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Central-Verein-Zeitung · 1927-10-07 · 40 (7.10.1927) · p. Seite 563

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
40 (7.10.1927)
Date
1927-10-07
Page
Seite 563 (sequence 3)
Language
German
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Vf Wr l'-nn ri *i •; « kt t.:-F n Veschimpsung -er jüdischen Gefallenen / Streicher /und Genossen „wissen von nichts / Der „Verantwortliche" bleibt fern / Verhandlung auSgesetzt. Ein Prozess, der die völkische Kampfes loci se wieder einmal in ihrer ganzen Erbärmlichkeit zeigt, fand am 29. September vor dem Nürnberger Schwurgericht statt. Augeltagt waren die drei bekannten Nationalsozialisten L a n d t a g s a b g e o r d n e t e r und 2 t a dt rat Streicher und fei nc zwei getreuesten Jünger, die Stadträte ^Holz und Ertl, wegen Beleidigung, begangen durch die Presse. Zur Vorgeschichte des Prozeßes sei folgendes mitgeteilt: Im Oltoder 1926 wurde in Regensburg ein Gefallen e n d c n l m a l enthüllt, wozu sämtliche militärische Verbände, also auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, eingeladcn waren; nur den Völkischen Fronttriegerbund Vlegensburg hatte man nm^ngen. Dessen Vorsitzender, der Derwaltungsajsistent Grayer, wandte sich nun tiefgelräntt mit einer Beschwerde an die Redaktion des „Stürmers wo man das Material nur Begeisterung ausgrisf. In einem anfangs Januar erschienenen Artikel, betitelt „Regensburger Deukmaltzweihe" erging sich nun der „Stürmer" in den ungeheuerlichsten Angriffen gegen den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und dessen Teilnahme an der Regensburger Feier und 'nistete sich u. a. folgende ^atzo: „Wenn ein Kriegerdenkmal zu Ehren der gefallenen Frontsoldaten enthüllt wird, gehören Juden nicht dazu. Wenn auch hie und da einmal ein Jude gefallen ist, dann ist er für ein anderes Ziel gestorben, nämlich für die Errichtung der jüdischen Weltherrschaft und für ein weiteres Ziel der Inden, nämlich die Vernichtung Deutschlands." Ferner mürben die jüdischen Frontsoldaten als „Marketender", „Platt s u st i n d i a n e r " ltnb Etappensch meine" bezeichnet und sogar der Ausdruck „Zuhälter" aus sie angewandt. Wegen dieser unerhörten Angriffe erstatteten 52 Angehörige des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, darunter der 1. Vorsitzende »des Bayerischen Landesverbandes des Frontsoldatenbundes, Herr / Rechtsanwalt Tr. Landenberger (Nürnbergs Strafanzeige, der auch statlgegeben wurde. In der Schwurgerichtsverhandlung boten die drei völkischen Heroen ein trauriges Bild; keiner w o l l t e die Verantwortung für den ominösen Artikel übernehmen, keiner wollte e t w a s davon gewusst oder ihn geschrieben haben, mit der Unschuld neugeborener Lämmer saß man da. Tie Verantwortung trüge einzig und allein der Reichstagßabgeordnete Dietrich (Kob in: 3), sagte das edle Trifolium, der zu jener Zeit Redakteur des „Stürmer" gewesen sei. Zwar hatte Abgeordneter Dietrich ausdrücklich schriftlich erklärt, dass er mit den Redaktionsgeschäften des „Stürmer" nie etwas zu tun gehabt habe und die „Stürmer"-Nuinmcrn erst nach ihrem Erscheinen zu Gesicht bekam (eine merkwürdige Auffassung redaktioneller Tätigkeit, für die man die pressgesetzliche Verantwortung übernimmt). Allein auch diese Tatsache hinderte Streicher und Bonsorten nicht, sich frei von jeder Schuld zu bekennen. Natürlich benutzte Streicher die Gelegenheit, wieder eine seiner bekannten Nassereden vom Stapel zu lassen: er war. sogar großmütig genug, zu erkennen, daß nicht alle Juden Feiglinge seren'und gerade Herr Dr. Landenberger im Krieg