Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 628 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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62$ und der 'Sturm und das Erdbeben und das erstarrende Blut. Glückwünsche! Herrliches Werk! — Also schreibt Herr Goldsarb. Ter Kasus macht mich lachen, ich salutiere den gelehrten Herren! Aber Scherz beiseite. Ich habe mich nicht auöeinanderzusej-en mit Herrn Goldfarb. Tas mögen die Rabbiner untereinander tun, und meine Freunde unter ihnen werden das sicher gründlich besorgen. H o f f e n t 1 i ch. b e v o r d a s a n t i s e m i t i s ch n u s g e s ch! a cf) t c t wird. Auch die Auseinandersetzung mit den beiden Herren Schildkraut überlasse ich den jüdischen Kritikern. Ich will nicht einnia! verschweigen, das; ich Herrn Tr. Holländer nicht in seiner, meinem Empfinden nach zu weitgehenden Kritik als „Film von aufreizender Wirkung" zn fo.gen vermag. s2tbcv als Vertreter religiöser Kurrstp siege wie als evangelischer Pfarrer sch Liehe ich mich -em Protest gegen das Machwerk an. In der Wochenschrift ,Das evangelische Berlin" ist klar die Stellung der evangelischen Kirche ausgesprochen. Abgesehen von all den Einzelheiten, wie das abscheuliche Bacchanal am Anfang, der sadistischen Ausmalung der Geißelung und der Kreuzigung, ist die Gesamthaluing des Films allem tieferen Empfinden ins Gesicht schlagend. Ich kann nur das voll und ganz unterschreiben, was Herr Tr. Holländer über die Veräußerlichung durch solche Vorführungen sagt. Tas ist gar nicht der Film vom Leben Christi, sondern eine Zusammenwürselung. „unter Zugrundelegung" des durcheinandergebrachten Neuen Testaments. Was vor allem einen unbefriedigt läßt, ist das gänzlickje Versagen einer psychologischen Durchdringung des Stoffes. Tie Jesnsgestalt ist, — so wie ihr äußeres Vüd gewonnen ist. Nein, mit dieser Methode des Uebereiuanderkopierens schafft man kein Christusbild. Warner spielt nicht aus den: in ihm lebendig gewordenen Ehristnsgeist herauswas er bietet, ist verwaschen, unscharf wie oft das Bild. Amerikanisch weichlich, nicht deutsch kraftvoll. Tie einzige Szene, die mich ergriffen hat, ist die Heilung des blinden Kindes. Ter Maria sieht man selbst im Filmbilde die Schminke an, nicht nur auf dem Gesicht, sondern in ihrem ganzen, unüberzeugenden Spiel. Ich muß sagen, daß psychologisch mich nur der Judas überzeugt hat. Der „König der Könige" wird nicht lange herrschen. Er wird hoffentlich recht bald verschwinden. Tenn das Reich seines Films ist von dieser Welt. Dem wahren „König der Könige" kommt man so nicht nah. Ihn kann nur das Wort, das heißt die Vorstellung in der Vergeistigung erkennen lasten. Hier gilt das zweite Gebot: Tu sollst dir kein Bildnis macken. Diesem Bild gegenüber gilt Lntb.ers: „Tas Wort sie sollen lassen st ahn." Man kann Christus auf der Bühne und im Film nicht vertragen, der der ganzen Menschheit als sein Gebot Hintersassen hat: Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, dich ihr Liebe untereinander habt! — der will nicht dargestellt sein in solchem „Film von aufreizender Wirkung". In der von Pfarrer Lic. Horn zitierten Zeitschrift „Das evangelische Berlin" lesen wir: . . . „Ter Film hat wie jeder andere der Filmprüfstelle zur Entscheidung Vorgelegen. T-abci waren von den drei großen Rcligionsgesellschaften Sachverständige geladen, die vor dem Prüfungsausschuß ihr Gutachten abgaben. Die ablehnende Haltung der evangelischen Kirche hat Tbcrkonsistorialrat Droschke, Mitglied des Kirchenbundesamtcs, zum Ausdruck gebracht, ßr hat dabei, wie er uns auf unsere Anfrage mirtcilt, tief bedauert, daß dieser Film so wenig dem evangelischen Empfinden gerecht wird, ja, in feiner Eesamüoirkmrg dieses Empfinden geradezu verletzt. Jur ein- 4nen hat er protestiert gegen das langausgcsponncne und nur auf berechnete Bacchanal des Anfangs, das als Auftakt zu