Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 46 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- Seite 643 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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643 Der Zoll Möller. Entziehung des Lehrauftrages? Wir haben in der „C. V.-Zeitung" Nr. 45 vom 11. November über die antisemitischen Ausfälle berichtet, die sich der außerordentlicl)e Professor E. v. Möller an der Berliner Universität in seinen Vorlesungen über „Deutsche Rechtsgescksichte" hat zuschulden kommen lassen. Wie aus den Tageszeitungen bekannt, hat das Kultusministerium eine Untersuchung gegen Professor v. Möller eingeleitet. Dabei hat sich hcrausgestellt. daß Professor v. Möller infolge fctclfad/cr Schicksalsschläge offenbar schwerer Psychopath geworden ist. In seiner krankhaften Ueberreiznng hat er sich zu diesem systematischeu Mißbrauch der Lehrfreiheit hiureißen lassen. Tie Tageszeitungen haben sich mit diesem Fall, soweit es sich um antirepublikauische Entgleisungen handelte, eingehend befaßt und haben auch die berechtigte Forderung erleben, daß Tr. v. Möller der Lehrauftrag entzogen wird. Die antisemitischen Aeußerungen des Herrn v. Möller haben die Deffentlichkeit ausfallend wenig beunruhigt, obwohl die Ausweisung der jüdischen Studenten aus dem Kolleg den Höhepunkt dessen darstellt, was wir bisher aus dem Gebiet des Hoch-- schulantisemitismus haben erleben müssen. Wenn wir trotzdem diesem Vorfall nicht die Bedeutung beilegen, die der Vorgang als solcher rechtfertigen würde, so geschieht das nur mit Rücksicht aus den Krankheitszustand des Herrn v. Möller. Es bleibt aber natürlich die Forderung, daß Herr v. Möller seine? Amtes enthoben und ihm damit die Gelegenheit zu weiterer judenfeindlick^er Betätigung in den Raumen der Alma mater entzogen wird. Das Kultusministerium wird in wenigen Tagen die Entscheidung darüber treffen, ob Dr. v. Möller sein Kolleg weiter lesen darf. Ein junger Student, der als erstes Kolleg feines Rechtsstudiums die Vorlesung Dr. v. Möllers besuchte, schickt uns nachstehende Schilderung über sein erstes Stuöienerlebnks. Vorüber die Schrecken der Reifeprüfung. Freudigbewegten Herzens zieht der junge Fuchs hinaus, froh, des äußeren und geistigen Zwangs ledia zu sein, den unsere heutige Schule bedeutet. Er hofft, im freien akademischen Leben nach eigenem Wollen und in eigener Verantwortlichkeit sich die geistigen Voraussetzungen, um ein brauck)- bares Glied der Gesamtheit zu werden, erwerben zu können. In diesem Hoffen sind sich alle einig, wie und woher sie auch immer zur Alma mater kommen. Bielen von uns jüdischen Schülern hat die Schule die schönste Zeit unserer Jugend geraubt. Ost mußten wir uns keinen Rat vor den offenen und versteckten kränkenden Reden judenfeindlicher Lehrer. An der Universität hofften wir nun alle, den Geist wahren Lebens zu finden, der aus der Voraussetzung sittlichen Hochstandes frei fei von all' jenen Vorurteilen, untrer denen wir in der Schulzeit gelitten hatten. Zum ersten Semester des Rechtsstudiums kam ich so an die Berliner Universität. Wie freute ich mich auf die erste Vorlesung über „Deutsche Rechtsgeschichte". Ich hoffte, dort von dem Werden des Rechts in unserem deutsck>en Vaterlande zu hören. Wie Hagelsckläge prasselten da im ersten Kolleg die Schmähungen des Prozessors v. Möller auf mich ein. der durch seine Worte ..vom der- Sudeten römischen Recht" eine Scheidewand zwisckxn mir und meinen Kommilitonen aufrichtete. Ich war mir sofort bewußt, daß lange Jahre ehrlichen Mähens nötig sein würden, um diese Trennung zu überwinden. Denn die. die gleich mir von reaktionär und anti. semitisch eingestellten Schulen kamen, fielen gleich wieder in ihren alten Ton. Nachdem sie ihr Staunen, daß so etwas an einer Hoch, schule überhaupt möglich sei. überwunden hatten, spendeten sie begeisterten Beifall, der wie Peitschenhiebe auf uns jüdische D-eutsck)e herabsauste. Wir fragten uns, wie mir denn die Kluft überwinden sollten, die zwischen den christlichen