der Leser wird durch sie in geschickter Weise und von kundiger Hand in das .Huch vom Kahal" eingeführt. — Dr. S. Weinberg. der Umfänglichkeit der Widersprüche zu eindeutigen Lösungen drängt. Dieses fortgesetzte Beschäftigtsein mit sich selbst, das beim Deutschen infolge der Beengtheit seiner äußeren Schicksalswege nicht nach draußen abgelenkt werden konnte, mußte in ihm ein starkes Bedürfnis nach Abgrenzung und Distanzierung Hervorrufen. weil man beutlid) sich selbst und die eigene Wesensart erst im Gegensatz zu einem Dritten fühlt. So hatte ür den Deutschen das Thema, was vom Standpunkt des Deutchcn aus artfremd und seinem Menschentum entgegengesetzt er, immer eine besondere Aktualität. Eine Situation, die auf leicht zu errichtenden Brücken gleichfalls zum Antisemitismus hinüberleitet. , Nicht die in ha% G o l d st ei n s ch e Buch verstreuten Polemischen Partien bedinget; den Astert dieses außerordentlich bedeutsamen Wertes, auch rricht die immer wieder aufgenommene Auseinandersetzung mit Wilhelm Stapel, dessen Gelegenheitssichrist: „Antisemitismus?" es wirklich nicht verdient, daß solches Geschütz dagegen aufgefahren wird. Aber häufig sind m der Geschichte des Schrifttums Bücher von bleibendem Wert aus flüchtigem und verwehendem Anlaß entstanden. Der Rang dieses Buches liegt begründet in der Weite der darin üusgesteckten soziologischen und lulturphitosophischen Horizonte, in die es den Antisemitismus, seinen verzweigtesten Wurzeln nachgrabend, hineinstellt. Wenn in den obigen Ausführungen versucht wurde, mit einigen Strichen diese Horizonte nachzuzeichnen und hier und da mit eigener Zutat anszudeuten, so vermag diese unter Willkür und Zufall gestellte Skizze nur ein schwaches Bild zu geben von dem immensen Gedankenreichtum, den das Buch Goldsterns ausströmt. Daß der Verfasser stärker als in seinem bekannten Tuch „Rasse und Politik" seine außerordentliche Sprachbegabung und Kunst der Ausdrucksweise gezügelt hat. das; er seine Erkenntnisse mehr in wissenschaftlichen Formeln hart gehämmert statt aus farbige Bildhintergründe gemalt hat, ist' der Schrift nur zum Borteil gediehen. Noch eines laßt dieses begrüßenswerte Buch deutlich erkennen: Wenn selbst der Antisemitismus gewisse Erscheinungen und Manieren seiner Flegeljahr allmählich ablegt, so muß die sich mit ihm auseinandersetzende Kritik diese Höherlegung des Niveaus ebenfalls vornehmen, damit jener wohltuende Abstand auch fernerhin gewahrt bleibt, der die antisemitischen Autoren und ihre Gegner stets zugunsten der letzten charakterisierte. Erfolgreiche Bekämpfung des Antisemitismus läßt sich heilte nur noch in jener Nangzone durchführen., in der Professor Eoldstein seir^ Buch ausgelegt und gehalten hall