seine volle Pflicht getan habe und das E. K. I. mit der gleichen Berechtigung trage wie er — Streicher — selbst. Ter als Aeuge vernommene Tr. Laudenberger schilderte in eindrucksvollster Weise die Gefühle tiefster Empörung und Erbitterung, die nicht nur die jüdischen Frontsoldaten bei der Lettüre dieses gemeinen <-chinähartikels, sondern auch vor allem die Hinterbliebenen, die Witwen und Waisen der Tausenden von jüdischen Gefallenen ergriffen habe. Er gedachte der 100 000 jüdischen Kriegsteilnehmer, von denen 12 (XX) gefallen seien, davon beklage die Nürnberger Gemeinde allein 17d Söhne, darunter 20 Offiziere. Ter Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der 40 000 Mitglieder zähle, nimmt nur Kä in vier aus der vordersten Front auf, eine Ansnahmekommission entscheide über jedes einzelne Aufnahmegesuch, wie die Verleumdungen des „Stürmer" bei seinen Kameraden gewirkt hätten, könne man selb'll ermessen. Totenstille herrichte während der Ausführungen Tr. Landenbergers, die ihre tiefgehende Wirkung nicht verfehlten. Run ergriff der Staatsanwalt das Wort und kennzeichnete das Verhalten der drei Angeklagten in treffender Weise. Besonders rügte er die versteckte Art dcs Kampfes und wunderte sich, dass die sonst so Mutigen sich hier vor der Verantwortung zu drücken suchten. Ter Artikel enthülle nicht nur Verbali 11 i n r i c n , sondern auch, da die Behauptungen wider beneres Wissen gemacht seien, den Tatbestand Jo c x I c um b c r i f d) e x B e - lei di g un g. Er beantragte gegen Streicher drei Monate, gegen Hotz zwei Monate Gefängnis: da Ertls Schuld nicht erwiesen sei. (Fortsetzung von Seite S62) Konstitution der erweiterten Jewish Agency festgelegt werden, dass der Präsident der Zionistischen Organisation „in j edem Fal le der Präsident der Jewish Agency ist". Einleitend wird von einer „wirksamen Zusammenarbeit aller Juden am Aufbau des jüdischen Natwnalheims in Palästina, im Geiste der Balfour-Tcllaratiorr und des Mandats" gesprochen. -Zu diesen Forderungen ließe sich, wäre der Raum hier nicht zu knapp, verschiedenes sagen. Rur dieses sei angedeutet: Tie Verstärkung der Einwanderung kann nur g e w ü nicht werden, da ihr Umfang von der Erlaubnis der englischen Einlvanderungsbehörde abhängt, die die Bewilligungsscheine nüchtern gemäß der wirtschaftlichen Lago des Landes ausgibt. Der undeutlich gefaßte Punkt 2 besagt wohl, das; alle Anstrengungen fortgesetzt werden sollen, Boden für den „Jüdischen Nationalfonds" zu erwerben, Boden, der dadurch in ewigen Besitz des jüdischen Volkes übergeht. — Ob cs überhaupt möglich ist, schon jetzt in den Vorverhandlungen zur Jewish Agency seitens der Zionistisch eil Organisation derart „unabänderliche Grundlagen" zu beschließen. ob darüber nicht die zu bildende erweiterte Jewish Agency selbst erst endgültig zu entscheiden hat. mögen die nichtzionistischen Organisationen — nur solche, nicht Einzelpersonen sind zugelassen — befinden, die gewillt sind, in die Agency einzutreten. Die Agency soll weiter 50 Zionisten und 50 Nichtzwnisten umfassen. Ta der Präsident mit dem Präsidenten der Zionistischen Organisation — vorbehaltlich der Zustimmung der Agency — zusammensällt. würde dieser bei Stimmengleichheit den Ausschlag geben. Zur Hälfte Zionisten und zur Halste Nichtzioinsren sollen im Rate (council) wie in der Exekutive sitzen. In der schon erwähnten Vereinbarung mit den Amerikanernunter Führung Louis Marshalls vom 17. Januar 1927 werden daun 40 Prozent der nichtzionistifcheu Sitze für die Amerikaner verlangt. Tie Richttinien des Wiener Zionistenkongresses werden darin anerkannt. Auch diese Abmachungen