Kommilitonen und uns geschaffen wurde, wenn die, die unsere Führer zum gegenseitigen Verstehen sein sollten und könnten, sich bemühen, diese Kluft noch immer zu vertiefen. In diesen Stunden der Erniedrigung und Enttäuschung, die jedes Kolleg des Profesiors Möller für uns bedeutete, wurde es uns klar, daß nur die eigene Leistung uns den Platz sichern kann, den man uns streitig zu macken sucht. Das Gegenteil von dem, was Sie ersehnen, chaben Sie erreicht, Herr v. Möller! Wir deutschen Studenten jüdischen Glaubens werden nun erst rech für unser deutsches Vaterland arbeiten. Und wir hoffen trotz allem auf die Zeit, in der von Deutschlands holzen Schulen die Parteipolitik wieder verschwunden sein wird und alle in ehrlichem Streben nach dem tiefsten Sinn des Wissens, den Gründen letzten Seins ringen nwrden. Alfred Lcvi, stuck, jur. Ter „Fall Möller" hat erneut die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf die Art des wissenschaftlichen Hochschulbetriebes in Deutschland gelenkt. Im Zusammenhang damit dürste cs auch von besonderem Interesse sein, die geistigen Quellen kcnnenzulerncn. aus denen die jungen Füchse außerhalb"des Kollegs ihre Allgemeinbildung schöpfen, die'sie später als Richter, Lehrer, Verwattungsbeamte ihrem beruf« lichen Wirken zugrunde legen. Die nachstehende Besprechung des (Fortsetzung aaf Seite 644.) i 3 Groß°ösrünrr €. V.-Nochs 21. bis 2ö. Aovsmbss Montag, den 21. November: 814 Uhr. Ortsgruppe Nordwesten: Eaf 6 Gärtner, Holsteiner Ufer 27. Rechtsanwalt Tr. Bruno Weil: „A ufstieg oder Niedergang der völkischen Idee?" Gedanken zu den kommenden Wahlen. Gäste willkommen! I. A.: Gustav Zamorh. * 8}< Ubr. Arbeitsgemeinschaft S, NO, C: Unionssesisäle, Greisswalder Straße 222. Referendar Franz Lennhofs: „Die Vorgänge an der Berliner Universität." Rechtsanwalt Tr. Regensburger (Brcmnschwcig), Mitgl. d. Hauptvvrstand. „Was haben wir von den kommenden Wahlen zu erwarten?" Gäste willkommen! I. A.: Dr. S. London. * 814 Uhr. Franengrupve Neu-Dcmpclhof, Kleiner Schultheiß, Dreibundstraße 6, Eingang Liä terselder Straße. Frau Else Dormitzcr (Nürnberg): „Wir Alten und die Jungen." Gäste willkommen! I. A.: Else Schweriner. * Dienstag, den 22. November: 8Y2 Uhr. Ortsgruppen DcS Westens: Logen Haus, Joachimsthaler Straße 13. Prvsesior Tr. Julius Goldstern (Tarmstadt): „Die Geistigen und das Judentu m." Gäste willkommen! I. A.: Dr. Leo Earo. * 8l4 Uhr. Ortsgruppe Potsdam: Hotel zum Einsiedler, Schloßstraße 8. Frau Else Dormitzcr (Nürnberg): „Eindrücke von meinen E. D. - R e i s c n." Syndikus des E. V. Tr. Alfred Wiener: Lichtbildervortrag: „Volksleben im Lande der Bibel." Gäste willkommen! Justizrat R. Josephsohn. NNürvoch, den 2?. November: 4Yt Uhr. Frauengruppe SÄöncbcrg: Dereinssaal, Restaurant Schulz, Innsbrucker Straße 37. Frau Else Dormitzcr (Nürnberg): ir Alten und die Jungen." Fcchrtverbindung: Untergrundbahn Stadtpark. I. A.: Regina Zuckermann. * 8^ Uhr. Ortsgruppe Friedenau-Steglitz: Ätbrcchtshof, Albrechtstraße la. Oberstudiendirektor Dr. Hans Henning, Direktor des Königstädtischcn Gymnasiums: „Lebenskunft und Selbsterziehung." Gäste willkommen! I. A.: S. Sande r. * 8%. Uhr. Ortsgruppe Neukölln: Kottbuser Klause, Kottbuser Tamm 90. Gesellschastsabend: Tanz: künstlerische Darbietungen: Ansprache des Herrn Rabbiner Tr. Kantorowfki. Elngcsührtc Gäste willkommen. Tic Mitglieder der Ortsgruppen S, SW, SO sind herzlich eingeladen. I. A.: Tr. H. Salomonski. * VA Uhr. Allee 6i. Sonnabend, den 26. November: Fraucngruppe NO. bei Frau L. Weis, Prenzlauer Frau Else Dormitzcr (Nürnberg): „Wir Alten und die Jungen." Frau L. Weis. * 9 Uhr. straße 116. Ortsgruppen des Westens: Drüdervercinshaus. Kurfürsten- C. V.-Dall. Kammersänger Zador — Frau Emma Basth-Zador. Eintrittskarten aus Namen: 2.30 Mark einschließlich Steuer. I. A.: Kommerzienrat N. Hamburger. Groß-Berliner! Sorgt für guten Besuch unserer Veranstaltungen. Arthur Schweriner, Dr. Gkaferfeld, Syndikus des Landesverbandes Vorsitzender des Landesverbandes Groß-Berlin. Groß-Berlin. F L 1