Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 625 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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NovrmbLr 1927 o r j Gierr-Lljahrsabonnemettt 1,20 V!M. (zuzügl. SeiteUgelö). Gruiiwuiwutmer 10 Pfennig Verlag u. Echriftleitrmg: Berlin 8W 68, 13. Fernsprecher: AmtDSnhosf 3504,^05. .:. Postscheckkonto: Berlin 30472. .:. fun . . stube G, Berlin SW 68', Lindenstr. 7, uno von Doidscknnidt-Nothschild L Co., Berlin W3. Dllcuuae Anzeigenannahme: Annoncen.-.nuüoU Mone, Berlin SV,' 19, und deren 'Siliafcn. Anzeigenpre-.sc: u,*jü Jhil für die örorrnalzeilenrncsser Nr. 4, FamiUenanzeigcu und Etellengesuche (nicht Eiciienangebots) für Ltitgliede: des Centralvereins 0.45 31$, die Bankkonto: Dresdner Dank. Wechsel- 7gcfpaltene Zeile nach Nudolf Trosses 90 rarn breite Licklamezeile 4,£0 31$-» j; i {J' j/ d|j j| 'H, t D o n j V V A A <V% U U 11 \ i ß w v v Von Theodor Marcus (Breslau). „Vom Wandervogel zürn Reichsjugendring" hieß jüngst ein Artikel in einer vielgelesenen Wochenschrift. Ist mit dieser äußeren Symbolisierung vom freien Zusammenschluß zur großen Organisation wirklich der Weg der deutschen Jugendbewegung gezeichnet? Hat sich strukturmäßig im heutigen Deutschland nichts seit 1914 verändert? Sind nur die Firmenschilder der einzelnen Parteien andere geworden? Cibfl es nirgends Ansätze zu neuem Leben? Sind nicht etwa schon große Kreise und Gruppen vorhanden, die versuchen, das neue Geschehen/ das neue Werden in neue Formen einzufangen? Ties ein paar der Fragen, die wohl jedem von uns schon Dutzende von Malen bei der Lektüre seiner Zeitung, beim Betrachten der Gegenwart ausgestoßen sind? vier soll nicht von dem Kampfe der Generationen in den einzelnen Organisationen gesprochen werden. Dieser ständige .Kampf, der sich in jeder großen Vereinigung früher und auch jetzt abspielt, kann uns für die augenblickliche Betrachtung nicht weiter bringen. Es sei aber — für Zweifler und Aengslliche — von vornherein betont, daß mir nichts ferner liegt, als etwa zum Kampfe gegen das Vorhandene auszurufen. Tie bestehenden Organisationen. Parteien, Verbände sind weder gut noch schlecht. Sie sind vielmehr das Spiegelbild der Menschen, deren Jnteresien sie vertreten, die sie ja als Ausdrncksmittel sich selbst schufen. Deshalb ist mir das bekannte Nörgeln über die unzulänglichen Organisationen ebenso unverständlich wie die Sucht nach dem starken Mann. Tie Führung eines Volkes, einer Gemeinde hängt stets eng mit dem Bitdungsweg und dem Bitdungsziel einer Zeit zusammen. Es ist die vornehmste Aufgabe der Gemeinschaft, diesen kulturpolitischen Fragen stets die größte Aufmerksamkeit znzuwenden. Da aber^ bekanntlich Erziehungsfragen Generationsfragen sind, so müsien wir unseren neuen Blickpunkt nicht ans das schon Fertige, sondern auf das Konunende richten. Wir haben uns zu fragen, gibt es vielleicht schon Kreise, die bereits in ihrem gesamten Aufbau das Konunende vorfühlen, die Aufbauarbeit leisten, und können wir uns an ihnen orientieren? Diese Umschau ist notwendig, wollen wir nicht plötzlich in die Lage versetzt werden, in den luftleeren Raum hinein unsere Aufklärungsarbeit zu leisten, weil neue Menschen heranwuchsen, die unsere Einstellung nicht mehr verstehen, für die unsere