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Central-Verein-Zeitung · 1927-11-18 · 46 (18.11.1927) · p. Seite 641

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
46 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
Seite 641 (sequence 5)
Language
German
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lSonderdiensi d e r L. V.. Zeitung.) r4.trf*%Sk & **, *4 £hA4AAA*A S\ *^N! |^;/|f fc&f. ' -.1^.'.,^.' |V : . , j ly iy i) w y/v^vv -»/W i-/ Das Ergebnis kn Bremen. . CJs. Bremen, 14. November. Am letzten Sonntag wurde das Bremer StaatsParlament, die ,Sürgersä)asL', neu gewählt. Es ergab sich folgendes Bild: Einheitsliste (Deutschvölk., Deutschnat., D. Volksp., Wirtschastspartei) . . . Hausbesitzer.* . . Zentrum ............ Demokraten . . . . * . . . . . * Bodenrcformer ........ g Voltsrcchtöpartei Sozialdemokraten. . . Kommunisten. Bürgerliche Vereinigung i. Vegesack tTemokraten bis Deutschnatwnale) . . Deutschnat., D. Volksp. i. Vremerhav. u. Landgcb. ZcrrLr. u. Demokr. i. Bremerhaven. . Stimmen Mandate 1927 1924 1927 1924 48 545 (52 310) 29 (33) 15 354 (12 560) 9 ( 8) 4 039 ( 3 612) 2 ( 2) 18 326 (19947) 11 (13) 1 854 ( 1 997) 1 ( 1) 1 062 ( - ) - (-) 80 806 (66 042) 50 (46) 19 261 (15 989) 10 ( 9) 1 545 ( 1 170) 1 ( 1) 7 618 ( 7 015) 6 ( 6) 1 932 ( 1 579) 1 ( 1) Wahlbeteiligung 200342 (182221) 120(120) Wie aus den Ergebnissen ersichtlich, ist die erhöhte Wahlbeteiligung auch in Bremen ausschließlich den Sozialdemokraten und Kornnumisten zugute gekonnnen. Dadurch ist die Stellung des Senats unhaltbar geworden. Bisher regierte eine Koalition von Deutsch-- nationalen, Demokraten und Dolksparteilern mit Unterstützung der Hausbesitzer und der Völkischen. Jetzt stehen 60 Sozialisten 60 Bürgerlichen gegenüber. Es ist anzunchmen, daß eine Weimarer Koalition unter Heranziehung einiger der jetzigen volk-parteilichen Senatoren zustande kommt. Der Wahlkampf wurde in den letzten Tagen vor der Wahl mit außerordentlicher Schärfe geführt, besonders zwischen der „Einheitsliste" und der S. P. D. Die „Einheitsliste* vereinigte die Volkspartei, die Dcutschnatiorrale Dolkspartci, die Völkische Freiheitsbewegung und die neugebildete Wirtschaftspakte!. Tie Demokraten lehnten die Beteiligung an der „Einheitsliste" und das Zusammengehen mit den Völkischen von Anfang an ab. Die „Einheitsliste" führte den Wahlkampf ohne jede antisemitische Agitation. sie beschränkte sich lediglich daraus, für den Fortbestand des jetzigen Senats einzutreten. Oie neue Dolksrechispartei in Hessen. AIx. Frankfurt a. M., 14. November. Wohl selten haben öffentliche Wahlen ein so geringes Jntereffe beansprucht und^die Ruhe der Bevölkerung so wenig gestört, wie dies bei den hessisckren Landtagswahlen am 13. November der Fall war. Nein äußerlich trat diese Gleichgültigkeit und Ermüdung schon dadurch hervor, daß es in keinem einzigen Fall zu stürmischen Wahlversammlungen, tätlichen Ausschreitungen und ähnlichen Begleiterscheinungen während des nur langsam anhcbenden Wahlkampfes gekommen ist. und daß die Wahlbeteiligung selbst, die im Jahre 1924 noch 75 v. H. der Berechtigten ausmachte, auf 5 3 v. H. zurückging. Die Gründe für diese Lauheit bei der Stimmenabgabe zu untersuchen, kann nicht unsere Aufgabe sein. Sie war besonders stark bei den Deutschnationalen. ^o ist es bezeichnend, daß namhafte Führer dieser Partei, wie der bekannte Abgeordnete Werner (Gießen), in Versammlungen vor zw-ei bis fünf Personen sprechen sollten, und daß sogar dem deutschnationalen Abgeordneten Kindt in einer Versammlung iv Darm stad t von nationalsozialistischen Gegnern, unter tosendem Beifall, die nationale Gesinnung abgesprechen wurde. Die Unzufriedenheit der Wähler im rechten Lager zeigte sich auch deutlich bei einem Vergleich mit den übrigen Parteien. Der durchschnittliche Stimmenrückgang betrug 29 v. H. Die Deutschnationalen hatten jedoch einen Stinrmenverlust von 4 5 v. H., während Demokraten mit 29 v. H.. Sozialdemokraten mit 28 v. H. und der Landbund mit 26 v. H. sich auf dem Durchschnitt des Stimmenrückgangs hielten; das Zentrunr kann mit einem Rückgang von nur 13 v. H. der Stinunen sogar einer: relativen Gewinn verzeichnen. Als neue Partei kann die Volksrechts Partei, die "ihren Wählern eine höhere Auswertung ihrer Ersparnisse und Hypotheken in Aussicht gestellt hat, mit drei Abgeordneten, die die 'Deutschnationalen diesmal verloren haben, in den Landtag einziehen. Ilcber die Verwirklichung der Versprechungen dieser Partei wird man zur Tagesordnung übergehen können, wenn man daran denkt, daß die Frage