Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 41 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- Seite 581 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2277729-2277769--04012-2284579- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5$1 herman George Scheffauer und sein Werk. ftit? tra^iiJifi* Cliic»v ift l>i»r wenigen Tagen in Berlin der ameritmnsÄ-deul'-llr.' "3dniftftclKr t^rman (>>au'a '2d)ci?aucr gestorben. Sch'.'stamr ift ieit 191 f» in Wort und 3ctirift für b;e Geltung des dentüben Bottes in der Well mit unvergleichlicher CTfciiIicit nnb Ct-K'Ithntät ei nge treten. Vtucfi in seinem Bull-e ..Wenn ich TcnLfcher wär" lBeilag Btar Koch, Leivzigt er für die Anerkennung Teullchllinds im 'Auslände. Tiests Buch bat ein Teil der nationalif«inten Blätter zu ihrem Vorteil als judenfeindlich anszudeuttn versucht, andere Hetzblätter ernannten Schenauer, den gebürtigen Katlwulem zum Juden, da ihnen die ausglciäx'nde Tenden', seiner schritten verdächtig war. Ans unsere Bitte, dann selbst Stellring zu netunen, erklärte '^cheffauer, daß er sich dem ^rteipolitiichcir Gezänk sernhalteu Welle. Auf seinen persönlichen Wunsch hin übersandte uns al>er sein freund Professor EHarle- E. Stange Land nachstehende Würdigung von Schcstauers Verwnlichreit und von seinem Buch. Wir glauben das Andenken des Verstorbenen zu ehren, wenn wir diese Besprechung gerade jetzt veröffentlichen. Tie S ch r i f l l e i t u n ß. Als Amerikaner muß meine Einstellung gegenüber diesem v:el* besprochenen, vielgepriesenen und auch schon umkämpften Buche „Wenn ich Deutscher war'" inein.es gesck)ätzten Freundes und Landsmannes German George Scheffau er, eine andere sein als die des deutschen Lesers und Kritikers. Es mag genügend bekannt sein, dal; ich zum größten Teil die Sympathien und die Ansichten Erstes sauer? in den Fragen, die er hier behandelt, teile, und daß auch ich mich zn jener kleinen Gruppe geborener Amerikaner rechnen darf, die für Wahrheit und Gerechtigkeit Teutschland gegenüber schon vor Jahren ein traten. Tie Fähigkeit, mit dem dcuckchen Volke von innen heraus zu fühlen und zur selben Zeit außerhalb dos Volts-lel^ns und der Voll-gemeiwchast mit ihm zu stehen, sollte eine klare Objektivität erzeugen, an der aus offenbaren Gründen der geborene Tentsche selten Anteil haben kann. Ter besondere Werk des Schefsimerschen Buckes besieht hauptsächlich darin, daß er als amerilanisthcr Schriststeller, der auch in de/englischen Polemik und in der englischen Geisteswelt geschult und gewappnet ist, es hier unternimmt, gegen die Vorurteile einer Welt eine neue Wertschätzung des deutschen Wesens, des deutschen Menschen und des deutschen Volles zu formulieren. Tiefe Wertschätzung gründet Sch es sau er mst die gewaltigen Leistungen des deutschen Volkes während doch Krieges und seinem Leidensweg in der Geschichte. Gr tut das mit erstaunenswerter Ginsicht und sicherem Herzens- und Seeleninstinkt, die nur durch die Erbschaft seines deutschen Blutes zu erklären sind, und mit einem hellseherischen, analytischen Geist, der crus den tiefsten Ouellen der Völkerpfneihologie stammt. Taß Sch e f s a n e r trotz dieses klaren Einblickes in die Schwächen und Mängel des deutschen Brenschen solch herrliches Loblied aus das deutsche Volk anstimmen konnte, ist der besic Prüfstein. die stärkste Bestätigung der Echtheit seiner Lobpreisung und seiner erbarmungslosen Umwertung der intra-nationalen Werte. Ter Wert des Buches ist von beinahe allen Kreisen Deutschlands lobend anerkannt worden, wenn auch parteipolitische Einstellungen hä urig klar zutage traten. Es ist aber leider charakteristisch furchen kläglichen