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Central-Verein-Zeitung · 1927-11-18 · 46 (18.11.1927) · p. Seite 640

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
46 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
Seite 640 (sequence 4)
Language
German
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640 Jord verbietet den Vertrieb seines Huches. Wir habrn in Nr. 37 der „C. V.-Zeitung" im Anschluß an die Mitteilung, daß Fritsch trotz Fows Widerruf feiner annsemittsäxm Lerösfentlichungeu das Buch „Ter internationale Jude" imBuck)- händlerbörseublatt und an anderen Stellen weiter anpreist, die Frage gestellt, ob dieses Angebot mit Henry Fords Einwilligung geschehe. Wir feiten daraufhin sogleich geergnew Schritte in Amerika unternommen. Und nun hat Ford am 1. November^ an Fritsch ein Schreiben gerichtet, in dem er ihm den weiteren Handel mit seinem Buche verbietet. Er schreibt u. a.: ,Ln der Ucberzcugung. daß diese Veröffentlichung unberechtigt und daß es infolgedessen meine Pflicht als anständiger llllensch ist. die erwähnten Angriffe zurückzuncbmen und die Broschüre aus dem Handel Zu ziehen, bade ich meinen Erklärungen die weiteste Verbreitung gegeben. Ich glaubte annehmen zu dürfen, daß mein Wunsch gewissenhaft erfüllt worden sei." Ford scheint aber von der Anständigkeit des Herrn Fritsch auch jetzt nocl) nicht so fest überzeugt zu sein, denn er sährt fort: „Damit keine Mißverständnisse über meine diesbezüglichen Wünsche verbleiben können, benachrichtige ich Sie hierdurch, daß alle Brr» iLgsrecdre am „Internationalen Juden", die Sie haben oder zu haben vorgcben. für alle Sprachen zurückgezogen sind und ausgehört baden, daß der Verlag, der Bcrkaus und sonnige Vertreibung des „Internationalen Juden" sowie der Gebrauch des Atarnens Hrnry Ford oder des „Deaboru Independent Eonrpany" verboten sind." Wir stellen mit Befriedigung fest, daß Henry Ford in seinen Schritten konscauent ist und alles versucht, um das Unrecht, nachdem er es einmal als solches erkannt hat, wieder gutzumachen. Der österreichische Evangelische öunö. Bei der großen Tagung des österreichischen EvangAisclstn Bundes, die vom 13. bis 16. August in 3pittai an der Trau und in Seeb o d e n am M i i l st ä t t e r s e e stattfand und an der auch viele Vertreter aus dem Tcnlfcl)en Reiche teilnahmen, wurde, wie die „Douttchösterreichische Tageszeitung" berichtete, u. a. folgende Entschließung einstimmig angenommen, die ..deutlich beweist, daß die evangelischen Kreise in Oesterreich die furchtl^ren Gefahren erkennen, die von der jüdischen Rasse ausgelzen nnd sogar das kirchliche Leben in den christlichen Konfessionen zu erschüttern drohen". Die Entschließung lautet: „Tie Hauptversammlung des Hauptvereins des Evange!isck>m Bundes für Oesterreich erkennt mit tiefer Besorgnis die Gefahr des immer mehr überbandnchmenden Judentums. eine Gefahr, die nicht allein die wirtschaftlichen Belange des deutsckpn Volkes schwer beeinträchligt, sondern auch aus geistigem nnd kulturellem Gebiete äußerst bedrohlich wird. Tie Hauptversammlung fordert darum alle Mitglieder des Bundes zum schärfsten Kampfe wider diesen Volksfeind aus. Insbesondere ist gegen die Wahl getaufter Juden in die evangelischen Gemeindekörpersä-aften entschieden Stellung zu nehmen." Ter Evangelische B'und hat nach seinen Satzungen den Zweck der „Wahrung der dculsckstproteiranti schon Interessen". Es ist keine politische, sondern eine rein religiöse Bereinigung, die allerdings ihre Sprtze gegen den