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Central-Verein-Zeitung · 1927-09-23 · 38 (23.9.1927) · p. Seite 534

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
38 (23.9.1927)
Date
1927-09-23
Page
Seite 534 (sequence 2)
Language
German
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534 Geistlichen am Feldgottesdienst mit Rücksichten auf den ehrwürdigen Reichspräsidenten zu rechtfertigen. Man habe dem ReicksvräfldenLen, der bei der Feier stundenlang stehen munte, die vier Minuten Redezeit des Rabbiners ersparen wollen. Wir wissen aus zuverlässigster Quelle, daß der Reichspräsident diese Rücksicht nicht gewünscht hat, daß das ursprüngliche P r o g r a m m d e s F e l d g o t t e s d i e n st e s vielmehr seine Volte Billigung g e f u n b e n h a t. I m übrigen wurde dem Rabbiner angeboren, daß er dieselbe Ansprache nach dem Feldgottesdienst in denr Ehrenhof des Denkmals vor beschränkter Deffentlichkeit bei der Rckederlcgung der Kranze halten solle. Man versuchte auch, eine Aenderung des Programms damit zu rechtfertigen, daß aus der Teilnahme des jüdischen Geistlichen der Wunsch religiöser Minderheiten erwachsen konnte, gleichfalls einen Vertreter frei in Feldgottesdienste sprechen zu lassen. Wir wissen nicht, ob em solcher Wunsch geltend gemacht wurde, w i r müssen aber betonen, daß die tzüdifche ReLigionsgemeins chaft zu den staatlich anerkannten de u Ls che n Glaubensge m eins ch a f L e n g e h ö r t. Der wahre Grund für die Aenderung des Programms ist bekannt. Tie Spatzen pfeifen es in Ostpreußen von den Dächern. Ter hochmögende Führer einer großen völkischen Organisation hatte erklärt, daß seineLeute ostentativ beim F e l d g o t t e s d i e n st a b r ü ck e n würden,sob a l d d e r R a b b L n e r a u f d e r F e l d k a n z e l e r s ch ei n e. Tiefem Wunsche mußte in Betätigung des „Geistes von Tannenberg", den unser Reichspräsident so schön gekennzeichnet hat, selbstverständlich Rechnung getragen werden. Tie Feldkanzel durste nicht durch den jüdischen Geistlichen verunziert werden, der im großen Kriege seine Pflicht als Feldgeistlicher erfüllt hat. Den jüdischen Frontsoldaten mußte es so unmöglich werden, in Erinnerung an den heldenhaften, mit gleicher Begeisterung von Christen und Juden geführten Kampf und an die Helden jeglichen Glaubens, die auf dem Schlachtfeld ruhen, dem Repräsentanten des Geistes von Tannenberg, dem Sieger v. Hindenburg, ihre Huldigung darzubringen. Die Feier war eine private Veranstaltung. Die Vertreter der Staatsbehörden waren nur als Gäste anwesend. Ein Appell an die Staatsbehörden war deshalb nicht möglich. Unsere selbstverständliche Pflicht war es, an maßgebendster Stelle warnend unsere Stimme zu erheben. Wir fanden hierbei vollstes Verständnis — aber der hochmögende ostpreußische Herr war mächtiger als alle Gründe der Vernunft, war mäch- Uger als der „Geist von Tannenberg"! Es hieße die Bedeutung der Vorgänge herabdrncken, wenn man den vorstehenden Feststellungen ein Wort noch hinzufügen wollte? Die Großlogen für die Wahrheit. Eine Erklärung gegen Ludenvorsss Frcimanrerbroschürc. Wir haben in der „C. D.