einem Ehristns-Film unerträglich wirkt und sich mit einer schmutzigen Pforte zürn Eingang in ein Heiligtum vergleichen ließe. Er rvandte sich weiterhin gegen die sadistische Ausmalung der Geißelungs- und Kreuzigungsszenc, besonders scharf aber gegen den Mißbrauch des Bibelwortes, das als begleitender Tc^t verwandt wird, das aber an mehreren stellen in unzulässiger Weise verdreht und verfälscht und mit profanen Zwischentexten durchsetzt wird. Starke Bedenken hat er endlich geäußert gegen die Willkür, mit der dieser Film die biblische Geschichte behandelt, nicht nur in der Reihenfolge der einzelnen Szenen, sondern auch in der willkürlichen Einfügung von Einzclzügen, für die sich schlechthin kein Arrhalt im Reuen Testament finden läßt. Das im Mittelpunkt t>cv ersten Szenen stehende Gegenspiel von Maria Magdalena und Judas ist weder ans den; Neuen Testament noch aus den apokryphen Evangelien irgendwie zu rechtfertigen« tBon uns fett gesetzt. £ie ^christleitung.) Wir zweifeln nicht, daß dieser energische Protest und die scharfe Ablehnung, die der Sachverständige der evangelischen Kirche im Beramwortungsbewußtsein seiner Stellung als Beauftragter des Kirchenbundesamtes unzweideutig gegen diesen Film vorgebracht hat, der Auffassung weitester Kreise der evangelischen Kirclze entspricht. Wir möchten dabei ausdrücklich feststellen, daß das Urteil des Kwfpredigcrs Vogel, das innerhalb des Prograurrnbnches im Facksimilcdtuck wicdcrgegcben wird, lediglich die private Meinung eines einzelnen durste UL. (Von uns fett gedruckt. Tie Schriftlcitrmg.) Es ist zum mindesten eine einseitige Information der Teffentlichteit, wenn die Filmgesellschaft dieses Urteil unter der Ueberschrist „Tie Kirche und der Fituck wiedergibt und dadurch den Eindruck cnveckt, als ob die evangelische Kirche für diesen Film eintrete. . . .“ Wie die gleiche Zeitschrift mrtteilt, verhält sich auch die katholische Kirche -cm Film gegenüber ablehnend. 'So hat Kuratus W renken, der als katholischer Sachverständiger sein Urteil über den Film abzngeben hatte, seine Ablehnung u. a. damit begründet, daß die Amangsszeueu im Rahmen eines Christus-Films unerträglich und zum mindesten für die Jugend ungeeignet, der begleitende Bibellext nur zum Teil richtig wiedergeeeben sei und cr an vielen Stellen nicht mit dem Wortlaut der katholischen Bidet überein stimme. Auf Grund dieser Bedenken hat sich Kuratns Wienken für ein Verbot des Films sür die Schuljugend ausgesprochen. Schließlich hat auch das Zeutralinstilut für (ürzictzrnrg rrnd Unterricht den ihm zur Prüfung vorgelegten Film als Lchrsilru abgclcstnt und dalu.it eutschicdcu, das; dieser Film keinerlei voltsbrlduerrsche Werte besitzt. Eaß übsrs Grab hinaus. Tic Niedrigkeit völkischer Kritik. „Tie deutschen Juden uuterdesiczr wissen, daß sie auf Apostata weder stolz sind, noch verantwortlich für [eine Taten." Mit diesen Worten schloß Dr. jur. I. Levy seinen Nachruf aus „Apostata" in der vorigen Nummer dieser Zeitung. Damit ist die Stellung des Centralvereins Maximilian Harden gegenüber gekennzeichnete Aber wenn auch die deutschen Juden sich nicht veranNvortlich für Hardens Taten fühlen, so müssen wir doch als Menschen protestieren gegen eine Art der Leichenrede, wie sie Tr. Göbbels in dem „Angriff" vom 7. November hält. Er schreibt: Maximilian Harden ist durch eine Lungenentzündung hingerichtet worden. Damit geht eine? der gemeinsten und niederträckstigsten Individuen, die Deutschland an den Rand des Abgrundes gebracht haben, aus den, Zeitlichen heraus. Marimilian Harden ist der Typ der jüdischen Literaturbestie, die bedingungslos und ohne Rücksicht das Gastrecht des Wirtsvolles mißbraucht und ihrem ewigen Trieb zur Zerstörung frönt.. Tas deutsche Volk hat ihm und seinesgleichen ein Meer von Blut und Tränen zu verdauten. Sonst sagt man: „cko mortuis nil nisi benoP Tas hat bei 'unseren Vernichtern