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Central-Verein-Zeitung · 1927-11-11 · 45 (11.11.1927) · p. Seite 629

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
45 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
Seite 629 (sequence 5)
Language
German
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*ww^ »^v«y V mr *&&{*•*'} <s?Ws/WW . . . kern farbiges, insbesondere jüdisches BLut . . ." Vor mir liegt eine „Beitrittserklärung" des Bundes völkisckzer Lehrer Deutschlands e. V., die da lautet: „Ich erkläre hierdurch meinen Beitritt zum „Bund völkischer Lehrer Deutschlands e. D." unter der Versicherung, Lag sich nach bclrcm Wissen und Gewissen in meinen und meiner Frau Adern kein farbiges, insbesondere kein jüdisches Blut befindet, und daß i ch keiner regelmäßigen oder unregelmäßigen Freimaurerverbindung (Loge) an gehöre oder angehören werde.' Es folgen dann die Vordrucke für die Personalangaben usw. Das Organ des Bundes ist die Monatsschrift „Die völkische Schule', die jetzt bereits im fünften Jahrgang erscheint. Nach dem Bericht über die zweite Dundestagung dieses Bundes (4. und 5. Gilbhart lOktoberl 1927) nimmt die „Zahl der Mitglieder langsam und stetig' zu, und die „Arbeit des Bundes wird durch Zusammengehen mit anderen Vereinen vertieft" und „stellungslosen Junglehrern konnte aus wirtschaftlicher Notlage geholfen werden". Hier handelt es sich um einen Zusammenschluß, durch den u n - mittelbar Einfluß auf die Schule gewonnen werden sott. Die ihm anaehör-enden Lehrer schließen sich gegen die anderen Organisationen durch die Versicherung, daß „in ihren und ihrer Frau Adern kein farbiges Blut, insbesondere kein jüdisches Blut fließe", hermetisch ab. Sie sprechen ofsenbar damit aus, daß sie nur in Schulen unterrichten wollen, in denen „farbigec-der jüdisches Blut" nicht vorkommt. Es ist nicht einzusehen, welche Bedeutung ihre Llutversicherung sonst haben soll. Mau lvird gegen Lehrer dieser Art ganz besonders vorsichtig sein müssen. Tenn ossenbar wollen sie doch für sich eine Sonderstellung in Anspruch nehmen und achten alle andern, von denen sie diese „Bl Ungewißheit" nicht haben, geringer. Daher besteht sehr leicht die Gefahr, daß sie gegen Kinder „farbigen, insbesondere jüdischen Blutes" voreingenommen sind. Ob sie in öffentlichen Schulen überhaupt noch verwendbar sind, soll hier nicht entschieden werden. Wenn man aber das „völkische Erziehungsziel" durchdenkt, wie es auf der ersten Haupttagung des Bundes im Jahre 1925 angenommen wurde, dann werden diese Bedenken nur noch vertieft. „Das deutschvölkische Hochziel der Erziehimg ist der deuifchöewußte, sittlich-religiöse Charakter. Er hat sich zu gründen auf die wahrhaft deutsche, nur arischem Blute eigene, ideale Weltanschauung usw.' Diese Exklusivität, die dem deutschen Volke eine Vorzugsstellung vor allen anderen Völkern gibt, soll unter anderem begründet werden durch Stoffe, wie „unsere herrlichen Sagen und die gesicherte» Ergebnisse der deutschen Vorgeschichtsforschrrrrg, die endlich aufräumt rnit dem Märchen von der Menschheitswiege in Asien und der orientalischen Herkunft der Kultur". Da sollen in der Anthropologie die raffehygienischen Grundlvahrheiten gegeben werden (Bererbungsacsetze. raffeverderbeude Volksgifte, geistige Irreführung usw.). da wird gefordert, daß alle Wissenschaften der deutschen Jugend nur durch deutsch b l ü t i g e Lehrer vermittelt werden, weil „es die im Blut begründete Persönlichkeit