Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 40 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- Seite 567 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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567 Demnächst erscheint in unserem Verlage: Br. Alfred Wiener: Xtitistäe Reise durä pääsiim. Vorbes teHungen nimmt schon jetzt entgegen: philo Verlag und Buthlmnälmg G, m. b. 7[. Dönhoff 3594- BERLIN SW68 Lindenstrasse 13* Ü handelt sich also um einen bevölkerungspolitischen Vorgang, der — nicht mir in Deutschland — seit einigen Jahrzehnten ganz allgenrein eingesetzt hat und gegen dessen verschiedene, recht bedenkliche Auswirkungen ökonomischer und kultureller Art schon manches versucht wurde. Insofern kann daher die Befürchtung ungesunder Zunahme jtäMtfdjoi* Ausaßigmachuug keine speziell jüdische Sorge sein. Wohl aber besteht aus anderen Zusammenhängen sehr begründeter Anlas;, diese Umbildung in der Wohusitzvcrteilung der Juden als ein tiefgreifendes Problem anzusehen. Tie ganze „Judenfrage" beruht nämlich ans dein Wundernnsererkonfessionellen Erhaltung, das heißt aus der sonst nirgends auzutresfenden Tatsache, daß eine ganz offenkundige M r n o r i t ä t nunmehr faffc zwei Jahrtausende hindurch ihre konfessionelle Eigenart wahren konnte, ohne über ein schützendes Territorium, eine zusammenfasteude Hierarchie oder irgendwelche politische M a ch L o r g a u i s a - riou z^u verfügen, sondern in der Form regelloser Siedtuugszersrlirterung, willkürlicher Rechtsbeschränkung und kulturwidriger Isolierung aller; den TitnaLionou aufgesetzt war, die sonst jede Minderheit dem baldigen Untergänge zuführren. Tag sich diese Entwicklung für das Judentum nichts vollzog, ist eines der merkwürdigsten lustorischeu Widerspiele. '<rtatt der allmählichen konfessionellen Ausl'öhlung und stchließlicher endgültiger Ausmerzung wurde nämlich durch die rechtliche, politische und insbesondere örtliche Abschnürung der jüdischen Gemeinschaften, das direkte Gegenteil bewirkt: das abgedämmte Zusammenleben begünstigte das starke Einwachsen alles Traditionellen und führte nach außen zn einer stark immunisierenden Verkrustung der wefenseigcnen Lebensformen. Man kann heute ruhig sagen, daß ohne jene systematischen bürgerlichen Beengungen das Judentum, trotz aller inneren Kräfte und Tendenzen, in irgendeiner lebensfähigen Gestalt nicht aus unsere Tage gekommen wäre. Tie Frage liegt daher so, ob wir nunmehr einen: unaufhaltsamen konfessionellen Auflösungsprozeß entgegengehen, nachdem durch die Emanzipation und speziell die Freizügigkeit sich die Lebensatmosphäre der Juden doch sehr wesentlich geändert hat und namentlich das sehr konservierend wirkende k o n v e n r i k e l h a s t e Z u s a nun e n - leben der Inden mehr und mehr im Verschwinden begriffen ist- * ob also mit anderen Worten der „Zug von; Lande nach der Stadt" ] eine schicksalswendende Bedeutung für die weitere Erhaltung der jüdischen Konfessionsgemeinschast har. Denn, um das zu wiederholen, mit dieser Erhaltung steht und fällt das Judentum und für die Umwelt die sogenannte Judenfrage. Nun ist cs kein Zweifel, daß die soziale Hebung, zu der die jüdischen Schichten durchschnittlich im Gefolge ihrer Hebern cd tung 1 ans den kleineren ländlichen in die größeren städtischen Verhältnisse gelangen, eine starke innere Gefahr sür den konfessionellen Bestand in sich birgt, weil