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Central-Verein-Zeitung · 1927-11-11 · 45 (11.11.1927) · p. Seite 626

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
45 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
Seite 626 (sequence 2)
Language
German
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ö2H die Bildungsbestrebungen des Staates aktiv unterstützen. Auf dieser Linie wird nun seit Jahren in den Kreisen der .Volksbibliotheken, in den Kreisen der Volkshochschulen, in den Kreisen des Buchhandels bewußt gearbeitet. Erfreulicherweise hat dieses Jahr im März in Württemberg, von der „Deutschen Schule für Volksbildung und Volksforschung" veranstaltet. ersttnalig eine dreiwöchige Akademie von sechzig Ingenieuren, Vertretern der bedeutendsten Werke, und Sozialpädagogen getagt, um die Frage zu erörtern, inwieweit diese Ideen in die Kreise der Fabrikarbeiter gebracht werden können. Große Werke, neben Zeiß (Jena) und Bosch (Stuttgart), die ja schon jahrelang so arbeiten, erkennen nun für ihre Lehrlingsausbildung diese Gedanken in dem klaren Bewußtsein, eine neue Generation, einen neuen Stand so erziehen zu können. (Auf die politische, wie soziale Seite der Frage kann ich hier nicht eingehen.) Damit tritt die Arbeit für die Envachsenenbildung in ein neues und entscheidendes Stadium. Konnte bisher noch davon gesprochen werden, daß nur der weitere Fachkreis etwas von der Arbeit eines Franz Angermann, Robert v. Erdmann, Eduard Weitsch, Fritz Klatt, Walter Hof» m a n n, Karl Mennicke, Paul T i l l i ch, Theodor Bäuerle — um nur einige ganz Bedeutsame zu nennen — zu wipen brauchte, so können nur diejenigen, die überhaupt erziehungsmäßig an der Entgiftung der politischen Atmosphäre Deutschlands Mitarbeiten wollen, nicht mehr an diesen Bildungsbestrebungenvorübergehen. Ter Weg zur großen deutschen Bo lk s g em ct n } cf) a f t, der uns aller: vors ch webt, um e s n o ch m als 3 u betonen, führt, generati 0 nsmäßig g e s e h e n, über das Bildungsideal, über den Bildungsgang der Angehörigen eines Volkskörpers! Was folgt nun aus der Situation für den Centralverein? Wir haben uns oft gefragt, und insbesondere unsere Gegner sagten uns oft liebenswürdigerweise: Run kämpft ihr 30 Jahre lang gegen den Antisemitismus und was habt ihr eigentlich erreicht? Wir konnten ihnen daraus wohl nur antrvorten, wenn wir nicht waren, würde das alles noch viel groteskere Formen angenommen^ haben. Aber rvir haben uns auch nie verheimlicht, daß unsere Aufklärungsarbeit gerade deshalb so sehr erschwert war, weil wir in einen luftleeren Raum hinein aufklären mußten. Wir waren auf das „Streusystem" oder — wenn ich anders sagen darf — auf die „Wurfsendung" angewiesen Immer und immer wieder ist in unseren Kreisen betont worden, daß die Intensivierung unserer Arbeit nur zu erreichen wäre, wenn es uns gelingt, in unseren eigenen Reihen eine Führerschicht heranzubilden, die sich nicht damit begnügt, ein Borstandsamt zu bekleiden, sondern die bereit ist, in geistiger Beziehung sich mit unseren Ideen, mit unserer Weltanschauung auseinanderzusetzen, und die dann auch kennzellenartig das Gewonnene, das heißt das erarbeitete Weltbild nicht nur in jüdische, sondern darüber hinaus in andere Leben skr eise trägt. Wir sind — die Gründe läge ich unerörtert — mit dieser unserer Forderung nicht weit genug vorgedrungen. Notwendige Kleinkämpfe des Tages haben unsere Organisation verhindert, diesem Aufgabenkreis mehr nachzugehen, wie wohl unsere Führer gewünscht hätten. Heute muß sich das Gesicht des Centralvereins erweitern, neben die Abwehr, neben den Kampf um unsere Weltanschauung muß unsere Dereitwilligkeit treten, unsere Führer zur Gesundung und Angleichung dem deutschen Volkskörper zur Verfügung zu stellen. Ich weiß sehr Wohl, daß es die vornehmste Aufgabe des Centralverems immer gewesen ist, mit anderen Lebenskreisen Fühlung zu nehmen. Ich weiß feiner, und habe dies immer dankbar begrüßt, daß der Eentralverein in allen Organisationen, die für uns in Frage kommen, seine Mitarbeiter und seine Mitstreiter hat entsenden können. Ich glaube aber, wir müssen jetzt fordern, daß an diesem S ch n i t t p n n k t so vieler Leben streife zunächst einmal ein Z u {a m m e lt g e h c it erörtert wird. Ich denke nicht etwa daran, daß die Organisation des Centralvereins die ihm genannten Herren und vielleicht auch weitere Kreise zu einer Tagung einlädt und mit ihnen mm das Problem „Deutschtum und Judentum" erörtert. Vielmehr schwebt mir vor, daß wir aus der: Kreisen unserer Mitglieder erfahren, wo bereits Verbindungen, sei es ans dem Umweg über den Beruf, sei es durch soziale Arbeit, sei es durch gesellschaftlichen Verkehr zu diesen Kreisen bereits bestehend Dann werden im kleinen Kreise zunächst diese Erfahrungen ausgetauscht, und erst dann kann der Gedanke erwogen werden, ob nicht eine Woche gerneinsamen Lebens mit diesen Männern uns weiter bringt! In der „C. V.