ist. die begeistert". Im Mittelpunkt des Neligionsunterrichts steht die heldische (von mir gesperrt. Der Berf.) reine Jesuslehre. Das Alte Testament bleibt der vergleichenden Betrach- -ung „jüdifch-materialistischer" und „germanisch-christlicher" Weltanschauung auf den höheren Stufen Vorbehalten. Aus diesen wenigen Andeutungen erhellt deutlich, worauf es dem „Bunde" ankommt. Da anzunehmen ist. daß seine Mitglieder )e nach ihrem Temperament mehr oder weniger versuchen werden, schon jetzt, ehe das „völkische Hochziel der Erziehung" erreicht ist, Teile davon im Unterricht durchzusetzeu, so ist die Gefahr, die sich daraus ergibt, außerordentlich groß. Wer erkennen will, wie unwissimschostlich vollkommen falsch dieser Bund z. B. die deutsthe Mythologie lehren will, in der er seine Stärke sieht, der lese nur einmal „Die Seele der nordischen Nasse" (in Heft 10 der „Völkischen Schule"), in der versucht wird, die Götterlehre der Germanen auf die heutige Zeit zirzufchneiden. Da werden willkürlich Deutungen gegeben, die nichts sind als subjektive Auffassungen. Fast hysterisch verstiegene Behauptungen, an die niemals jemand dachte, kominen mit dein Borgeben, Zeitwollen gewesen zu sein. Vorbestimmtheit des germanischen Völler sch icksals wird behauptet, ein so wundervolles Märchen wie „Dornröschen" wird als aus die Germanen und das Christentum bezogen dargestellt. Da werden törichten! Vorteil zuliebe altdeutsche Namen falsch gedeutet und was dergleichen Dinge mehr sind. Und alles nur, um die germanische Nasse als auserwahlt und die jüdischen Mitbürger als minderwertig hinzustellen. Das -ist Zerreißen der Dolksgemeinschaff, das ist Anwendung unlauterster Mittel zum Erreichen des Ziels. Man lese folgenden Satz: „Als gar kein Mittel zu kämpfen übrig blieb, mußten. sie (die Germanen) in geheimer Sprache reden, die die von Liebe triefenden CbriftenPrediger nicht verstanden. Vielleicht, daß doch dereinst neue Geschlechter hinter den wahren Sinn kommen, Augen und Herzen aufreißen und mir germanischer Wut über die Betrüger und ^Mörder herfallen. In Maren-Märchen mit verstecktem Sinn mußten sie erzählen." So wagt es völkische Verbohrtheit., unsere wundervollen deutschen Märchen als Tendenzwerle auszuschlachten. Und diesen „Geist" will man unseren Kindern einhämmern! Die Schulaufsichtsbeamten werden, wie die Eltern, die Augen offenhalten muffen, daß dies schleichende Gift nicht dem kommenden Geschlecht cingeimpft werde. Wörtlich steht in dieser Lehrerzeitung an derselben Stelle, also für den Unterricht gedacht: .Lude und Iudengeist zerstören die Kraft dieser (germanischen) Stamme durch Hunneneinfälle, Bruderkriege, Eeldkriege, Seuchen und ähnliches, je nachdem, wie es dem Wclljudeu in den Streifen paßt." Man stelle sich einen Unterricht vor. in dem dies Thema vor unserer Jugend nach dein Willen dieser L e h r e r Zeitung abgewandelt wird! Hier ist Gefahr im Verzüge! Oberstudiendirektor Dr. K. Müller (Potsdam). Eöuarö Drumc-nt und seine (Quellen. Eine Geschichte Des französischen JnDeuhasses. Vor einigen Wochen behandelte ein Pariser Mitarbeiter an dieser Stelle den Slam> der judenseindlichen politischen und kulturellen Ströimnmen in Frankreich, und bei der Darstellung ihrer Entstehungsgeschichte wurde die Persönlichkeit Eduard Drmnonts erwähnt. Aus diesen Mann, der fast vergehen vor zehn Jahren starb, gehen alle Bestrebungen zurück, die zum Ziele haben, die französischen Juden Zlveitklassig, zweitrangig zu machen. Es