bekanntlich der sozial Emporgestiegene das allgemeine Bestreben hat, sich von den Bindungen des Traditionellen freizumachen. Dies gilt zwar sür alle Konfessionen ohne Ausnahme, sür die jüdische ist jedoch diese Erscheinung deshalb von ganz besonderer Bedeutung, weil es sich bei ihr um eine kleine Gruppe : bandelt, sür welche zahlenmäßige Schwächungen ohnehin sehr unerwünscht sind, namentlich, weit es kulturell und wirtschaftlich im : allgemeinen nicht gerade die schwächsten Kräfte sind, die aus diese '-Seife vcrloreugehcn. Hierzu kommt, daß in weitem Umfange auch ' diejenigen Kreise der jüdischen Zugehörigkeit, die an sich ein lebhaftes Interesse an der Wahrung und Erhaltung des Konfessionellen haben, au der regelmäßigen Pflege von Kultus und Ritus, die nun einmal — man mag sich als einzelner und im einzelnen dazu stellen wie man will — für die Vertiefung und Sicherung der Tradition unentbehrlich sind, nicht'mehr hinreichend teilueh'.nen können, wenn sie bei der heutige;; Gestaltung de-5 wirtschaftlichen Lebens ihre werktätigen Eriftenzpflichten nicht über das zumutbare Maß beeinträchtigen wollen. Somit könnte man alle Voraussetzungen für gegelAm erachten, um bcr weiteren Zukunft der konfessionellen Erhaltung des Judentums ■ Jue sehr tu;günstige Prognose zn stelle:; und der Znsammensicdlnng m den Städten die Schuld daran zumcsien. Bei solchem Urteil wäre?üer ein sehr nächtiges Moment, das allerdings nicht an der Obersiache liegt, übersehen: nämlich das A u g e w i e s e n s e i n jeder Minorität ans möglichste Sammlung der Kräfte, ^-abei fommcit Erfordernisse nach innen und nach außen in Betracht. Vach m;nen liegen die maßgebenden Verhältnisse so. daß ein «eues S o l i d a r i t a t s g e f ü h l unter den deutschen Juden in starker Entwicklung begriffen ist. Was daran dem Weltkriegs und feinen volkspsychischen Auswirkungen zuzuschreiben ist, mag hier ununtersucht bleiben. Jedenfalls hat alles, was innerlich als Gemeingut der jüdischen Einstellung zu den geistigen Problemen der Gegenwart empfunden wird, außerordentlich an Bcwußtscinsgrad gewonnen und zu einem weiten Gemeinschaftsbedürfnisse aus der rein seelische;; Basis d e s S t i m m u n g s - und G e s i n u u n g §- mäßigen geführt. Daraus erwachsen aber neue Aufgaben konfessioneller Natur, nämlich die immer intensivere Herausbildung und methodischere Pflege des ausgeprägt Kulturellen im Judentum. Es bedarf keiner näheren Darlegung, daß eine derartige rein geistige Mission erfolgversprechend nur möglich ist, wo nicht nur die nötigen führenden Kräfte zur Verfügung stehen, sondern wo auch ein genügend großer Bestand von Interessierten und zu Interessierenden in den erforderlichen Unterrichts- und Vereinseinrichtungeu vorhanden ist, wo also Vorbedingungen erfüllt sind, die sich um so bester finden, je bedeutender nach Umfang und Qualität die Gemeinde ist. Bliebe die jüdische Bevölkerung in der früheren Weise aus dem Lande;u;d in den kleinen Städten, so müßte ein beklagenswert großer Bruchteil der Judenheit konfessionell in einer sehr primitiven Geistessphäre hindämmcrn, so daß zusammengenonunen init den; Abbröcreln bestimmter Schichten, eine stets zunehmende Kraft- und Widerstandslosigkeit des jüdischen Gehalts die unausbleibliche Folge wäre. Wir stehen also vor Zusammenhängen, an denen gemeffen die Zufammeufiedlung der Juden in den größeren und größten Städten