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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-02 · 48 (2.12.1927) · p. Seite 669

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
48 (2.12.1927)
Date
1927-12-02
Page
Seite 669 (sequence 1)
Language
German
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/ f '7/y.r X7 \ / 1 i" l "■y Herlin, % t>$3c;;;i£? K?7 -4/1* Jahrgang ❖!lt. 4i EinZelnummer 12 Pfcrn{c I 23 i>Vwv^V t!v^<u/v;s *. r-r *a y und V. ‘I3&I&. i J-Jr<P * .-. , - -'- ’*V- - ,‘; / GL2 y-2^ O'«- / •. -Ja. r? Allgemein© Zeirun^ des Oudsruums ViertelisLrsQbornremtnt 1,20 51 wi. Bestellgeld). Btrlcg u. öd;ritiie;n:r.g: Senta SW 63, Elr.benfic. 13. .:. Fernsprecher: Amt DLnhoff 3504, LZ25. .:. Postsch;crkon!s: Derlen LS4 72. .:. DenNonLs: Dresdner D-rnk, Drchsr^- ftube 0, Berlin 51V 63, Lindenstr. 7, und von Gold,.-!.-:uidl-3iotysu;2d L Co., Berlin V.' 8. Lllelnia; Än;rrgrnannohme: Tnnoncer: .Expedition Rudo2 Mosse, Berlin SW 19, und bereu Filialen. Slnaeiginpreife: 0,90 für die 7grsp2lt:ne Zeile nach Rudolf Tllofles l^ovm2l;eilrnn:e!7er Är. 4, FaNUienrnzeigel'. und SteUencn'uchr (nicht Stellenangebote) für Mttgliedrr d. Cen:ralvereins 0,40 JtM, dir 90 mm breire ReLlLmLzerle 4X0 JU™ WVVj Xji^vv&rihst &irt I. Die Wahlen zum Reichstag und zu vielen Landosparlarnen- Len, die im Jahre 1923 [iattunben werden, werden den Wandel der Zeilen, der den Politischen Beobachter täglich vor neue Fragen stellt. Ln besonderem Lichte erscheinen Lasten. Die zu einer beherrschenden Macht gewordene Wirtschaft stellt Forderungen, die sich nicht immerhin die Programme der politischen Parteien einfügen. Mene Parteibildungen treten in den Vordergrund und finden, wie das Beispiel der Volksrechts- Partei in Hoffen zeigt, beträchtlichen Anhang. Diele behaupten, die kommenden Wahlen werden von entscheidender Bedeutung für die gesamte Zukunft des deutschen Volkes sein; andere bestreiten das in der Einsicht, daß das Ergebnis, wie es auch immer ausfallen mag, nicht dazu führen werde, die Frage der Staatsform und des Staats- Inhalts endgültig zur Erledigung zu bringen. Schnell ändern sich die Zeiten, schnell die Anschauungen, und was das eine Parlament beschließt, kann ein folgendes umfloßen. Man spricht von einer Krise des Parlamentarismus, weit man sieht, daß die zu immer überragenderer Macht gelangende Wirtschaft den parlamentarischen Kräften der Staatsgestaltung bedeutsam entgegenzuwirken beginnt. Zugegeben, daß eine solche Entwicklung sich vorbereitet, so bleiben trotzdem die politischen Wahlen ein Ereignis von außerordentlicher Bedeutung. Nur die Erkenntnis ihrer alleinigen Wichtigkeit beginnt zu schwinden, denn man sieht ein, daß. ebenso stark wie die Politik. die Wirtschaft die Gestaltung der bürgerlichen Gesellschaft zu meistern beginnt. Aber neben der Gewalt der Parlamente, neben dem Gewicht der Wirtschaftskörper tritt der Einfluß gesellschaftlich er Anschauungen als wesentlicher, nicht zu unterschätzender Fakror in den Vordergrund. Lebensfragen oder angebliche Lebensfragen, die das Forschen über das Wesen gesellschaftlicher Zusammenhänge aufgeworfen hat, werden, wenn auch vielleicht nur mittelbar, bei den politischen Wahlen eine wesentliche Rolle spielen. Sie werden auch an uns herantreten und eine Stellungnahme fordern. Wer besck)äftigte sich noch vor wenigen Jahren ernsthaft mit der sogenannten Raffemrage? Tie Richtigkeit der Eedankenführung eines Ehaw.eerlain lag zu sehr auf der Lmnd, als daß sie viele Menschen hatte beeinflussen können. Heute ist. wie wir wissen, die Erörterung der Ranenfrage