Partei streit, die Polemik der Richtungen, die „Ra Yen- Probleme", die -in Teutschland mehr gekünstelte _ als natürliche Probleme sind, daß dieser unerschrockene Vorkämpfer Tentschlands (Sir Roger Cascment nannte ihn den einzigen uneigennützigen Menschen, den er in Teutschland antrasi auch noch von Deutschen, die ihm über alle Maßen zum Tank verpflichtet sind, angegriffen und ..verdächtigt" wird. Es ist im höchsten Viaße traurig, daß man diesen Amerikaner, der nicht n ur in der A u f- Nürungsarbeii aus dem Gebiet der Schuldsrage, sondern auch für die Verbreitung deutscher K n n st und Kultur i nt Auslande fo viel geleistet hat u n d d e sse n unparteiische Einstellung seinem Urteile den höchsten W e r t verleiht, auch mit den Etiketten der deutschen Pa r Lei pol i-t i k bekleben möchte. So hat Scheffau er. zum Verdruß einiger Rassensimatiter, selbstverständlich in seinem Werke den deutschen Inden nicht angegrinen -- was er übrigens als Ausländer aus einfachen Anstands- und Vernunstgrüudcn nicht tun könnte. Ja, er versuchte auch hier versöhnend zu wirken, luchte i in b c ft e n nationalen Sinn das deutsche Volk als Einheit, als eine noch mehr geschlossene Einheit als das viel gemischtere Amerikaui'che, das, ohne Unterschied der Nasse oder Religion, sich seines nationalen, ja nationalistischen Geistes rühmt, js d) c f f n it e r versuchte auch dom deutschen Juden, den er als einen der tüchtigsten aller menschlichen Tlstn-n anerkennt, — eine Wertschätzung, die wohl nicht zu widerlegen ist, — gerecht zu werden. Er i)t_ sich klar darüber, bat? Deutschland in sei wem entrvan'ueten, geschwächten Zustand, in seiner heldenhaften, aber auch ott „tumbcn" Tapferkeit vielleicht gerade die jüdische Intelligenz notwendig hat, um sich gegen seine mächtigen und vielen Widersacher zu behaupten, und daß cs bedauerlich wäre, wenn dieses Element der deutsck)cn Ration entfremdet würde. Daß es nicht entfremdet zu werden braucht, sondern einen starken Patriotischen Teil der Bevölkerung bilden kann, berveist die rein nationale Einstellung des amerikanischen Judentums. Rur vorübergehend streift Schef sauer die Ranen frage, deren Wichtigkeit er nicht nrkermt. die ihm aber nicht so bedeutungsvoll erscheint wie die Züchtung eine? tiefen, vornehmen Rational e m Pf - n d e n s in 'jedem Staatsbürger des heutigen Tentschlands. Tie meeftcu Völker sind heutzutage eine Zusammenßhung ans vielen Völkern, und die einzelnen Elemente können nicht mehr gesondert oder abgesondert werden, ohne die innere, unsichtbare Struktur eines Volkes zu gefährden. Schefsauer. der die wunderbare Starke und Eigenschaften des deutlichen Voltes ivie kein anderer Ausländer gerühmt hat, beweist, daß Mcfe Eigenschaften noch ins Grenzenlose gesteigert werden können, wenn diese- Volk narr einig wäre. Seine Hoffnung ist deshalb nicht so sehr au? Raneneigenschafteii als ani menschliche, geistige Eigenschaften überhaupt gerichtet. In diesem Sinne ist er Nietzschealler und Predigt den Ten-schon, die als Volk so viele übertrasen, daß sie sich noch selbst über treffen sollen. Es war unvermeidlich, daß bei dieser Einstellung weder die lmlsstehendcn. die rechtsstehenden,' noch die jüdischen Teutschen befriedigt sein würden. Tie erste Gruppe, oder deren Presie, deutete an, daß Scheffau er „nationalistisch" sei, einige Hetzblätter der zweiten Gruppe „verdächtigten" Scheisauer selbst als Juden (er stammt von einer banerstckpfatholischen Familie ab), die dritte Gruppe, anstatt gerade -in dem Werke dieses Deutschenfreundes einen gefunden. mehr bigotten Rationalsinn zu begrüßen und dadurch die Stellung des vaterländisch empfindenden Staatsbürgers