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Central-Verein-Zeitung · 1927-11-18 · 46 (18.11.1927) · p. Seite 646

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
46 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
Seite 646 (sequence 10)
Language
German
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Wa8 in beut Roman hier auf llcberltcfentng beruht, und was auf Erfindung, wo sich die historische und die dichterische Gestalt (und Gestalten) voneinander trennen. Tie Gedanken- und Gefühlswelt dieser kabbalistischen Ueberglüubigen, den Duktus ihrer gesteigerten Sprache jedenfalls beherrscht Poljakoff vollkommen und bewegt sich mit einer traumwandlerischen Sicherheit auf dieser Seifenblasenwelt der Ekstasen und Geheimwissensäpsten. Auch die Psychologie eines solchen Erlösers und Messias, der halb ehrlich ist und halb ein sich selbst betrügender Betrüger (wenn die Umstände stärker werden, als er selbst), der schön von Gestalt, aber weder willensstark noch gerade klug ist, sondern mehr dumpf verträumt und triebhaft . . . ist mit feiner und sicherer Hand ausgedröselt in all ihren Fäden und Derknotungen. Die Environs: Polen. Hamburg, Amsterdam. Kairo, .Smyrn-a, Adrianopel und der Sultanshos sind dirgegen etwas farblos geblieben. Am besten noch das Polens, weil es ^uljafoff kennt. Das tft schade; denn zu diesem Seelengemälde hätte ich gern einen farbigeren Rahmen gehabt. Und auch jenem Judenmädchem das im Kloster erzogen wurde, weil sie aus einer Metzelei als einzige gerettet wurde, das, sehnsüchtig einer inneren Stimme folgend, entfloh, das den Messias ersehnte, und über Meere und Länder zu ihm Wunderte, um sein Weib zu werden, durch allen Schmutz und alle Niedrigkeit watete, um von ihm, in der Liebe zu ihm und durch seine Liebe entsühnt zu werden ... auch ihr, der schönen Sarah, hätte ich mehr Fleisch und Blut gegönnt. Gerade ihr! Und beides! Ich verstehe: dem Dichter lag eher daran, die Massenbewegung zu geben, die über die Einheit des jüdischen Bolkes, die damals noch existierte, gekommen war: „Ganze Züge von Pilgern bewegten sich nach dem Heiligen Land. Auf allen Straßen der Welt, in Asien, Europa und Afrika zogen sie hin. Man sah sie in Gondeln in der Nähe von San Marco, auf Saumpfaden rn den Alpen, auf schneebedeckten Straßen Polens (die Sabbatianer). Rabbi Elieser, der einst Sabbatai verflucht hatte, hatte das Gelübde des Schweigens abgelegt, die drohenden Stimmen des S-asportas von Hamburg, des Nehemia von Konstantinopel verklangen wirkungslos/ Tas ist sein erstes Leitmotiv. Tann kommen die Hauptdarsteller. Endlich die Kulissen. Eine Parallele zur Bewegung des Zionismus ist trotz des rein mystischen Untergrundes unverkennbar. Das Schönstein dem Roman — dessen natürliche Form die des Expressionismus ist, eine gehobene und gleichsam beweislose Sprache, die etwas Berauschendes hat. fast wie rhythmische Prosa — ist der Schluß, wie Sabbatai nicht mehr Prophet ist, sondern nur ein Mann des Volks im Volk, selber ewig harrend, wie jenes. Tie Rolle des Messias lag ihm wahrlich nicht . . . man hatte sie ihm zugeschoben, er hatte sie sich nicht angemaßt. Und dann die Begegnung mit Sarah und die Vermählung . . . „einen andern Weg, Sarah, wie über alle Sünden der Wett zu mir, gibt es nicht". ftu& der fleh eit öes €. v. Der Vorsitzende des Centralvereins. Iustizrat Vrodnitz. und der Syndikus, Tr. Wiener, besuchten in der Woche vom 30. Oktober bis b. November eine Reihe bayerischer Ortsgruppen. Tie Reise begann mit einer Sitzung des Vorstandes des Landesverbandes Bayern des C. D. am Sonntag. 30. Oktober, in M ü n ch e n. Lei dieser Sitzung wurde unter vollzähliger Teilnahme der Vorstandsmitglieder aus München, Nürnberg. Augsburg und W ü r z b u r g wichtige politische und Organisationssragen durchgesprochen. In einer stark besuchten Gemeindeversammlung sprachen Iustizrat Brod- N i tz und Tr. Wiener am Dtontag in Bamberg. Am Tienstag fand in Form eines Tees eine vertrauliche Aussprache mit Freunden unseres Vereins in Würzburg statt. Mittwoch wurde innerhalb des Vereins ur Wahrung der jüdischen Interessen der Gemeinde Aschassenburg eine ehr stark besuchte Gemeindeversammlung mit lebhafter Aussprache abgchalten. Am Tonnerstag nahmen die beiden Herren Gelegenheit, im stattlichen 'Kreise von führenden Nürnberger Persönlichkeiten aus der Arbeit der Centrale vertrauliche Mitteilungen zu machen. S Idealer Wlnfernnfenthalt mit Riviera-Klima Hotel Pension Bremer (bei Fiume) Direki :m Meer. Rituelle Küche. — Eigener Betsaal. — Gottesdienst Im Hause« Aue Zimmer mit Loggia oder BalKori. Kliessendes Kalt- und Warm was» er. Warm wasserheizuug Telephon interurban. See-a. büsswasserhäder. ileerwasserdusehe. Appartements. Privat badezimmer. Kücne auch für Diabetiker. 