der Aufwertung ja einzig und allein ein Problem des Reiches und seiner Gesetzgebung, nicht aber Aufgabe eines Landes ist. Aber nicht außer acht lassen dürfen wird man von unserem Standpunkt aus die Person der Kandidaten und mindestens eines Teiles der Wähler dieser Volksrochtspartei. Don den drei Abgeordneten, die sie in die Volkskammer entsendet. ist der Spitzenkandidat der bekannte Oberkandesgerichtsvräsident Dr. Best, der nach seinem Ausscheiden aus der Deutschnationalen Vvlkspartei als Gast sich zu den Deutsch völkischen schlug, während der andere neue Abgeordnete, der Amtsrichter Dr. Wolf aus O st h o s e n, jetzt in O r t e n b e r g. bis vor wenigen Wochen als offizieller Versa mmlungsredner und Agitator für die Nationalsozialistische Arbeiterpartei auch in denjenigen Versammlungen austrat. in denen ,^Iuden der Eintritt verboten war". Wenn man hinzunimmt, daß die Eauleitung der Nationalsozialisten für den Freistaat Hegen die Parole ausgegeben hatte, keinen eigenen Kandidaten für die Landtagswahlen auszustellen und auch keine eigene Propaganda hierzu zu betreiben — vielleicht mar für den Beschluß die Besorgnis maßgebend, daß man in ihren Reihen die zur Einreichung eines Wahlvorschlages erforderlick-en 7000 Unterschriften nicht ausbringen und damit die Schwäche der Partei aufdecken könnte —, so kann man ohne Uebertreibung behaupten, daß die Volksrcchtspartei einen Teil der Stimmen den Völkischen verdankt und das; die „Belange" -er Nationalsozialisten im hessischen Landtag in Zukunft von ihren beiden früheren Anhängern vertreten werden. Herr Dr. Wolf hat zwar in einer Versammlung in Mainz mit besonderem Nachdruck erklärt, seine Partei werde dafür sorgen, daß „einmal der Tag kommen werde, da in Deutschland in Wahrheit Einigkeit, Recht und Freiheit herrschen werden"; wir wollen hoffen, daß er diese Grundsätze auch da vertritt, wo die Gleichberechtigung der deutschen Juden zur Debatte steht. Die Verkeilung der Mandate im neuen Landtag: Demokraten 5 (bisher 6^ Sitze Sozialdemokraten. * * » . . 24 ( 28) Zentrum.. * . . 13 ( „ 11) Deutsche Vvlkspartei. . . . .?l .. 9) Teutschnarionale » * , , » > 3 ( „ 6) Landbund. . . . , t . E , 9( „ 8) Kommunisten . . . . , . i ® ( » 4) Volksrcchtspartei .... 3( „ 0) zeigt, daß die Weimarer Koalition sich in Hegen wieder behauptet hat. .Die Niederlage der Deutschsozlaten in Danzig. Br. JS. Ir. Danzig, 14. November. Die Wahlen zum Danziger Volkstag am 13. November haben im allgemeinen das Ergebnis der Königsberger und Hamburger Wahlen bestätigt. Die Sozialdemokratie hat einen ungewöhnlich großen Stimmenzuwachs erhalten, die Zahl ihrer Mandate steigt (unter 120 Abgeordneten) von 30 im Jahre 1923 auf 42. Auch das Zentrum hat sich von 15 auf 18 Mandate verheuert, die liberale Mitte hat ihren Gesamtbestand erhöht, ist aber in zahlreiche kleine Gruppen gespalten, die sich vielleicht, um Fraktionsstärke zu erhalten, zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen rverdem Tenrgegenüber haben die Deutschnationalen in der Stadt und vor allem in den Landkreisen katastrophale Verluste erlitten und sind von 33 Abgeordneten auf 25 heruntergegangen. Die Völkischen, die im Jahre 1923 mit sieben Mann in den Volkstag cinzogen, sind im neuen Volkstag nur noch mit zwei Abgeordneten vertreten. Im einzelnen stellen sich die Verluste der völkischen Parteien wie folgt: Stimmen Sitze 1927 1923 1927 1923 Dentschnatiorrale Vvlkspartei 35 816 44 459 25 33 Deut sch soziale Partei .... Nationalsozialisten (Arrf- 2116 10 301 1 7 wcrtungspartei). Mittelstands- und Arbeiter¬ 1483 1 partei . 1005 — — Der Wahlkampf hatte, je mehr er sich dem Ende näherte, um so erbittertere Formen angenommen. Alle Parteien hatten sich ihre deutsck>err Führer zur Wahlhilfe herangeholr. Tie Deutschnationalen bemühten sich besonders um die Stimmen der völkischen Gruppen und schlugen demgemäß lebhafte antisemitische Töne in ihren Versammlungen wie in ihrer Presse an. Ihr Hauptredner von auswärts, Herr Dr. Stadtler, zeichnete sich in dieser Hinpcht besonders aus. Für die Deutschsozialen sprachen Ahlemann. Dolle und Kurth, ohne größeren Zuspruch zu finden. Die Nationalsozialisten hatten sich Dr. Buttmann (München), den Abgeordneten Stöhr und den aus dem Nathenau-Prozeß berüchtigten Hans T e ch o w als Redner verschrieben, brachten es aber trotz ihrer Verbindung mit einem Teil der Auswertungsinteressenten nicht zu nrchr als einem Mandat. Am bemerkenswertesten ist der Rückgang der völkischen Stimmeu in dem nationalistischen

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