-Zeitung* Nr. 37 eine gründliche Widerlegung der Ludeudorfsschm „Enthüllungen über die Eebcinmisse der Freimaurerei" auZ der Feder eines alten Freimaurers gebracht. Jetzt nehmen auch die Großmeister der deutscher» Großkagen in einer Erklärung das Wort zu diesem Pamphlet Las W. T. V. teilt mit: „Die Unterzeichneten, als gesetzliche Vertreter von zirka 80 000 treudeutschen, vaterländisch gesinnten Freimaurern, geben in deren . Namen ihrer Entrüstung darüber Ausdruck, daß Herr Erich Luden» dorff in seiner Schrift „Vernichtung der Freimaurerei" sie in : verleumderischer Weise beleidigt und in den Augen des deutschen Volkes herabzusetzen versucht hat. Sie bedauern gleichzeitig, daß ein Mann von der einstigen Größe und Bedeutung des Generals der Infanterie Ludendorff sich zur Verhetzung des deutschen Volkes ' und zur Irreführung breiter Massen herabgewürdrgt hat. Obwohl das Pamphlet einer Entgegnung kaum wert ist, weil es der deutschen Freimaurerei geradezu wahnsinnige Ziele unter» . stellt und sich dabei auf dunkelste und trübste Quellen stützt oder sich bewußt der unglaublichsten Verdrehungen und Entstellungen bedient, so behalten wir uns doch zur Aufklärung der öffentlichen Meinung eine eingehende fachliche Stellungnahme vor. Berlin, den 15. September 1927. Tie Großmeister der Deutschen Großkagen. Habicht. Gr. Rat, Mutt. Loge z. d. 3 Weltk., Müllendorsi, Er. Landcs-!oge b. Frmr. v. Ttschld., ouumcr, Große Loge dorr Preußen, gen. z. Freundschaft, Lröse. Cr. Loge v. Hamburg, Anders, Große Landesloge von Sachsen, Nies, Gr. Mutt. Loge b. Ekle kt. FreimaurerverbandeZ, •. Dlümel. Croßloge zur Sonne, BahrcMh. Kahlert, Große Frinrloge z. Eintracht, Tarmstadt, Meusdorf, Gr. Loge Deutsche Lruderketic." Msvisl IuösK lebrn in öen GroMäöten? Irr Berlin rnrr 172 672. Berlin ist räumlich die größte Stadt der Welt. An Einwohnerzahl steht sie hinter Rew Jork und London an dritter Stelle. Diel» lei.pt mag ihr gegenwärtig Paris diesen Rang streitig machen. Wieviel Inden lebe:: in diesen Großstädten? Tie Völkischen neunen phantastische Zahlen: Richard Kunze schätzt, wie schon mitgeteilt, die Zahl der Berliner Inden auf eine Million! Das hieße, jeder vierte Berliner wäre ein Jude. Wie sicht es in Wirklichkeit aus? Auf Grund der statistischen Ergebnisse der jüngsten Zeit können wir feftfteUcn, daß in Berlin, in Prozentualsten gerechnet, weit weniger Juden wohnen als iti anderen Millionen- und Großstädten. Auf je 2 4 nichtjüdische Berliner kommt ein Jude, d. h. die Juden betragen 4,3 v. H. der Berliner Bevölkerung. Selbst die berühmte „Iudenstadt" Frankfurt nur Main weist nur 6,3 v. H. ihrer Eesamtbevölkernng Juden auf. In Breslau beträgt der Anteil der jüdischeil Bevölkerung 4,2 v. H., in Hamburg, das auch gern als ein Zentrum der Juden bezeichnet wird, machen sie noch nicht 2 v. H. der Hamburger Einwohner aus. Ganz anders liegen die Verhältnisse in den Millionen» st ä d t e n des Auslande s. In New- D o r k leben bei einer Einwohnerschaft von über 5 Millionen säst 154 Millionen Juden. Ein Einwohner auf drei ist in New chork demnach jüdischen Glaubens. In Chicago mit einer Gesamtbevölkerung von rund 3 Millionen gibt es über % Million Juden, das kleinere Philadelphia hat auch über 200 060 Juden, ebenso viele jüdisthe Einwohner hat Wien mit einer Gesamtbevölkerung von rund 2 Millionen, und die Millionen-- stadt Warschau beherbergt in ihren Mauern über 300000 Inden oder fast 30 v. H. B u d a p e st weist über 200 000 Juden auf, und auch London übertrisft Berlin in der Zahl der Juden. Im Vergleich zu diesen Zahlen des In- und Auslandes und gegenüber allen judenseindlichen llebertreibungen sei nochmals fest gestellt, daß in ganz Deutschland der Prozentsatz der Juden nur 0,9 v. H. beträgt, also