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Central-Verein-Zeitung · 1927-10-14 · 41 (14.10.1927) · p. Seite 578

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
41 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
Seite 578 (sequence 2)
Language
German
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57$ wird immer der Judengegner daraus Nutzen ziehen: eS^ifi bekannt, daß die Antisemiten die Zionistische Ideologie s'nr ihre Zwecke gebrauchern — Daher ist es von entscheidender Bedeutung, daß man den kühnen Theorienbildnngen Trotz bietet und sich zu den unumstößlichen Tatsachen, zu der schlichten Erfahrung bekennt. IN. Die Perlockung der vereinfachenden Theorien ist groß, — besonders die Jugend wird sich ihn.cn leicht verschreiben; denn sie findet hier einfache, klar umschriebene Ideale, für die sie sich begeistern kann. Die echte Begeisterung, wo immer sie austritt, ist gewiß schön und erhebend; — aber man darf nicht vergessen,^ daß auch falsche Ideale mit wahrhaftem Enthusiasmus erstrebt werden können. Der Mut, gegen leichtfertige Theorien anzukümpfen, steht höher als die blinde Begeisterung des Doktrinärs. — Wer sich 31t der Erfahrung und ihren Notwendigkeiten bekennt, der wird als lau gescholten werden, — aber er wird sich nicht in seinen Bemühungen beirren lassen. Ter Eentralverein, der den Nebel falscher Theorien zu zerstreuen sucht, hat das Odium ans sich nehmen müssen, daß er nur negative Arbeit leiste, daß er für ein lendenlahmes „Assimitantentum" kämpfe. Wer diese Vorwürfe erhebt, der hat die Wichtigkeit der Aufgabe noch nicht erkannt, der hat noch nicht eingesehen, daß d i e s e A r b e i t unerläßlich ist. Die Gleichberechtigung _Der Juden ist nicht ein snobistischer Luruswunsch, sondern die dringendste LebensnotwendigkeiL. Gegen die Verkennung d e s I u d e n t u m s und d i e E n t \x> ü r b i g u n 3 der Juden anzukämpsen, das ist nicht nur ein Gebot der Selbsterhaltung, sondern im tiefsten Sinne eine sittliche Pflicht. Die Erfüllung dieser Pflicht ist schwer; — denn sie setzt den Kämpfenden den Angriffen der Verleumder aus, sie bringt ihn in Berührung mit den unerfreulichsten Erscheinungen, sie zwingt ihn, in eigener Sache zu plädieren; — aber ist es ein Einwand gegen eine Pflicht, daß sie schwer zu erfüllen ist? Die mühsame Arbeit des Centralvereins ist notwendig; — keiner darf sich der Ausgabe und der Mitarbeit entziehen, dem der Kampf gegen das Unrecht am Herzen liegt. Darum: Auf zur Winterarbeit! Dr. S. Weinberg. ßrieöhofsschänZUNg in Frankfurt a. N. Schulkinder die mutmaizlichen Täler. Seit einigerZeit schon beobachtete der Aufseher des jüdischen Friedhofs in der Sosienstraße. Frankfurt a. M.. daß Schulkinder im Alter von 12 bis 16 Jahren das Sitter des Friedhofs demolierten, die Glasscherben. die zum Schutz gegen unbefugte Eindringling? an der Mauer angebracht waren, weggenommen hatten und ähnlichen Unfug trieben. Einige Tage vor Lem Neujahrsfest erdreisteten sich einige dieser Schüler, die Frau des Friedhofswarters, die auf dem Friedhof beschäftigt war, mit rohen Schimpfivorten zu belästigen, ohne daß es möglich war. die Burschen zu fassen. Beim Betreten des Friedhofs am Donnerstag, den 29. September dieses Jahres, dem Tage nach bem Neujahrsfest, entdeckte der SfrtcbI}o|*}Ußrt.cr, daß während der Neujahrstage Eindringlinge wie Vandalen gehaust hatten. An dem einen Pfosten des Eingangstors von der Sofienstraße aus war ein großes Haken kreuz angebracht. Der Weg von diesem Eingangstor zu der erhöht liegenden eigentlichen eisernen Tür zum Friedhof selbst war mit Gewalt aufgerissen und demoliert. Im Friedhof waren Gräber — zumeist Kindergräbcr — teils beschmiert, teils urngeworfcn; ans einem srisch amgepflanzterr Blumenbeet eines Grabes waren Blumen ausgcrisicn nrrd am Weg zerstreut, die Platten der nmgeworscncn Gräber waren gewaltsam zerbrochen und lagen in verschiedenen Ecken und aus den Wegen des Friedhofs umher. Ein Grabmal ist durch Sicirrwnrf erheblich demoliert. Unsere Ortsgruppe Franksurtsurt a. M. ha! alle zur Ermittelung der Täter rwtivendigcn Schritte eingeleitet. Demnächst erscheint in unserem Verlage: f | Br, Aifred Wiest er: \ | MtiSistsW Pme i,:iü fgSsiim j Vorbestellungen nimmt schon jetzt entgegen: : philo Verna hM pvMmvllma ß.m,o.7[, { j Dönhoff 3594■ BERLIN SW ÖS Limienstriissi 13. i__j C:‘ ........