2M Betten. Pensionspreis inkl. Zimmer H UnrU aufwärts. Die Reise bewies, wie fest der C. D.-Gedanke im bayerischen Judentum verwurzelt ist: sie gab auch Anlaß, die unerfreulichen antiseiuitischen Zustände in verschiedenen Teilen Bayerns eingehend zu besprechen und eine weitere zweckmäßige Bekämpfung durchzuführen. Trotz aller Anfeindungen wird sich die bayerische Iudenheit. das ergab die Reise mit unzweideutiger Klarheit, in ihrer Anhänglichkeit an die bayerische Heimat und in ihrer Liebe zum deutschen Daterlande nicht im geringsten erschüttern lasten. * Die ordentliche Landesverbandstagung des LandeZverbaitdeA Hcfscn- Nassau und Hessen am 30. Oktober d. I. in Frankfurt a. 'JJi. nahm in Anwesenheit von 75 Delegierten einen harmonischen Verlaus. In mehr als fünfstündiger, ununterbrvaiener Beratung wurden alle schwebenden Fragen, insbesondere unser Verhalten zu den hessischen Landtagswahlen, eingehend erörtert. Nach einem rhetorisch und inhaltlich wertvollen Vorträge von Dr. Kehr (Kaiserslautern) über unsere Stellung zu dem Eesamtproblem „Deutschtum und Judentum' erstattete der stellvertretende Syndikus der Zentrale. Dr. R e i ch m a n n (Berlin), einen eingehenden Bericht über die Rechtsschutztätigkeit. dem-sich der eindrucksvolle und dankbar aufgenommene Tätigkeits- und Situationsbcricht des Syndikus Tr. Marx (Frankfurt a. M.) anschloß. Rabbiner Dr. Gold m a n n (Leipzig) überbrachte die besonderen Grüße der Zentrale. # Der Landesverband Hannover hielt in Gemeinschaft mit dem Landesverband Ostwcstfalcn - Lippe, Vorort Herford, am Sonntag, 6. November, eine stark besuchte Tagung in Hannover ab. Ten Vorsitz führten abwechselnd Rechtsanwalt Lichtenberg (Hannover) und Direktor I. B a r u ch (Herford). Syndikus Tr. Wiener berichtete über die Arbeit der Centrate des C.V. und besprach eingehend die Lage vor den Wahlen 1923. Tr. Reich m ann gab ein umfassendes Bild über die Rechisschutztällgkeit der Centrale: Tr. Norbert Einstein berichtete über die wirtschaftlichen Fragen: Rechtsanwalt L i ch t e n b e r g gab einen Uebcrblick über die Stimmung der Jugend und betonte die Notwendigkeit, die Jugend weit stärker als bisher den Dereinsideen näherzubringen und ans der Entwicklung der Jugend auch für den Verein die nötigen Lehren zu ziehen. Eine rege Aussprache schloß sich an die Referate. In der Mittagspause fand eine Besichtigung der Synagoge und der dort ausgestellten wertvollen und ehrwürdigen Kultusgeaenslünde statt. Landrabbiner Tr. Freund hatte liebenswürdigerweise selbst die sachkundige Führung übernommen. Am 13. November veranstaltete der LandeZverband Grenzmark unter Leitung des Vorsitzenden, Rechtsanwalt Fleischer (Schneidemühl), eine Telegiertenversammlung. die von fast allen Ortsgruppen beschickt war. Ter stellvertretende Syndikus des Centralvereins. Tr. R e i dj in a n n, referierte über die politische Lage und die Arbeit des E. D. An den Vortrag schloß sich eine anregendeAusiprache. Am Abend sprach in einer Mitgliederversammlung die Landtagsabgeordnete Studienrätin Tr. Gertrud Klausner, M. d. L., über die politische Lage und machte besonders interessante Mitteilungen aus der parlamentarischen Arbeit. Ter Dortrag fand außerordentlich starken Beifall. Dr. N e i ch m a n n referierte über die Ausgaben des C. V. * Unter Leitung unseres Hauptvorstandsmilgliedes, Geheimen Medizinalrates Tr. Fallende im. veranstaltete unsere Ortsgruppe Königsberg kürzlich im Eebauhr-^aal der Kvnigsberger Stadthalle eine öffentliche Versammlung, in welcher Tr. Norbert E i n st e i n (Berlin) über das Thema „Die Juden und das Wirtschaftsleben' sprach. Tr. Einsteins sachlich ausgezeichnet begründete Widerlegungen von der angeblichen „Derjudung* des Wirtschaftslebens und dem märchenhaften ..Reichtum der Juden' fanden bei den Hörern, von denen etwa zwei Drittel Nichtjuden waren, lebhaftestes P EwsjHwass&BaaERs I 'D EUtsch'e r _i\yeTn bran d - -! ’ *! j th^tc'jr, j nuiffcay.’ 1 ' ‘ J ÖTEtour. rc t * .? i „sä-v;! J :''X iäji W; """ . XSr^'S' ■; \C. - |f -r ' Wvi urgff) m :ufi; :l fj n.tr^rgi Scharteg j i-0* k fl ■u! L6inaim<im»kWn .l m CUtöf4et4&Ut<%'s -b /$tw&ci2/Uv' + :Z3±E

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