eine direkt rettende Bedeutung für die jüdische Konsesfionalität hat. In diesem heute zu erkennenden Stadium nürd aber die Entwicklung nicht stehen bleiben, cbensvweuig wie die Umwelt ihr augenblickliches Aussehen ungcändert behalten ivird. Es wird vielmehr auch sür das in die volle Bürgerlichkeit hiuerngewachsene Judentum auf die Dauer nicht zu umgehen sein, in der Sorge unr seine, wenn auch noch so durchgeistigten konfessionellen Angelegenheiten eine immer bewährtere Form der Krüsteauswertuug zu schaffen — denn es sei dies immer wieder betont: wir sind eine Minorität —und das besagt nichts anderes, als daß auch die Judenheit in absehbarer Zeit zu so etwas wie einer „Kirche" kommen muß. Auch dafür bilden natürlich große städtische Gemeinden einen brauchbareren Unterbau als zersplitterte und entsaltungsschwache .Kleingemeinden. Nach außen ist das entwicklungsgeschichtliche Erfordernis der möglichsten Großgemeindebildnng in den Situationen zu erblicken, die mit dem aufgezwungenen Kampfe gegen den Anti sein i rism u s Zusammenhängen. Abgesehen vom rein Taktischen, wofür die Verhältnisse auf dein Lande ebenfalls wesentlich schwierig und als in der größeren ^radt, findet nur in letzterer der praktische Anschauungsunterricht über das wahre Wesen der Juden und des Jüdischen ein genügend großes Publikum. Auf dem Lande fehlt sür diele beste Aufklärungsarbeit der nötige Wirkurwsradius. Mag es in dieser Beziehung gegenwärtig in manchen Städten auch recht ungemütlich und deprimierend bestellt sein, auf weitere Sicht betrachtet — und entwickluugsgeschichtlich gehört zu allem Zeit und Geduld — wird selbst der systematischste Antisemitismus an der ausgleichenden Wirkung der allmählich immer inniger werdenden bürgerlichen Eingliederung der Judenheit keine brauchbaren Angriffsflächen mehr finden und so, wenn auch nicht förmlich verschwinden, so doch seine werbende Kraft und politisch Bedenklichkeit verlieren. Die Wandlung von der K l e i n g e m e x ix b c z n r G rosige m c i n b c liegt also in mehr als einer Beziehung in; Zuge der cntwicklungsgeschichtlichen Notwendigkeiten, sofern überhaupt die konfessionelle Erhaltung des bürgerlichen Judentums weiterhin gesichert sein soll. Allerdings ist dabei ein Umstand von entscheidendster Bedeutung: die Znsammensiedlung der Juden in und zu größeren Gemeinden und die strnktnrgerechte Eingliederung in die Uinwclt wird sich in gesunden Bahnen nur halten, wenn sie organisch erfolgt. Nur wer bei seinem Wohnungswechsel zwischen Land und Stadt in der heimatgewohnten L e b e n s a t m o s P h ä r e bleibt. wird in der örtlich anderen Umgebung nicht befremdend und isolierend wirken. Was damit gesagt sein soll, wird wohl sofort klar, wenn auf das Unorganische der Zuwanderung hingewiesei; wird. Die geänderte Ansässigmachung innerhalb des angestammten Landes "ist b ü r g e r l i ch, die einflutende Zmvanderung ist n n b ü r g e r t i ch. Vielleicht liegt hierin ein wesentlicher Teil des Geheimnisses von „S ü d u n d Nor d". tslJW P Off fl I(ieaIcr Winteraufeiithalt mit Rivicrn-Hlinia yyüM Hotel Pension Bresnar (bei Fiume) Direkt am Meer. Rituelle Rüche. — Eigener Betsmil. — Gottesdienst Ina Hause. Alle Zimmer mit Loggia oder Balkon. Fliessendes Kaltnnd Wannwasser Warmwasserheizung. Telephon interarban. 8een. Süsswasserbader. 3!eerwasserdusche. Appartements. Privatbadezünmer. Küche auch für Diabetiker.