in breite Bolksmassen gedrungen. Sie hat die Parteigrenzen wenigstens teilweise .gesprengt. So erfreulich der Rückgang der völkischen Parteien auch ich so steht roch für den unparteiischen Beobach!er sech daß die Wertung des jüdischen Deutschen, der gleich seinen deutschen Vollsgenoueu auf deutscher Erde nur die Wiedererstarkung seines Vaterlandes ringt, durch die geistige, politische und wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre in bedenklichem Maße beeinträchtigt worden ist. Das Schlagworl „Volk ohne Raum" ist im Gesichtskreis der denkenden Menschen aufgetaucht. Mit Recht fragt man, was aus den Volksgenosten werden soll, die innerhalb der beschränkten Grenzen unseres- Landes nicht mehr zu ernähren sind^ Man weist mit Unrecht auf die den Raum angeblich „fastenden" Fremden hin, und man meint damit in erster Linie die Juden. Der Gegensatz, der Zwischen Deutschen und Juden künstlich aufgerichtet wird, dringt tief in die Seele der Magen. Wirtschaftlich gesehen ist die Unterscheidung zwischen „raffendem" und „schaffendem" Kapital gewiß nicht neu. Sie wird auch durch die vielfache Wiederholung nicht richtiger. Aber sie schmeichelt dem Selbstgefühl weiter Kreise. Alle Betrachtungen, die mit dem Begriff des Kapitals zu tun haben, sind an sich schwierig. Sie setzen eine genaue Kenntnis der wirtschaftlichen Grundlagen voraus und sind in ihren Folgerungen nicht immer klar und einfach. Das Schlagwort ^Kapital" dagegen ist jedem geläufig und sellfft der abseits von jeder wissenschaftlichen Bildung Stehende hat eine, wenn auch unklare Vorstellung von der Bedeutung des Kapitals im Wirtschaftsprozeß. Die durch solche Begriffe verwirrten Menschen stehen den Wahlparolen urteilsunfähig und hilflos gegenüber. Sie hören und glauben, daß das im Besitz des Juden befindliche Kapital zersetzend wirkt, daß es es nichts Neues schafft und die Menschen auspowert; daß dagegen das christliche neue Werte schaffe und neues Leben hervorbringe. Die Jrrtümer breiten sich aus, wenn man sie nicht zu tilgen verrucht. Sie sind nicht beschränkt auf die Träger des völkischen Gedankens, sondern sie verdunkeln das klare Urteil nüchterner Menschen. Sie sind es. die den Boden vorbereiten, aus dem die Saat des Rassenwahns fruchtbar aufgeht. Große Kreise werden nicht antisemiti-ch wählen, man will die Juden nicht verdammen — aber man will sie entwerten, ihren Einfluß mindern und sie ausschalten. Darin liegen die neuen Probleme, die der neue Staat, die neue Gesellschaft uns anfgeben. Gch ist notwendig, die gewählten Männer und Frauen bei jeder Partei ohne Ausnahme von den Rauschgiften politischer und wirtschaftlicher Umgarnung zu befreien. Darin liegt die Aufgabe, die uns zuiällt. Sie erfordert Einsicht und Arbeit und erhebt sich weit über den landläufigen politischen Schwatz. Sehen wir einmal zu. II. In der bekannten republikanischen Zeitschrift „Deutsche Republik" befindet sich eine Besprechung des nunmehr sattsam bekaru'.ten Bellocschen Buches. Die meisten von uns stehen auf dem Boden der Zeitschrift und begrüßen ihr Erscheinen von ganzem .Herzen.. Alle werden anerkennen,'daß es sich um ein einstes und bedeutsames Unternehmen handelt. Die dort werösfentlichle Besprechung beginnt mit der Behauptung, Belloc untersuche die verschiedenen Möglichkeiten, „die Gegensätze zwischen Wirtsvolk und jüdischer Minorität auszugleichen". Der Verfasser der Besprechung stellt fest, daß Belloc und sein Uebersetzer die Tragik des jüdischen Volkes nicht erkannt hätten, weil sie übersehen

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