sind eine recht bedenkliche Vorwegnahmc für die nichtzionistischon Organisationen ausserhalb der Vereinigten Staaten von Nordamerika, sofern solche die Neigung haben, das nationalindische Heim errichten zu Helsen. Ter Stand der Verhandlungen über die Erweiterung der Jewish Agency ist in den einzelnen Ländern sehr verschieden. Das deutsche In den tu m ist damit noch nicht befasst worden. Ersichtlich sollen erst die Verhandlungen mit dem weit wuchtigeren Amerika zum Abschluß kommen. Tabei Werdern die Grundlagen ausgemacht. Und dann werden die dcutschjüdischeu nichtzionistischeu Organisationen vor stn: „Entweder_ — oder" gestellt werden. Aber ehe das letzte Wort w Amerika gesprochen ist, wird mxJ) viel Wasser den Jordan r®cr S^uute Text in: ..Bericht der Exekutive an den XV. Zionisten, wngreß." London 1927. S. 40. hinunterfließen. Mit Louis Marshall ist in dem eben erwähnten Abkommen ein Einverständnis dahin erzielt worden, daß „unverzüglich eine autoritative K 0 m m i f f t 0 n ernannt werden soll mit der Ausgabe, das ganze Feld des Aufbauwerkes in Palästina, soweit es in die Kompetenz der Agency fällt, einer Uebersicht zu unterziehen, mit der Maßgabe, daß. sobald als die Kommission ihren Bericht erstattet hat, die formelle Konstiruiernno der erweiterten Agency unverzüglich erfolgen soll"*). Diese „autoritative Kommission" besteht aus: Sir Alfred M 0 nd (England). Direktor Oscar Wassermann (Deutschland), Tr. Lee K. Frankel (Amerika). Felix Warburg (Amerika). Sie hat bereits eine stattliche Anzahl Sachverständiger nach Palästina entsandt. Als Ziel ihrer Arbeit bezeichnet sie, „die Aufstellung eines umfassenden und systematischen Programms für die zukünftige konstruktive Arbeit in Palästina und eines Wegweisers für eine reorganisierte Jewish Agency zu erleichtern * 5)." Tr. Weizmann rechnet damit, das; die Gutachten im MärzApril 192$ fertig vorneaen werden. Ob diewr Termin innegehalren wird, läßt sich nicht voraus sagen. Jedenfalls werden aber nach dem Erscheinen der Gutachten die entscheidenden Schritte erfolgen. Tie Bereitwilligkeit seiner Teilnahme an der Jewish Agency erklärte das italienische Judentum. Nähere Bedingungen dafür sind bisher nicht mitgeteilt worden. In H 0 l l a n d, der T s ch e ch 0 s l 0 w a k e i, Polen, Frankreich fanden Vorbesprechungen oder eine Fühlungnahme statt. Bindende und letzte Beschlüsse liegen noch nicht vor. Tie maßgebenden englische n nichtzionistischen Körperschaften (Board of Deputtes und Anglo-Jcwish Association) sind unter Zubilligung von 40 Pro'gut der ^itze au die nichtzionistisckren Amerikaner entschlossen, in die Agency zu gehen, aber „011 cqxial basis with ilio Zionists *6), auf gleicher Grundlage Wie die Zionisten. Das ist eine Bedingung, die unter Umständen viel bedeuten kann. Tie Frage ist, ob die erweiterte Jewish Agency, sollte sie Zustandekommen, wirklich den Zionisten den sehnlich erwarteten Gel'dsegen bescheren wird. Doch das ist spätere Sorge. Darüber aber kann kein Zweifel bestehen, dass das Problem der Jewish Agency auch von den jüdischen Deutschen mit dem Ernste wird alsbald geprüft lverden müssen, den cs durch seine nach, verschiedenen Richtungen^ gehende Bedeutung verdient. Unser unerschütterliches deutsches Gefühl, unsere jüdische Liebe zu einer religiösen und plülauthropischen Palästinaarbeit werden auch über diesen Entscheidungen als Leitstern leuchten. *) S. 43 des „Berichts". 5) S. 4G dcs ,.Bcrichts". fr) Näheres in dcn cuqHfd>cu „Berichten" 1924. Anhang (Appendices), L. 6. 1926. (iCeporls) S. 80. der Palästiuaregicrung.

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