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Central-Verein-Zeitung · 1927-09-23 · 38 (23.9.1927) · p. Seite 533

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
38 (23.9.1927)
Date
1927-09-23
Page
Seite 533 (sequence 1)
Language
German
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Verttn, 23. September 1H2'/ VI. Jahrgang ❖ Nr. 3S 4 g£«*1 Zä. Einzelnummer 1© Birnnig Bierteljahrsabonnement 1.20 NM. (Luzügl. Bestellgeld). Verlag u. CchrWeikmg: Berlin SW 63, LinLenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt DSnhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 30472. .:. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechselstube 0, Berlin 8W 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschrld <L Co., Berlin W8. ... cn>nrr<»« Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Cxpedition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JiJl für dre «gespaltene Zerle nach Rudolf Mon es Kormalzeiler.messer Nr. 4, FamiUenanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 die 90 mm breite Reklamezeue 4,$u f 0 I i Pi i > Yr Von Or. Julius Drodnlh. „Einem Denkmal die Weihe des Glaubens geben — was will das bedeuten? Nichts anderes heißt das, als die irdische Leistung, die da verherrlicht wird, aus ihrer Einmaligkeit und Vergänglichkeit herauszuheben. Die Ewigkeitswerte sollen zu Bewußtsein gelangen, die zu jener . befähigten, in ihr sich verkörperten und offenbarten. Aus den Menschen, die man beklagt und rühmt, muß der Gottesgeist emporschlagen, der sie durchwehte, der nunmehr eingehen will in uns, in unser heutiges Empfinden, wie in unser künftiges Tun. Was war es, das die Kämpfer von Tannenberg, das Deutschlands Gefallene im Weltkrieg überhaupt stärker machte als ihr Einzelschicksal? Ueber den Tod, dem sie selbst zum Opfer sielen, über das widrige Geschick, in das ein unseliger Kriegsausgang ihr Volk und Land verstrickte, ragt das Gefühl schlechthinniger Verbundenheit hinaus, die über alle Schranken von Herkunft und Bildung, von Stand und Bekenntnis, weit ein Boden sie gebar, weil eine Heimat sie leiblich und geistig nährte, auf Gedeih und Verderb sie zusammenschloß. Wie die Feindeskugel keinen Unterschied kannte, so standen, so fielen sie einer für alle und alle für einen. Ihr blutbesiegelter Wille, von diesem Denkmal, dem jeder die Weihe seines Glaubens gibt, trutzig gehämmert in Stein und Erz, bleibe uns heilig.; Friedensarbeit zu leisten, ihres Kriegswerkes würdig, unserem Vaterlande zu dienen Schulter an Schulter und Herz an Herz — dazu verhelfe uns der ewige Gott, der in diesen Toten lebendig war! Aus ihrem Kämpfen und Sterben laste er uns erkennen, laste er uns beherzigen, was unsere Pflicht bleibt, damit in der Gemeinsamkeit unseres Strebens sich der Geist der Kämpfer von Tannenberg dauerhaft und wirksam erweise für alle deutsche Zukunft?" Wir bringen vorstehend die weihevollen Worte, die der Gemeinderabbiner Dr. Reinhold Lewin in Königsberg aus Anlaß des Feldgottesdienstes vor der Enthüllung des Tannenberg- Denkmals sprechen sollte. Die Rede ich nicht gehalten worden. Bei der Denkmalsfeier sprach.der Reichspräsident die schönen Worte: „In den zahllosen Gräbern, welche Zeichen deutschen Heldentums sind, ruhen ohne Unterschied Männer aller Parteifärbungen. Sie waren damals einig in der Liebe und Treue zum gemeinsamen Vaterland. Darum möge an diesem Erinnerungmale stets innerer Hader zerschellen; es sei eine Stätte, an der sich alle die Hand reichen, welche die Liebe zum Vaterland beseelt und denen die deutsche Ehre über alles geht. Mit diesem Wunsche öffne ich die Pforte zum Tannenberg-Nationaldenkmal!" Wer verehrungsvoll die Worte des Reichspräsidenten, die sicherlich aus tiefstem Herzen gekonunen sind, in sich ausgenommen hat, kann nur mit tiefster Trauer die Vorgänge erörtern, die es dem Vertreter der jüdischer: Geistlichkeit und dem Reich sbund jüdischer Fro n tsoldaten unmöglich gemacht haben, an der vaterländischen Feier teilzunehmerr. Den Toten von Tannenberg auf dem Schlachtfelde ein würdiges Denkmal zu errichten, war ein Herzenswunsch des ganzen deutschen Volkes. Es ist selbstverständlich und bedarf kaum einer Hervorhebung, daß mit allen Volksgenossen auch unsere jüdischen Elaubensbrüder es als ihre Bürgerpflicht betrachteten, die toten Helden in dem Denkmale zu ehren und bedarf deshalb kaum der Hervorhebung, daß deutsche Juden demDenkmalsausschusse angehörten. Bei den Verhandlungen über die Gestaltung der Feier erkannte der Vorsitzende des Denkmalsausschupes, Generalmajor a. D. Kahns, den Wunsch unserer ostpreußischen Freunde als durchaus berechtigt an, daß bei dem Feldgottesdienste neben dem geistlichen Vertreter des evangelischen und des katholischen Bekenntnisses auch ein Rabbiner mitwirkt und eine Ansprache hält. Die Ansprache wurde in üblicher Weise im Entwürfe eingereicht und blieb selbstverständlich unbeanstandet. Das Festprogramm wurde in Zeitungsnachrichten bekanntgegeben und die Gestaltung des Feldgottesdienstes in der gedachten Weise hierbei erwähnt. Nur eine große Königsberger Zeitung unterdrückte hierbei die Mitwirkung des Rabbiners. weil ihr noch vor Abschluß der Zeitung mitgeteilt wurde, daß die Mitwirkung des Rabbiners noch zweifelhaft wäre. Augenscheinlich war der an sich durchaus vorurteilsfreie Vorsitzende des Denkmalsausschuffes inzwischen auf erhebliche Widerstände gestoßen. Es war gewiß keine neidenswerte Aufgabe, welche der Leitung des Tenkmalsausschnsses zufiel. Sie sollte es rechtfertigen, weshalb es geboten erscheine, das Festprogramm in einer Weise zu ändern, welche dem Geiste der Gerechtigkeit und der Toleranz, dem „Geiste von Tannenberg", Hohn spricht, und dies angesichts der Tatsache, daß unsere jüdischen Glaubensbrüder in ihrer Begeisterung für die Feier sich nicht durch die Tatsache beeinflussen ließen, daß an der Feier — selbstverständlich an hervorragender Stelle — der General Ludendorff teilnahm, dessen jüngste Hetzschrift in der letzten Nummer unserer Zeitung beleuchtet und'dieser Tage erst in der Erklärung der deutschen Großlogen, die wir an anderer Stelle veröffentlichen, von Männern, die überwiegend im Politischen Leben auf rechter Seite stehen, gebührend gewürdigt worden ist. Die Leitung des Denkmalsausschustes versuchte die Notwendigkeit des Verzichts aus die Teilnahme des jüdischen Dr. Lulmö Rothholz: Wieviel Juden wohnen in den Großstädten? — Rabbiner Dr. Davin Schönberger (Aachen): Raufchhafchonoh, Fest des Anfangs. - Professor Dr. Julius Goldstern (Oarmstadt): Soziale Lersohnungsarbeit in Amenka. Dr. Felix Goldmann (Leipzig) -. Lehrt jüdische Wissenschaft an deutschen llnwersskäten. - Lücherschau.

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