jüdischen Glaubens zu verstärken, verschwieg mir wenigen Ausnahmen dieses prächtige, a u f b a u e n d e Werk. So wurden die Urteile des Buches selbst durch seine Ausnahme bekräftigt und bestätigt. In ihm regt sich aber jenes Feuer, spielt jenes Licht, daß sich ans den Lsteubarnngen eines echten und furchtlosen Wabrbeitssnchers seinen eigenen Weg bahnt, und ans feinem Leben auch anderen neues Leben spende:. Professor Charles <?. Siangcland. Zum Prozcs; Di'. Marx gegen T>I>r. Peyser und Naumann Von Adam Noedcr, M. d. R. (Karlsruhe). An anderer Stelle diestr Zeitung wird das Urteil in Sachen Mar? (Karlsruhe) contra Nauman n Peväer veröstentlicht. Wir geben nachstehend dem bekannten Reicbstagsabgevrdntten und Herausgeber der „Süvd. Eowervattocn Korrespondenz" Adam Roeder das Wort \u einer Betrachtung diests Julies. Es hätte nahe gelegen, daß Tr. Marr selbst das Wort zu einer abschließenden Stellungnahme ergriffen hätte. Wir entsprechen aber feinem Wunsche, wenn wir "mit diesem Epilog von Adam Roeder den Eindruck wiedergeben, den der Vorfall aus einen unl^efangenen Beobachter gemacht hat. Die S ch r i f t l e i t u n g. Man erinnert sich, daß zu Anfang des Jahres in Karlsruhe ein Beleidigung-Prozeß stattfand, in dem der Karlsruher Rechtsanwalt Tr. Jakob Marx. HauPLvorstandsmitglied des iS. V., die Herren Sanitätsrat Tr/Peyser und Ncckstsanwalt Tr. Naumann in Berlin zur Verantwortung zog. weil sie ihn in Artikeln des „Nationaldeutschen Inden" wiederholt als Fälscher und Lästerer bezeichnet harten. In der Verhandlung vorn 4. Januar 1927 wurden Peyser und Ranmann zu je 70 Mark Geldstrafe und. Tragung der Kosten verurteilt: außerdem wurde dem Kläger das Rccht zngesprocheu, den Tenor des Erkenntnisses in den Zeitungen zu verösfeutlichen. Gegen diests Urteil legtenbeide Parteien Berufung ein. Tie Berufungsinstanz, die kleme Strafkammer des Karlsruher Landgerichts. wies die Berufung von Peyser und Naumann zurück, gab } der des Tr. Marx statt und verurteilte Vcyser und Naumann' zu } 200 Mark Geldstrafe und Tragung sämtlicher Kosten.! Gegen dieses Urteil legten die Angeklagten Berufung beim r Oberlandesgericht in Karlsrithe ein. Dieses wies die Revision in seiner citzimg vom 30. August d. I. zurück und bestätigte das zweitinstanzliche Urteil. In den drei Erkenntnissen der Karlsruher Gerichte kam zum Ausdruck, daß der von den Beklagten angebotcne Walirheit-beweis, Tr. Marx sei ein Fälscher und Lästerer, als mißlungen angesehen werden muß. Das Urteil sagt: „Eine absichtliche und böswillige Entstellung der Wahrheit aber, und eine solche wird in den der Privattlage zugrunde liegenden Aeußernngen von den Angeklagten dem Priva'tkläger vorgeworfen, läßt sich dem Prwatkläger keinesivegs Nachweisen. Das Gericht ist anch überzeugt, daß eine solche nicht vorliegt." Es hat keinen Wert, den ganzen langwierigen Prozeß in allen seinen Teilen zn rekapitulieren. Jedem Unbefangenen war es von vornherein klar, daß die Beklagten verurteilt werden mußten, weil sich ihre Behauptungen nicht beweisen ließen. Wer Rechtsanwalt Tr. Jakob Marx kennt, weiß, daß er kein Fälscher und Lästerer ift. So viel reine Sachlichkeit muß man doch ausbringen, um zn wissen, daß man einen Mann, der im öffentlichen Leben steht, auch dann nicht einen Fälscher und Lästerer nennen darf, wenn er eine Auslassung nicht wortwörtlich, wohl aber im Sinne des logisch zu gruppierenden Beiveismatcrials richtig und unmißverständlich nnedergab. Ans dem Umstand, daß drei Instanzen diese Auffassung teilen, darf Unvoreingenommenhcit wohl annehmen, daß die Vorwürfe der DDr. Peyser und Naumann gegen Dr. Jakob Marx zn Unrecht erhoben waren.