im Vergleich zu dem kaiserlichen Deutschland, um f/so v. H. zurückgegangen ist. Die jüdische Wohnbevölkerung Preußens vor dem Kriege belief sich auf rund 400 000 und ist nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1925 um rund 40 060 gestiegen; sie beträgt damit gerade 1 v. H. der preußischen Gesamtbevölkerung. Dieser Prozentsatz ist in vielen anderen Ländern des Auslandes, besonders in Polen, ein lveit höherer. Tort machen die Juden 12,8 v. H., in Litauen und Letland mehr als 7. Ungarn und europäische Türkei 6 bis 7, O e st e r r e i ch 4,5, Rumänien 4,8. den Vereinigten Staaten 3. Tripolis 3,4, Ma rokko 3 v. H. aus. So ist also in Wahrheit das „verjudete Deutschland" eines der Länder, das die wenigsten Juden aufweist. Während in Deutschland und Preußen der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung gesunken bzw. gleich geblieben ist. hat die jüdische Bevölkerung in Groß-Berlin — vor allem durch den Zuzug deutscher Juden aus den abgetretenen Gebieten — zugenommen, und zwar von 3,86 v. H. auf 4,29 v. H. Das bedeutet: fast die Hälfte aller preußischen Juden wohnt in Berlin, oder jeder dritte bis vierte deutsche Jude ist ein Berliner. Tie beiden anderen großen Religionsgemeinschaften sind in Berlin absolut und relativ Zurückgegangen: die Evangelischen von 3105 881 im Jahre 1910 auf 3 083106.1925 und die Katholiken im gleichen Zeitraum von 413 851 auf 400 780: dafür hat die Gruppe der Lekenntnislosen und der lediglich zur Pflege einer Weltanschauung Zusarmnengeschtoüenen Personen sich seit 1910 verfünffacht: ihr gehören jetzt 288 948 Menschen an. Tie gesamte Bevölkerung Berlins ist ebenso wie die des ganzen Reiches um 8 v. H. gewachsen; bei den Berliner Juden betrug die Zunahme nur etwas über 4 v. H., blieb also verhältnismäßig hinter dem Wachstum Berlins fast um die Hälfte zurück. Dieses statistische Ergebnis hat großes Erstaunen hervorgerufen, da man selbst von amtlicher jüdischer ^eite die Zahl der Juden in Berlin höher, nämlich auf 250 000 geschätzt hatte. Trotzdem muß aber die Vermutung, daß bei der Zählung Jrrtünwr unterlaufen sein könnten, zurückgewiesen werden. Denn die Zahl der ermittelten Personen, die zu keiner Religionsgemeinschaft gehören, macht mit 21 483 nur % v. H. der Gesamtbevölkerung aus. Diese Zahl spielt aber, da sie auf alle Bevölkcrungsteile zu verrechnen ist, für jede einzelne Religionsgemeinschaft, also auch für die Juden, keine erhebliche Bedeutung. Außerdem müssen wir es ablehuen, Bekenntnislose noch zur jüdischen Gemeinschaft zu rechnen. Auch das folgende Rechenerempel beweist, daß die Zähluugsergabniffe richtig sind. Bei den letzten Reichstagswahlen waren von 4 Millionen Einwohnern 2 976 738 wahlberechtigt, d. h. ungefähr 72 v. H. der gesamten Bevölkerung. Um die Zahl der wahlberechtigten jüdischen Berliner entsprechend festzustellen. müßte mau die gleiche Quote von 72 v. H. von der Gesamtzahl der Berliner jüdischen Bevölkerung errechnen, also 72 Prozent von 172 672; das ergibt rund 131 770 Wahlberechtigte. Das jüngst erschienene'Verzeichnis der Jüdischen Gemeinde in Berlin enthält etwa 132 000 wahlfähige Gemeindemitglicdcr. Diese beiden Zahlen, die errcchnete ltnb die offizielle, stimmen so überein, daß aus ihnen auch der Rückschluß gestattet sein muß, daß die Ergebnisse der Volkszählung für die Berliner Inden den Tatsachen entsprechen. Dr. Julius Nothholz.

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