muß daher gerade von den aktiv politisch interessierten Freunden unserer Sache dankbar begrüßt werden, daß Israel Schapira in einer gründlichen Studie „Ter Antisemitismus in der französischen Literatur"*) das kaum überschabre literarischpotitische Lcbenswerk Drmnonts systematisch behandelt und sein Thema Zu einer Geschichte des französischen Antisemitismus überhaupt geweitet hat, wobei zahlreiche Streiflichter auf das allgemein-europäisch Zeitgeschehen, soweit die Judenfrage in Betracht kommt, fallen. Wir haben in Deutschland, das man so gern. — wie Schapira aber nachweist, mit Unrecht — das klassische Land des Antisemitismus nennt, keine Persönlichkeit, in der sich die Entartungserschinung des Judenhasses in allen seinen Abarten so restlos findet, wie bei Drumont. Wir müßten eine ganze Reihe kleinerer Götter von Ehaniöerlain bis Rvsenberg zusammennehmen, um einen gleich umfassenden Einblick in das Gedankenwerk der Judenfeinde zn erhalten. Und weil Drunwnt ein starkes Temperament, eine in seiner Fehlmeinung einheitliche Persönlichkeit war, kann Schapiras Werk als eine Einzeldarstellung von beispielhafter Allgemeing ü l t i g k e i t bezeichnet werden. A. H. Wie öas Mslanö öen öeurfchm Antisemitismus einschätzt. Ein christlicher Freund unseres Blattes, der häufig rruslandsrcilen macht, schreibt uns: Auf meinen weiten Neuen habe ich oft Gelegenheit. mit hervorragenden Personen des In- und Auslandes in Berührung zu kommen, und bei diesen Gelegenheiten lvird auch oft über die sogenannte „Judenfrage' gesprochen. Die Ausländer können die Einstellung des deutschen Volkes überhaupt nicht versieben. Sie sind der Meinung, daß Deutschland gerade jetzt allen Grund balle, Einigkeit in jeder Richtung hin zn predigen, um auch dem Ausland gegenüber als ein eitriges Volk da- Auftchen, das geschlossen an dem Wiederaufbau des Vaterlandes arbeitet. Statt desien sicht das Ausland in dem ständigen Parteihader und in dem Kampf gegen die jüdischen Volksgenossen die Uneinigkeit rmd folgert daraus, daß Deutschland politisch vollständig unreif sei. Besonders in Amerika, wohin ich öfters im Iabr konrmo, ist man cnt - r ü st e l über die Schändung der j ü d i s cb e n Friedhöfe, über die N n t e r ft e l l u n g, daß die Juden schuld seien an bem tcrlorcncn Krieg n n d feinen Folgen, und man lächelt dort über die unsinnige Behauptung, daß eine halbe SJüllioit Juden in T-eutschlaird 6ö Millionen Volksgenossen christlichen Glaubens am Gängelband führen sollten. Die Iudenhehe Deutschlands seitens Ludcndorsfs, Hitlers. Straffer? und wie sie alle heißen, verhindert wesentlich das Ansehen des Deutschtums im Auslande. Besonders die Einstellung der antisemitischen Kreise zur christlichen Religion und Bestrebungen, einen Wotan-Kult cinznführen. verringern das Ansehen der deutschen Kultur im Auslände. Ich halte es deshalb für meine Pflicht, auf die Gefahr aufmerksam zu machen, welche an? den antisemitischen Hetzen und der Sucht, alles, was den „nationalen" Kreisen unbequem ist, den Juden in die Schuhe zu schieben, entspringt. Es kann uns nicht gleichgültig sein, wie man über uns im Auslande denkt, und die gewissenlosen Hetzer der sogenannten „nationalen" Parteien bringen Deutschland gerade im Auslände in Verruf. G. *) Dr. Israel Schaprra: „Der Antisemitismus. in der französischen Lilorütur. Eduard Drnmout und seine Quellen." Berlin 1917. Philo-Verlaa. Preis 3,25 Mark. ö

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