Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1927-09-16 · 37 (16.9.1927) · p. Seite 526

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
37 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
Seite 526 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2277379-2277729-2277765--03953-2284516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

S2H Moderne phys.-diät Kuranstalt nnd Erholungsheim. Deutsches Haus» Pension von M. 8,— an. Prospekte. h~—Schweiz Jahren nur einigermaßen mit der wirtschaftlichen und anderen Arbeit in Palästina befaßt hat, ist sich darüber nicht im unklaren, wie teuer, ja wie leichtherzig und mit wie mageren Ergebnissen oft gewirtschaftet wurde. 5o fließen die Gelder nach Palästina im Verhältnis zum Bedarf spärlich. Tie Exekutive hat drückende Schulden aus sich nehmen müssen. Tie schwere Arbeitslosigkeit zehrt böse an den Eingängen. Tie Jewish. Agency liegt noch in weiter Ferne, und wer weiß, ob sie die Tollarnüllionen aus Amerika herbeischasfen wird. Ob unter solchen Umständen das neue, bei Stimmenthaltung der beiden Flügelparteien angenommene, gegenüber dem Budget von 192526 erheblich gekürzte Budget für 1927/28 — die Höhe von iCE. 631 832 jetzt gegenüber £ E. 600 000 in Wien beruht nur auf geschickter Aufmachung — durchzusetzen ist, ist noch nicht zu übersehen. * Tie letzten Kongreßtage brachten einen Vortrag Kurt Blumenfelds über „Ter Zionismus und die jüdische Gegenwart". Was vorher an zionistischer Ideologie dem Hörer auf dem. Kongreß vorgetragen wurde, war erschreckend durstig und abgeklappert. Bis zum Ueberdruß hörten wir seit einem Dutzend Jahren, daß Herzl das „aus tausend Wunden blutende jüdische Volk erlöst habe" und ähnliche sinnlose Redensarten mehr. Als ob sich die Lage der Juden in der Welt feit Herzls Auftreten irgendwo merklich verbessert habe, als ob überhaupt diese so oft zu hörende „Feststellung" in diesem Ausmaße zuträfe! Eigenartig, ja fast komisch wirkte die in den programmatischen Reden des Kongresses so oft vernehmbare stolze Genugtuung, diese oder jene Nichtjuden hätten das Aufbauwerk lobend anerkannt. Woher mit einem Male der Wunsch und die Freude, von Nichtjuden gefeiert zu werden? Wenn der E. V. mit weit größerer Berechtigung sich gelegentlich auf Zeugnisse nichtjüdischer Volksgenossen berief, war das Wort von „assimilatorischer Würdelosigkeit" früher schnell zur Hand. Von maßgebender zionistischer Seite wurde auch wieder in geistvoller Ausführlichkeit behauptet, die Schaffung des jüdischen Volkes und seiner Heimat werde den Judenhaß abtöten, die „Welt von der Judennot erlösen und sie vom. Vampir des Judenhasses entlasten". Wieviel Jrrtümer, wieviel Unrichtigkeiten!! * Da waren denn doch Blumenfelds Ausführungen etwas Erfrischendes und Wichtiges, so vieles auch davon energisch abzulehnen ist. Aber wie bezeichnend: Blumenfeld hatte nicht das Ohr des Kongreffes. Warum? Ein ostjüdischer Delegierter äußerte laut im Speiseraum: „Er hat Deutsch gesprochen. Deutsche Phrasen." Diese unscheinbare Begebenheit beleuchtet so manches. Gewiß soll die Leistung des Zionismus nicht verringert rverden, die darin besteht, daß eine große Zahl Juden aus aller Welt in einem langen und orbeitsreichen Kongreß bis zum letzten Augenblick begeistert und hingebungsvoll zusammengehalken wurde. Eint diese die Liebe zu .Palästina, so trennen sich schon die Wege, wenn es heißt, die Liebe zur- Tat werden zu lassen. So trennen sich die Wege nicht nur aus ökonomischen, religiösen, politischen Gründen, sondern weil bisher kein Zionist in seinem Sein von dem Lande, in dem er geboren ist, loskommt, vielleicht nie loskommen kann und wird. Fast trifft die Behauptung zu, eine jüdische Bölkerbundstagung rollte sich in Basel ab. * Ob der Zionistenkongreß seine Aufgabe, ein Palästina der Sachlichkeit endlich zu schassen, gelöst hat, steht in den Sternen. Wenn so eifrige, mit Liebe durchtränkte Arbeit wie die in Basel geleistete zuschanden werden sollte, müßte man es bedauern; man wird sich aber über einen Mißerfolg nicht wundern können, weil man sieht, wie diel unklare Ecdankengänge und sich widersprechende Wünsche der ganzen Bewegung zugrunde liegen. Dr. Alfred Wiener. Im folgenden nimmt Realschuldirektor I. Seifensieder (Nürnberg) das Schlußwort zu der