Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 48 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- Seite 670 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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hätten, daß das Judentum nicht ein Problem für die Nationen, die es beherbergen, sondern daß es sich selber ' Problem sei. Er fährt fort: „Freilich insofern das Judentum eben maßgebenden Teil hat an Wirtschaft und Kultur aller Nationen, leiden auch diese darunter" — und so gcht die Betrachtung weiter. Nach der Zusammensetzung der Schriftleitung senes Blattes wissen wir ohne weiteres, daß auch der namenlose Verfasser der Besprechung sicherlich eine Persönlichkeit ist, die dem demokratischen und republikanischen (Gedanken zu dienen bereit ist. Darum sind wir weit davon entfernt. Schristleitung und Blatr wegen dieser Besprechung zu tadeln. Was uns daran so außerordentlich bedauerlich erscheint, ist allein die Tatsache, daß das Gift der völkischen Gedaukenführ ung — nicht der gewöhnlichen Agitatoren —- die Menge durchsetzt, unsere Stellung verdirbt und unaufhörlich vorurteilsfreie Menschen mit falschen Vorstellungen belastet. Dies Beispiel lehrt vor allem, wo die Arbeit des Centralvereins bei den Wahlen einzusetzen hat. Zunächst gilt es. das Interesse unserer eigenen Freunde an den politischen Vorgängen der Allgemeinheit zu steigern. Mann und Frau müssen immer aufs neue vou der Bedeutsamkeit der Wahlen überzeugt werden. Zwar darf angenommen werden, daß die Einsicht: „Wahlrecht ist Wahlpflicht" sich durchgesetzt hat. Aber die Fülle der neuen Aufgaben, vor die uns die Wahlen stellen, ist auch in unserem Kreise nach keiner Richtung hin genügend bekannt. Auch die Frauen werden ihr Staatsbürgerrecht mehr als bisher praktisch betätigen müssen. Trotz der Kleinheit unserer Zahl kann in vornehmster Weise ausgeübter Einfluß aus unsere Umgebung segensreich wirken. Gelingt es uns nur, das Bewußtsein von den tatsächlich vorhandenen Problemen zu wecken und zum Nachdenken darüber an zu regen, dann wird verhütet werden, daß sich berufen fühlende aber nicht berufene Persönlichkeiten eine völlig unglückliche, nicht immer von Einsicht getragene Rolle bei den Wahlen spielen. Aus kaum einem anderen Gebiet schadet der Dilettantismus so wie hier, mag er auch von bestem Willen getragen sein. Man wird darauf sehen muffen, daß Männer und Frauen in die Parlamente ein ziehen, die für unsere Fragen Verständnis haben und die sie vertieren können. So wünschenswert es ist. daß auch jüdi'che Männer und Frauen in die Parlamente eknziehen, so wenig kann dieser Umstand für uns ausschlaggebend sein. ' Allein entscheidend ist auch nicht die Frage, ob eine Persönlichkeit gerecht und vornehm denkt, sondern sie muß neben diesen Eigenschaften auch wirkliche Kenntnis der uns leitenden Weltanschauung und unserer Eesellschasts- und WirtfchafLÄage besitzen. Denn das Parlament bestimmt indirekt a u ch . d i e Grundsätze der Verwaltung. Das haben wir, als im Reich die politische Wendung eingetreten äst. an sehr vielen kleinen Dingen des Tages innerhalb unserer praktischen Arbeit gemerkt. Darum die erste Forderung: Einsicht schaffen und diejenigen vorbereiten, die im Wahlkampf mit Takt auf der einen, mit Nachdruck auf der anderen Seite für unsere Ideale. Deutschtum und Judentum, mittelbar und unmittelbar einzutreien 'vermögen. hur ist die Erkenntnis, daß wir auf deutschem Boden deutsche Ziele als gute Juden verfolgen, die Grundlage alles Handelns, ebenso wie der Grundsatz: die nationale Heimstätte der deutschen Juden ist Deutschland. III. V Was ist zu run? Unsere Freunde sind Anhänger verschiedener politischer Parteien, aber, wohlgemerkt, größtenteils nur Anhänger, nicht Mitglieder, sie sind naht organisiert. Es geht in der Politik so, wie es auch uns vieliach geht. Auch der C. V. hat eine große Zahl von Anhängern, die meist aus Gründen der Lässigkeit nicht Mitglieder werdend Darum die zweite Forderung: Organisiert euch politisch. Nur dann könnt ihr wirksam für eure Ideale eintreteu. Vereinigt euch auch in unseren Ortsgruppen und laßt euch an .Hand des Materials, das wir in sorgfältiger Arbeit im Lause der Jahre geschaffen haben, unterrichten. Diskutiert über unsere Probleme und sorgt dafür. daß auch die nichtjüdische Allgemeinheit in unsere Versammlungen kommt, unsere Redner hört und an der Aussprache teilninunt. Hier kommt es aus uns, auf unsere Redner, auf unsere S ch rif - Len, auf die Verbreitung unseres arrfklLren» den Materials an. damit der Boden für die Wahlen, der zum