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Central-Verein-Zeitung · 1927-09-23 · 38 (23.9.1927) · p. Seite 539

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
38 (23.9.1927)
Date
1927-09-23
Page
Seite 539 (sequence 7)
Language
German
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539 damaligen Rabbiners von Livorno, Elia Benamo.zeah. Er hat ihn nicht oft gesprochen, aber ein reicher Briefwechsel bietet Gelegenheit, die Fragen zu erörtern. Und in diesen Erörterungen lernt'er das Judentum, als die sakramentlose Universalreligion begreifen. Benamozegh gibt ihm den bestimmten Rat, nicht formell zum Judentum überzutreten, aber er entwickelt ihm die sogenannte ^Frömmigkeit der Noachiden", d. h. er Zeigt ihm, dag die jüdische Lehre nur von dem Juden die Erfüllung aller mit der jüdischen Geschichte zusamuienhängenden Riten und Gebote fordert, das; aber schon der Talmud einen urmeuschlicheist Sitten- und Religionskoder ken.nt, den er mit den Söhnen Rcahs beginnen labt, und der eine ollgemein-men'chliche Religion darstellt, deren Wahrung eine volle Frömmigkeit von; jüdischen Standpunkt sei, und die geeignet und Insten ist, alle Menschen Zu umfanen. Im Sinne einer solchen jüdisch erfaßten Universalreligion soll und will der Held des Buches nun innerhalb der Welt wirken, um diesen universalen Judaismus Zu lehren. So wird er das, was man einen gcr toschab nennt. £b er in allerletzter Zeit in der äußeren Rcchtsform Zum Judentum übergetreten ist, darüber gibt das Buch keinen Aunchtuß, aber es läßt keinen Zweifel, daß Palliöre sich als Jude der Idee nach fühlt und als solcher Mission zu üben als seine Aufgabe empfindet. Das alles wird reizvoll und in einem einfachen, schlichten Französisch erzählt. Reben dem Jnlereve, das das Buch durch seinen sachlichen Inhalt enneeft, kann es uns Juden zweierlei vor allen; lehren. Einmal den Wert der Form. Es ist das Aeußere im Gottesdienst, das Palliöre so ergriff, daß cs ihm der Mühe wert erschien, sich mit dem Judentum Zu befassen, die Form, über die wir nur Zu oft leichtfertig als einem Gleichgültigen hinweggehcn. Und Zu Zweit die Tatsache, daß es die Bibel selbst ist, die ihn innerlich zum Judentum führt, und wir erfahren daraus aufs neue die Gewißheit, daß jedes nicht voreingenommene und irr einem gewollt christlichen Geiste begonnene Sichversenken in die Bibel die Herzen für die jüdischen Ideen öffnen muß. Tas ist der stärkste Eindruck: die Bibel in ihrer Schlichtheit ist auch heute noch der stärkste Missionar des Judaismus. Dienemann (Osfcnbach a. M.). „Ostdeutsches Judentum", Tradition einer Familie von Hermann Kurhig. Eulitz-Verlag, Stolp. Als kulturgeschichtliche Bausteine sind solche Chroniken sehr begrüßensivert; man sollte, wie es die Gesellschaft für jüdische Familienforschung erstrebt, allgemein in unseren Kreisen daran gehen, derartige Familiengeschichten Zu schassen.' Tie Kurtzigsche Ehronik ist aber well mehr als die Geschichte einer Familie. Schon die merkwürdigen Schicksale mancher Familienmitglieder, wie das Alexanders, der Bischof von Jerusalem, oder Paul Reumanns, der Fmanzminister des Königs Kalakaua von Hawai wurde, erwecken allgemeines Jnterepe. Die Schilderungen, die Kurtzig von dem Schaffen seines Baters als Jndustriepionier in einer ländlichen Stadt Posens gibt, sind wertvolle Dokumente der Bedeutung jüdischen Wirkens in der Ostmark. Was der Verfasser von den Erfolgen und Rückschlägen erzählt, die sein Vater beim