keine Geltung. Wir bedauern am Tode dieses Mannes nur, daß cr uns die Möglichkeit genommen hat, auf Misere 'Art mit Isidor Witkvwsky abznrcchnen. Pr. O. Ein derartiger hatzverzerr tor Nekrolog, der auch noch versteckte Drohungen gegen den Toten enthält, muß jedem anständigen Menschen das Black ins Gesicht kreiden. Dafür gibt cs nur ein Wort: Pfui — das int Bismarck scheu Sinne als „Ausdruck des Abscheus und des Ekels" auszulegen ist. „Es gibt keine jüdische Rasse!" Professor Muckermanns Vortrag in Freiburg. Kürzlich hielt in Freiburg i. Br. im größten Saale der Stadt, der Fcsthalle, der bekannte Leiter der Abteilung Eugenik im K a r se r -W i l Helm - I n st i iit t in Berlin, Professor Dr. Hermann Mucker mann, einen gutbesuchten Vortrag über: „Rapenforschung und das Volk der Zukunst." Ter Redner erläuterte zuerft das Dererbnngsgesetz und begründete die Macht der Auslese. Er unterschied scharf zwischen anthropologischer und biologischer Raffe, wobei er es als Torheit bezeichnete, „Raffe und Volk als identische Begriffe zu nehmen", und widerlegte mit scharfen Worten dem Unfug, die Juden unter dem Vorwand des Raffenlzasses an* zuseinden. Das Freiburger Zentrumsblatt, die „Freiburger Tagespost", berichtet darüber in seiner Nr. 2s9: „Was die jüdische Bevölkerung unter uns betreffe, so sei zunächst zu sagen: es gibt keine jüdische Rasse. Tie jüdische Bevölkerung fetzt sich vielmehr zusammen aus vorderasiatischer und orientalischer Erdlinie. Muckermann zeichnete die daraus hervorgchendcn Eigenschaften, vor allem ein feines Einfühlungsvermögen in die Seele anderer (was ebensogut zum Guten wie zum Lösen führen kann). Tie altgläubigen konservativen Juden bildeten Musterfamilien, bewiesen auch großen Altruismus. Mit lauter Stimme erklärte der Redner: Ich kann cs nicht vertragen, daß man einen Menschen deshalb verfolgt, weil er eine gewisse Erblinie habe. Niemand habe doch seine Eltern gewählt. Er schaltete hier auch ein, daß die sinnlosen konfessionellen Käuwse aushören müßten. Katholisch oder evangelisch seien doch die meisten Menschen, weil sic eine Ueberzeugung von ihren Ellern ererbt haben, die sie sich selbst dann als Ueberzeugung ungeeignet haben. Entschuldigend für diese Zwiste im Volk sei höchstens dies: nur begabte Menschen streiten sich ftoas allerdings keine Entschuldigung für Arthur Dinier seil). Im deutschen Volk sei eine ganpe Fülle von 9t a s s c n vertreten. Tie Rancnkreuznng könne unter bestimmten Umständen sehr günstige Auswirltmgen haben, wie das im deutschen Volke der Fall sei." Die Rede fand seitens der Zuhörer, meistens Akademikern und Studenten, ungeteilte» Beifall. H. M. „Bund deutscher Akademiker.* Wir haben bereits verschiedentlich die antisemitische Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft völkischer A k a d c m i f c r D c t b ä » b c des deutschen Sprachgebietes, deren Zentrale sich in Elberfeld befindet, gebührend gekennzeichnet. Tiefe Akademikcrvrganisation, die leider die meisten großen studentischen Korporationsverbände — einschließlich des katholischen E. B. — umfaßt, gefällt sich in einem Radauantisemitismus, der an die schlimmsten Zeiten Alstwardts und Knüppel-ttnnws erinnert. Wie nur erfahren, hat diese Arbeitsgemeinschaft jetzt eine Firmcnänderung vorgenvmmen und nennt sich neuerdings nur noch „Bund deutscher Akademiker", eine Bezeichnuug, die bereits verschiedene ihrer Landesverbände, so derjenige in Hamburg, seit Jahren angenommen haben. Ta diese tunte Bezeichnung offenbar gewählt ist, um den rein völkischen Charakter des Verbandes zu verschleiern, machen wir unsere Freunde hieraus cuijmcitfara und warnen, sie nochmals nachdrücklichst vor jeder materiellen oder ideellen Unterstützung vieler zlvar nach außen parteipolitisch neutralen, nach ihrer bisherigen Täriglcit tnrd Führung jedoch betont völkisch-antifemitisch eingestellten Organisation.