Problemstellung überaltert ist. Diese Menschen sind dann durch einen anderen Schnlungsweg gegangen. Ihr Geist ist anders ansgebildet worden, und sie sprechen wohl noch unsere Sprache, sind aber nicht imstande, unsere Begrifssanstcgung zu verstehen. Ich male nicht zu schwarz. Die Zerklüftung ist schon weit in Deutschland vorgeschritten, und alle im öffentlichen Leben Stehenden beklagen die Zerfahrenheit unseres deutschen Sprachproblems. Doch nun zum Problem der Erwachsenenbildung. Unter Erwachsenenbildung verstehen die Fachkreise die^neuävtigen Bildunasbestrebungeu, die dem kompakten S ch u l u n g 8 s y"sl e in der alten Z e i t d e n Gedanken zerteilter schulischer Erfassung des Nachwuchses gegenüberstellen. Mit anderen Worten, man begnügt sich nicht mehr mit einem Lehrgang vorn 6. bis 14., respektive 16. oder 24. Jahr, sondern man hält, insbesondere für .Kreise, deren Schulbildung null dem 14. oder 17. Jahre abgeschlossen ist, eine spätere Nachergänzung und Nevidierung des Wissens von der Seite des Berufes und des Lebens her für notwendig. Man benutzt hierzu vorwiegend das Lebensalter von zwanzig bis dreißig Jahren, finden: man die verschiedenen Berufs stände in Gr uppen form miteinander vereint, sie lebensmäßig und berufsmäßig zusammenfaßt. Diese Ausbildungsform und Ergänzungsform der Bildung wird dadurch unterstützt, daß die jüngeren Menschen ältere bei der Arbeit sehen; daher treten die älteren nicht lediglich als „Lehrer" und „Schulmeister" auf, sondern sie versuchen diese Erweckung und Erschütterung durch die Form der Arbeitsgemeinschaft, wo sie selbst mit den jüngeren um die Gestaltung des Stoffes ringen. Ter Skeptiker wird geneigt sein, dies für theoretisches Wortgeplänkel zu halten. Auf Grund jahrzehntelanger Erfahrung sahen sich die Bolksbildner gezwungen, von der Breite der Ausbildungzur Spitzenauswahl vorzndringen. Das alte Liebknechtsche Wort: „Wissen gibt Nt acht", welches ja von dem alten Sozialistenführer in anderer Absicht gesagt worden war, wurde umgebogen zu der neuen These: „Nur erarbeitetes W i s s e u gibt Nt a ch t." Diese Umstellung erfolgte langsam und unter großen Kämpfen, denn zweierlei Wege standen offen, von denen jeder zu beschreiren reizvoll war. Die endgültige Ueberlegung lautete etwa: Wenn wir uns an die Massen tuenden, so müsien wir das Niveau der Bildungsbestrebungen notwendigerweise nivellieren und kommen dann den großen Organisationen ins Gehege: wir vermitteln wohl Wissensgut, welches auch in der^Praris angewandt werden kann, lassen aber die seelische Beite der Ausbildungsarbeit verkümmern. Deshalb müsien wir zur Intensivierung der Arbeit, zur Ausbildung von einigen Wenigen gelangen, die dann keimzellenartig von sich aus mit Unterstützung Aelterer das erarbeitete Wisscnsgnt in weitere Kreise tragen. Nur so können wir zur geistigen Führerschicht Bausteine liefern und r " ~ ' "'-1.. ...L ~ n _____ . .... .. ... .. , , , .* i.!nö 0et? AWhKLSr Dr. Leo Schwelung (Köln). 3tt. d.L.: Oos verändere Gesicht der völki>chcn Äcwcgung. — Pfarrer Lir. Horn (Lcrlin): „König der Könige." - Oberstudiendireklor Or. K. Müller (Pols, dam).- ErzichungSidcale der völkischen Lehrer. - Or. Felix Goldmann (Leipzig).- Von jüdischen Namen. - proseffor Or. Friedrich Niebergall (Marburg): 3n dem Kampf «tu den Geist.