-Zeitung" vour 4. November hat Ludwig Holländer über den Film „König der Könige" berichtet, dessen aufreizende Wirkung von allen objektiven Betrachtern anerkannt wird. Dieser Bericht veranlaßt mich zur Gegenfrage, wie ist es möglich, daß so ein Film entstehen konnte? Konnte er nicht etwa nur entstehen, weil von uns und unserem wirklichen Wesen zu wenig bekannt ist? Ist nicht etwa diese Zerklüftung des deutschen Volkes nur darauf zurnckzusühren, weil jeder Lebenskreis, weil jede soziale Schicht sich eng eirrkapselt, weil er glaubt, so am besten für seine „Belange" zu streiten! War die Rede des preußischen Kultusministers Becker bei der Jahresfeier der Deutschen Hochschule für Politik nicht ein Signal? Wodurch ist denn die Weltgeltrmg des deutschen Volkes zu erringen? Durch immer weitere Verfeinerung der Technik oder durch Aufrichtung eines neuen deutschen Knlttrrideals? Und an dieser Wende sollten rvir nicht den Mut aufbringen zu einem neuen kulturpolitischen Programm? Zu einer Arbeit, die sich an die besten Köpfe der Nation wendet? Sollten wir wirklich Angst haben vor einem gegenseitig sich befruchtenden Aristausch? Wo in den geschilderten Kreisen als dankbarste Aufgabe ihrer Tätigkeit die Fruchtbarmachung der Gegensätze betrachtet wird? Ich hoffe, es hat nur dieser kurzen und flüchtigen Anregung bedurft, um unsere Organisation für dieses neue Tätigkeitsgebiet zu interessieren. Denn eins ist wohl sicher: All die unsagbare mühevolle und zermürberrde Tätigkeit des Centralvereins seit seiner Gründung kann nur gedeutet werden unter der Devise: „Tie Arbeit ist unser, nicht wir sind der Arbeit." fiuf öem Wege Zum Humanismus ... Auf der siebenten Jahrcstagnng der Deut s ch e n Hochschule für Politik fiiclt Professor Tr. Mar Schaler (Kölnden Festvortrag über „D e r M e n s ch im W e (t a l t e r des Ausgleich s". Scheler gab ein umfassendes Bild des kulturellen Lebens der Gegenwart, umriß in großen Zügen den Stand der Naturwissenschaften, der Philosophie, der Politik, der Kunst und folgerte aus allen Ersckjeinnngsformen unserer Gegenwart, daß ein Ausgleich geschaffen werden müsse zwischen den Ocgerrsätzeu, die heute überall scheinbar unüberbrückbar klaffen. Ob wir das Nichtverstehen zwischen Alter und Äugend, das Nebeneinanderlcben der Generationen ohne geistige Fühlingnahme ins Auge fassen, ob wir das Ueberhandnehmen des Fachwissens auf der einen Seite und die Fremdheit geistiger Arbeiter mit den Dingen des täglichen Lebens auf der anderen Seite beobachten, ob wir Nationalität und Jnternationalität, Klassen und Rassen, Mystizismus und Nationalismus betrachten, sie alle werden ja schon zwangsläufig durch Entwicklung der Technik, aber auch des menschlichen Denkens diesem Augenblick zugeführt. Wo gibt es beute einheitliche Nassen oder einheitliche Nationen? Nirgends! Alles ist im Fluß. Nickst Oswald Spenglers Gesckrchtsausfasiung von den verschiedenen Kulturkreisen ist richtig. Vielmehr must die Entwicklung der Völker mit einem Stromsy st ein verglichen werden. Bäche und Flüsse, verschiedenen Quellen entsprungen, vereinigen sich zu einem Strom, die ströme münden und enden im Meer. Nur wenn es gelingt, die geistige Führerschaft dieser Erkenntnis zuzusührcn, wird cs möglich sein, den neuen Menschen, den Europäer, oder, noch weiter gesponnen, den Weltbürger zu schaffen, der berufen sein wird, einen neuen Humanismus heraufzuführen. . . . oöer zum bestialismus? Ter außerordentliche Professor der Rechte an der Berliner Universität. E. v. Möller, benutzt seine Vorlesungen über „Deutsche Ncchtsgeschichte" Zur Berbreitnug seiner repnblik- und jndeufeindlichen Gesinnung. Soweit die Republik beleidigt wurde, werden sich die hierfür zuständigen Organe mit Herrn v. Möller auseinanderzusetzen haben. Nus gibt ein Kolleg über „Preußische Rechtsgeschchte" vom Mittwoch, dem 9. November, Anlaß, uns mit der Person des Herrn v. Möller zu befaßen. Hat er schon feinen Kampf gegen alles, was in irgendwelchen! Zusammenhang mit Judentum und jüdischer Leistung steht, in seiner ersten Lesung ausgenommen, indem er von dem „auch schon verjndeten römischen Recht" sprach, so forderte er am 9. November ganz offen alle katholischen und protestantischen Studenten ans, sich zusammcnzuschließen nnd altes, was nicht deutsch und nicht christlich sei, aus dem Vatertarrde anszuschtrcßcn. Lauter Beifall bei den Studenten, unter den sich auch einiger Protest mischte. Möller fuhr fort: „Ich finde, das; die Studenten, die sich hierzu in bewußten Gegensatz stellen, nicht das Recht haben, hier zu bleiben." Bier Studenten verlassen den Saal. Mit de': Benrerknng: „Es ist nicht schade drum" ging Möller wieder {r seinem Thema über,

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