(* Rückgang Vcr NcchLöparicien A. II. Die Wahlen zum H a m b urgcr StadtParla - ment lassen einen ausgesprochenen Zug nach links erkennen. Kommunisten und Sozialdemokraten haben ihre Stimmen seit der Wahl von 1924 erheblich vergrößern köuucn, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß bei der letzten Wahl etwa 270 000 Wähler nicht zur Wahl gingen, während die Wahlbeteiligung am 9. Oktober erheblich größer war als vor drei Jahren. Weiter ist von Interesse, daß die Deut s ch nationalen, selbst mit Hilfe der Bol Lisch cn, ihren Bestand nicht haben wesentlich vergrößern können, und daß die N a L i o u a l s o z i a l i st i s ch c Arbeiterpartei in Hamburg im Abstieg begriffen ist, denn trotz großer Wahlagitation hat sie nicht einmal ihre Stinunenzahl von 1924 erreicht. Der Ausfall dieser Wahl läßt recht interessante Schlüsse zu ans die im nächsten Jahre stattjiudenden Wahlen zum Reichstag. Die nachstehende Ausstellung gibt ein anschauliches Bild über die abgegebenen Stimmen im Jahre 1924 und bei der jetzigen Wahl: d. Oktober 1927 26. Oktober 1924 Kommunisten 106 706 75 954 Demokraten .... * 61 493 * 67105 Sozialdemokraten * . , 232 375 162 284 Volkspartci . 04 303 67 069 Zentrum . 9 335 8 114 Deutsch-nationale . . > 90 346 83 728 Nationalsozialisten . . . 9 737 12 732 Bei der Wahl 1924 wurden 501 29 7 gültige Stimmen abgegeben, während die Wahlbeteiligung diesmal 609 096 gültige Stimmen ergab. (Ungültig 6046.) K. 8. Die Wahlergebnisse in Königsberg, wo infolge der Eingemeindung von Vororten das SLadtparlament neu gewählt werden mußte, zeigen einen Rückgang der Völkischen, trotzdem Herr und Frau Ludcndorsf sowie Jürgen v. Ramin große Versammlungen abgehalteu hatten, die von Neugierigen zahlreich besucht waren. Tie radikal-völkischen Parteien aller Richtungen, die sich gemeinsam mit den Wehrverbanden im Völkisch-sozialen Freiheitsblock zusammengetan haben, verloren gegenüber der vorigen Stadtverordneten wähl nicht w e n i g e r als drei Viertel ihrer Stimmen, die Deut sch nationale Dolkspartei ein Drittel der Stimmen. Die Demokraten haben etwa ein Viertel der Stimmen eingebüßt, die Mieterpartei muhte etwa elf Zwölfte! ihrer Stimmen zum größten Teil der Sozialdemokratie abgeben. Diese konnte ihre Zahl gegenüber der vorigen Stadtverordnetenwahl fast verdoppeln. Die Kommunisten haben drei Mandate gewonnen. Die Deutsche Volkspartei konnte etwa 2700 Stimmen Gewinn einheimsen. Das Zentrum, das bisher nur einen Sitz hatte, konnte ein Mandat mehr gewinnen. Tie konfessionelle Gruppe des Evangelischen Gemeinschaftsbundes verlor nur hundert Stimmen und hielt die Zahl ihrer Mandate. Tie kleinen wirtschaftlichen Gruppen konnten keine erheblichen Wählermaksen für sich gewinnen. Das Ergebnis der Stimmen für die größten Parteien 9. Oktober 1927 im Mai 1924 Deutsche Volkspariei . . , 26 555 23 839 Demokratische Partei . . 4 386 5 842“ Kommunisten. * 25 958 23 476 Evaug. Gcrneiirschaftsbuttd 6208 6 303' Zentrum . .. 3 810 3208: Sozialdcriiokrnicn .... 25 899 13 305 Dölk.-ko;. Frcib-itöblock . 2 443 9 281. Deutschnatwnalc Volkspartei 11725 .16 670' Gesamtzahl der Stimmberechtigten: 196 307. Abgegebene Stimmen: 115 757 (132 483). Die Mandate verteilen sich wie folgt: Deutsche Volkspartei Sozialdemokraten ...... * KonrrnnttLstctt Deutschuationale.. Evangelischer Gemcirrschastsbuird < Demokraten.. . . « Zentrum.. Völkisch-sozialer FreihettSblock . . 16 (bisher 121 15 ( „ 6) 15 (bisher 12) 7( „ 8) 3 (wie bisher) 2 (bi§()ct 3) 2( „ 1) 1 (bisher 7) ist Es darf nicht übersehen werden, daß ein Teil der Völkischen ihre Stimmen zweifellos der Deutschnationalen Volkspartei, aber auch der Kommunistischen Partei, die um über zweitausend Stimmen gewachsen ist, gegeben haben. Wenn auch bei Berücksichtigung dieser Verschiebungen ein Rückgang der Völkischen sestzustelleu ist, so darf sich der Centralverein, der in Königsberg stets lebhafte Propaganda und Ausklärungstätigleit entfaltet, dies als Verdienst mit anrechnen. Leider muß aber festgestellt werden, daß ein nicht unerheblicher Teil der jüdischen Mahler sein Wahlrecht nicht ausgeübt hat, trotzdem auch der Centralverein immer darauf hingewiesen hat, daß cs Pflicht eines jeden Staatsbürgers ist, dieses Recht auszuüben.

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