Ausbau der ostmärkischen Oe'l- und Zichorienindustrie erlebte, ist menschlich und kulturgeschichtlich gleich interessant. Auch die Kunst fand in der Familie ihre Stätte. Berühmte Namen steigen auf, die dort Entdeckung ihrer Künstlerschast oder Förderung ihres ^trebens fanden. Mit Recht hat Kurtzig auch die Anekdoten, die in seiner Familie entstanden sind, der Gefahr des Bergepen- Heinrich Mack Nach?.. Ulm a. D. Werdens entrissen, und mancher Freund eines gemütvollen Scherzes wird ihm dafür dankbar sein. Eine innige Liebe Zur'Heimat beseelt das Werk, von dem das „Düsseldorfer T a g e i l a 1t" sagt, es sei geeignet, deutschen F a m i l i e n g e i st wieder Zu erwecken. Das Buch hat einen bemerkenswerten Widerhall in führenden n i ch t j ü d i s che n Kreisen gesunden. Mau hat in ihm einen Schlüssel Zu dem wenig bekannten und deshalb so stark verkannten jüdischen Wesen gesehen. „Was wissen wir von diesen ostischeu Menschen", meint Gustav Freu s s e n. Und der Geheime Admiralitätsrat K o ch schreibt: „Es wäre von hohem Wert, wenn solche Ueberliewrungen und Erinnerungen der Oesfentlichkoit anvertraut würden. Trägt doch die schuld an den unerfreulichen politischen Zuständen die Tatsache, daß wir einander nicht kennen und aus dieser Unkenntnis heraus einander alles Mögliche Zutrauen. Unsere jüdischen Volksgenossen sollten dem Verfasser dankbar sein, daß er ,deu anderen" diesen Einblick in das jüdische Gemüts- und Geistesleben verslaLtete." Solche Aeußerungen sind uns nur eine Bestätigung für die R o t w e u d i g k e i t unserer Aufklärungsarbeit, Kenntnis von Juden und Judentum Zu verbreiten. Auch wir begrüßen das Kurtzigsche Werk, das über die Schilderung einer Familiengeschichte hinaus ein Bild vom Wesen und Wirken jüdischer Deutscher in der Ostmark zeichnet. liei. * „Zur Erneuerung der Religion, gefetlschafLskundliche Betrachtungen." Von Dr. Charles LL. ELLwosd, Professor an der Universität in Eolumbia; überseht von B. L. Frank, Wien. Verlag W. Kohlharnmer (Stuttgart). Man muß dem Versager dafür Tank wissen, daß er es vermieden hat, ein religiöser Verkünder sein zu wollen. Dadurch gewinnen seine Ausführungen erhöhte Bedeutung, daß er bis in die letzten Teile seines Buches der Mann der Wissenschaft bleibt. In der Urform des Christentums erblickt der Versaffer die ideale Religionsform, die es zu erstreben gilt. Allerdings ist dieses Christentum nicht identisch mit. irgendeinem christlichen Bekenntnis. Der Verzicht aus eine bestimmte Bekenntnisformel hebt darum die geforderte Religion aus der Sphäre des eigentlich Christlichen lferaus. „Christentum ist das Bestreben, eine weltumspannende ideale Gesellschaft herzustellen. in ter auf religiöser Basis Gerechtigkeit und Güte herrschen sollen." Man braucht nur die Vokabel Christentum durch eine sinnentsprechen.de zu ersetzen, um auch vom Standpunkte des Judentums aus — dem gerecht zu werden, sich übrigens der Verfasser bemüht — mit diesem Ziele der Religion einverstanden sein zu können. Sßlxofzolacle, % Qiujdineru fadstlicly/ Becjelu^, und Ber-tUynd - 'L v f "Nf p r i N] m_1_ kJ .~ \ lsi i iiiIä v1lu n-i ili.^ ' v» Alleinige Anz ei gen-Annahme Rudolf Mossc, Anzeigen-Annahme für samt 1. Zeitungen Deutschlands und de» Ecrim SW io. Icrnsaür.rer Srrabe46-49. Lrcolau Cücrnnid -Trcsdcn . Düsseldorf Erfurt. Frankinrl a. M.» Halle (Saale;. Hcunburg . Hannover . Karlsruhe. Slöin ^agt-ebura. Mann denn. 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