von chm angeregten Aussprache: Wohin mit den jüdischen Altertümern? Es freut mich, daß mein Artikel über die Sammlung deutsch-jüdischer Altertümer beim'Germanischen Museum in Nr. 25 der „C. V.» Zeitung" drei so beachtenswerte Stimmen ansgelöst hat. Ich wundere mich aber, daß alle drei Einsender die Absicht meiner Ausführungen so völlig verkannt haben, da ich ja mit keiner Silbe die An - g l i e d e r u n g eines jüdischen Museums schlechthin an das Germanische Nationalmuseum empfohlen habe; noch viel weniger habe ich daran gedacht, hier einem gesamtjüdischen Museum den Boden bereiten zu wollen, wie es Herr Kirchstein im Auge zu haben scheint, wenn er auch die von nichtdcutschen Juden geschussenen und ge^ brauchten Gegenstände in einem solchen Museum vereinigen will. Demgemäß nehme ich auch in keiner Weise dazu Stellung, ob dieses „Jüdische Museum" in Berlin oder Frankfurt, in W o r m s oder Mainz Wirklichkeit werden, oder ob in jedem dieser gewiß prädestinierten Orte ein besonderes Museum errichtet werden soll. Ich habe mich in meinen Ausführungen nur gegen die Errichtung von Sammlungen Tn kleinen Städten ausgesprochen, weil ich dies aus verschiedenen Gründen für unzweckmäßig halte. Es entfallen damit alle Schlußfolgerungen, die die Herren Professor Tr. Grotte,. Tr. Laden bürg und Kirchstein an meinen Artikel knüpfen. Dagegen bin ich mit den beiden erstgenannten Herren — und ich habe dies in Nr. 25 klar ausgedrückt — der Meinung, daß es sich empfiehlt, in verschiedenen jüdischen Zentren jüdische A l t e r t ü m e r s am mIu n - gen zu gründen und als besondere Abteilungen den dort bestehenden Museen anzugl.ied er n. In Konsequenz dieser Anschauung bin ich auch jetzt'wieder, wie ich bereits vor 15 Jahren unter der Zustimmung der besten jüdische« Männer Deutschlands getan habe, für eine Sammlung deutschjüdischer Altertümer beim Germanischen Museum eingetreten, und ich werde dies auch ferner tun, damit diese Lücke geschlossen werde. Tie Notwendigkeit dieser jüdischen Abteilung tritt um so eindringlicher vor Augen, wenn wir uns der Worte erinnern, mit denen seinerzeit die Leitung des Germanischen Nationalmuseums diese Absicht begrüßt hatte, indem sie darauf hinwics, „daß die einzelnen Kreise, Stände und Berufe unseres Volkes hier Mitarbeiten, für ihre Vertretung im Natinmlmuseuur selbst mitsorgen sollen." Man beachte den Wortlaut genau! Wir sollen für unsere Vertretung im Nationalmuseumselb st mitsorgen! Ich glaube, keine andere Gemeinschaft hätte sich diesem Appell vcrschlosien, bci uns Juden, aber fand er taube Ohren. Und am 26. Oktober 1918 wiederum, als ich die paar hundert- Mark, die für die Zwecke der Sammlung einaelaufen waren, der Leitung des Ntuseums zur Verfügung gestellt haÄe, schrieb mir der erste Direktor, Geheimrat Tr. v. Bezold: „Das Kapüal werden wir in Ihrem Sinne verwenden, hoffend, daß es m leneren Zeiten anwachse nnd so erstarke, daß es den Zweck, für den cs gestiftet wurde, erfüllen kaum" Wiederholt hat sich Tann das Museum, wenn ein besonders schönes Stück zu kaufen war, mit der Bitte an mich gewendet, den Kauf zu ernwg'ichem aber nur ein einziges Mal konnte ich durch das Entgegenkommen eines Fürther Kunstfreundes die Erwerbung eines solchen Stückes möglich machem Die Angliederung einer Sammlung deutschjüdischer Altertümer an das Germanische Museum ist also eine Notwendigkeit und eine Ehrenpflicht der deutschen- Juden, um auch äußerlich unsere Verbundenheit mit dom Volksganzen und unseren Anteil am deutschen Kulturkreis vor Augen zu führen. Es kann sich aber dabei mir um solche Altertümer .handeln, die die Geschichte der Inden auf d e u t s ch e m Boden aleichsam illustrieren, - während andere Stücke, mögen sie in ihrer Art noch so schön und wertvoll sein, wenn sie nicht! in den Nahmen dieses einheitlichen Grundprinzips lassen, wohl für ein allgemein-jüdisches Museum, aber nicht für unsere Nürnberger Sammlung in Betracht kommen. Tie tönerne Astartefigur z. B., die ein wertvolles Stück der Kunstsinnmlung der Jüdischen Gemeinde Tlebertraqen S i e I h r e V e r sicberungen d e r - Arsp ru n g 1835- — Ursprung 18 7 5 - Auskunft erteilen die Karlsruher Lebensversicherungsbank A.-G., Karlsruhe r. B., und ihre Vertreter«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.