römischen Katholizismus kehrt, aber, wie von der Bundesleitung immer wieder versichert wird, nicht im Gerste des Angriffs. sondern nur der Verteidigung. Wie mit diesen Grundsätzen die obige Entschließung zu vereinbaren sein soll, ist schlechthin unerfindlich. Leider ist es nichtdas erstemal, daß der österreichisckzc Evangelische Bund durch führende Mitglieder oder durch Kundgebungen sich auf politisches Gebiet begeben hat. und zwar im Sinne einer einseitigen Parteirichtung. Die vorliegende, von rasienfeindlichem Antisemitismus ein gegebene Kampfansage. die sich sogar gegen getaufte Juden, also Mitglieder der evangelischen Kirckje. richtet — nnd wie viele angesehene evangelische Pfarrer jüdischer Abkunft gab und gibt cs!—, kann im Interesse des Bundes, der von ihm vertretenen Kirck)e und der Volksgemeinschaft nur aufs tieiste bedauert werden. W. NiLha^-Ltahn, Pfarrer. „Norüg öer Königs" in neuer Bearbeitung. Die aufreizenDe Wirkung bleibt. Einer unserer Mitarbeiter hat Gelegenheit genommen, den Film ^?önig der Könige" nochmals zu besichtigen, nachdem er im Aufträge der ihn in Deutschland vertreibenden Frrma eine doppelte lieberarbcituug erfahren hat; Frau Luise H e i l b v r u - K ö r b i tz und Herr Dr. Carl W i l c z i n s k i haben den Film uni etwa 500 Bieter gekürzt, ein katholischer und ein protestantischer Geistlicher (warum wurde kein Rabbiner hinzugenommen?) haben überdies die Zwischentexte bearbeitet. Dem neuen Schnitt merkt mau den Versuch an. jene Schlürfen zu mildern, die der Ausgangspunkt unseres Protestes waren. So sind die unangenehmen Szenen zwischen dem Hohenpriester Kaiphas und Jesus, in denen Kaiphas im Jnteresie eines wirksamen Kontrastes bis zur Widerlichkeit verzerrt war. sichtlich gekürzt worden. Auch die Peinliche Szene, in der der Hohepriester dem Verräter Judas die 30 Silberlinge auszahlt, ist durch Schnitte etwas gedampft. Man mag diesen guten Willen anerkennen — aber natürlich ist e8 nicht möglich, dem Film sein a n t i j ü d i s ch e s Odium zu nehmen, nachdem bestinmtte Rollen, vor allem eben der Hohepriester Rudolf Schildkrauts. nun einmal aus einer bestimmten Aufsasiung heraus gespielt sind. Es bleibt nach wie vor nur der Standpunkt der Ablehnung nlöglich. Die Probe aufs Exempel. Professor Plates Nassentheorie erleidet Schiffbrrrch. Hg. Ein an sich alltägliclzer Beleidigungsprozeß mit politischem Hintergründe spielte sich jüngst in Weimar ab. Ter verantwortliche Redakteur Des „N a l i o n a! s o z i a l i st". Tr. Ziegler, hatte bei dem früheren thüringischen Ministerialdirektor D r. Rauch geschäftliclze Regsamkeit. Drängen nach Posten mit guten Einnahmequellen und ähnliclze angenehme Eigenschaften entdeckt, die nach Tr. Zieglers Ansicht nur bd „Rasiejuden" Vorkommen. „Rasiejude" war auch der beleidigende Ausdruck, der £tt. Z'.eglcr vor den Richter 'brockte. Tas Gericht vertrat die Auffassung. daß die Bezeichnung „Rasiejude" an sich keine Beleidigung sei. denn die Juden waren vollberechtigte Staatsbürger. Aber der Ton lasse die beleidigende Absicht erkennen. In der zweiten Instanz fuhr Tr. Ziegler fchnrerstes wisiensclzastliches Geschütz aus. Haeckels Nachfolger, der bekannte völkische Professor Plate,- erstattete ein Gutachten, in dem er. der sich als Herausgeber der wichtigsten deutschsprachigen Zeitschrift über Nasiensragen besonderes Sachverständnis zumaß. mit gelehrtem Rüstzeug Rauch als Juden analysierte und dabei noch mit ebenso unangebrachten wie falschen und törichten Äußerungen den Anteil der