Teil recht steinig ist, aufgelockert wird. Tie Hauptstelle unseres Vereins ist eifrig an der Arbeit, um das Werkzeug dafür zu schmieden. Und ihr. Freunde in Stadt und Land, ihr habt die Aufgabe, all dieses Werkzeug anzuwenden, eure und n:f £te Freunde auszurütteln und für eine starke, ehrliche und energische Vertretung unserer im Nutzen der Allgemeinheit liegenden Ziele aus das uachdrücktichsts zu sorgen. Tann werden wir nach den Wahlen die Freude erleben, daß untere wohlvorbereitete Tätigkeit ihre Früchte im Dienste der Allgemeinheit trägt. t krröWMgrn trS esnte’aatstf. SiSunsen des ömwloc-rilMöes und der DLNvallungSfcmmmsen — gcamlcnfQoung. Vier Tage währten die Sitzrmgen unserer entscheidenden und verwaltenden Vereinskörperschaften. Von der Eröffnung der Hauptvorstandsfitzung am 19. November abends an, bei der der Vereinsvorsitzende, Justizrat Broduitz, des unersetzlichen Verlustes noch einmal gedachte, den der Verein durch den Heimgang Hugo Lonne uselds und Paul Nathans erlitten, über einen von schwierigen und anregenden Beratungen erfüllten Sonntag hin. bis zu den Beschlüßen unserer VerwalLunaskommissior: out Montag und zu der Aussprache mit unseren beamteten Mitarbeitern ans dein ganzen Reiche am Dienstag, reihte sich Sitzung an Sitzung, jede voll wesentlicher Eigenart, alles 3 uf a m m e n g-eit o m me n ein Bild des von Verantwortungsbewußt sein geführten, von Aktivität erfüllten Centralvereins. Die SamröNlküMMMg. Zwei Dünsche soll eine Hauptvorstand-sitzung den führenden Freunden aus dem Reiche erfüllen: durch Entgegennahme Praktischer Referate die innere Verbindung mit der Leitung aufs engste zu erneuern, daneben aber, .und dies vor allem, ihnen Gelegenheit zu ausgedehnter Aussprache geben. Man legte die großen, grrmdlegenden Referate auf den Vorabend, nach 'Saöb-a-ausgang. der bisher lediglich geselligem Vereintsein der Hauptvorstandsmirgtied-er Vorbehalten gewesen war, und geivaun so die Möglichkeit, den g a n z e n 3 o n n t a g für die Aussprache freizumachen. Den Geschäftsbericht erstattete Der Direktor Des Centralvereins, Tr. Ludwig Holländer. Einen Wunsch und eine Tatsache stellte Tr. Holländer in den Mittelpunkt des erneu Teiles feiner Ausführungen. Ter Wunsch: Wie erreichen wir. daß unsere^leiteudeu Freunde ständig und überall über die wichtigsten Ereignine unserer' Arbeit unterrichtet bleiben. Tr. Holländer kann, nach Prüfung aller Jnsormationsmöglichkeiten. seftstellen, daß der einzige, sichere und bedenkenlose Weg der der ..Vertraulichen Mitteilungen" durch Mitarbeiter der Hauptgeschäftsstelle bei Landesrerb-andstagungen und anderen größeren Zusammenkünften sei. lind die Tatsache: Man ül>ersieht mitunter im Kreise unserer Freunde, daß jed-es Wirken von unserer <-eite in jedein Falle eine Gegenwirkung im Gefolge hat. Und da mau diese Gegenwirkung häutig als unangenehm empfindet, macht man uns das „Wie" unserer Tatigt?ir als vermeintliche Schuld zum Vorwurf, während cs, bei objektiver Beurteilung, klar werde, daß es das ..Was", mit anderen Worten: das aktive Eingreifen überhaupt ist, das man eiustellen müßte, wenn man von vornherein, am Bedenken vor der- Gegenwirkung, nur erwäge und nie zum Handeln käme. In diche gedankliche Zweiteilung fügte Tr. Holländer die Fülle der seit Januar bewältigten greßen^Austzabeu ein. Probleme der deutschen Innenpolitik, des Fud-euhapes der Ausländsdeutschen, der Wirtschaftspolitik, kulturpolitische Probleme wie Theater, Film, Kabarett. Fachzeitschriften. swciüchule, Schule. Schulbücher —' von diesen allen laufen aeda nt liehe oder tatsächliche Verbindungen zu unserer praktischen Arbeit und umgekehrt wiederum: w e \ ( dw Ausdehnung des Zndenhapcs ihn mit allen Lebensgedieten in Berührung bringt, muß sich unsere Arbeit ungeheuer erweitern, verliefen. spezialisteren. Tie Fragen des gesellichaniickjen und wirkst-?.fr- Uchen Boukotts spielen hier hinein, uub die Schwierigkeiten, g-. rade hier Wandlung zn schassen, fanden ihren ernsten .lliederschlag. innere „E. V. - Zeir u u g" . der A u f s ch w ir n g d e r M onai § a n s - gäbe, die Bedeutung und Arbeit des P h i s o - V c r l a g e s , die in ibren Wirkungen noch nicht völlig klar übersel b-are Wandlung in der Stellung der Wissenschaft zu den Nassentl^eorien fanden eingehende- Behandlung. Und auf diesen heule kaum noch geistig faßbaren weitverzweigten Kompler von Fragen baute Dr. Holländer die Grundmauern für die bevorstehende Wsttterarbeit. Arbeitsfreude und V e r a n t w o r t u n g s b e w n ß r s e i n nannte er die (Fortsetzung des Textes Seite 66$*)