deutschen Inden am Kriegsdienst bestritt. Ta stand Ministerialdirektor Tr. Rauch ruhig aus, zog eine Anzahl Urkunden hervor und bewies, daß seine Familie seit 1350 ohne jeden jüdischen Einschlag geblieben sei und daß auch die Anga-ee des hervorragenden Sachverständigen Plate über seinen Heeresdienst in vollem Umfange unzutreffend sei. Was blieb Dr. Ziegler da anderes übrig, als in einen sehr demütigenden Pergleich zu willigen? Zu diesem Vorfall wird «ns von einem bekannten Sachverständigen der Namenforschung noch geschrieben: Das „rasienkundliche Gutachten" des Professors Plate in Jena in dem Beleidigungsprozeß Rauch gegen Ziegler vor dem Schöffengericht in Weimar ist geeignet, die Lehren der Rassen forschung in weiteren Kreisen in ungünstiges Licht zu setzen. Es wäre ober ein verfehlter Schluß, aus der unwichtigen Anwendung rasienbiologischer Grundsätze nun die ganze Rassenlehre als verfehlt anzusehen. Freilich sollte einem Forscher, der als 'Nachfolger Ernst Haeckels auf dein Lehrstuhl der Zoologie an der Universität Jena und als Leiter des von Heeckel begründeten phylogetischen Instituts wirkt, ein solcher Mißgriff, wie er in dem oben abgedruckten Gutachten enthalten ist. nickst Vorkommen. Doch Proseyor Plate, der schon zu Lebzeiten Haeckels durch sein undanblmres Verhalten gegen diesen Meister unliebsames Aufsehen erregt hat. scheint ein etwas unlogischer Kopf zu sein. Die Voraussetzungen seines Gutachtens sind schon falsch Er spricht darin von „Raqejuden". Nun ist aber allgemein bekannt, daß bei den Juden verschiedene Typen vertreten sind: es gibt große und kleine, dunkelhaarige nnd blonde, schlanke und untersetzte Juden, und diese verschiedenen körperlichen Eigenschaften können rn mannigfacher Weise vereint sein. Prosesior Plate sieht wohl den kleinen, schwarzen Typus mit- Hakennase und gelblichem Teint als den iüdischen an. Aber er weih doch sichr, daß sich dieser Typus in Südeuropa und Borderasien auch vielfach bei Nichtjuden (Armeniern. Griechen, Südrtalienern, Spaniern, Arabern ufw.) findet. Auderseits sind keineswegs alle Deutschen vom germanischen, blmrden und hockMwachsenen Typus, wie schon jeder Laie weiß. Das Gutachten ist also nicht wissenschaftlich, sondern laienhaft unlogisch. Uebrigens zeigt der Prozeß nebenbei wieder einmal, daß es einen „rasienhaften" Gegensatz zwischen Juden und Deutschen nicht gibt. Lei beiden sind die gleichen Nasientypen vertreten. Schwarzhaarige Menschen mit dunklem Teintgibt es seit undenklichen Zeiten bei den Deutschen; man denke nur an die so geschilderte Hcldenfigur Hägens von Tronje im Nbbelungenlied. Wobcr sie zu den nordischen hellfarbigen Mensck^en gekommen sind, kann man heute noch nicht sagen. Die Inden haben sie aber nicht erst dahin gebracht. E. F. Synagoaenfenffer ln Königsberg elngesKlagen. In der Nackt zum 9. November wurden in Königsberg von Bubenband die Fensterscheiben der Synagoge Adaß Iisroel mit zwei schweren Ziegelsteinen eingeworsen. Es gelang den Tätern, unbemerkt zu entkommen. Den Nachforschungen des Königsberger Polizeipräsidiums ist cs bisher nicht gelungen, die Täter zu crnlittcln. Am Abend des 8. November harte in Königsberg eine nationalsozialistische Persammlung stattgcfunden. zu der in aufreizenden Plakaten eingcladen worden war. So gt.hr man wohl nicht fehl, wenn man die Tater in völkück-cn Krclsin sucht. Hoffentlich gelingt es den Bemühungen der KömgZbcrger Polizei, die Synagogenschändcr zu ermitteln.

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